Mit einem Beitrag über die Kita-Betreuung in Corona-Zeiten haben wir eine kontroverse Debatte angestoßen, unter welchen Umständen Kinder derzeit in die Kita gebracht werden sollten – und wer die Lasten aufgebürdet bekommt. Kita-Träger bestätigen, dass einige Kindergärten stark genutzt werden. Warum das so ist und welchen Sinn die aktuellen Regeln machen ist jedoch stark umstritten.

Der Stein des Anstoßes: Statt die Kitas – so wie die Schulen – einfach zu schließen, setzt das Land NRW derzeit auf Appelle an die Eltern, ihre Kinder zuhause statt in der Kita zu betreuen und so die Kontakte im Lockdown zu reduzieren.

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Es gibt kein Betreuungsverbot. Kinder, die dennoch in die Kita kommen, werden lediglich zehn Stunden weniger als vertraglich vorgesehen betreut. Die Elternbeiträge im Januar sind zudem ausgesetzt.

Das Bürgerportal hatte am Wochenende aus einer Kita in der Stadtmitte berichtet. Hier wird der Appell des Landes gut angenommen, die Kita weist eine geringe Gruppenbelegung von 12 bis 25 Prozent auf. In vielen Kitas ist das aber offenbar anders, wie viele Reaktionen unserer LeserInnen zeigen. ErzieherInnen kritisieren Risiken und Überlastungen, einzelne Eltern beklagen inflexible Regelungen, die es gerade den Leuten das Leben zusätzlich erschwert, die in der Krise besonders stark gebraucht werden.

Wir fassen die Debatte zusammen und haben bei den zuständigen Stellen nachgefragt.

Erzieher:innen

Probleme und Forderungen im Überblick:
– Klarere Regeln durch die Politik
– Eltern übergehen Appelle, die Kinder zuhause zu betreuen
– Tagespflege ist überfüllt, zulasten der eigenen Kinder der Tagesmütter
– Stundenkontingent in der Tagespflege darf nicht gekürzt werden

Die Leserin S.R. schreibt ihre Meinung auf der Webseite des Bürgerportals. Ihr oder ihm fehlen klare Regeln seitens der Politik: „Viele Gruppen in den Kitas sind mehr als zur Hälfte besetzt. Ob der Bedarf wirklich vorhanden ist, wird nicht hinterfragt.“ Dass die Schulen geschlossen, die Kitas indes geöffnet seien, wird für einen Widerspruch gehalten der dazu führe, dass immer weniger Menschen Verständnis für die Corona-Regeln hätten.

Hinweis der Redaktion: Wir haben alle Namen anonymisiert.

Mike berichtet über die Kita seiner Ehefrau: Dort würden sogar Kinder betreut deren Mütter sich im „Mutterjahr“ befinden würden. Da er selbst schwer erkrankt ist befürchtet er eine Ansteckung mit dem Corona-Virus über seine Gattin.

Die Kinder, welche in dieser Einrichtung ihren Tag verbringen, halten sich in den Gruppen auf

Britta W. schreibt von einer über 50prozentigen Belegung ihrer Kita. „Der Appell (der Politik, die Red.) verhallt ungehört, obwohl Eltern in Erziehungsurlaub zu Hause sind“, so ihre Einschätzung. Man wolle nicht dass ihr Kind etwas verpasse, oder es sei anstrengend das Kind ständig zuhause zu haben, führt sie als Aussagen von Eltern an, die ihr Kind in die Kita bringen. Sie „… fühlt sich ausgeliefert ungeschützt und allein gelassen.“

Anna L. appelliert an die Politik: „Eine klare Formulierung wäre gut und sinnvoll gewesen.“ Die Kita würde immer voller und voller, während ihre eigenen Kinder zuhause alleine im Home Schooling sitzen würden.

Melanie findet klare Worte: „Den Eltern ist die Empfehlung schlichtweg (…) egal, und wir wissen genau welche Eltern wirklich systemrelevant sind. Aber das kontrolliert überhaupt keiner.“

Eine stellvertretende Kita-Leiterin berichtet: „Auch hier in unserer kleinen Kita haben wir 90 Prozent Auslastung. Der Appell an die Eltern, ihre Kinder wenn möglich zu Hause zu betreuen, wird völlig ignoriert. Selbst Mütter, die im Erziehungsjahr sind, bringen die älteren Geschwister in die Kita.“ Selbst Kinder mit Erkältungssymptomen würden zur Kita gebracht.

Astrid D. schildert, dass sie als Tagesmutter zusammen mit einer Kollegin derzeit sieben Kinder betreue, ihre Großtagespflege biete Platz für neun Kinder. Das eigene Kind müsse demnächst in die Notbetreuung der Grundschule, damit sie und ihr Mann pünktlich zum frühen Arbeitsbeginn bereitstehen würden.

Daniela D. moniert, dass sie keine zusätzlichen Krankentage durch den Hausarzt bescheinigt erhalte, da die Kitas „ja offen“ seien. Als Tagesmutter dürfe sie die Verträge jedoch nicht um 10 Stunden kürzen, so dass sie 45 Stunden arbeiten müsse, ihre eigenen Kinder aber nur 35 Stunden in die Kita geben könne.

Eltern

Probleme und Forderungen im Überblick:
– Mehrfachbelastung der Eltern durch Home Office, Home Schooling und Kinderbetreuung während der eigentlichen Kita-Zeit
– Mehr Flexibilität bei Kitas wenn es um Planung der Betreuungszeiten geht
– Erlass der Kita-Gebühren auch für jene, die ihr Kind in die Kita schicken
– Unflexible Arbeitgeber, da Kitas als „offen“ gelten

„Gestresste Eltern, gestresste Kinder“, schreibt Lena M. in einem Kommentar und verweist auf die vielen Aufgaben, die Eltern derzeit zu stemmen hätten. Viele Eltern befänden sich am Rande der Überlastung, würden versuchen sowohl Home Office, Betreuung der Kinder als auch Home Schooling unter einen Hut zu bringen. Arbeitgeber hätten wenig Verständnis für die Situation.

Lisa und ihr Mann arbeiten beide in systemrelevanten Berufen. Vor Weihnachten sei die Kita-Belegung überschaubar gewesen. „Seit Montag ist es die totale Katastrophe“, so ihre Einschätzung. Die Kita sei nicht bereit den benötigten Betreuungsumfang flexibel auf wenige Tage zu konzentrieren.

Familie D. ist ebenfalls in systemrelevanten Berufen aktiv und bei Notfällen nicht immer abkömmlich, um pünktlich in der Kita zur Abholung zu erscheinen. Ein Antrag auf Aufstockung der Betreuungszeit sei bislang nicht beantwortet worden.

Redaktionshinweis: Bei der Zusammenfassung der Kommentare und Meinungen konnten nicht all jene, die der Redaktion geschrieben oder öffentlich kommentiert haben, berücksichtigt werden. Die Zitate bilden den Kern der Aussagen von Erzieher:innen und Eltern ab. Die Facebook-Debatte finden Sie hier, die zahlreichen Kommentare zum ersten Beitrag können Sie hier nachlesen.

„Dumm dran sind die Eltern, die verantwortungsvoll ihre Kinder zu Hause lassen. Die anderen Eltern schicken nämlich ihre Kinder in die Kita, obwohl die Mütter nicht arbeiten gehen“, schreibt Stephanie W.. Sie plädiert dafür, die Erstattung der Kita-Gebühren nur jenen zu gewähren, die ihr Kind zuhause halten. Und schlägt vor, dass Erzieher:innen bei der Impfung aufgrund des erhöhten Risikos bevorzugt werden.

Eine Mutter schreibt an die Redaktion: „Die Eltern benötigen die Plätze genau wie vorher. Denn wenn sie nach Home Office in ihrem Job fragen, heißt es…. Wieso? Die Kitas sind doch offen.“

Das sagen die Kita-Träger

Die hohen Belegungszahlen werden durch die Kita-Träger bestätigt, wenn denn konkrete Zahlen genannt werden.

Das DRK gibt für seine beiden Kitas in Bergisch Gladbach eine Belegung von knapp 71 bzw. 42 Prozent an. Es kämen jedoch nicht an allen Tagen sämtliche Kinder.

Die AWO berichetet, dass die Einrichtungen von Woche zu Woche stärker frequentiert würden. In der ersten Kalenderwoche im Schnitt 30 Prozent und in der vergangenen Woche im Schnitt 40 Prozent. „Tendenz steigend“, heißt es dort.

Die Akzeptanz des Appells aus der Politik sei unterschiedlich, sagt eine AWO-Sprecherin. Manche Eltern im Home Office würden sich daran halten, andere würden dem Aufruf bewusst nicht folgen. Eine dritte Gruppe sei auf die Kita angewiesen, weil sie keine andere Betreuungsmöglichkeit habe.

Die Katholische Kirche will konkrete Zahlen nachliefern. Sie verweist auf die durchschnittliche Belegung in den Kitas in Höhe von 35 Prozent für ganz NRW (2. Kalenderwoche 2021). Eine Stellungnahme der Evangelischen Kirche steht aus.

Leere Gänge, wo sonst die Kita-Kids durcheinanderwuseln

Die Probleme in den Kitas

Das DRK sieht in den aktuellen Regeln vor allem Probleme für die Kinder. Diese könnten nicht nachvollziehen, wenn sie aufgrund der erforderlichen, starren Gruppenkonzepte ihre Freund:innen aus anderen Kita-Gruppen nicht kontaktieren dürften. Schwierig sei auch, mit Kindern in Kontakt zu bleiben, die die Kita nicht besuchten. Hierzu habe man konkrete Teilhabekonzepte entwickelt, wie z.B. digitale Vorlesestunden oder Bastelsets und Päckchen zum Abholen.

Kritik gibt es an den „weichen“ Regeln des Ministeriums. Klare Vorgaben hätten ein hohes Maß an Unsicherheit bei den Familien und den Beschäftigten verringert, aber auch das eigenverantwortliche Handeln der Eltern eingeschränkt, macht das DRK deutlich.

Die lokalen Nachrichten, kompakt auf den Punkt, schicken wir Ihnen frei Haus. Morgens um 7:05 per Mail im kostenlosen Newsletter „Der Tag in GL“, oder auf Facebook oder Instagram.

Die AWO-Erzieher:innen würden freiwillig ihre privaten Kontakte reduzieren, damit sie die Kinderbetreuung gewährleisten könnten, heißt es bei dem Träger. „Schwierig ist die Situation, wenn Kinder mit Krankheitssymptomen in die Einrichtung gebracht werden und
wiederholt erklärt werden muss, welche Verfahren hier zum Schutz aller Beteiligten eingehalten werden müssen.“

Deutlich mehr hätte sich die Arbeiterwohlfahrt bei den Tests für Erzieher:innen gewünscht. Mit sechs kostenfreien Tests bis Ende März sei nur ein Test alle zwei Wochen seit Jahresbeginn möglich: „Wünschenswert wäre es, jede Woche zu testen, sodass vor den Dienstantritten nach den Wochenenden immer ein Schnelltest gemacht werden könnte.“

Die Katholische Kirche sorgt sich um den Schutz der Erzieher:innen, da in den Kitas ein Arbeiten auf Distanz nicht möglich sei. Hierzu stehen man im Kontakt mit den Einrichtungen vor Ort zur Beratung und Unterstützung sowie Umsetzung lokaler Maßnahmen.

Im Gegensatz zum DRK begrüßt die Katholische Kirche die Vorgaben aus der Politik: „Unsere Sorge gilt aber insbesondere auch den Kindern, für die ihre Kita Fürsorge, Halt und Stabilität bedeutet. Hier unterstützen wir ausdrücklich die Maßnahmen des Gesetzgebers, der für diese Kinder eine Betreuung im bisherigen Umfang ermöglicht hat.“ Man wolle sich der besonderen Verantwortung für diese Kinder stellen, heißt es.

Über Details zu den Regelungen in den Kitas unter ihrer Trägerschaft informiert die Katholische Kirche im Internet, siehe Punkt „Kindertageseinrichtungen“. Auch zu diesem Punkt hat das Bürgerportal bei der Evangelischen Kirche als Kita-Träger angefragt.

Was sagt das Familien-Ministerium?

„Wenn die Schulen schließen, dann auch die Kitas“: Dieser Forderung kann sich das NRW-Ministerium für Kinder, Familien, Flüchtlinge und Integration nicht anschließen.

Die Landesregierung habe sich bewusst dafür entschieden, dass es keine Notbetreuung wie im Frühjahr gebe, erklärt ein Sprecher auf Anfrage. Alternative wäre ein Betretungsverbot der Kitas mit Notbetreuung bestimmter Berufsgruppen gewesen.

„Diese Regelung, die wir zu Beginn der Pandemie vorgenommen haben, hat zu erheblichen Ungerechtigkeiten und Missgunst zwischen den Eltern geführt. Wir wollen allen Kindern, die Betreuung in der frühkindlichen Bildung benötigen, dieses Angebot auch weiterhin machen“, sagt ein Sprecher in Düsseldorf dem Bürgerportal.

Klarere Regeln sind bis auf weiteres daher nicht zu erwarten: Die Regelung des eingeschränkten Pandemiebetriebes gelte zunächst bis zum 31. Januar.

Und auch die Testung alle zwei Wochen werde beibehalten, macht der Sprecher deutlich. Sie gelte bis Ende März, wie es danach weitergehe, werde zu gegebener Zeit entschieden.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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15 Kommentare

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  1. Ich lese überall die Beschwerden der berufstätigen Eltern, über die Mütter im Mutterjahr, die ihre Kinder trotzdem in die Kitas bringen. Das finde ich nicht richtig, denn nur weil eine Familie die Zeit hat ihr Kind zu betreuen, ist sie noch lange nicht dazu in der Lage. Viele Probleme (vor allem psychische, Sucht oder häusliche Gewalt) stehen den Eltern nicht auf der Stirn geschrieben. Toll, dass die Politik das erkannt hat! Ich wünsche mir, dass die Menschen wieder empatischer und wohlwollend miteinander umgehen. Ich schaue mir meine Oma an, die übrigens gestern, als eine der Ersten ihre Impfung bekommen hat, und stelle mir vor wie schön die Welt doch wäre – wenn alle Menschen diese ehrlichen alten Werte noch hätten, so wie Sie.
    Ich werde alles auf mich nehmen, um diese älteren – in meinen Augen besonders wertvollen Menschen zu schützen.

  2. Vielen Dank für den Beitrag @Christian.

    Bei so manchen Äußerungen von Erzieherinnen und Tagesmüttern die hier geäußert werden wird mir ganz anders. Der Ton der hier von vielen angeschlagen wird ist erschreckend. Ich bin sehr froh das die Erzieherinnen meiner Kita die Kinder und Eltern trotz allen Hürden freundlich empfangen.

  3. Hallo zusammen,

    es sollten alle ein wenig mehr Rücksicht aufeinander nehmen. Sicherlich gibt es eine wenige Eltern, die Ihr Kind in die Kita bringen, damit Sie zuhause Ruhe haben, aber das ist sicherlich nur ein ganz kleiner Teil, wobei hier noch der Einwand aufgeführt werden sollte, dass diese Kinder in der Kita dann bestimmt besser aufgehoben sind.

    Die meisten Eltern werden nachvollziehbare Gründe haben, warum Sie Ihr Kind in den Kindergarten bringen und es geht den Erziehern rein gar nichts an, wie diese Gründe sich nennen.

    Natürlich kann ich auch Erzieher verstehen, die nun Ihre eigenen Kinder zuhause lassen sollen und selbst welche betreuen müssen. Hier ist jedoch der Gesetzgeber verpflichtet die Erzieher bei den Impfungen zu bevorzugen.

    Es ist für alle nicht einfach, daher wäre ich froh wenn die Leute aufhören würden noch lauter über Ihre eigene Situation zu jammern.

    PS: Es gibt natürlich auch Kindergärten, die sich über Kinder freuen. Meine Tochter hat eine Karte aus der Kita bekommen, dass Sie vermisst wird. Daumen hoch Kita Ferrenbergstraße!

  4. Hallo erst mal, mir Platz gleich der Kragen. Das ganze hoffen und bitte um Einsicht ist doch für die Katz.Wir Tagesmütter und Erzieher sind dem allen ausgeliefert.

    Es kann doch nicht sein, daß wir selbst die Kinder nehmen müssen, wo die Eltern zuhause sind. Ich bin Tagesmutter, betreue auch Kinder, wo ein Elternteil Zuhause ist. Es gibt dort keine weiteren Kinder, trotzdem muss ich in vollem Umfang betreuen.

    Ein nettes Schreiben von Herrn Stamp, worin es hieß: Man dürfe ja keine Tage oder Stunden auf eigener Faust kürzen!! Ansonsten wird anteilmäßig das Gehalt gekürzt!! Eine Frechheit, wie mit unserer Gesundheit gespielt wird.

  5. Es ist dahin gestellt, ob Eltern berufstätig sind oder nicht. Kinder brauchen soziale Kontakte! Zudem ist für Eltern ob mit oder ohne Beruf die allgemeine Lage sehr anstrengend und belastend. Nicht ohne Grund steigen die Zahlen der häuslichen Gewalt. Daher ist der Appell, ein sehr umstrittenes Thema. Alleinerziehende werden hierbei völlig außer acht gelassen.

  6. Sich über eine Situation zu beschweren ist nicht jammern! Die Arbeit in einer Kita ist mit der Arbeit auf einer Baustelle nicht zu vergleichen.

    Ich würde mal wetten auf einer Baustelle werden ihre Kunden nicht ihre laufende Nase an ihrer Schulter abputzen, ihre Tränen gegen ihr Gesicht drücken, Freudig auf sie zu rennen und sie umarmen. Sie werden sie auch nicht wickeln müssen, in den Arm nehmen oder anderweitig körperlichen Kontakt herstellen!

    Und Sie haben sicherlich auch eine Maske an wenn sie im Kontakt mit Kunden sind. Den kleinen Kindern ist das nicht zu zumuten. Denn sie verstehen einen dann nicht! Wie benötigen die Mimik der Erwachsenen. Das macht einen wesentlichen Unterschied.

    Wir sind im Kontakt mit vielen Kindern, Nicht nur einem oder zwei oder drei. Somit ist unsere Arbeit die ungeschützteste in Deutschland. Wir sind also im Zweifel auch einer hören Virenlast ausgesetzt, ich betone noch mal: Ohne Maske!

    Oder raten Sie uns Kinder von uns weg zu schieben mit einem eins 1,50 m langen Zollstock um sie auf Abstand zu halten? Natürlich sind wir froh dass wir Arbeit haben. Und wir halten hier in Deutschland gerade den Laden am laufen.

    Damit das weiter passieren kann gilt: Je weniger Kinder z.Z. eine Kita besuchen müssen, desto geringer das Risiko dass die Kita schließen muss! Das ist reine Mathematik.

    Kinder deren Eltern arbeiten und/oder sozial/emotional wirklich nicht in der Lage sind gut für sie zu sorgen Und damit das Kindeswohlgefährdung sollen selbstverständlich ihre Kinder bringen. Mein bisherigen Eindruck ist, dass dies der überwiegende Teil ist.

    Eine Frage habe ich noch: Warum müssen Familien, die ihr Kind jeden Tag bringen, keinen Kita Beitrag mehr bezahlen? Schafft die besser ganz ab, dann wird es gerechter!

  7. Es ist dahin gestellt, ob Eltern berufstätig sind oder nicht. Kinder brauchen soziale Kontakte! Zudem ist für Eltern ob mit oder ohne Beruf die allgemeine Lage sehr anstrengend und belastend. Nicht ohne Grund steigen die Zahlen der häuslichen Gewalt. Daher ist der Appell, ein sehr umstrittenes Thema. Alleinerziehende werden hierbei völlig außer acht gelassen.

  8. Die Kitas müssen offen bleiben, meinetwegen im „Notbetrieb“. Niemand kann arbeiten und Kinder betreuen. Auch wenn es schwerfällt, habe ich Verständnis für Friseure die Ihre Kinder aktuell in die Kita schicken. Während des letzten Schließung musste mein Sohn mit mir auf die Baustellen, dort teilweise aufs Gerüst oder Stunden im Auto warten. Wir haben nicht das „Privileg“ beruflich vom Virus eingeschränkt zu sein, sondern müssen nur mehr arbeiten, weil vieles komplizierter ist. Wir sind nicht systemrelevant und doch kann ich den Bauherren nicht sagen, dass ich jetzt Kinder betreuen muss und sie in eine Baustelle ziehen müssen. Viele sind im Rahmen ihres Berufs aktuell gefahren ausgesetzt, und schränken sich privat massiv ein, da ist es auch Kita-Beschäftigte zumutbar, ihren Job zu machen und private Zurückhaltung zu üben, dass sollte für uns alle gelten. In vielen Ländern gibt es keine Corona-Hilfen, kein Kurzarbeitergeld, keinen Kündigungsschutz, es sollten alle froh sein, arbeiten zu können.
    Wir leben in einer fordernden Zeit, da hilft kein Jammern und keine Zeigefinger.

  9. Hier eine Stimme einer weiteren Mama, deren Tochter gerade eine Ausbildung zur Erzieherin macht: Ich habe Angst um meine Tochter!
    Die Berufsgruppe der Erziehenden gehört nach einer aktuellen Auswertung der AOK zu der, die das HÖCHSTE RISIKO haben, an Covid zu erkranken (siehe
    https://www.aok-bv.de/presse/pressemitteilungen/2020/index_24186.html
    https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/erzieherinnen-und-betreuerinnen-erkranken-am-haeufigsten-an-corona/
    ) – sie tragen also ein sehr hohes Risiko selbst zu erkranken.
    Und nein, ich will nicht die Not der berufstätigen Eltern gegen die akute Bedrohung der Gesundheit von Erzieher*innen ausspielen – aber für mich zählt das Leben und die Gesundheit meiner Tochter!
    Warum appelliert die Politik nur, warum stellt sie keine klaren Regelungen auf?
    Ich hätte hier eine Vermutung: Wenn die Kitas schließen, würden viele der arbeitenden Eltern nicht mehr ihrem Job nachgehen können. Und diesen Verlust von Arbeitskraft wollen Politiker*innen gegenüber der starken Wirtschaftslobby nicht vertreten. Und sollten die Kitas geschlossen werden, müsste das Land hier ebenso Entschädigung zahlen wie für die andere Wirtschaftszweige auch – und dieses Geld spart man sich.
    Erzieher*innen haben keine Lobby. Dass sie ihr Leben aufs Spiel setzen, wird ihnen auch finanziell nicht besonders vergolten. In NRW gehören sie nicht zu den ersten, die geimpft werden. Und wie eine um eine Stunde verkürzte Betreuungszeit das Infektionsrisiko mindert, erschließt sich mir auch nicht.
    Und was manche Eltern anbetrifft: Sie sind auch nur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Und das heißt, die einen nehmen Rücksicht und schränken sich ein, den anderen geht das Ganze am A… vorbei.

  10. Draußen 1 Haushalt Plus 1 Person… in der Kita 10-18 Haushalte in engem Raum. Nicht draußen spazieren. Ist verboten.
    Nur eng an eng.
    Viele Kinder erkältet/ krank…

    Arbeitsschutz!? Bei Infektion/ langfristigen Störungen/ Behinderungen keine Absicherung.
    Eigene Familie zu Haise nicht relevant.
    Erzieher gehen ein Risiko ein für die Wirtschaft und überforderte Eltetn, die mit den eigenen Kindern nicht klar kommen, da diese teils seit dem 3 Lebensmonat fremd betreut werden…

    Risikogruppe: gibt es diese noch?
    Wird jeder da mitgeopfert!?

  11. Hier eine Stimme von einer Mama in Elternzeit mit 11 Monate altem Baby, 4-jährigem Kitakind und einer Tochter aus der ersten Klasse. Noch habe ich alle Kinder zuhause – wie lange ich das so aber noch aushalte, kann ich schwer abschätzen. Und ich sage bewusst „aushalten“, weil es auch ohne Home Office eine riesige Belastung ist. Wie es erst wird, wenn ich bald wieder anfange zu arbeiten, mag ich mir nicht vorstellen. Ein Kitakind und Baby zu beschäftigen, während ich die Erstklässlerin bei ihren Aufgaben und dem Lesenlernen begleite, ist kaum möglich. Irgendwer kommt dabei dauerhaft zu kurz. Ich rede hier nicht davon, dass ich als Mama gerne mal zwei Stunden für mich hätte. Obwohl ich natürlich auch das vermisse, aber die Situationen in den Familien sind teilweise komplex und monatelang über die Belastungsgrenzen zu gehen, zeigt irgendwann seine Spuren. Ich bitte darum, nicht zu pauschalisieren, wenn es darum geht, wer seine Kinder in die Kita schickt und wer nicht.

  12. Eltern nehmen ihr Recht wahr. Sie wurden im letzten Jahr vollkommen im Stich gelassen ohne irgendeine externe Unterstützung, sogar nachbarschaftliche oder familiäre Hilfe sollte ausgeschlossen werden. Dass das kein Zustand ist, haben zumindest einige Entscheidungsträger jetzt erkannt.
    Was das Thema Arbeitsschutz angeht, läuft sicherlich einiges ziemlich schlecht. Da muss nachgebessert werden. Den schwarzen Peter den Eltern zuzuschieben, empfinde ich als sehr ungerecht. Wer sich nicht gesehen oder schlecht behandelt fühlt, dem stehen alle demokratischen Mittel zu, sich Gehör zu verschaffen.
    In unserer Kindergartengruppe sind vier von 20 Kindern, in der Schule sind etwa 10% der Kinder in der Notbetreuung. Offensichtlich gibt es Einrichtungen, da sind es deutlich mehr. Man sollte nicht vergessen, Kindergärten befinden sich nicht im Notbetrieb sondern im eingeschränkten Betrieb, so wie im Sommer letzten Jahres.

  13. „ Die Akzeptanz des Appells aus der Politik sei unterschiedlich, sagt eine AWO-Sprecherin. Manche Eltern im Home Office würden sich daran halten, andere würden dem Aufruf bewusst nicht folgen. Eine dritte Gruppe sei auf die Kita angewiesen, weil sie keine andere Betreuungsmöglichkeit habe.“

    Home Office ist kein Urlaub, sondern Arbeit und betrifft ebenfalls z.T. systemrelevante Berufe. Diese Arbeit ist nicht möglich, wenn gleichzeitig Klein- und Kindergartenkinder betreut werden. Das bitte ich doch zu beachten. Da kann man auch genauso fordern die Kinder mit zur Arbeitsstelle zu nehmen.

    Bei Familien, in denen ein Elternteil zu Hause ist, muss man wohl immer die persönliche Situation berücksichtigen. Die Nöte mancher Familien sind nicht immer direkt ersichtlich.
    Auch wenn es sicher Familien gibt, die den Appell lockerer nehmen, als andere.

  14. Auch in unserer Kita ist die Tendenz derer die ihre Kinder wieder bringen steigend. Eine Auslastung von 45 % haben wir seit zwei Wochen. Ich kann Eltern verstehen die ihre Kinder wirklich bringen müssen.. Und viele gehen auch verantwortungsvoll damit um. Nun kommt das große „Aber“: Die Zahl derer die ignorant ihr Kind bringen, jeden Tag, von Anfang bis Ende obwohl sie zu Hause in Elternzeit sind oder momentan nicht arbeiten, ist auch nicht klein. Gut, sie haben das Recht dazu, also tun Sie es. Was ich aber wirklich nicht verstehen kann ist, dass wir Erzieher für viele Eltern nicht beschützenswert sind. Wir haben starre Gruppenregelungen eingeführt. Die Kinder sollen sich nicht mischen, Geschwister Kinder sind in einer Gruppe, und die Erzieher sollen sich bitte auch aus dem Weg gehen, sofern sie nicht in einer Gruppe zusammen arbeiten. Diesen hohen Arbeitsaufwand haben wir getan damit im Falle einer Infektion nur eine Gruppe geschlossen werden muss und nicht die ganze Kita. Dies tun wir zum Schutze der Familien. Und was machen die? Treffen sich im Anschluss an die Kita bunt gemischt auf dem Spielplatz, Oder nachmittags auf großen Kindergeburtstagen die Privat abgehalten werden, halten nicht Abstand, folgen keinem Appell dies doch bitte nicht zu tun und lächeln uns ins Gesicht mit der Antwort dass uns das nichts angeht. Und das sind auch Menschen die im Gesundheitswesen Arbeiten. Das Image der Kitas: „Die machen das schon!“ ist weit verbeitet, und DAS passiert, wenn es keine klaren Regeln gibt!

  15. Auch ich habe in unserer Kita in Ausnahmefällen beobachtet, dass Kinder in die Betreuung gegeben wurden, obwohl ein Elternteil zu Hause war. Diese Kinder haben laut Aussagen der Eltern angefangen Verhaltensauffälligkeiten wie Depressionen und Verlustängste zu zeigen. Durch den Kontakt mit Gleichaltrigen besserten sich die Beschwerden. Ich möchte darum bitten, hier nicht zu pauschalisieren und zu verurteilen. Man muss den Eltern schon selber überlassen, ob sie die Kinderbetreuung annehmen oder nicht (unabhängig von der Systemrelevanz ihrer Berufe) da sie das Wohl ihrer Kinder wohl am besten im Blick haben. Genau aus diesem Grund wurde in der Verordnung auch von einer starren Regel (zu Recht) abgesehen. Schwarze Schafe gibt es immer, doch sind meist nur in der Minderheit.