In diesem Waldstück an der Autobahn könnte die Feuerwache Süd gebaut werden

Bei der Suche nach einem geeigneten Standort für die neue Feuerwache Süd hat die Verwaltung eine weitere Runde gedreht und sieben neue Vorschläge untersucht. Das Ergebnis stellen Bürgermeister und Feuerwehrchef in einer Bürgerversammlung vor. Schon vorab ist klar, das keine Alternative zum Waldstück an der Frankenforster Straße gefunden wurde.

Am 12. Februar 2020 hatten Feuerwehrchef Jörg Köhler und der damalige Dezernent Frank Stein in einer Bürgerversammlung dargelegt, warum das Grundstück  im Dreieck zwischen Frankenforster Straße, Rather Weg und Autobahn gut für die dringend benötigte Feuerwache Süd sei. Dabei konnten sie viele Vorbehalte entkräften, sammelten aber auch einige Gegenvorschläge zur weiteren Prüfung.

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Jörg Köhler und Frank Stein vor einem Jahr bei der Bürgerversammlung

Ein Woche später beauftragte der Stadtrat die Verwaltung, alle bei der Grundstückssuche bereits verworfenen Grundstücke sowie die sieben in der Bürgerschaft vorgeschlagenen Areale (erneut) zu prüfen.

Knapp ein Jahr später liegt nun das Ergebnis vor: „Nach der Prüfung von nun insgesamt 21 Grundstücken unter intensiver Abwägung aller entscheidungsrelevanter Aspekte ergibt sich aus Sicht der Verwaltung, dass letztlich nur ein Grundstück für den Bau der Feuerwache 2 geeignet und erwerbbar ist“, teilte die Stadt am Donnerstag mit.

Wenig überraschend: Es handele sich nach wie vor um das Grundstück Frankenforster Straße Ecke Rather Weg.

Hintergrund: Was für und gegen das Grundstück spricht
Das Dreieck an der Frankenforster Straße ist laut Feuerwehr technisch ideal: Die benötigten 6000 Quadratmeter nehmen nur ein Drittel der Fläche ein, das Gebäude könnte parallel zur Königsforster Straße optimal platziert werden, ohne den ganzen Wald roden zu müssen. Dank der Nähe der Autobahn sei auch Refrath schnell zu erreichen. Die Anwohner müssten keinen zusätzlichen Lärm fürchten: Eine intelligente Ampelschaltung sorge dafür, dass die Feuerwehr ohne Martinshorn ausrücken könne.
Anwohner und Umweltschützer hatten gegen den Standort plädiert, weil dafür ein Stück Wald geopfert werden muss. Sie hatten die Initiative „Rettet den Frankenwald“ gegründet.

Und selbst dieses Grundstück ist bislang nur ein Hoffnungswert: Erst wenn eine vom Rat beschlossene Machbarkeitsstudie vorliegt könne „eine abschließende Bewertung der Bebaubarkeit und der gegebenenfalls erforderlichen Kompensationsmaßnahmen“ vorgenommen werden.

Über den Stand der Dinge wollen Frank Stein (inzwischen Bürgermeister) und Köhler in einer digitalen Bürgerversammlung am Montag, den 1. Februar um 19:30 Uhr informieren und diskutieren. Dabei sollen auch die nächsten Planungsschritte, wie der Aufstellung eines Raumkonzepts inkl. Kostenrahmen sowie einer Machbarkeitsstudie in Bezug auf die baulichen und planungsrechtlichen Anforderungen vorgestellt werden.

Die Veranstaltung findet in Form eines Livestreams statt, der auf der Website der Stadt übertragen wird.

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3 Kommentare

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  1. Solange Waldgebiete für eine Bebauung grundsätzlich verfügbar bleiben, wie dies bei dem beschriebenen Dreieck an der Frankenforster Straße offensichtlich der Fall ist, werden sie im Zweifel auch dafür genutzt werden. Die Bäume werden gefällt, es wird versiegelt und gebaut. In diesem Fall -gut begründbar- eine Feuerwache. Der nächste „gute Grund“ wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen.

    Umwelt, Natur und die Gesundheit der Anwohner erscheinen dabei zwar wichtig, stehen damit aber -weiterhin- hinten an.

    Daran ändern offensichtlich ein „Klimanotstand“ nichts, kein Umweltbeauftragter und auch kein noch so alarmierender Waldzustandsbericht.

    Der Schutz von Umwelt und Klima hat es weiterhin schwer!

  2. Wer die Verhältnisse am derzeitigen Standort der „Feuerwache Süd“ kennt, der kann nach „mehr als 15 Jahren Suchprozess“ ausschließlich nur die schnellstmögliche Bereitstellung der neuen „Feuerwache Süd“ unter bestmöglicher Beachtung aller Erfordernisse, als erklärtes Ziel akzeptieren. Die Lösung ist absolut zeitkritisch, der Zeitgewinn entscheidend. Das heißt aber auch, dass eine Lösung am Standort Bockenberg mit weit fortgeschrittener und bislang weitgehend unstrittiger Vorplanung einer Bebauung einen großen Zeitgewinn zu jedem anderen möglichen Bauplatz bieten würde. Vielleicht könnte das sogar ohne die Rolle des Bauherren gelingen sondern nur als Mieter. Mit zeitkritischem Blick auf einen umstrittenen Standort, vielleicht sogar gerichtlich umstritten, der auch noch käuflich erworben werden müsste, was der Eigentümer nicht will/darf (s.u.), abgesehen von erforderlichen Ausgleichsfläche, das sind Risiken, mit denen das Vorhaben „Feuerwache Süd“ nicht zusätzlich belastet werden sollte.

    Für den Bedarfsdecker, die Verwaltung und die Politik mögen noch weitere Interessen, Vorstellungen und Forderungen eine Rolle spielen, wenn die aber den früheste möglichen Bereitstellungstermin der „Feuerwache Süd“ gefährden, gehören sie schlicht gestrichen. Wer politisch leichtfertig mit den berechtigten Forderungen und Interessen unserer Feuerwehr umgeht, der hat ihr am Ende einen schlechten Dienst erwiesen und das Vertrauen nicht verdient.

    Fast 20 Grundstücke oder mehr sind geprüft und nur eines kommt in Frage, „das im Frankenforst“. Zumindest trifft das in seiner Glaubwürdigkeit das Niveau der ersten Aussage, seit „über 15 Jahren suchen wir“ an einem Bauplatz für die Feuerwehr. Jetzt fehlt nur noch, dass ein Stadtbaurat a.D. die Machbarkeitsstudie erstellt, dann ist die Glaubwürdigkeit völlig hergestellt. Warum geht das bei dem Wissensstand nicht anders?

    Dass es trotz des Wahlergebnisses und dem politischen Wechsel schwierig ist, sich vom „weiter so“ zu lösen, auch vom „weiter so“, was unseren Wald anbelangt, das ist für eine kurze Zeit nachvollziehbar, vielleicht eine Pferdewiese lang, so ist doch zunächst mit vielen neuen Kollegen und in neuen Funktionen die Arbeitsfähigkeit herzustellen. Allerdings kann man aus den beiden Aussagen „über 15 Jahre suchen“ und „das im Frankenforst“ lesen, das es offensichtlich „nur“ um eine politisch motivierte Entscheidung geht, bei der man sich die Feuerwehr zur Hilfe gerufen hat.

    Gestützt wird diese Sicht auch noch dadurch, dass bei der ersten öffentlichen Diskussion zur Feuerwache Süd ganz wesentlich die Straßenbahnquerung der Kölnerstraße die Hauptrolle spielte zur Einhaltung der 8 Minuten Frist, „bis festgestellt wurde“, dass das für beide Richtungen gilt, aber egal. Ein Lageplan zum Einsatzgebiet der Feuerwehr, mit deren fachlicher Sicht und einer standardisierten Bewertungsskala von besonders risikobehafteten Objekten wie Kitas, Schulen, Krankenhäuser, Altenheime, Hotels, Hochhäuser, etc. wurde bisher nicht vorgelegt, nicht aktuell, sollte aber in jedem Fall für eine solche Standortentscheidung Grundlage sein. Wo stehen die Risikoobjekte?

    Es drängt sich also der Eindruck auf, dass die Feuerwehr hier politisch „benutzt“ wird um endlich an dieser Seite der Stadt den Wald in „Bauland“ zu wandeln. Als „door opener“ für die Themen „Cargo cap“, „Logistikzentrum“, „Straße über den Bahndamm“ könnte das Vorgehen Wirkung erzeugen, so die schlimmsten Befürchtungen.

    Völlig abgesehen vom „Charakter der Schlafstadt“ an dieser Stelle und dem Verlust der Schutzfunktion des „Restkönigsforstes“ zur wahrscheinlich sechsspurig ausgebauten Autobahn. Zumindest legt das die Vorgehensweise nahe, wo man es als irritierend empfinden kann, dass die Feuerwehr als Bedarfsträger einlädt, aber gleichzeitig in der Rolle auch Bedarfsdecker zu sein scheint.

    Wenn der neue Bürgermeister neben der Sanierung der Schulen den Klimaschutz als wichtigste Aufgabe darstellt, dann ist mit der Einstellung eines Klimamanagers im Jahr 2020 die Bedeutung der Aussage unterstrichen und ein erster Schritt zur Erreichung ambitionierter Klimaziele getan. Die angestrebte kurzfristige Erstellung eines Klimakonzeptes tut ein Übriges.

    Wobei sich hier der Bürgermeister in guter Gesellschaft mit der Landesregierung bewegt, die am 21. Dezember 2020 den Entwurf zur Novelle des Klimaschutzgesetzes und den Neuentwurf für ein bundesweit erstes Klimaanpassungsgesetz beschlossen hat. Hier verpflichtet sich die Landesregierung nun, bis 2050 treibhausgasneutral zu wirtschaften.

    Bei allen politischen Entscheidungen und kommunalen Planungsvorhaben soll fortan über das „Berücksichtigungsgebot“ Klimaanpassung mitbedacht werden: demnach müssen Behörden und Ämter bei politischen und planerischen Entscheidungen deren Klimaanpassungs-Relevanz berücksichtigen.
    Dabei wird oberstes Ziel der Bauleitplanung sein, den Flächenverbrauch drastisch zu reduzieren, Nutzungsansprüche zu bündeln, eher in die Höhe als in die Breite zu bauen und stattdessen neue Grünflächen zu schaffen und Bäume zu pflanzen.

    Inwieweit die kommunale Planung Möglichkeiten schafft Entsiegelungen vorzunehmen, für neu zu versiegelnde Flächen an anderer Stelle, das wird zu einer Bewusstseinsstärkung für den sparsamen Umgang mit dem wertvollen Gut Boden und den Gedanken der Nachhaltigkeit führen und helfen. Dabei steht die Umwandlung von Wald in Bauland als Bedrohungspotential für die Zielerreichung im Klimaschutz erkennbar auf einem Spitzenplatz.

    Informationen zum Thema Wald, zu seiner Bedeutung, zum Zustand und bereits ergriffenen Maßnahmen sind u.a. dem Waldzustandsbericht zu entnehmen:

    https://www.wald-und-holz.nrw.de/fileadmin/Wald_in_NRW/waldzustandsbericht_2020_kurzfassung.pdf

  3. Nachdem die Verwaltung 21 Alternativstandorte einschließlich der 7 von den Bürgern angeregten Standorte geprüft hat und der Standort an der Frankenforster Straße als geeignetster übrig blieb, sollte der Rat zügig einen Beschluss fassen, damit der ungesetzliche und unwürdige Zustand für die Kolleginnen und Kollegen der Feuerwehr ein Ende findet und die Einsatzfähigkeit für Bensberg und Refrath wieder hergestellt werden kann. Die Planung der neuen Feuerwache ist sehr sensibel und belässt sogar den Waldsaum zur Wohnbebauung an der Frankenforster Straße. Das Gebäude der neuen Feuerwache stellt sogar einen höheren Lärmschutz für die Bewohner da als der Wald. 100m geschlossener Wald hat nur eine Lärmschutzwirkung von 0,3 Dezibel. Er wirkt mehr psychologisch und dies kann er auch weiter tun, da der Waldsaum erhalten bleibt. Ich bitte daher die Ratsvertreter im Interesse der Vielen zu handeln auch wenn Einzelne dem noch skeptisch entgegenstehen.
    Dipl. Ing. Wolfgang Leuthe