Das Kardinal-Schulte-Haus beherbergt die Thomas-Morus-Akademie und dient als Tagungshotel des Erzbistums Köln. Foto: Thomas Merkenich

Nicht nur die Hotels und Restaurants sind geschlossen, auch die großen Tagungshäuser leiden unter dem Corona-Lockdown. Das Kardinal-Schulte-Haus in Bensberg hat sich daher für seine 158 Zimmer eine neue Nutzung überlegt: Wer in Ruhe arbeiten will, kann sie als Büro auf Zeit mieten. Das hat allerdings seinen Preis.

Das Gastronomie- und Hotelgewerbe trifft der Lockdown hart. Davon ausgenommen ist auch das Kardinal-Schulte-Haus in Bensberg nicht. Seit vergangenem März müssen immer wieder langfristig geplante Kongresse, kirchliche Großveranstaltungen, Wochenendseminare und Kurse in dem Tagungshaus des Erzbistums abgesagt werden.

+ Anzeige +

Nach einem kurzen „Zwischenhoch“ in Sommer und Herbst, als die Corona-Regeln vorübergehend gelockert wurden, kleinere Zusammenkünfte wieder möglich wurden und Geschäftsreisende unterwegs waren, stehen nun erneut viele Zimmer leer. Denn die Beherbergung von Gästen ist zurzeit – bis auf wenige Ausnahmen – wieder strikt untersagt; die üblichen Besuchergruppen werden daher bis auf Weiteres erst einmal nicht kommen.

„Ruhige Arbeitsplätze auf Zeit – alles inklusiv“

Aus der Not eine Tugend machen – das will Stefan Uhlmann, seit Juni 2019 Geschäftsführer des Bensberger Kardinal-Schulte-Hauses. Bereits im vergangenen Sommer, als nach dem ersten Lockdown gerade wieder das Tagungs- und Übernachtungsgeschäft angelaufen, eine volle Auslastung der Räume aber nicht zu erwarten war, entwickelte er die Idee, nebenbei die 44 Einzel- und 114 Doppelzimmer vorübergehend als Büros anzubieten, als „Arbeitsplätze auf Zeit“.

„Alle Zimmer befinden sich in ruhiger Lage – die meisten mit einem Ausblick ins Bergische Land – und sind täglich zwischen 7 und 22 Uhr nutzbar. Ideal fürs Homeoffice, wenn man in den eigenen vier Wänden nicht die nötige Konzentration zum ungestörten Arbeiten oder für lange Videokonferenzen findet“, argumentiert der 44-jährige Hotelkaufmann.

Von der Terasse des Kardinal-Schulte-Haus bietet sich ein weiter Blick über die Kölner Bucht

Nur übernachten darf man nicht im Hotel

Auch Studenten seien herzlich willkommen, die einmal aus ihrer WG aussteigen wollten, weil es nach Monaten des Homestudying mal eine Abwechslung sein müsse oder ihnen in der zwölf Quadrat-Meter-Bude Tür an Tür mit den Mitbewohnern inzwischen die Decke auf den Kopf falle.

Noch hält sich der Run auf das von Uhlmann entwickelte Arbeitsmodell in gepflegtem Ambiente auf der Bensberger Anhöhe in Grenzen. Das mag auch an den Mietkosten liegen, die für einen halben Tag immerhin bei 35 Euro, für einen ganzen Tag bei 49 Euro und für eine Arbeitswoche mit fünf Werktagen bei 190 Euro liegen. Die Nutzung von WLAN, einem kostenfreien Parkplatz und des zum Zimmer gehörenden Badezimmers sind eingeschlossen.

Eine Buchung ist nur telefonisch unter 02204-4080 möglich.

Auch die Endreinigung sowie eine Flasche Mineralwasser und eine Thermoskanne Kaffee oder Tee sind bei diesem Paket mit dabei. Und wer mehr Service wünscht, kann ihn sich gegen einen überschaubaren Aufpreis dazu buchen: beispielsweise ein kleines Frühstück zum besseren Start in den Tag.

Wie sonst auch soll sich jeder Gast – soweit unter den gegebenen Umständen möglich – wohlfühlen und seinen Aufenthalt genießen. Nur Übernachten – außer für Geschäftsreisende – geht eben nicht.

Die lokalen Nachrichten schicken wir Ihnen frei Haus, morgens um 7 mit dem kostenlosen Newsletter „Der Tag in GL“. Auch auf auf Facebook und Instagram.

Das Angebot richte sich vor allem an Angestellte großer Firmen, in deren Großraumbüros es bei Berücksichtigung der Corona-Abstandsregeln schon mal schnell ein bisschen eng werden könne, erklärt der Geschäftsführer des bistumseigenen Tagungshauses.

„Natürlich muss auch ein solches Konzept preislich kalkuliert werden, aber es ist eine von vielen Ideen, unser Haus grundsätzlich auch für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und es mehr noch in der Region zu etablieren“, betont Uhlmann.

Kardinal-Schulte-Haus will näher an die Einheimischen rücken

Ihm sei es wichtig, „dass unser Haus näher an die Einheimischen rückt“, sagt der Geschäftsführer, der schon Hotelbetriebe in ganz Deutschland geführt hatte und nun manche Erfahrung auf Bensberg übertragen will. Bislang sei das KSH angesichts seiner Möglichkeiten doch eher „unterm Radar“ gelaufen, meint er.

Der gelernte Hotelbetriebswirt geht nicht davon aus, dass nach Corona alles so weiterlaufen kann wie vorher. „Wir müssen die touristische Anziehungskraft des Hauses steigern und es breiter aufstellen. Denn grundsätzlich hat das KSH viel Potenzial, das noch nicht voll ausgeschöpft wurde.“

Uhlmann sieht „noch ein paar Felder, die bislang nicht bestellt wurden“ und will neue Akzente setzen – gerade auch als „Haus der Kirche“ – und mehr noch die geistliche Kultur, die hier gelebt wird, in den Vordergrund stellen.

Biergarten war ein großer Renner

Auch die Idee, auf der breiten Aussichtsterrasse mit einem Panoramablick bis nach Köln vorübergehend einen Biergarten zu eröffnen, gehört zu diesem zusätzlichen Profilgewinn, den der Hotelfachmann weiter vorantreiben will.

Mut wird belohnt. Das hat sich im letzten Sommer gezeigt. Der Ansturm beim „Projekt Biergarten“ war jedenfalls so groß, dass das Personal kaum hinterherkam. Überraschend viele Ausflügler aus Nah und Fern, aber auch viele Ortsansässige fühlten sich von der Top-Lage und dem neuen, wenn auch zunächst bescheidenen Gastronomieangebot angezogen.

Im Sommer war die Terrasse als Biergarten genutzt worden. Mehr Infos zu den Skulpturen finden Sie im Beitrag von Evelyn Barth, siehe grauer Kasten oben.

Mitunter gab es für die große Nachfrage nicht genug Tische und Sonnenschirme, die in der Zeit von Mai bis Ende August mit großem Abstand zueinander auf dem Aussichtsplateau aufgestellt worden waren. Auch das Winterangebot, ab November Gänsebraten frei Haus zu liefern, übertraf alle Erwartungen der Geschäftsführung.

Braten mit Beilage

„Wir haben einfach mal etwas ausprobiert. Schließlich war der Lockdown für uns alle neu; es gab keine Erfahrungen und auch keine Vergleiche. Dann ist es immer auch ein Risiko, wenn man etwas Neues und bisher Unvertrautes anstößt wie jetzt die Tagesvermietung unserer Zimmer, aber es kann eben auch funktionieren.“

Wenn der Hotelbetrieb pandemiebedingt eben nicht mehr floriere, müsse man Phantasie entwickeln und auf andere Weise punkten.

Die Ideen gehen Uhlmann nicht aus. Mit einem neuen kulinarischen Angebot „to go“ – zwei verschiedene Braten mit Beilagen – soll das historische Tagungshaus bei den Bensbergern weiterhin im Gespräch bleiben.

+ Eine Anzeige in eigner Sache +

Außerdem wird es auch zukünftig, sobald alle Beschränkungen wieder aufgehoben werden, die Arrangements für Kurz- und Wochenendurlauber geben – ergänzt um das Angebot geführter Wanderungen durchs Bergische Land für Kleingruppen. Auch hier will Uhlmann innerhalb der Mitbewerber in der Stadt einen Fuß in die Tür bekommen.

Und sobald wieder möglich, soll auch die Außengastronomie mit einer sorgfältig überlegten Karte kleiner Speisen, die eher das Besondere sein sollen, aber ohne Einsatz der Großküche auch machbar sein müssen, wiedereröffnet werden. „Irgendwann im Frühling“, hofft Stefan Uhlmann. „Da bin ich ganz zuversichtlich.“

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

2 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Dem kann ich nur beipflichten – aufgrund der hohen Liefergebühren entschieden wir uns gegen diese und holten die Gans selbstständig ab. Der Ablauf war gut gelöst (sowohl das Abholen als auch das Zurückbringen der Transportbox). Das Essen war fantastisch.

  2. Hier wird aber nicht erwähnt, dass das KSH für die Lieferung der kulinarischen to go Angebote laut Fleyer sage und schreibe 30 Euro verlangt. Wie Herr Uhlmann ja sagte; man muss Phantasie entwickeln.