Wie sehr Verwaltung und Gesellschaft in der Pandemie unter Druck stehen, lässt sich an der Situation der Personen ablesen, die an Corona erkrankt sind. Wir haben mit einer Familie gesprochen, in der beide Eltern betroffen sind. Während sich die Symptome verschlimmern, vergehen Tage bis zum Test. Und wer betreut die Kinder wenn ein Krankenhausaufenthalt ansteht? Das ist nur eine von vielen schwierigen Fragen.

„Nachdem wir Krankheitssymptome hatten, haben wir uns zunächst selbst in Quarantäne begeben”, sagt die Mutter. Bis zum Test dauert es trotz zügiger Meldung beim Hausarzt dann noch fünf Tage. Das Testzentrum hatte zunächst keine freien Kapazitäten, dazwischen lag auch noch das Wochenende.

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Immerhin steht das Ergebnis schon nach acht Stunden fest: Mutter und Vater positiv. „Ein Glück, dass wir uns aus eigener Verantwortung schon vorher zurückgezogen haben – wen hätten wir sonst alles anstecken können“, fragt sich die Mutter.

Wer betreut die Kinder?

Warum hat der Hausarzt den Test nicht gemacht? Laut Info des Arztes „hätten wir dort wesentlich länger auf das Ergebnis warten müssen“, schildern die beiden Eltern. Der Arzt betreut die beiden dennoch intensiv per Telefon, gibt das Testergebnis rasch weiter. Aber helfen kann auch er nicht, es gibt derzeit keine Therapie.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Wer betreut die (gesunden) Kinder, sollten die Eltern ins Krankenhaus eingewiesen werden? Auch das muss geklärt werden – aber mit wem?

Die Corona-Hotline des Gesundheitsamtes ist zwar schnell erreicht, jedoch mit einer überraschenden Erkenntnis: Die Verwaltung ist über die beiden positiven Covid 19-Fälle noch gar nicht informiert. Man verspricht einen Rückruf des Gesundheitsamtes, um das Organisatorische zu klären.

Lernen in Quarantäne

Unterdessen organisieren die Eltern den Distanzunterricht für die Kids. Internet-affine Lehrer und Klassenkameraden helfen, wo sie können. Manche Aufgaben kommen per Mail, andere werden kopiert vor die Türe gelegt. Am Gymnasium können per Videokonferenz Gruppen besucht werden, um ein wenig am Ball zu bleiben.

„Richtig unangenehm sind jedoch die Aufforderungen in schulischen WhatsApp-Gruppen geworden, die Namen der Kinder aus dem infizierten Haushalt zu nennen“, schildert die Mutter.

Obwohl es keine Kontakte mit Schulkameraden gab (die Infektion erfolgte in den Herbstferien), lassen sich einige Eltern nicht beruhigen, fordern Offenlegung und einen Brief der Schule. „Das schlaucht zusätzlich”, seufzt die Mutter, die gemeinsam mit ihrer Familie schon genug Sorgen hat.

Schüler in Quarantäne, wie jene in der geschilderten Familie, sind auf Distanzlernen angewiesen (Symbolbild von Steven Weirather auf Pixabay)

Warten auf das Gesundheitsamt

Wie geht es weiter? Der versprochene Rückruf des Gesundheitsamtes steht seit zwei Tagen aus. Wie die Kinder im Falle eines Krankenhausaufenthaltes betreut werden können, ist immer noch offen. Das belastet.

Auch die Frage, wie lange die Quarantäne denn nun gilt, ist noch ungeklärt: Ab Ansteckung, die sich gut eingrenzen lässt? Ab selbst gewähler Quarantäne? Oder ab Bekanntgabe des Testergebnisses?

Immerhin: „Es gibt viele Hilfsangebote von Freunden und aus der Familie. Der Kühlschrank ist voll“, sagt die Mutter im Telefongespräch. Ein kleiner Trost angesichts eines überlasteten Gesundheitssystems.

Aufmacherbild von Tumisu auf Pixabay

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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3 Kommentare

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  1. Es wäre ein Unterrichtskonzept wünschenswert bei dem live Unterricht stattfindet, der aber auch online übertragen wird, und von den Schülern, die es möchten, zu Hause genutzt werden kann. Damit würde man schon die Anzahl der Kontaktpersonen dezimieren – und es wäre ein tragfähiges Lernkonzept, auch wenn Corona andauert und (zunächst) kein Impfstoff gefunden wird. Das ist in vielen Ländern dieser Welt seit Jahren möglich – dafür ist aber zwingend die Bereitschaft erforderlich, sich aus der Komfortzone zu bewegen.

  2. Muszynska Kranz sagen was nicht geht ist das eine, aber dann müsste ein Vorschlag kommen was ginge. Das würde uns weiter bringen, so nutzt es uns aber auch gar nichts

  3. Wir sind der Meinung dass Schule sehr wichtig ist für Kinder jedoch fast alles zu schließen und Schulen ofen zu lassen ist Humbug da Kinder sich nicht zu 100 % an Regeln halten es sind Kinder …in 21 jahundert mit der Technik müsste online Unterricht machbar sein so könnte man ein lokdown für zwei drei Wochen aussprechen mit Vorgabe welche Geschäfte wann geöffnet sind… eventuell sogar extra Zeiten für ältere Menschen einrichten um eine Distanz zu den jüngeren zu schaffen … Masken und Handschuhe Pflicht ( Handschuhe da Kinder alles anfassen und an Mund gehen ) dann hätten wir vielleicht eine Chance so wird es im Dezember warscheinli noch schlimmer