Moderner Unterricht am Nicolaus Cusanus Gymnasium wird jetzt noch einfacher: Stadt und Schule haben 108 Tablets erhalten, im Rahmen eines Pilotprojekts. Eine Unterrichtsstunde zeigt, dass die Geräte nicht nur im Distanzunterricht ganz handfeste Vorteile bieten. Sponsoren haben die Computer finanziert – und wollen mit einem neuen Verein die Schulen im gesamten Kreis versorgen.

Dienstagmittag, Deutschstunde bei Lehrer Tobias Bänsch in einer 10. Klasse am NCG. Ein Schüler steht vorne am Pult, er hält ein Tablet in der Hand. Darauf eine Präsentation, die er vorher mit einem Stift auf dem Tablet erarbeitet hat. Der Clou: Die Schüler:innen im Raum sehen die Präsentation parallel als Projektion an der Wand, und auf ihrem eigenen Gerät.

So kann Unterricht 2.0 aussehen, wenn die Schulklasse einheitlich und ausreichend mit Tablets ausgestattet ist. Am NCG ist das jetzt in der ganzen EF-Stufe der Fall. Hier heißt es künftig „Overhead-Projektor adé“.

+ Anzeige +

Sponsoren stellten der Schule die 108 Computer zur Verfügung. Ludwig Krämer und Hendrik van Eist kamen auf die Idee, gemeinsam mit der EMILs GmbH, dem Notaren Bohlscheid und Dr. Mödl sowie der MDE Steuerberatung den Schüler:innen unter die Arme zu greifen.

Von links: Jörg Schmitter (stellvertretender Schulleiter NCG), Michael Stracke (NCG, Oberstufen-Koordinator), Jörn Spillmann (NCG, zuständig für die Schul-IT), Sven Hees (Schulleiter NCG), Frank Stein (Bürgermeister), Hendrik van Elst (Sponsor und Ideengeber), Robert Mödl (Notare Markus Bohlscheid und Dr. Robert Mödl), Volker Weirich (Schulverwaltung). Foto: Holger Crump

Die 108 Geräte sind ein erster Schritt. Weitere sollen folgen. Denn die Sposoren planen die Gründung des gemeinnützigen Vereins Digitale Schule Rhein-Berg e.V., um die Schuldigitalisierung zu forcieren. Das Angebot soll im ganzen Kreis erfolgen, finanziert aus entsprechenden Spenden.

Arbeitsteilung zwischen Stadt und Verein

Als die Sponsoren mit ihrer Idee an die Stadt herangetreten seien, ging es schnell nur noch um das „wie¡, nicht mehr um das „ob“, berichten die Beteiligten. Das Modell dieser Private Public Partnership, also der Kooperation von öffentlicher Hand und privater Wirtschaft, ist arbeitsteilig angelegt: Der Verein spendet das Geld, die Stadt beschafft die Geräte und verwaltet diese über ihre Schul-IT. Die besteht derzeit aus vier Mitarbeitern, ein Anwachsen der Stellenzahl auf zehn Kolleg:innen sei bereits beschlossen, erklären Bürgermeister Frank Stein und Volker Weirich, Leiter der Schulverwaltung.

Apple-Geräte seien aufgrund ihrer Ausstattung für den Schuleinsatz prädestiniert, gleichwohl sei der Markt leergefegt, heißt es. Daher erfolge die Beschaffung über die Kommune, die derzeit vom Hersteller bevorzugt beliefert würden.

Schulleiter Sven Hees freut sich über die Geräte und betont, wie wichtig es sei, dass alle Schüler:innen die gleichen Geräte hätten. Die Pandemie habe gezeigt, dass die Nutzung privater und damit unterschiedlicher Geräte zu Problemen im digitalen Unterricht führen würden. Einheitliche Endgeräte würden dieses Problem lösen.

Pilotprojekt über drei Jahre

Die Bereitstellung der Tablets erfolgt zunächst im Rahmen eines auf drei Jahre angelegten Pilotprojekts. In der Zeit wolle man herauszufinden, welche Chancen der Einsatz von Tablets im Unterricht biete und wo Hürden und Hindernisse liegen, schildert Lehrer Jörn Spillmann, der am NCG für die IT zuständig ist.

Das Tablet-Projekt werde von einem Gremium begleitet und evaluiert, so die Stadt zu den Details. Die Mitglieder würden sich aus den Schülerschaft, Eltern und Lehrerschaft zusammensetzen.

Apple TV in der Schulklasse: Damit werden keine Serien gestreamt, sondern Inhalte geteilt und an die Wand projziert, Foto: Holger Crump

Kein Kind benachteiligen

„Vereinsziel von Digitale Schule Rhein-Berg e.V. ist, auch anderen Kommunen Tablets für ganze Klassen oder Jahrgangsstufen zu schenken“, erläutert Robert Mödl, einer der Sponsoren. „Wichtig ist uns, dass kein Kind benachteiligt wird, sondern alle mit gleichen Arbeitsgeräten die Schule besuchen können“, betont Hendrik van Elst.

Wer den zukünftigen Verein schon jetzt unterstützen möchte, kann sich direkt an Hendrik van Elst wenden: h.vanelst@bshvanelst.de

Bürgermeister Stein bedankt sich im Namen der Schulverwaltung bei den Spendern für dieses Engagement. „Diese Kooperationen zwischen Privatwirtschaft und Stadtverwaltung ist ein tolles Pilotprojekt. Ich bin froh, dass wir die Geräte anschaffen konnten und nun der nächste Schritt im digitalen Arbeiten gemacht werden konnte.“

Weirich als Leiter der Schulverwaltung betont, dass die Stadt am Ball bei der Beschaffung bleibe. „Der Markt ist leergefegt, aber wir haben bereits 3.500 Geräte gekauft und die nächsten 500 bestellt.“

Vorteile von Unterricht 2.0

Die flachen neuen Helfer von Apple sorgen nicht nur für eine Vernetzung der Schüler:innen untereinander. Sie bieten auch völlig neue Möglichkeiten des Unterrichts, schildern die Lehrer am NCG. So könne für Schüler:innen zuhause (z.B. bei Quarantäne) das digitale Tafelbild auf ihrem Tablet abrufen. Virtuell könnten sie so dem Unterricht folgen.

Zudem gebe es Apps, um Experimente mit den Tablets durchzuführen, berichtet Schulleiter Hees. Dabei würden die eingebauten Sensoren genutzt, zum Beispiel als Pendel. Interaktive Arbeitsblätter seien weitere Möglichkeiten. Sie würden sich je nach Qualität der Antworten der Schüler:innen verändern und an den Wissensstand anpassen.

Videoeinspielungen im Geschichstunterricht, die Erstellung von Fotos oder ein automatisiertes Feedback bei Prüfungen für Eltern werden als weitere Vorteile genannt, die der analoge Unterricht nicht biete.

Pfuschen ging schon vorher

Zudem können die Inhalte der Tablets über Apple TV an die Wand projziert werden. Das Referat des Schülers in der Deutschstunde demonstriert das eindrucksvoll. Wo früher Matrizen oder Kopien rumgereicht wurden, genügt nun die Freigabe eines Dokuments an die Klasse.

Das Refarat des Schülers erscheint sowohl auf den Tablets der Klasse als auch per Beamer an der Wand (Foto: Holger Crump)

Die Schüler:innen, welche die Geräte berets testweise im Unterricht nutzen, sind begeistert. Alex freut sich, dass er nicht mehr für jedes Fach extra ein Buch oder Heft mitschleppen müsse, er habe alles digital auf dem Tablet dabei.

Justin betont, dass das Gerät praktische Funktion biete, zum Beispiel das Zeichnen eines Kreises in Mathe. Zudem könne er überall etwas für die Schule tun, wenn er das Gerät mitnehme.

Lehrer Tobias Bänsch ergänzt, dass er die Mitarbeit nun noch besser bewerten könne, und die digitale Kompetenz der Schüler:innen steige. Zudem sei die Klasse durch die Arbeit an den Tablets motivierter. Die Handschrift leide nicht darunter. Schließlich würden die Tablets nicht mit Tastatur sondern mit einem Stift bedient und auf dem Tablet geschrieben. Ließe sich die Handschrift in Druckschrift übersetzen, fände er das noch besser.

Klar könne man durch Copy und Paste Inhalte anderer nutzen, meint ein Schüler. Aber wer einfach so kopiere fliege ohnehin schnell auf. Und gepfuscht oder abgeschrieben wurde früher auch schon, schmunzeln die angehenden Abiturient:innen.

Flaschenhals Breitbandanschluss

Bleibt zu hoffen, dass der Verein bald weitere Schulen mit Tablets versorgt. Die Endgeräteausstattung der Schulen wird damit zunehmend besser.

Ein Wermutstropfen bleibt: Der Flaschenhals Breitbandanschluss besteht nach wie vor. Dem NCG stehen über einen Kabelanschluss gerade einmal 500 Mbit/s für die gesamte Schule zur Verfügung.

Man komme mit der Geschwindigkeit zurecht, meint Schulleiter Hees. Probleme gebe es im Schulalltag nicht. Wann die Telekom den Glasfaseranschluss für die Schule nun realisiere, weiß indes niemand. Der magentafarbene Riese in Bonn lässt sich nicht in die Karten blicken.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

7 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. @LuckyChaos5x @LuckyChaos1x,
    leider sind Ihre Kommentare ungenau bis falsch:
    1. Ja, die Geräte mussten am Ende der Stunde wieder zurückgegeben werden, da es sich bei diesen Geräten um die sowieso schon in der Schule vorhandenen Leih-iPads handelte. Da die Einrichtung der für die Schülerinnen und Schüler der EF gedachten Geräte tatsächlich noch nicht final abgeschlossen war, haben wir bei dem Pressetermin zu Demonstrationszwecken die anderen Geräte genutzt.
    2. Die Aussage „Tatsächliche Nutzung für die Schüler ungewiss“ ist absolut falsch. Die Geräte werden am kommenden Montag ausgegeben und können dann auch sofort eingesetzt werden.
    Ein kleiner Hinweis noch: Ich habe Verständnis für Unzufriedenheit mit dem holprigen Ablauf. Wofür ich tatsächlich kein Verständnis habe, ist diese Form der Kritik hier in einem öffentlichen Forum, ohne dass man zuvor einmal seine Bedenken zum Beispiel der Schulleitung mitteilt und in einem Gespräch um Aufklärung bittet. Wir haben für Anregungen, Nachfragen und Kritik immer ein offenes Ohr.
    Ein erstaunter Stellvertretender Schulleiter,
    Jörg Schmitter
    Völlig falsch ist aber die Aussage „Tatsächliche Nutzung“ ungewiss. Die Geräte werden am kommenden Montag aus

  2. @Nicole Das sind verschiedene Dinge. Die Stadt hatte zunächst aus Landesmitteln 800 iPads für besonders bedürftige Schüler:innen angeschafft.

    Zudem wird an einem Medienentwicklungsplan gearbeitet, um die Schulen insgesamt mit digitalen Geräten auszustatten.

    Da das nicht reicht bzw. zu lange dauert gibt es jetzt eine private Initiative, um alle Schüler:innen auszustatten.

    Mehr Infos in diesem Beitrag: https://in-gl.de/2021/04/14/die-ersten-ipads-sind-in-den-schulen-angekommen/

  3. Ein Update: Die Stadtverwaltung meldet, dass die iPads bereits aufgerüstet wurden und jetzt einsatzbereit sind.

  4. Es sollten doch ohnehin alle Schulen mit sogenannten “iPad Koffern” ausgerüstet werden und zwar ganz offiziell , wo bleibt denn diese Lieferung ? Oder sollten sich besser alle Schulen Sponsoren suchen???

  5. Danke für die Hinweise. Die Stadtverwaltung bestätigt das, die Tablets mussten tatsächlich noch einmal an den Dienstleister der Stadt zurück, der noch etwas nachrüsten müsse. Das solle in den nächsten Tagen geschehen. Es handele sich um ein Pilotprojekt, bei dem nicht alles wie gewünscht geklappt habe. Daher bittet die Stadt um Verständnis für die Verzögerung.

  6. es stimmt uns wurden tatsächlich danach die I-pads weggenommen und wir wissen nicht ob wir diese überhaupt noch dieses Jahr bekommen werden

  7. Dumm nur, dass die Schüler nach dem Pressetermin die I-pads wieder zurückgeben müssten, weil irgendetwas noch nicht eingerichtet sei. Tatsächliche Nutzung für die Schüler ungewiss. Ein erstaunten Vater eines 10. Klässler’s