Der Blick über den Deutschen Platz zum Hochhaus am Hindenburgplatz. Foto: privat

In der Debatte um eine Umbenennung des Hindenburgplatzes und des Deutschen Platzes melden sich jetzt Anwohner der Straße „Deutscher Platz“ zu Wort.

In einer Petition fordern sie, an der Bezeichnung, die nach dem Ende des Nazi-Regimes gewählt worden war, festzuhalten.

Wir dokumentieren die von Jörg Petermann und Marco Candeli verfasst Erklärung im Folgenden im Wortlaut:

Anwohner fordern: „Deutscher Platz“ soll „Deutscher Platz“ bleiben!

In der jüngsten Vergangenheit kam es zu einer Diskussion über die Umbenennung des „Hindenburgplatz“. Eine kleine Gruppe nahm mehrere Artikel des Fotografen, Designers und Kommunikationsberaters Klaus Hansen als Auslöser für diese Diskussion und fordert nun auch die Umbenennung der Straße „Deutscher Platz“. 

Foto: Screenshot Geoportal Stadt Bergisch Gladbach.

Die Bezeichnungen im Areal zwischen Kölner und Gladbacher Straße sind mehrdimensional. Der „Hindenburgplatz“ ist eine kurze Stichstraße mit nur einem Hochhaus, die von der Kölner Straße abgeht – sowie eine dreieckige Wiese am Rande des parkähnlichen Areals. Der „Deutsche Platz“ ist einerseits der gepflasterte Platz an der Gladbacher Straße mit dem Denkmal, die angrenzende Grünfläche bis zu Lindenallee und die Sackgasse, die von der Gladbacher zur Buddestraße hinab führt. (Redaktion)

„Wenn der Rat den Namen ‚Deutscher Platz’ aber unbedingt behalten möchte, weil er mit der Bezeichnung „deutsch“ die Verbrechen der Deutschen im 20. Jahrhundert, der unvorstellbare Kulturbruch und das Nazi-Regime dokumentieren will, muss man nicht zum ‚Friedensplatz’ zurückkehren.“  (Bürgerportal Bergisch Gladbach, Zitat aus dem Artikel von Klaus Hansen vom 12.02.2021)    

Obwohl wir als Nachbarschaft der Straße „Deutscher Platz“ nicht politisch organisiert sind, haben wir uns hier zusammengeschlossen, um der Gruppe entgegenzutreten und unserer Meinung Gehör zu verschaffen. 

Von Herrn Hansen wird behauptet, dass der Platz seinen Namen aufgrund der nationalsozialistischen Prägung der damaligen Verwaltung erhalten hat. Beweise dafür lässt er jedoch vermissen. 

Hinweis der Redaktion: Klaus Hansen argumentiert anders. Die Gruppe unbekannter jugendlicher Aktivisten hatte sich auf den Hindenburgplatz konzentriert.

Mindestens genauso plausibel erscheint jedoch, dass der ursprüngliche Name des Platzes „Friedensplatz“ nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr verwendet wurde, da dieser als nicht adäquat und eher heuchlerisch empfunden wurde. Vor diesem Hintergrund hat die damalige Verwaltung mit „Deutscher Platz“ einen neutraleren Namen gewählt. 

Da wir die damaligen Mitglieder der Verwaltung nicht mehr befragen können, bewegen wir uns jedoch in beiden Interpretationen im Rahmen der Spekulation. 

Wir als Anwohner können der Argumentation der Gruppe nicht folgen und sind der Ansicht, dass man weder stolz sein muss, wenn etwas den Namen „deutsch“ trägt, noch dass man sich dessen schämen muss.

Unserer Meinung nach stehen folgende Fakten dem auf Spekulation basierendem Ansinnen der Gruppe entgegen: 

  • Der Name „Deutscher Platz“ besteht seit nunmehr 75 Jahren und ist den hier lebenden Bürgern ein Begriff.
  • Über Generationen war der „Deutsche Platz“ ein beliebter Treffpunkt und Anziehungspunkt für Jung und Alt. 
  • Wir leben hier in einer wunderbaren, multikulturellen Nachbarschaft, in der sich jeder mit dem Namen „Deutscher Platz“ identifizieren kann.
  • Für die hier lebenden Familien und ansässigen Unternehmen würde eine Umbenennung einen – in keinem Verhältnis stehenden – zeitlichen und finanziellen Aufwand bedeuten. 
  • Kosten für die Stadt und letztlich den Steuerzahler für das Aufstellen von neuen Schildern, Änderungen von Karten und Stadtplänen sollten vermieden werden.
  • Mit Geschichte sollte man sich auseinandersetzten, jedoch nicht versuchen diese zu tilgen.
  • Aus Sicht der Anwohner besteht keinerlei Anlass den Namen „Deutscher Platz“ aus der Geschichte zu tilgen.

Daher haben wir dies zum Anlass genommen, eine Petition zu starten, die in der vergangenen Woche an Herrn Bürgermeister Frank Stein und die Fraktionen des Stadtrates versandt wurde.

 „PETITION DER ANWOHNER DEUTSCHER PLATZ IN 51429 BERGISCH GLADBACH GEGEN DIE MÖGLICHE UMBENENNUNG UNSERER STRASSE

Einem Artikel aus der Bergischen Landeszeitung vom 26.02.2021 haben wir als Anwohner entnommen, dass eine kleine aber recht lautstarke Gruppe vehement eine Umbenennung der Straßenbezeichnungen: „Hindenburgplatz“ und „Deutscher Platz“ fordert.

Wir als Anwohner der Straße: „Deutscher Platz“ möchten in dieser Angelegenheit proaktiv auf Sie zugehen und mit unseren Unterschriften klar zum Ausdruck bringen, dass wir in keinem Falle eine Umbenennung unserer Straße wünschen. 

Für die hier lebenden Menschen und die ansässigen Unternehmen würde eine Umbenennung einen enormen Aufwand bedeuten. So müssten wir z.B. sämtliche Unterlagen und Verträge ändern. Zudem ist die von den Aktivisten beschriebene dringende Notwendigkeit zur Umbenennung für uns nicht erkennbar. Mit Geschichte sollte man sich auseinandersetzten, jedoch nicht versuchen diese zu tilgen.

Wir bitten Sie unsere Wünsche als Anwohner und direkt Betroffene zu berücksichtigen, damit diese leidige Debatte ein zeitnahes Ende finden kann.“

Die Petition wurde von sämtlichen hier wohnenden und/oder arbeitenden Haushalten unterschrieben.

Zukunftsweisend sollte man sich hier die Frage stellen, wo es hinführen wird, wenn die Gruppe ihre Anregungen auf die „Deutsche Bahn“, die „Deutsche Bank“ oder die „Deutsche Post“ erweitert.


Ende der Dokumentation

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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17 Kommentare

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  1. Liebe Alexa,
    ihr Kommmentar, den sie direkt an mich richten, ist erklärungsbedürftig.

    Ich fange vorne an. Sie treten hier als „Alexa“ auf. Das könnte ihr Vorname sein, aber auch ein ironischer Bezug auf die allseits bekannte Computeralexa. Jedenfalls treten sie nicht mit ihrem vollständigen Namen auf. Ich finde das problematisch, zumal das hier im Bürgerportal insbesondere bei heiklen Diskussionen zunimmt. Es gibt einem das Gefühl, dass da jemand unsichtbar aus der Deckung agieren möchte. Jedenfalls verstehe ich nicht, warum man nicht – und jetzt zitiere ich sie – „einen Austausch auf Augenhöhe“ sucht.

    Dann werfen sie mir vor, ich würde auf meiner Meinung beharren und ließe keine anderen Vorschläge gelten. Dazu meine Frage: Was bedeutet für sie, mit jemandem zu diskutieren? Geht das nur, wenn man seine Meinung aufgibt oder ist es nicht so, dass eine Diskussion erst dadurch zustande kommt, dass es verschiedene Meinungen gibt? Ist es nicht möglich, dass verschiedene Meinungen bestehen bleiben, die dann jeweils – wenn auch mit Zähneknirschen – respektiert und akzeptiert werden müssen? Ist es nicht das Wesen eines demokratischen Prozesses, dass es verschiedene Meinungen gibt und sich dann eine per Abstimmung durchsetzt? Kann es wirklich ein Ziel sein, Lösungen zu schaffen, „mit denen Alle zufrieden sind“? Wie soll das gehen? Mit welchen Mitteln wollen sie diejenigen, die anderer Meinung sind, zur Meinungsänderung bringen? Ist es nicht so, dass damit jeder Fortschritt blockiert würde? Wie sollte z.B. das „Miteinander“ zwischen Biden und den Trump-Anhängern aussehen. Es hätte sich niemals die Ostpolitik Brandts durchgesetzt ohne knappe Kampfabstimmungen gegen die CDU. Wie hätte der Kompromiss bei der Abschaffung der Vergewaltigung in der Ehe vor wenigen Jahren aussehen sollen?

    Viele Fragen. Für eine Beantwortung wäre ich dankbar.

    PS:

    1. Wenn sie meine Kommentare verfolgen, werden sie feststellen, dass ich meine Meinung geändert habe und dafür plädiere, nur noch die Hindenburg-Schande aus dem Stadtbild zu entfernen.

    2. Auf meinen Vorwurf, die Umbenennungsgegner entzögen sich weitestgehend der inhaltlichen Diskussion, sind sie nicht eingegangen. Ich überlege, ob das mit einer Zustimmung gleichzusetzen ist.

  2. Netter Versuch, Herr Candeli. Ich wette dagegen: Es wird eine Namensänderung geben – hin zum Ursprungsnamen. Dass andere Themen wichtiger sind, ist auch klar. Aber so eine Platz-Umbenennung geht schnell und kostet so gut wie nichts.

  3. Sehr geehrte Damen und Herren, ich würde Ihnen empfehlen bzgl. dieser Diskussion keine Zeit mehr zu verschwenden. Wie schon Herr Schneider in seinem üblichen Wortlaut angemerkt hat: unsachlich, aggressiv, Popanz etc. etc. Diese Diskussion bedarf keiner Zeitverschwendung mehr. Es wird keine Namensänderung geben. Lassen Sie uns unsere Energie wichtigeren Themen widmen.

  4. „Da hat eine vergangene Generation ihre Toten im Geist ihrer Zeit geehrte“

    Der Geist dieser Zeit aber wird heute von der weit überwiegenden Zahl unserer Mitbürger in ganz Deutschland als der schlimmste verachtet, der je von deutschem Boden ausging. Diesem Geist ein Denkmal zu lassen, Herr Ullmann, zeugt von einer Denke, die der damaligen wohl nahe kommt. Und Ihr „Historycleaning“ nenne ich den sehr wichtigen Weg, sich von dieser braunen Vergangenheit zu distanzieren, was ich auch nicht als „en vogue“ bezeichnen würde sondern notwendig.

    Diese Säule mit den den Militarismus und ihre damaligen Schöpfer verehrenden Köpfen sind ein Schlag ins Gesicht jedes sich vor dem brauen Sumpf ekelnden Menschen, und das soll als Denk- oder Mahnmal „gewürdigt bleiben“, also so wie vor im 1000jährigen Reich?

    Pfui Deibel!

  5. Wenn die Anwohner den Namen „Deutscher Platz“ wirklich so fabelhaft finden, können sie ihn für ihre kleine STRASSE meinetwegen behalten. Der PLATZ selbst sollte komplett in „Friedensplatz“ zurückbenannt werden. Das ist der Ursprungsname, wie u.a. Herr Hansen sehr schön dargelegt hat; und eine schönere Bezeichnung kann es doch gar nicht geben. „Hindenburgplatz“ darf meiner Meinung nach auf keinen Fall irgendwo stehen bleiben, auch nicht auf dem Straßenschild. Der bürokratische Aufwand einer Adressänderung in Dokumenten wird meiner Meinung nach überschätzt. Ich bin schon 15 mal oder öfter umgezogen – der Papierkram war eigentlich nie ein Problem. Und das Bürgerbüro Bensberg ist für die Friedensplatzanlieger doch direkt um die Ecke.

  6. Sehr geehrter Herr Schneider

    Sie beklagen, dass sich die „Umbenennungsgegner“ weitesgehend einer Diskussion entziehen…

    Wo bleibt da ihr Diskussionsspielraum?
    Beharren nicht grade Sie auf Ihrer Meinung und lassen keine anderen Vorschläge gelten?

    Es gibt im Leben nicht nur Schwarz und Weiß, Recht und Unrecht.
    Vielmehr wünsche ich mir ein Miteinander und einen Austausch auf Augenhöhe.
    Nur dann können Lösungen geschaffen werden, mit denen Alle zufrieden sind.

  7. Zum Thema „Umbenennung“ und deren Notwendigkeit gibt es offensichtlich verschiedene Meinungen.

    Es sind Meinungen, auch wenn es hie und da den Eindruck macht, als würde die persönliche Meinung gerne in den Stand „der Wahrheit“ erhoben gesehen.

    Am Ende kommt es eben auch hier darauf an, ob sich eine Mehrheit für das Umbenennen zeigt.
    Bicher scheint das eher nicht der Fall.
    Und nun haben auch die Anwohner (die es ganz unmittelbar beträfe) eindeutig dagegen votiert. Das sollte schon Gewicht haben.

    Eine Überlegung noch zum schmissigen „die Säule muss weg“:

    Da hat eine vergangene Generation ihre Toten im Geist ihrer Zeit geehrt (wie in anderen Ländern auch).

    Es mag ja eine radikale Bilder- und Namensstürmerei oder das Historycleaning derzeit partiell en vogue sein und für den weltanschaulichen Ritterschlag im Geist des Zeitalters der (wieder einmal) „letzten Wahrheit” taugen –

    Die Säule ist ein (Ge)Denk- wie Mahnmal und sollte als solches gewürdigt bleiben – Im Zuge der kmd. Neugestaltung ergänzt und begleitet von sachlicher Information über Hintergrund, Geschichte, Interpretation (aus dem hier anregend präsentierten Fundus).

    Als Teil eines heute (bis jetzt) friedlichen und bald hoffentlich einladend neu gestalteten Platzraumes kann ein solches (erläutertes) Mahnmal übrigens das Privileg nicht deutlicher werden lassen, in entschieden komfortableren Zeiten (zumindest noch …) zu leben.

  8. Ich stelle fest, dass die Diskussion um die Themen Deutscher- und Hindenburgplatz immer unsachlicher und agressiver wird und sich immer mehr in Verschwörungstheorien verliert. Es wird fast systematisch der Popanz irgendwelcher linker Aktivistengruppen aufgebaut, denen angeblich die Probleme der Stadt gleichgültig sind.
    Leider liegt der Text der Petition auch teilweise auf dieser Linie.

    Als Bürger dieser Stadt, der keiner Gruppe angehört, weder Aktivist noch Querulant ist, keiner Partei angehört, nehme ich mein Recht in Anspruch, mich zu Themen zu äußern.

    Was nun die beiden in der Diskussion stehenden Platzbezeichnungen angeht, bin ich der Meinung, dass es zwar wünschenswert wäre, beide Plätze umzubenennen, die größere Dringlichkeit sehe ich allerdings im Fall Hindenburgplatz.

    Betroffen macht mich, dass sich die Gegner einer Umbenennung der inhaltlichen Diskussion weitestgehend entziehen und stattdessen pöbeln und mit Albernheiten kommen wie der Erwartung, die „Deutsche Bahn“ oder die „Deutsche Bank“ könnten von „der Gruppe“ ins Visier genommen werden oder den Abriss des Schlosses in Aussicht zu stellen.

    Jedenfalls war es bisher nicht möglich, mit ihnen sachlich die besondere Situation nach dem Krieg zu diskutieren und die aus meiner Sicht zumindest merkwürdige Entscheidung im Moment der Aufdeckung des größten Verbrechens der Menschheit in deutschem Namen, auf den Namen Friedensplatz zu verzichten zugunsten des „Deutschen Platzes“. Zu ihrer an den Haaren herbeigezogenen Theorie, man habe damals den Namen Frieden „heuchlerisch“ empfunden und stattdessen den „neutraleren“ Namen genommen, sage ich lieber nichts. Sie spricht für sich selbst.

    Ich stimme Herrn Havemann ausdrücklich zu und teile auch (mit Bauchschmerzen) seinen Vorschlag, was die Umbenennung angeht.

    Wünschen würde ich mir eine sensiblere Diskussion mit Gegnern der Umbenennung, die mit Respekt in der Lage sind, andere Auffassugen zu tolerieren und Meinungsverschiedenheiten aushalten können. Ich kann und mag mir nicht vorstellen, dass die bisher hier Diskutierenden repräsentativ für die Anlieger des Deutschen Platzes sind.

    Denjenigen, die am liebsten die Vorgeschichte und Existenz des Nazistaates verdrängen möchten oder allen Ernstes behaupten, zur Vergewisserung unserer furchtbaren Geschichte bedürfe es der Ehrung des Steigbügelhalters Hitlers, General von Hindenburg, lege ich ans Herz, meine Zusammenfassung des Berichtes „Wissenschaftliche Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten“ zu lesen, in dem dargestellt wird, wie die Stadt Hannover vorbildlich mit diesem Thema umgegangen ist. Ich weiß, etwas viel Text, aber es besteht ja die Freiheit, den Text zu ignorieren:

    Die Stadt Hannover war 2015 ebenfalls mit diesem Problem konfrontiert. Sie wählte den Weg, einen Beirat mit dem Thema „Wissenschaftliche Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten“ einzusetzen.
    Dieser Beirat war breit aufgestellt und bestand aus Vertretern verschiedener Verbände (DGB, Verband der Geschichtslehrer, Verband der jüdischen Gemeinden, Katholische Kirche, mehreren Historiker:innen sowie Vertreter:innen der Stadt als beratende Mitglieder).
    Ein Ratsbeschluss hatte die Bedingung benannt, die zu einer Umbenennung führen könnte:
    „Umbenennungen sollen nur erfolgen:(… Punkt3.3)… wenn eine Benennung einer Persönlichkeit im Nachhinein Bedenken auslöst, weil diese Person Ziele und Wertvorstellungen verkörpert, die im Widerspruch zu den Grundsätzen der Verfassung, der Menschenrechte bzw. einzelner für die Gesamtrechtsordnung wesentlicher Gesetze steht. Zusätzlich zu diesen Bedenken gegen die mit der Person verknüpften Ziele und Wertvorstellungen müssen der durch die Benennung geehrten Person schwerwiegende persönliche Handlungen(Verbrechengegen die Menschlichkeit, Rassismus, Kriegsverbrechen u.a.m.) oder die aktive Mitwirkung in einem Unrechtssystem zuzuschreiben sein.“

    Der Beirat widmete dem Thema in mehr als zwei Jahren 24 Sitzungen und kam zum Ergebnis, dass 476 nach Personen benannte Bezeichnungen nicht verändert werden sollten und für 17, u.a. Paul von Hindenburg empfahl er die Umbenennung.
    Die Ergebnisse der Arbeit wurden umfangreich dokumentiert.
    Die Begründung im Fall Hindenburg:

    „(1) Hindenburgs Hintergrund
    Mit der Person Paul von Hindenburgs ist die „Dolchstoßlüge“ verknüpft, einer der Sargnägel derWeimarer Republik. Er war in seinen Grundanschauungen monarchisch und antiparlamentarisch eingestellt. Als Reichspräsident hatte Hindenburg keine Bedenken, mit seiner verfassungsmäßig
    starken Position ab 1930 den Reichstag über den Weg der Präsidialkabinette unter den Kanzlern Heinrich Brüning, Franz von Papen und Kurt von Schleicher auch unter Bruch der Verfassung zu übergehen. – Nach älteren Deutungen seines körperlichen und geistigen Zustandes war Paul von
    Hindenburg im Alter von 86 greisenhaft und manipulierbar, d. h. nicht schuldfähig. Nach jüngeren Erkenntnissen war er nachweislich bis in die letzten Tage körperlich agil, bei klarem Verstand und selbstbestimmt.
    (2) Machtübergabe 1933
    Hindenburg ermöglichte die nationalsozialistische Diktatur, beginnend am 30. Januar 1933, mit der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler.
    (3) Hindenburg ermöglichte die nationalsozialistische Diktatur. Die Eingriffe zur Ausschaltung des Parlaments, zum Verbot der politischen Parteien und der Gewerkschaften sowie zur Errichtung der Einparteiendiktatur trug Hindenburg mit.
    – 28.02.1933 Verordnung des Reichspräsidenten „zum Schutz von Volk und Staat“.
    – 24.03.1933 „Ermächtigungsgesetz“, Gesetz „zur Behebung der Not von Volk und Reich“:
    „Art. 2: Von der Regierung beschlossene Gesetze können von der Reichsverfassung abweichen.“
    – 01.04.1933 Boykott jüdischer Geschäfte
    – 07.04.1933 Gesetz „zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“: „§ 3: (1) Beamte, die nicht arischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand zu versetzen.“
    – 22.04.1933 Berufsverbot für jüdische Kassenärzte.
    (4) Hindenburg begrüßte den Ausbau der Diktatur.
    Das „politische Testament“ Hindenburgs datiert vom 11. Mai 1934. Pyta (2007) resümiert: „In seinem politischen Testament brachte Hindenburg unmissverständlich sein Wohlgefallen über die seit dem 30. Januar 1933 eingeleitete Entwicklung zum Ausdruck und bestätigte damit zugleich die Richtigkeit
    der nach langem inneren Ringen getroffenen Entscheidung: ‚Mein Kanzler Adolf Hitler und seine Bewegung haben zu dem großen Ziele, das deutsche Volk über alle Standes- und Klassenunterschiede zu innerer Einheit zusammenzuführen, einen entscheidenden Schritt von historischer Tragweite getan.‘“
    (5) Fazit
    Der Reichspräsident Hindenburg hatte bei der Zerstörung der Republik und beim Ausbau der Diktatur unter einem antisemitischen Regierungsprogramm die zentrale Rolle. Er hat mit seiner verfassungsmäßig starken Position ab 1930 den Reichstag über den Weg der Präsidialkabinette auch
    unter Bruch der Verfassung übergangen und Hitler zum Kanzler gemacht. Auch danach trug er die Maßnahmen mit, die am Ende die nationalsozialistische Diktatur ermöglichten.“

    Die Stadt Hannover hat aus meiner Sicht beispielhaft gehandelt. Sie hat mit diesem Projekt wissenschaftlich fundiert den Stammtischen die Basis entzogen, zumal die Arbeit durch die Medien intensiv publiziert wurde.
    Vor allem hat sie das, was in der Gladbacher Diskussion immer wieder verlangt wird, beispielhaft ermöglicht: Auseinandersetzung mit der Geschichte anhand Hunderter biografischer Skizzen und ausführlicher Beschreibungen. Was für ein Fundus, insbesondere auch deshalb, weil z.B. Schüler:innen die Möglichkeit haben, sich mit den positiven Beispielen zu beschäftigen und zu identifizieren.
    Wer jetzt durch Namensnennung geehrt wird, hat diese Ehrung verdient. Und warum einige sie nicht verdient haben, wird wissenschaftlich fundiert begründet.
    Es wäre ein Armutszeugnis, wenn die Befürchtung neue Visitenkarten drucken zu müssen, den Ausschlag gibt, Leuten wie Hindenburg weiterhin diese Ehrung zukommen zu lassen.

  9. „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – In regelmäßigen Abständen werden von einer Gruppe Menschen (oder wird auch von einem einzelnen Mensch) immer wieder Themen aufs Tapet gebracht, die eigentlich längst erledigt sind. Antrag gestellt – diskutiert – abgelehnt – erledigt. Das immer wieder in die Diskussion zu bringen mit den seit Jahren immer wiederkehrenden Argumenten nerv und sieht sehr nach Stänkern aus. Demokratisches Verhalten ist anders – es akzeptiert die Meinung der Mehrheit.

  10. Wir sind scheinbar immer noch nicht reif, über unsere Vergangenheit sachlich zu diskutieren und dem politischen und/oder gesellschaftlichen Gegner seine Meinung zu lassen. Sie schreiben „linker Aktivisten“, Herr Schreiner, als wenn das Menschen anderer Klasse als Sie wären. Und Sie, Herr Waniek, bezichtigen die Linke des „blanken Aktionismus“. Sie, Herr Kribus, nennen anders Denkende unnötigerweise „Querulanten“, Frau „Kolumna“ (leidiges Pseudonym) will alle möglichen Bergisch Gladbacher Probleme mit bei Belassung des Namens gespartem Geld lösen, Herr Sessen beschwert sich über „linke Zeitgeist-Aktivisten“, Herr Bongers hat Probleme mit „bestimmten Aktivisten“ und „widersinnige Umbenennung . . . „, lenkt die Diskussion auf fehlende Barrierefreiheit und führt m.E. unsinnig polemische Beispiele ins Feld, weshalb die Namen bleiben sollen wie sie sind. Er hat „E h r f u r c h t für die Geschichte unseres Landes“, auch wenn sie sich nicht wiederholen soll. Seltsam!

    Meine Damen und Herren,
    würde sich der Rat in solchen Gedankengängen, Kleinlichkeiten und polemischen Absonderungen verirren, würden heute Probleme von vor 10 Jahren beraten. Warum kann man nicht andere Meinungen zulassen, warum ist links sein, wo ich mich auch nicht wiederfinde, grundsätzlich falsch und böse, was macht unsere kürzliche Vergangenheit so eindrucksvoll, dass daran was zu feiern ist?

    Meine Meinung:
    – Hindenburg muss weg
    – Deutscher platz sollte bleiben
    – Die Säule sollte weg, mindestens aber von den Kommissköppen und vom Schwert
    befreit werden.
    – Ein Schild zur Erklärung der Veränderungen.

  11. Mit welcher Überzeugung halten es bestimmte Aktivisten für notwendig, Kosten für die m. E. widersinnige Umbenennung bestimmter Straßen und Plätze zu produzieren?
    Ich lebe ebenfalls seit über 30 Jahren in Bensberg und meine Frau und ich haben jeden Tag die Herausforderungen der unzureichenden Barrierefreiheit unserer Schlossstadt mit unserem behinderten Kind zu stemmen. Daher lade ich alle Beteiligten ein, die Priorisierung von öffentlichen Investitionen sorgfältig zu prüfen (ob diese auch alle unsere Mitmenschen in der Mitte unserer Gesellschaft sprichwörtlich „ankommen“ zu lassen!). Ein solcher Effekt ist in der betreffenden Diskussion sicher nicht festzustellen.

    Extremisten egal aus welcher Ecke werden versuchen, alles für sich zu instrumentalisieren. Denen können wir nur mit Aufklärung entgegentreten. Dazu ist aber erforderlich, sich mit seiner / der Geschichte auseinander zu setzen und sie nicht aus den Stadtbildern verschwinden zu lassen. Oder muss ich zukünftig fürchten, dass mir der Abriss meines historischen Hauses bevorsteht, weil dort zu Kriegszeiten Soldaten bestimmter Zugehörigkeiten medizinisch versorgt wurden? Reißen wir das Schloss bald nieder welches in unseren dunkelsten Geschichtszeiten als Internat des Regimes Verwendung gefunden hat? Ich jedenfalls sehe mich als Europäer und trage mit Ehrfurcht die Geschichte unseres Landes – verbunden mit der Verpflichtung, dafür auf- und einzustehen, dass sich diese nicht wiederholt!

  12. Eine sehr unterstützenswerte Aktion und Petition. Es ist kein vernüftiger Grund ersichtlich, den Deutschen Platz umzubenennen, nur weil eine kleine Gruppe linker Zeitgeist-Aktivisten das begehrt. Und dasselbe gilt auch für den Hindenburgplatz. Wir haben wahrlich weitaus größere Probleme.

  13. Hr. Waniek bringt es auf den Punkt. Wir haben andere Probleme, als Geld für unnütze Umbenennungen auszugeben.
    – Kindergartenplätze
    – Schulsanierung
    – Strassensanierung
    – Stellenabbau in der Verwaltung durch Digitalisierung

  14. Ich lebe seit über 30 Jahren in Bensberg und habe bisher nicht ein einziges Mal mitbekommen, dass der “Deutsche Platz” mit etwas Negativem assoziiert wurde.
    Man sollte sich in meinen Augen von einer kleinen Gruppe Querulanten nicht diktieren lassen welche Begriffe und Namen als vermeintlich politisch inkorrekt angesehen werden müssen.
    Der Deutsche Platz war in den letzten 75 Jahren eine politisch neutrale Zone die weder von Rechten für Ihre Zwecke missbraucht wurde, noch irgendwie anderweitig im Stadtbild negativ auffallen ist.
    Durch eine Umbennenung würde dem Thema eine Bühne geboten die zu Unzufriedenheit auf allen Seiten führen kann und eine Lagerbildung fördert. Welcher Name, welche Straße wäre als nächstes dran???

  15. Wir könnten doch bei der Gelegenheit vielleicht auch noch gleich die Bensberger Str. in Gladbach in Gladbacher Straße und die Gladbacher Str. in Bensberg in Bensberger Straße umbenennen..:)

  16. Einen Sinn hinter der geforderten Umbenennung des Deutschen Platzes kann auch ich nicht erkennen. Letztlich handelt es sich um blanken Aktionismus der politischen Linken. Freut mich ja irgendwie für diese Leute, wenn die sonst keine dringlicheren Probleme in der Welt erkennen können. Mir fallen jedoch aus dem Stand tausend Dinge ein, die wichtiger wären als diese unnütze Umbenennungs-Debatte. Gut, dass sich schon mal die Anwohner einheitlich dagegen aussprechen.

  17. Wir drücken die Daumen, dass die Ampel nicht vor dieser kleinen Gruppe linker „Aktivisten“ einknickt.
    Hier sollten SPD und vor allem die FDP gegenüber den Grünen standhaft bleiben.

    Genießen Sie in Zukunft den neuen, hoffentlich schön gestalteten, Platz mit aktuellem Namen.