Die Grünfläche mit dem Deutschen Platz und dem Hindenburgplatz liegt etwas versteckt zwischen Gladbacher und Kölner Straße in Bensberg. Foto: Thomas Merkenich

Nach wie vor ist die Debatte über eine Umbenennung des Hindenburgsplatzes und des Deutschen Platzes in Bensberg sehr kontrovers, inzwischen haben sich die Grünen positioniert, in anderen Parteien und in der Bürgerschaft wird diskutiert. Unser Autor Klaus Hansen hat noch einmal alle Argumente für und gegen einen neuen Namen aufgearbeitet – verbunden mit einem ganz konkreten Vorschlag.

Straßennamen sind Teil der politischen Kultur

Straßen oder Plätze werden vom Rat einer Gemeinde nach Persönlichkeiten der Zeitgeschichte benannt: Das gilt als besondere Ehre, die normalerweise erst posthum verliehen wird. Als Ehrung, weil diese Menschen etwas Besonderes zum Beispiel in Wissenschaft, Kunst oder Politik geleistet haben, weil sie sich für die Gesellschaft eingesetzt haben, weil sie Vorbild sein können für uns normal Sterbliche. Es sind symbolische Handlungen, die zur politischen Kultur und Deutung gehören.

Seit 1945 sollen in der Bundesrepublik Straßen oder Plätze nicht mehr nach lebenden Personen benannt werden, um einen Personenkult wie in Diktaturen zu vermeiden.

Umstrittene Personen kommen für eine Ehrung nicht in Frage. Was aber tun, wenn in früheren Zeiten wegen des damals herrschenden Zeitgeistes Personen ausgezeichnet worden sind, die  heute beim aktuellen Forschungsstand kritisch gesehen werden? Bei Verbrechern wie Hitler ist das kein Problem, bei umstrittenen Personen wie Paul von Hindenburg muss neu entschieden werden.

Gefordert wird (meist von konservativer Seite) eine „gesamtheitliche Betrachtung der historischen Kontextualisierung, die sich für eine Erinnerungskultur der Gesamtheit“ ausspricht. Ein schöner Satz. Dazu wird häufig auch der jeweils geltende und somit zu berücksichtigende „Zeitgeist“ beschworen.

Die logische Konsequenz: Wir müssen Paul von Hindenburg unter ganzheitlichen Gesichtspunkten historisch einordnen.

Was spricht für die Ehrung Hindenburgs?

Der Reichspräsident

Hindenburg war während der 20er- und 30er-Jahre nach der demokratischen Verfassung der Weimarer Republik gewählter Reichspräsident.

Was spricht gegen die Ehrung Hindenburgs?

Falscher Mythos

Er hat den Mythos des Siegers von Tannenberg zwar sein Leben lang gepflegt, aber nicht verdient. Die Schlacht ist nach Plänen Ludendorffs und unter dessen Kommando geführt worden. 

Treue um Treue

Hindenburg hat während der Schlacht „sehr gut geschlafen“. In dieser Schlacht sind ungefähr 40.000 meist junge Männer auf deutscher und auf russischer Seite gestorben oder verwundet worden. 

Verschleierung der Niederlage

Hindenburg und Ludendorff haben nach dem Scheitern der Sommeroffensive 1918 bereits die Niederlage der deutschen Armee vorausgesehen. Gleichzeitig haben sie mit gefälschten Erfolgsberichten die Regierung in Berlin getäuscht.

Verleugnung der Verantwortung

Hindenburg und Ludendorff haben die Verantwortung für den verlorenen Krieg immer abgestritten. Ihr Mythos als erfolgreiche Schlachtenlenker durfte nicht beschädigt werden.

Die Dolchstoßlegende

Für ihre Rechtfertigung haben sie die ‚Dolchstoßlegende’ genutzt. Diese Verschwörungstheorie wälzte die Schuld an der von ihr zu verantworteten militärischen Niederlage vor allem auf die Sozialdemokratie, andere demokratische Politiker und das „internationale Judentum“ ab. 

Die Dolchstoßlegende hat der jungen Weimarer Republik schweren Schaden zugefügt. Diese Propaganda trug wesentlich dazu bei, Persönlichkeiten wie auch die staatstragenden Parteien der Weimarer Koalition in der Öffentlichkeit zu diffamieren und die Republik scheitern zu lassen. 

Billigung des politischen Mordes

Der Reichspräsident Hindenburg hat gegenüber Hitler und Göring („Röhm-Putsch 1934“) den politischen Mord gutgeheißen. Für politischen Mord gibt es keinen Rechtfertigungsgrund.

Kein Vorbild

Hindenburg war Monarchist, Militarist, kein Demokrat. Wem also soll er als Vorbild dienen?

Was spricht außerdem gegen die Beibehaltung des Namens „Hindenburgplatz“?       

Das Erbe der Nazis

Der Platz hat seinen Namen acht Monate nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler vom Bensberger Rat erhalten. Die Namensgebung des Platzes ist ein Erbe der Nazis.

Ehrung für einen Umstrittenen

Historiker sind sich einig: Hindenburg ist umstritten. Warum also müssen wir heute noch eine historisch umstrittene Person mit einem Platznamen ehren? 

Unlogische Konsequenz

Die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft 2013 durch den Rat war inkonsequent (mit dem Tod des Geehrten endet die Auszeichnung sowieso). Der Name des Platzes hätte mit der Aberkennung der Ehrenbürgerschaft logischerweise ebenfalls als nicht ehrenwürdig aberkannt werden müssen.

Der Deutsche Platz in Bensberg, der Hindenburgplatz liegt unmittelbar dahinter Foto: Thomas Merkenich

Der „Deutsche Platz“: Was spricht für die Rückkehr zum ursprünglichen Namen?

Der Friedensplatz

Zur Einweihung des Kriegerdenkmals 1930 hieß der Platz „Friedensplatz“.

Ein Statement nach der Kapitulation

Von den Nazis wurde der Platz 1933 in „Adolf-Hitler-Platz“. umbenannt. 1945 nach dem Ende des Krieges hat die von den Amerikanern eingesetzte erste deutsche Verwaltung den Platz umbenannt in „Deutscher Platz“. Das ist ein symbolisches Statement. 

Rückkehr zum Ursprung und Ergänzung

Die Rückkehr zum ursprünglichen Namen ‚Friedensplatz’ ist keine Umbenennung. 

Was ist die Zumutung einer Adressenänderung der Anwohner gegen die Zumutung einer historisch fragwürdigen Ehrung?

Die bei einer Änderung der Straßennamen für die Anwohner anfallenden Kosten (Ausweise, Fahrzeugpapiere, Geschäftspapiere etc.) sollte von der Gemeinde finanziell erleichtert werden.

Politisch-kulturelle Entscheidung durch den Rat dieser Stadt. 

Keine einfache, aber eine notwenige Entscheidung für den Rat dieser Stadt.

An der Suche nach einem Namen für den neuen Park mit dem neu gestalteten, dann „internationalen“ Kinderspielplatz und einem integrierten Platz zum Gedenken aller Opfer der beiden Weltkriege sollten die Bürgerinnen und Bürger beteiligt werden.

Abgrenzung gegen Rechts

Angesichts der Zunahme der Geschichtsrevision durch rechte Populisten („Vogelschiss“) und rechter Gewalttaten wäre die Änderung der Namen ein Zeichen gegen Rechts und ein Signal des Friedens. Und dieses Signal sollte alle (alle!) Opfer der beiden furchtbaren Kriege und Verbrechen gegen die Menschlichkeit (an denen wir Deutschen maßgeblich beteiligt waren) einschließen.

Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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6 Kommentare

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  1. Warum eigentlich müssen bei der Umbenennung eines Straßennamens den Anliegern Kosten großzügig erstattet werden? Ich erinnere an die Zeit der kommunalen Neuordnung 1975. Durch die Zusammenlegung der ehemals selbständigen Städte Bergisch Gladbach und Bensberg gab es auf einen Schlag eine Vielzahl von Doppelnamen, die allesamt durch Neubenennungen beseitigt werden mussten. Insofern kam man der Bevölkerung damals entgegen, indem die Straße mit der grösseren Zahl an Anliegern ihren Namen beibehielt. Die mit der geringeren Zahl wurde umbenannt und das ohne Kostenerstattung.

    Eine weitere Umbenennungskampagne gab es in den achtziger-Jahren nach einem intensiven politischen Streit mit einer Aufarbeitung von Straßennamen, die durch die NS-Zeit als belastet galten. Aus meiner Erinnerung weiß ich, dass 1989/1990 der Carl-Diem-Weg, die Rückampstrasse und die Heinrich-Lersch-Straße umbenannt wurden, wiederum ohne Kostenerstattungen gegenüber den Anliegern.

  2. Irgendwie wird nicht ganz klar, was jetzt in was umbenannt werden soll. Sollen beide Plätze (der Hindenburgplatz und der Deutsche Platz) in “Friedensplatz” umbenannt werden?
    Politisch stehe ich klar hinter dem Vorschlag, allerdings hat mich der Kommentar von Jörg Petermann zum Nachdenken gebracht. Vielleicht sollten die Anwohner auch ein Mitspracherecht haben. Mindestens aber die Kosten für die Umstellung (Briefpapier, Stempel, Schreiben an Institutionen wg. Adressänderung) müssten den Anwohnern großzügig erstattet werden.

  3. „Friedensplatz“ klingt wundervoll. Einerseits hieß der Platz sowieso früher so. Und es ist doch ein ermutigender Blick in die Zukunft, statt nur in die Vergangenheit.
    Ich kann die Anwohner sehr gut verstehen, das wird viel blöde Arbeit. Auf der anderen Seite ist das ein Beschluss, der im besten Fall für viele Generationen und Jahrzehnte hält. Wäre ich ein Anwohner würde ich lieber den Frieden als den Hindenburg in meiner Adresse haben.

  4. Alles Dinge, die man auf ein paar schönen Tafeln auf diesem Platz erwähnen könnte, ohne Namensänderung.

    Ich drücke Herrn Petermann die Daumen, dass sich diese kleine Gruppe von „Aktivisten“ und ein paar Grüne, die mal wieder auf den Zug aufspringen, nicht gewinnen.

    Und, Herr Hansen, auch wenn es Ihnen sicherlich schwer fällt. Aber präzisieren Sie es doch bitte als Kampf gegen Rechtsextremismus.
    Ein Kampf gegen Linksextremismus ist ja auch kein Kampf gegen Links.
    Linke und Rechte sollten zusammen gegen die extremistischen Idioten an beiden Rändern kämpfen.

  5. Also einen Kompromiss wird es wohl nicht richtig geben. Ich bin bei dem ganzen neutral.
    Ich frage mich nur, warum es nur von der Seite diskutiert wird das Thema.
    Der Platz soll ja anscheinend umgebaut werden.
    Warum macht sich keiner Sorgen um den Sehr Seltenen Mammutbaum der da oben steht ?
    Da oben steht in ungefähr zehn meter ein äußerst seltener Mammutbaum. Hoffentlich bleibt der uns erhalten. Solche Exemplare gibt es nur ganz wenig in Deutschland. Und genau aus dem Grund habe Ich auch schon öfters versucht die Zapfen zu sammeln und ihn vegetativ zu vermehren.
    Da sollte unser lieber Bürgermeister sich einsetzen, dass uns dieses seltene Botanische Schönheit erhalten bleibt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Fabian Bosbach (Pseudonym)

  6. Ich schreibe hier als Anwohner und stellvertretend für sämtlicher Anwohnerparteien der Straße “Deutscher Platz”.

    Wir als Anwohner der Straße: „Deutscher Platz“ haben bereits am Montag eine Petition an Herrn Bürgermeister Stein gesendet.

    Mit unseren Unterschriften möchten wir klar zum Ausdruck bringen, dass wir in keinem Falle eine Umbenennung unserer Straße wünschen.

    Die Petition, wurde von sämtlichen hier wohnenden oder arbeitenden Haushalten unterschrieben.

    Für die hier lebenden Menschen und die ansässigen Unternehmen würde eine Umbenennung einen enormen Aufwand bedeuten. So müssten wir z.B. sämtliche Unterlagen und Verträge ändern.

    Zudem ist die von den Aktivisten beschriebene dringende Notwendigkeit zur Umbenennung für uns nicht erkennbar. Mit Geschichte sollte man sich auseinandersetzten, jedoch nicht versuchen diese zu tilgen.

    Interessant mag in diesem Zusammenhang noch der Hinweis sein, dass recht viele der hier wohnenden Menschen einen Migrationshintergrund aufweisen, sich aber nie an der Straßenbezeichnung gestört haben.

    Wir bitten Sie unsere Wünsche als Anwohner und direkt Betroffene zu berücksichtigen, damit diese leidige Debatte ein zeitnahes Ende finden kann.