Das Unternehmen Lüttgen geht auf eine Wagenschmiede zurück und gehörte zu den allerersten Ford-Händlern in Deutschland – und jetzt wickelt es sich selbst ab. Die Pandemie trug einen Teil dazu bei, die eigentlich Ursache ist aber ein grundlegender Wandel – den auch viele andere (Auto-)Händler nicht überleben werden.

Der Neuwagen-Platz an der Odenthaler Straße hat sich bereits geleert, erste Mitarbeiter sind bereits in andere Stellen vermittelt worden: Schritt für Schritt wird das traditionsreiche Autohaus Lüttgen abgewickelt. „Im letzten Jahr ist so viel passiert, was genau unser Geschäftsmodell getroffen hat – da blieb uns keine andere Wahl“, begründet Geschäftsführer Markus Lüttgen die Schließung.

Vordergründig ist das Autohaus ein Opfer der Corona-Pandemie. Im ersten Lockdown wurde so gut wie nichts verkauft, und auch danach hielten sich die in der Dieseldebatte ohnhin verunsicherten Kunden weiter stark zurück.

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Hinzu, berichtet Lüttgen im Gespräch, kamen kleine, aber folgenschwere Erschwernisse im Geschäftsalltag: weil das Straßenverkehrsamt über Wochen hinweg geschlossen war konnte er keine Neufahrzeuge anmelden; die Finanzierungskosten schossen in die Höhe.

Markus Lüttgen. Foto: Archiv

Um rund 20 Prozent sei der Automarkt in Deutschland 2020 eingebrochen, der Absatz von Fords sogar um 32 Prozent. Mehr, als ein mittelgroßer Händler, der so aufgestellt ist wie Lüttgen, auf Dauer verkraften kann.

Das gehe aber nur zum Teil auf Corona zurück, die Ursachen liegen fiel tiefer, sagt Markus Lüttgen: „Mit der Pandemie ist das einfach alles nur schneller gekommen“, für eine Neuausrichtung blieb keine Zeit mehr.

Genau das bestätigt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management an der FHDW Bergisch Gladbach – und verweist auf die zunehmende Digitalisierung und den wachsenden Online-Handel. Hinzu komme, dass die Autohersteller ihre Produkte immer stärker selbst vertreiben. Und dann werde der Elektromotor auch noch das lukrative Werkstattgeschäft zerstören.

Ein Drittel der Autohändler verschwindet

Die Folge: Ein Drittel der Autohändler werde bis 2030 vom Markt verschwinden, sagt Bratzel voraus. Zuerst betroffen seien Unternehmen, die ohnehin am Rande der Profitabilität gearbeitet hatten und die in preiswerten Segmenten unterwegs sind – wozu die Marke Ford gehöre. Oder Renault und Dacia: auch das Autohaus Gothe an der Jakobstaße ist bereits seit einiger Zeit zu.

Überleben könnten nur gut geführte große Händlergruppen, urteilt Bratzel. Das weiß auch Markus Lüttgen schon lange. Er hatte zunächst auf große Gewerbekunden gesetzt, vor zwei Jahren noch einmal groß investiert. Doch dieses Flottengeschäft wirft nur wenig Gewinn ab, sehr große Stückzahlen sind notwendig.

Daher hatte sich das Autohaus auf die Suche nach kapitalkräftigen Kooperationspartnern gemacht – doch mit der Pandemie waren auch diese Gespräche beendet.

Nach und nach habe er den Optimismus verloren, sagt Markus Lüttgen. Um zu vermeiden, dass er irgendwann einen Vertrag mit einem Kunden oder Mitarbeiter nicht mehr erfüllen könne, habe er die Reißleine gezogen.

Jetzt wickele er das Geschäft ordentlich ab, vermittelt die Kunden und vor allem möglichst viele der 45 Mitarbeiter weiter. Die ersten Monteure aus der Werkstatt haben bereits einen neuen Job, beim kaufmännischen Personal werde es etwas schwieriger.

Und seine persönliche Zukunft? „Keine Ahnung“, sagt der 52-jährige Unternehmer, „aber das hat jetzt auch keine Priorität, da wird sich schon eine Tür auftun.“

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Der Trend aktuell besteht aus Restauration und Leistung. Der Benziner, Sauger, Turbo, ist noch sehr gefragt, die Jüngere Generation möchte das ausleben. Ich habe mir gerade einen Focus ST MK3 gekauft, weil der das beste Modell war, Obtisch und Fahrerisch. Der MK4 hat mich nicht überzeugt. Motor fühlt sich an wie ein Transporter. Zu viele Assistenten, für einen Sportler . Bin froh, nach langer Suche, und Wissen, das Fahrzeug zu haben. Die letzten Jahre sind jetzt.

  2. Sehr geehrter Herr Witendorf, wenn sie ein Rückgrad hätten, würden sie zur Geschäftsleitung der Firma Kaufland gehen und die ihrer Meinung nach vorliegenden Missstände ansprechen. Nur die Stadtverwaltung anzugreifen halte ich für dumm und frech. Tuen sie doch das, was jeder Bürger machen kann, sprechen sie die Beteiligten an!!

  3. Was nun Kaufland mit Ford Lüttgen zu tun hat, erschließt sich mir nicht, Herr Weitendorf. Haben Sie schon mit der GL von Kaufland gesprochen? Wenn Ihnen da was nicht gefällt, gehen Sie einfach nicht mehr hin. Der letzte Satz, dessen Inhalt man nur vermuten kann, war sicher unüberlegt.

    Wenn Herr Lüttgen die Probleme, die er und andere mit ihren mittelgroßen Geschäfte haben, aufzählt, so fehlt m.E. noch ein gewichtiges. Ford Deutschland ist so abhängig von der amerikanischen Mutter, dass man hiesige Ideen und Designs nicht durchsetzen kann. Der amerikanische Geschmack unterscheidet sich nun mal erheblich vom mitteleuropäischen, wie das auch Opel zu spüren bekommt. Die deutschen Modelle von Ford sind bieder, wenig innovativ und nicht preiswert. Sie zu verkaufen muss schwierig sein, zumal das Autohaus Lüttgen sich in keiner exponierten Lage befindet, was ebenfalls zu weniger Umsatz führen kann.

  4. Liebe Mitbürger
    Ich verstehe nicht das in ganz Bergisch Gladbach die Corona Regeln beachtet und stark kontrolliert werden , nur im Kaufland interessiert das kein Ordnungsamt und kein Gesundheitsamt. Da hängt ein DinA4 Blatt was Ein- und Ausgang trennt , was keinen interessiert und nach 2 Tagen runter gefallen ist . Da sind 10 Kassen nebeneinander geöffnet , an den sich Schlangen bilden mit 25 cm Abstand und keine Behörde greift ein. (…)

    Hinweis der Redaktion: Sehr geehrte Herr Weitendorf, wenn Sie Hinweis für Korruption in der städtischen Verwaltung haben, dann wenden Sie sich bitte an die Polizei oder an uns. Faktenbehauptungen ohne Belege lassen wir bei so einem Thema nicht zu, Ihren Kommentar haben wir daher um den letzten Satz gekürzt.