Das Verwaltungsgebäude der Papierfabrik Zanders. Auch der imposante Bau gehört schon lange nicht mehr dem Unternehmen. Foto: Thomas Merkenich

Bis 1945 hatte sich die Papierfabrik Zanders stetig entwickelt. Und auch die Nachkriegsgeschichte ist zunächst vom Erfolg geprägt. Doch dann läutet ein Paukenschlag das Ende einer Ära ein. Das Unternehmen stürzt im wahrsten Sinne des Wortes ins Bodenlose. Weder Maschinen noch Grundstück gehören Zanders noch, auf die Insolvenz folgt eine Insolvenz.

Johann Wilhelm Zanders lotst den Papierproduzenten als vorletzter Chef des Familienunternehmens durch die Nachkriegszeit

Der zweite Teil unserer Serie zur Geschichte der Papierfabrik Zanders beginnt mit Johann Wilhelm Zanders, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erneut auf dem Chefsessel des Familienunternehmens Platz nimmt. Erneut – denn wegen seiner NS-Mitgliedschaft war er zunächst abgesetzt worden. Da sich aber viele in Bergisch Gladbach für ihn eingesetzt hatten, lassen ihn die Besatzungsmächte wieder ans Steuer der Papierfabrik. Er führt das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt bereits seit 1929.

Nach der Reparatur von Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg kommen 1956 und 1969 zwei neue Papiermaschinen ins Unternehmen. Alte Aggregate müssen weichen, sie haben zu dem Zeitpunkt bis zu 100 Jahre Dienst in den Hallen der Zanders-Dynastie geleistet.

Die Produktion nimmt in der Folge stetig zu: Sie steigt von 32.5000 Tonnen (1935) über 48.733 Tonnen (1960) auf 130.000 Tonnen (1972). Und auch der Export wächst kräftig, von 11,1 Prozent (1950) auf 20,5 Prozent (1972).

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Papierproduktion bei Zanders im März 1965: Auf einem langen Sieb wird die Zellulose zum Papierkalander transportiert. Foto: Strack, Peter. Foto: Stadtarchiv GL, zu den Fotos beachten Sie bitte auch die Fußnote

Wachstum gegen den Trend

Zur Masse kommt Klasse: Seit 1954 arbeitet Zanders daran, ein neues, edles Papier unter dem Namen „Gohrsmühle Chromglanz“ auf den Markt zu bringen. 1956 kauft das Unternehmen eine Lizenz der US-Firma S.D. Warren und stellt die eigene Entwicklung ein.

Noch im gleichen Jahr läuft das erste Papier der Marke „Chromolux“ vom Band und erweist sich über viele Jahre hinweg als Umsatzgarant, speziell in der Werbe- und Verpackungsindustrie.

Die konsequente Ausrichtung der Produktion auf Feinpapiere hält Zanders erfolgreich auf dem Markt. Kleinere Papierwerke in Bergisch Gladbach, wie Poensgen, Weig und Wachendorff müssen längst die Tore schließen oder verlagern die Produktion. Bergisch Gladbach als Herz der Papierindustrie bekommt die ersten tiefe Risse.

Die Papierfabrik Wachendorf (Bild) hat in Bergisch längst die Tore geschlossen, ales Zanders mit Chromolux nochmals zum Angriff auf den Weltmarkt ansetzt, Foto: Mattes, Peter

Dagegen setzt Zanders weiter auf Expansion. 1965 wird das Werk Felix Heinrich Schoeller in Düren erworben, 1982 kommt die Papierfabrik Neumühl, Hugo Albert Schoeller in Düren dazu. Dazwischen wird 1977 die Stiftung Zanders gegründet.

Finanzbedarf: 1 Milliarde DM

Für die Zukäufe sowie den Ausbau der Produktionsanlagen von Chromolux wird frisches Geld benötigt, die Spitzenstellung am Weltmarkt für Feinpapiere fordert ihren Tribut. 1980 verschlingt das Investitionsprogramm alleine 200 Millionen DM.

Doch damit nicht genug: Ein neues Kraftwerk, eine neue Streichmaschine und vor allem die neue Papiermaschine PM3 sollen die Position des Unternehmens weiter sichern. Der Kapitalbedarf beträgt satte 1 Milliarde DM.

Die Umwandlung in eine AG 1984 soll es richten und zusätzliches Kapital einbringen. Der Wandel wird von dem Österreicher Peter Dauscha gemanagt, damals der Vorstandschef bei Zanders.

Zanders steigt bei Zanders aus

Der Plan klingt gut. Dauscha treibt die Marktführerschaft voran, vielleicht mit etwas zu viel Vollgas. Das Unternehmen gibt dafür seine Seele auf: Die Familie Zanders steigt 1989 unter Leitung von Hans Wolfgang Zanders völlig überraschend aus.

Sie hält bis dato 51 Prozent der Stammaktien, sieht sich jetzt aber mehr nicht imstande, den „Kapitalbedarf der Gesellschaft zu decken“. Spekulationen zufolge soll der Erlös mehrere hundert Millionen Mark betragen haben (Bergische Landeszeitung 7.11.1989).

Die Papiermaschine PM3 der Firma Voith im Werk Gohrsmühle der Firma Zanders im Sommer 1992, Foto: Günther, Albert

Diese offiziellen Verlautbarungen werden seinerzeit jedoch heftig angezweifelt. Gesamtbetriebsrat Anton Lowartz schimpft, der Familie ginge es nur um das Geld. Steuerrechtliche Änderungen werden genannt, welche die Familie Zanders zum Jahreswechsel belasten würden. Und auch eine Änderung bei den Erbschaftssteuern könnte den Ausschlag gegeben haben (Bergische Landeszeitung, 6.11.1989).

Hans Dahlheuser, Betriebsrat an der Gohrsmühle, spricht von einem klandestinen Vorgehen der Hauptaktionäre: „Alle wurden überrumpelt, alle. Sogar die eigenen Vorstandskollegen. Die wußten nichts von dem Verkauf.“

Der erste von vielen Investoren übernimmt

Bis jetzt habe man einen Großaktionär im Werk gehabt, dies sei berechenbar gewesen, meint Betriebsrat Lowartz (Bergische Landeszeitung, 7.11.1989). Und skizziert damit – vielleicht ungewollt – ziemlich genau den beginnenden Untergang von Zanders durch den Einstieg ausländischer Investoren.

Über 160 Jahre Unternehmergeschichte liegen damit augenblicklich in Trümmern. Das Vertrauen, vielleicht das wertvollste Kapital, ist zerstört. „Eine Zusammenarbeit mit Hans Wolfgang Zanders ist nicht mehr möglich, ich lehne das ab,“ erklärt seinerzeit Dalheuser.

Und die Trennung von Grund und Boden nimmt ihren Lauf: Auch die Gronauer Waldsiedlung sei verkauft worden, bestätigt Sylvia Zanders in der Bergischen Landeszeitung (7.11.1989). Der Einstieg eines riesigen, internationalen Unternehmens würde das kleine Bergisch Gladbach aufwerten, zeigt sie sich zuversichtlich.

Die Firma j.W.Zanders wird 1984 unter dem Vorsitz von Prsäident Christians von der Deutschen Bank im Bergischen Löwen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Fünf Jahre später gehen die Stammaktien an ICP Paper aus den USA (v.l.n.r. Hr. Halfwassen, Hr. Christians, Peter Dauscha, W. Stammen, Hans Wolfgang Zanders), Foto: Günther, Albert

Die International Paper Company (IPC) aus den USA übernimmt, über den Preis wird Stillschweigen vereinbart. Investor Nummer 1 ist an Bord. 167 Jahre Zanders unter Leitung der Familie sind vorüber. Es bleibt die Marke, die noch eine gewisse Zeit vom Ruhm der vergangenen Jahre zehrt.

Die Zahlen werden schlechter: Zwar liegt 1997 die Produktion bei 378.000 Tonnen Papier, die Zanders Feinpapier AG beschäftigt 2.500 Mitarbeiter. Doch seit 1992 schreibt Zanders nur noch Defizite. Die Rohstoffpreise steigen, Überkapazitäten treiben die Preise in den Keller.

Investoren Nummer 2 und 3

IPC verliert das Interesse, 2000 übernimmt das finnische Unternehmen Metsä Serla (M-real). Zanders wird von der Börse genommen, ein Sanierungsprogramm inklusive Stellenabbau initiiert. Dies wird durch die allgemeine wirtschaftliche Lage aber rasch wieder aufgefressen.

Der Standort Düren wird veräußert, die Gohrsmühle produziert mittlerweile Faltschachtelkartons, ein Brand im Februar 2013 stoppt vorübergehend die Produktion.

Ende 2014 gibt Metsä auf, im Mai 2015 folgt die Mutares AG als Investor Nummer 3. Metsa hat die Nerven verloren: 85 Millionen Euro Umsatz standen zuletzt 20 Millionen Euro Schulden gegenüber.

Mutares Plan sieht die Sanierung mit anschließendem Verkauf des Unternehmens vor. Der Plan scheint aufzugehen: Der Umsatz soll 2016 bei 110 Millionen Euro liegen.

Zum positiven operativen Ergebnis sollen zudem Grundstücksverkäufe (an Krüger und die Stadt), Umschuldungen und Energiesparmaßnahmen beitragen. Damit verliert das Unternehmen in der Stadt weiter an Boden. Zudem sind neue Produkte geplant, Mitarbeiter:innen werden gesucht.

Insolvenz Nr. 1

Aber auch dies wendet den Niedergang nicht ab – im Sommer 2018 beantragt die Zanders GmbH die eine „Insolvenz in Eigenverantwortung“ was vom zuständigen Gericht indes nicht ermöglicht wird. Stattdessen wird der Wuppertaler Rechtsanwalt Marc d’Avoine als Insolvenzverwalter eingesetzt.

Als Gründe für die Schieflage nennt Zanders erneut die gestiegenen Preise für Zellstoff, Chemikalien und Kohle. Allein in den vergangenen zwölf Monaten seien die Kosten dieser Rohstoffe um mehr als 40 Prozent gestiegen. Gründe, die man bereits von IPC gehört hat. Aber auch die Ausgaben für Betriebsrenten würden durch Restrukturierung und Investition nicht kompensiert, heißt es im September 2018.

Der Plan „Sanierung und Weiterverkauf“ geht für Mutares nicht auf. Der Insovlenzverwalter sucht einen Investor mit strategischem Interesse. Informationen von Interessenten aus China machen die Runde, für 60 Mitarbeiter sind diese Infos nicht mehr relevant. Sie verlieren ihren Job, die übrigen lassen sich auf Gehaltskürzungen ein.

2018 steht Zanders ohne Grundstücke da, die Gewerbefläche gehört komplett der Stadt, Foto: Mattes, Peter

Verkauf des Standortfaktors „Fläche“

Zugleich verliert Zanders weiter den Boden unter den Füßen. Nachdem bereits in 2017 der Verkauf nicht benötigter Zanders-Flächen an die Stadt Geld in die Kassen des maroden Papierherstellers spült, sieht Bürgermeister Lutz Urbach im Herbst 2018 mit dem Ankauf der restlichen Flächen die einzige Chance zu verhindern, dass Zanders das Geld ausgeht. „Standortsicherung“ lautet die Überschrift des Manövers, das in 2020 noch eine wichtige Rolle bei einem Ultimatum spielen soll.

Der Verkauf geht für eine nicht näher bezifferte, zweistellige Millionensumme über die Bühne. Er gilt als Voraussetzung dafür, dass Zanders in der Insolvenzphase aktiv bleiben kann.

Die Skandinavier kommen

Statt Asiaten steigt nun ein Norweger ein: Terje Haglund steht an der Spitze einer Investorengruppe, die ihr Glück an der Strunde versuchen will. Im Herbst 2018 wird aus der Zanders GmbH mit zuletzt 500 Mitarbeitern die Zanders-Paper GmbH mit gut 300 Beschäftigten. Die Fortführung der Produktion hochwertiger Spezialpapiere und -kartons sei gesichert, heißt es.

Allerdings gehören Maschinen und Anlagen weiterhin dem Insolvenzverwalter, das Grundstück der Stadt Bergisch Gladbach. Die vermietet die Fläche zunächst an den Insolvenzverwalter, der wiederum an die neue Zanders Paper. Für einen langfristigen Pachtvertrag direkt zwischen Stadt und Unternehmen fordert die Stadtverwaltung – mit einem einstimmigen Mandat des Stadtrats – entsprechende Sicherheiten ein.

Das ganze Jahr 2020 über wird gestritten, Terje Haglund tritt kaum noch in Erscheinung, statt dessen verhandelt jetzt Tom Olander mit der Stadt. Er ist der Chef der schwedischen Jool Invest, offenbar der Haupteigentümer von Zanders. So ganz klar werden die Verhältnisse in der Öffentlichkeit aber nicht.

Unterdessen lotet die Stadt mit der Ideenwerkstatt #AufZanders mit vielen Runden und Gesprächen aus, was man mit dem Zanders-Areal sonst noch alles anfangen könne. Zunächst natürlich nur mit den zwei Dritteln der Fläche, die nicht mehr von der Papierfabrik genutzt wird. Aber – für den Fall der Fälle – wird eine sogenannte Voll-Konversion der 30 Hektar schon immer mitgedacht.

Ideenwerkstatt in aufgegebenen Industriehallen: Auf einem riesigen, begehbaren Luftbild, werden die Dimensionen des Areals deutlich. Foto: Redaktion

Die zweite Insolvenz

Das elende Gezerre um den Pachtvertrag zieht sich mit kurzfristigen Übergangslösungen bis in den Kommunalwahlkampf im Sommer 2020 hinein. Ankündigungen der Politik folgen Fristen, die ohne Konsequenzen verstreichen. Ein Nervenkrieg für die Beschäftigten der Papierfabrik, das in der Androhung von Zwangsräumungen per Ultimatum durch die Stadt gipfelt. Die Stadt verlässt zwischendurch den runden Tisch, sieht keine Gesprächsebene mehr.

Im Februar 2021 keimt wieder etwas Hoffnung auf: Ein befristeter Pachtvertrag bis Jahresmitte scheint möglich. Das haben Beteiligte jedoch schon oft gehört. Und wieder werden sie enttäuscht. Am 1. März 2021 beantragt Zanders zum zweiten Mal in drei Jahren Insolvenz. Die Stadt wurde hierüber nicht informiert. Eine Abstimmung fand nicht statt.

Die Corona-Pandemie soll den Ausschlag gegeben haben, die Nachfrage nach Speziapapieren für Verbrauchsgüter sei stark zurückgegangen. Mit der Insolvenz verschaffe man sich eine Atempause. Ruhe vor dem Sturm? Nach Lage der Dinge eher die Ruhe vor einem letzten lauen Lüftchen. 199 Jahre, nachdem eine Familie zur prägenden Dynastie für Generationen in der Stadt geworden ist.

Der Fall von Zanders markiert auch für die Stadt Bergisch Gladbach einen Neuanfang: Die Identität als Papiermacherstadt hat ausgedient, es bleiben Erinnerungen. Foto: Thomas Merkenich

Lesen Sie in Teil 3 der Serie, wie sich die Familie Zanders über Generationen hinweg in der Stadt engagierte und welche Umstände zu einem radikalen Umschwung in der Vernetzung von Kommune und Unternehmen führten.

Die historischen Fotos entstammen (soweit nicht anders gekennzeichnet) dem Stadtarchiv Bergisch Gladbach. Das Bürgerportal bedankt sich ausdrücklich für dessen umfassende Hilfe bei Recherche und Bereitstellung des Bildmaterials. Einige weitere Fotos kommen aus dem Archiv der Stiftung Zanders.

Der Beitrag wurde gefördert durch ein Stipendium von Netzwerk Recherche.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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5 Kommentare

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  1. Hallo Herr Maus,
    es ging mir im Kern nicht um die Energiewende und synthetische Kraftstoffe und als Schuldzuweisungen sehe ich meine Zeilen zum Thema Zanders nicht, wir dürfen nur nicht unsere Augen vor ökologische und ökonomische Veränderungen verschließen. Meine Aufzählung zum Zeitgeist, mit meiner Bemerkung: „die Autoindustrie musste es erkennen, die Zukunft ist Digital und mit Elektroantrieb“, zeigt doch klar, dass die Forschung nach Alternativ-Treibstoffen für Otto-Motor und Diesel es eindeutig verpennt hat. Die Zukunft wird zeigen ob sowohl synthetische Kraftstoffe als auch die Elektromobilität in sinnvoller Kombination funktioniert. Vorteil für den Elektroantrieb sehe ich in neuen Batteriematerialien, es wird weltweit geforscht, der Bund und EU fördert die geplante Tesla-Batteriefabrik in Grünheide, dazu soll die „Forschungsfertigung Batteriezelle“ Mitte 2022 bei Münster ihren Betrieb aufnehmen. So bin ich gespannt, ob Ihre aufgeführten Fakten, in 10 Jahren, dem Verbrenner-Motor im PKW mit Ökologie und Ökonomie ein neues Leben einhauchen wird – synthetische Kraftstoffe sind einfach noch viel zu teuer in der Herstellung. Synthetische Kraftstoffe und auch Wasserstoff, wird man dort einsetzen, wo er auch Sinn ergibt.
    Mir ging es nicht um Kraftstoffe, allein das schwelende Zanders Problem muss ganzheitlich betrachtet werden, denn die Werksschließung wird kommen.
    Dennoch möchte ich noch auf Ihre Frage eingehen, zum Einzelhandel: die namhaften Kaufhäuser aus Köln und Essen, hatten bereits vor dem Jahr 2000 Absatzprobleme, als Objektplaner hatte ich umfangreiche Einblicke in internen Strukturen beider Unternehmen. Innerhalb von 24 Monaten war die Aussage eines leitenden Angestellten: „wir können vor Kraft kaum gehen“, nur noch Geschichte, siehe auch die Tragik von Quelle und Schickedanz. Ja, es sind menschliche Schicksale, die hatten wir schon, als die Roboter-Fertigung in den 60ern in der Autoindustrie eingeführt wurde.
    Zu Ihrer Aussage: „Die Auswirkungen der sog. Energiewende wird nicht nur Zanders treffen“, stimmt, das Problem ist jedoch vielschichtiger, es reicht auch heute nicht nur der Ausspruch; „Je besser die Kundenbeziehung, desto treuer sind die Kunden”, was macht Zanders, wenn die Kundschaft ausbleibt, die Druckereien und Zeitungsverlage weniger Papier braucht – in einem digitalen Zeitalter?
    Dann geht es Zanders in Bergisch Gladbach wie AGFA in Leverkusen.

  2. Vielen Dank für den Artikel. Ein Hinweis: Das Unternehmen Wachendorff (ein „f“ fehlt in der Bildunterschrift) gab es nach Eigentümerwechsel 1990 bis 2003 am Standort.

  3. Hallo Herr Crump,
    vielen Dank für Ihre detaillierte und auf vielen Quellen beruhende Darstellung, die ich aus externer Sicht um zwei Aspekte ergänzen möchte.

    Und nein, im Gegensatz zur Meinung der Vorkommentatoren waren es weder der Online-Handel, noch das Internet, noch hohe Energiepreise noch China, die im Jahr 1989 zum Ausstieg der Familie Zanders (und übrigens auch anderer großer Aktionäre) geführt haben.
    In den 80er und 90er Jahren sind alle großen Papierhersteller in Deutschland von schwedischen und finnischen Konzernen übernommen worden. Kleinere und mittlere Hersteller wurden geschlossen, das haben Sie ja auch für Bergisch Gladbach erwähnt. Der Grund ist einfach: Die nordeuropäischen Konzerne besitzen zum Teil eigene riesige Wälder, stellen selbst Zellulose und anschließend Papier her. Sie haben mehr Veredelungsschritte und einen unschlagbaren Kostenvorteil.
    Und warum Zanders von keinem dieser Konzerne übernommen wurde liegt ebenfalls auf der Hand. Dafür war Zanders trotz Marktführerschaft bei den Spezialpapieren zu klein und der Zellulosebedarf zu niedrig.
    Wenn man man sich anschaut, welche Unternehmen heute noch inDeutschland welches Papier herstellen, trotz Online, Internet, Energiekosten und China: Ausnahmslos finnische und schwedische Gruppen und fast ausnahmslos Hygienepapiere und graphische Papiere. Und damit wachsen sie sogar noch, trotz Online, Internet…. .
    Nicht immer sind Erklärungen so einfach, wie es uns manche glauben lassen wollen.
    Und im Falle Zanders mag noch dazukommen, dass zwei Nachkommen der Familie im jugendlichen Alter auf tragische Weise ums Leben kamen.

  4. Guten Tag Herr Lauktien,
    wir sollten mit Schuldzuweisungen bei den von Ihnen beobachten wirtschaftlichen Problemen vorsichtig umgehen, wenn wir in Deutschland den schleichenden und/oder rapiden bedauerlichen Niedergang sehr unterschiedlicher Wirtschaftszweige konstatieren müssen.
    Es überrascht nicht, dass der Online Versandhandel u.a. durch Volumenvorteile Einkaufsmacht bei geringem working capital und optimalen Personalkosten gewinnt. „Optimale Stellschrauben“ im Einzelhandel, wie Sie meinen? Ja, welche denn? Im „Ausschuss für strategische Stadtentwicklung und Mobilität“ (ASM) meinten 2 Politiker der 3-er Koalition, der Einzelhandel in Bergisch Gladbach solle doch vermehrt auf Online-Umsatz setzen. Das werden die Einzelhändler auch ohne den guten Rat der Politik soweit wie möglich unternehmen. Nur, sind damit u.a die Umsatzvolumina- und Logistik-Nachteile ggü. dem Online-Handel kostenseitig bei weitem noch nicht ausgeglichen.

    Bei Ihrer Kritik an der Autoindustrie fehlen Ihnen vielleicht einige Wissensdetails: Inzwischen gibt es (endlich) seriöse Studien, die aufzeigen, dass die politisch geförderte e-Mobilität,auch mit dem heute schon verfügbaren Grünstrom, zu sehr hohen CO2-Fußabdrücken führt. Sogar höher als Kolbenmotoren mit fossilen Kraftstoffen. Unterstellt man jedoch synthetische, CO2-neutrale eFuels für Verbrenner, ist die e-Mobilität deutlich klimaschädlicher. In der Öffentlichkeit — und den meisten Medienberichten — geht dabei unter, dass die CO2-Fußabdrücke der neu zu erreichtenden Infrastruktur noch zusätzlich die Bilanz für e-Fahrzeuge restlos verhageln. Gerne besorge ich Ihnen die Literatur. Es ist Fakt, dass die Chinesen dies inzwischen verstanden haben und glauben, die Deutschen wegen ihres politisch gewollten Verbrenner-Moratoriums schlagen zu können. Das wird in 2-3 Jahren schmerzlich sichtbar und wird vielleicht total 1 Million Arbeitsplätze kosten.

    Irritierend sind die allgemeinen und medialen Ansichten zur Wettbewebsfähigkeit unserer Industrie. Also auch zu Zanders. Wie wollen Industriebereiche überleben, die wie Papier, Stahl, Kupfer, Alumium, etc. Energiepreise zu verkraften haben, die bereits in Ländern der EU nur 60% ausmachen. In China 1/3 bis 1/5! Bei solchen Industrien machen die Energiekosten einen wesentlichen Anteil der Gesamtkosten aus. Wie kann dann unsere lokale Industrie bei solchen wettbewerbsfeindlichen Standortbedingungen überleben?
    Die Auswirkungen der sog. „Energiewende“ werden nicht nur Zanders treffen. Und falls Sie mir bei den Fakten zustimmen: Wie und was müsste/könnte man Ihrer Ansicht dann konkret ändern ….?

    Mit freundlichen Grüßen

    Wolfgang Maus

  5. Ein jeder muss es langsam erkennen, dass sich einige deutsche Unternehmen zu sehr ausgeruht haben und den Zeitgeist nicht erkennen wollten. Neben Tante Emma Läden haben es auch namhafte Kaufhäuser nicht geschafft die Stellschrauben zum Gewinn zu finden. Ich erinnere mich noch gut, dass auch die leitenden Herren der Energieversorger über die nachhaltige Photovoltaik gelächelt haben. Unser liebstes Kind, die Autoindustrie musste es erkennen, die Zukunft ist Digital und mit Elektroantrieb. Licht leuchtet heute digital, Osram musste es erkennen, dass kein Geld mit Glühdraht und Co zu verdienen war. China lässt grüßen, die haben es auch bei Zanders schnell erkannt!
    Es geht so oder so zu Ende mit Zanders, kein Investor wird in ein veraltetes Unternehmen investieren – ohne nachhaltige Zukunftsideen. Da wird sich auch nach überstandener Pandemie nichts ändern.
    Die Schuldigen zu suchen und Corona zu nennen ist müßig, klar ist, dass die Algorithmen und das www nicht unschuldig am Niedergang von namhaften Unternehmen und Zanders Feinpapiere sind. Wer braucht noch edles Chromolux aus den 70ern?
    Auch in der Druckindustrie, gehe der Trend derzeit Richtung Zukunftsangst, meint Zukunfts- und Trendforscher Mathias Horx.
    Lieber jetzt ein Ende mit Schrecken herbeiführen als ein Schrecken ohne Ende.
    Die vielen Arbeitnehmer werden bei einer Verlängerung und einem weiteren Rettungsversuch nicht für Solidarität und Leistungen belohnt. Wer in einer weiteren Insolvenzzeit „belohnt“ wird, sind die Betreiber die aus der Zanders-Hülle noch schnell die 2 Millionen EUR Löhne und Gehälter einsparen die vom Arbeitsamt übernommen wird und der Insolvenzverwalter der bei diesem Verfahren mindestens die gleiche Summe erhält für die „Schwere“ der Abwicklung. So leid es mir für die Zanderianer tut.