In diesem Siefen bei Herkenrath entspringt der Lerbach

Im dritten Teil der Serie „Die kleinen Brüder der Strunde“ lernen wir den Lerbach kennen. Auf dem Weg von der Quelle in Herkenrath bis zur unterirdischen Mündung in die Strunde fließt er durch den Lerbacher Wald und durch den Teich am Lerbacher Schloss. Engelbert M. Müller begleitet ihn mit der Kamera.

Auf der Karte hatte ich gesehen, dass sich die Quelle des Lerbach in Herkenrath befinden musste, am Ende der Paul-Lücke-Straße. Ich war erstaunt, hier plötzlich einen tiefen Siefen vorzufinden. So werden die kleinen feuchten Schluchten im Bergischen Land genannt. Ein Anwohner bestätigte mir, dass es sich hier um die Quelle des Lerbachs handele. Aber für mehr Informationen solle ich mich doch an einen alten Herkenrather in der Straße Hecken wenden.

Dieser 85jährige Herkenrather erzählte mir: „In meiner Kindheit entsprang der Lerbach noch östlich der Straße Hecken. Er floss unter der damals noch nicht asphaltierten Straße und unter unserem Haus her. Das änderte sich erst mit der Befestigung der Straße in den 50er Jahren.“

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Hier also beginnt dieser kleine Bruder der Strunde seinen abwechslungsreichen Lauf über eine Strecke von 5423 m von der Quelle in Herkenrath bis zur unterirdischen Mündung in die – hier ebenfalls unterirdisch fließende – Strunde in der Gronauer Waldsiedlung.

Die Karte zeigt ungefähr den Verlauf des Lerbachs, und man sieht, dass die nächste Station meiner Wanderung sich in der Nähe des Naturfreundehauses Hardt befindet. Damit meine ich die Reste der früheren Grube Blücher.

In dieser Grube wurden von 1847 bis 1893 Blei- und Zinkerze gefördert. Um kleinere Erzkörner gewinnen zu können, wurde das Fördergut wie beim Goldwaschen vom „tauben“ Gestein getrennt. Übrig blieben die Waschberge, deren Reste man hier noch heute sehen kann, und die wie eine kleine Mondlandschaft anmuten.

Aus alten Stollen tritt rotes Wasser zu Tage, im Wasser gelöstes Eisen:

Dann schließt sich ein schöner kurzer Wanderweg auf dem linken Bachufer bis Kaltenbroich an, durch eine einsame Landschaft. Von dort könnte man auf einem höher gelegenen Weg zurück zum Naturfreundehaus gehen, insgesamt keine Stunde.

Hinter Kaltenbroich, das wir im vorhergehenden Beitrag schon kennengelernt haben, sieht man links die ehemalige Oberlerbacher Mühle. So sah sie vor ihrer Restaurierung aus: Ein doppeltes Fachwerkhaus, wie man es selten findet.

Man konnte froh sein, dass eine Restaurierung es vor dem Verfall rettete. Aber leider überlebte nur eine Hälfte dieses charaktervollen Hauses.

Wunderschön und gleichzeitig traurig ist die nächste Etappe auf der Spur des Lerbachs: Schloss Lerbach mit Teich und Park.

Traurig die Tatsache, dass man seit längerer Zeit den Park nicht mehr betreten kann. Das wäre eine dankbare Aufgabe für unsere neue Ratskoalition. Warum sollte es nicht möglich sein, mit den Besitzern, der Familie von Siemens, über eine Öffnung zu reden? Auch wenn diese sich in Verkaufsverhandlungen befindet.

Hier befindet sich auch eine architektonische Kostbarkeit, eine Reithalle aus Fachwerk:

Dürfen denn diese Schätze im Park wirklich der Öffentlichkeit vorenthalten werden?

Der Lerbach fließt weiter Richtung Westen und mündet in der Gronauer Waldsiedlung in die Strunde. Ohne dass man es merkt?

„Entschuldigung! Sieht man hier irgendwo den Lerbach an der Oberfläche?“ frage ich eine Anwohnerin. „Nein, der ist hier kanalisiert. Unter der Erde.“

Ich bin enttäuscht. Konnte es aber noch nicht ganz glauben. Und meine Skepsis macht sich bezahlt. In der Nähe sehe ich einen Mann im Garten arbeiten. Ihm stelle ich dieselbe Frage, da ich hinter ihm Büsche und Bäume erblickte, die wie ein Gehölz am Bachsaum aussahen. Und tatsächlich: „Ja, ich zeige Ihnen den Bach. Moment, ich hole gerade mal den Schlüssel.“

Mit dem Schlüssel öffnet er ein Gartentörchen, welches zu dem Teil seines Gartens führt, der sich entlang des Lerbachs erstreckt. Der Bach ist deutlich sichtbar und verschwindet schließlich in einer Röhre, um sich nach diesem letzten, unterirdischen Stück sich dann mit der – ebenfalls unterirdisch verlaufenden – Strunde zu vereinigen.

Und so findet der Lerbach in der Nähe des schönen Platzes „An der Eiche“ doch noch ein ehrenvolles Ende. Wie es einem kleinen Bruder der Strunde gebührt.

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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13 Kommentare

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  1. Ein Dank an alle, die sich für den Lerbach interessiert haben, vor allem auch die, die sich mit dem Verlauf kritisch auseinandergesetzt haben. Ihre Kommentare haben mich veranlasst, auch selber noch einmal das Ende des Bachs in Augenschein zu nehmen.

    Und tatsächlich! Neben Expert tritt der Lerbach noch einmal für etwa 20 Meter ans Tageslicht. Die sich daran anschließende Mündung in die Strunde befindet sich aber doch kanalisiert „unter Tage“. Das wurde mir auch so vom Abwasserwerk bestätigt.

    Mit freundlichen Grüßen und dem Wunsch nach weiterer Aufmerksamkeit für die interessanten, schönen und schützenswerten Quellen und Bäche auf dem Boden unserer Stadt,

    Engelbert Manfred Müller

  2. Danke für den schönen Bericht,
    ich selber bin mit dem Lerbach aufgewachsen. Immer wieder ein toller Spielpartner, Christophorusstr. im Talweg mein Geburtshaus, Spielplatz Sankt Josefstr., Bonnschlade und auch immer wieder im alten Schlosspark. Es war eine wunderschöne Zeit.

  3. Der Lerbach ist teilweise renaturiert worden. Er fließt nördlich an der Kirche Zum Frieden Gottes vorbei, wo eine kleine Brücke die Verbindung zwischen Christopherusstr. und Martin-Luther-Str. herstellt. Weiter geht es dann bis zur Bensbergerstr.

  4. Hallo Herr Müller..wunderschöner Beitrag zum Verlauf des Lerbachs.Die schönen Ecken mit den alten Fachwerkgebeuten sind wirklich erhaltenswert….manchmal habe ich den Eindruck das inBergisch Gladbach darauf nicht soviel Wert gelegt wird! Schade!!!
    Mit lieben Grüßen Eleonore Franke

  5. Ein interessanter Beitrag, der zeigt, mit welch kriminalistischen Gespür man hier vorgehen muss, um Bachläufe zu verfolgen. Wie schön wäre eine Renaturierung!

  6. Der Lerbach unterquert die Strasse An der Tent an deren Ende. Läuft noch ein Stück entlang der Heidkamper Str. wird . Unterläuft die Cederstr. und geht unter dem Parkplatzes vom heutigen Expert Herfort (ganz früher Fiat Theissen) in die Strunde.

  7. Ein sehr schöner Beitrag mit interessanten Informationen und schönen Fotos.
    Danke und bitte weiter so!
    Claudia Dietze

  8. Wieder ein wunderschöner Beitrag. Vielen Dank.
    Freue mich schon auf den nächsten.

  9. Sehr guter Beitrag, der noch mehr hervorhebt, was für malerische landschaftliche Schönheiten Bergisch Gladbach zu bieten hat!

  10. Sehr schöner kleiner Beitrag. :)

    Kann mich dem Appell zu 100% anschließen. Der Schlosspark Lerbach sollte für die Öffentlichkeit offen stehen. ✓

    Es kann nicht sein dass:
    In einer Großstadt wie Bergisch Gladbach jemand nur weil er Geld hat ein Gebiet von über 4 Fußballplätzen einfach so für sich aufkauft und dann nichts damit macht. Und dann einfach mit dicken Zäunen und Sperranlagen umringt.

    Wo ist da das Allgemeinwohl ?
    Früher war es für alle offen und war bei Jung und Alt beliebt. Es hat eine vielzahl an schönen Orten und eine große Wiese. Jogger haben Ihre Runden gedreht, Kinder haben Kastanien gesammelt, Auf der Wiese wurde Yoga gemacht und zu Ostern wurde sich um die Ostereier gekloppt.

    Das Schloss und die Anwesen obenrum kann man ja sowiso sperren.

    Aber naja. Übringens ist da eine kleinere Quelle die auch in den Lerbach führt. Die jetzt auch – Eingesperrt- ist.
    Gier regiert die Welt!

  11. Schöner Bericht über den Lerbach!Nur:Die Mündung in die Strunde ist hinter Expert am Johannisplatz sichtbar!