Nach einem Jahr Maskenpflicht werden die Schüler:innen von den Masken befreit – trotz hoher Inzidenz unter jungen Menschen. Die Meinungen über die Aufhebung gehen weit auseinander: Während ein Schulleiter von Vorteilen für die Schüler:innen spricht, droht an einer anderen Schule der teilweise Unterrichtsausfall. Eine Schule stellt sich schützend vor die ungeimpften Kinder und appelliert, die Masken weiter zu tragen – auf freiwilliger Basis.

„Die Landesregierung hat entschieden, die Maskenpflicht in den Schulen für alle Jahrgänge ab dem 2. November auch in den Unterrichtsräumen am Sitzplatz aufzuheben“, heißt es am Donnerstag in einer Pressemitteilung des NRW-Schulministeriums.

Die Aufhebung der Maskenpflicht sei vertretbar, da es an den Schulen keinen übermäßigen Anstieg des Infektionsgeschehens gebe, sagt Bildungsministerin Yvonne Gebauer.

Die Zahlen des RKI zeichnen ein anderes Bild: In der Altersgruppe der 10 bis 14-Jährigen lag die Inzidenz vor Wochen deutlich über 200, aktuell ist sie mit 175/180 immer noch signifikant über dem Bundesdurchschnitt von 130. Und auch im Rheinisch-Bergischen Kreis zeigt sich, dass die Infektionen vor allem die Schüler:innen trifft:

Dennoch wird ab dem 2. November am Sitzplatz in der Schule auf die Maske verzichtet, was zunächst ja auch eine erhebliche Entlastung für alle mit sich bringt. Hier die Regeln im Detail:

  • Aufhebung der Maskenpflicht am Sitzplatz
  • Gültig im Klassenraum und auch bei Ganztags- und Betreuungsangeboten
  • Auf den Gängen auf dem Weg zum Sitzplatz herrscht weiter Maskenpflicht
  • Aufhebung der Maskenpflicht auch für Lehrer:innen bei Mindestabstand von 1,5 Metern
  • Tests bleiben zunächst bis zu den Weihnachtsferien bestehen: An Grund- und Sonderschulen zweimal pro Woche per PCR-Pooltestverfahren, in den weiterführneden Schulen dreimal wöchentlich per Antigen-Schnelltest
  • Vorgaben für Hygiene und Infektionsschutz gelten weiterhin

Weitere Details z.B. zu Quarantäne und Freitestung stehen in der Pressemitteilung des NRW-Schulministeriums sowie in der aktuellen Schulmail zum Thema.

Ein Schüler führt einen Corona-Schnelltest aus. Foto: Stadt Bergisch Gladbach

Vorteile überwiegen Risiko

Für den Deutschen Lehrerverband kommen die Lockerungen zu früh. Dort fürchtet man im Krisenwinter 2021/22 einen Kontrollverlust beim Pandemiegeschehen.

Felix Bertenrath. Leiter der Otto Hahn Realschule (OHR), sieht ebenfalls ein – wenngleich geringes – Risiko, dass Kinder ohne Maske an Corona erkranken.

Für ihn überwiegen aber die Vorteile beim Wegfall der Maskenpflicht: So würden Schüler:innen und Lehrer:innen sich endlich wieder besser sehen und hören, auch nonverbale Kommunikation werde wieder möglich. „Der Fremdsprachenunterricht wird massiv gewinnen“, ist Bertenrath überzeugt.

Am Dietrich Bonhoeffer Gymnasium ist Verständnis für Befürworter als auch Ablehner der Masken vorhanden. Die Schulleiter Bäcker und Altwicker favorisieren – nicht nur in der Pandemie – ein anderes Bild von Schule. Dort will man Schüler:innen in punkto Eigenverantwortung stärken. Sie erläutern dies anhand der Themen Masken und Impfung .

DBG: Akzeptanz und Diskussion statt Vorschrift
Von Frank Bäcker und Sandra Altwicker, Schulleiter am DBG

„Die Meinungen am DBG sind so unterschiedlich wie in der Gesellschaft selbst: Während die einen ein Ende der Maskenpflicht herbeisehnen, fürchten die anderen eine Infektion bei Wegfall der Maskenpflicht. Dem vollen Fußballstadion mit Fans ohne Maske steht der Musikunterricht mit maskierten Schüler:innen gegenüber. Als Schule wäre es vermessen, sich für oder gegen Impfungen zu positionieren, vorzuschreiben was man mit oder ohne Maske tun sollte. Die Familien sind medizinisch aufgeklärt. Wir wollen Schüler:innen die selbst denken und entscheiden, und ihre Entscheidung dann auch verantworten. In diesem Sinne sehen wir Schule als Vorbild: Verschiedene Meinungen akzeptieren, diskutieren, aber nicht vorschreiben.“

Entsetzen

„Viele Kolleg:innen sind entsetzt“, sagt indes Nicole Schuffert, Leiterin des Berufskollegs Kaufmännische Schulen (BKSB). Ältere Kolleg:innen würden immer mehr Impfdurchbrüche erleben und sich ab kommender Woche nicht mehr sicher fühlen. Von fehlender Fürsorgepflicht des Dienstherren ist die Rede.

Kritisiert fehlende Fürsorgepflicht des Dienstherren, Nicole Schuffert, Schulleiterin am BKSB

Ein Kollege könne sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen. „Ich habe die Frage an die Bezirksregierung gestellt, ob wir in diesem Fall auf eine Maskenpflicht der Schüler:innen bestehen können, um den Kollegen zu schützen“, berichtet Schuffert. Die Bezirksregierung habe dem eine Absage erteilt und auf Freiwilligkeit oder Distanzunterricht als Alternativen verwiesen.

„Faktisch ein Unterrichtsausfall“, kommentiert Schuffert die Konsequenzen aus der Aufhebung der Maskenpflicht: „Und all dies vor dem Hintergrund der steigenden Inzidenzzahlen und der Impfdurchbrüche.“

Freiwillige Maskennutzung

„Wir müssen die Landesvorgaben einhalten“, sagt Angelika Wollny von der Integrierten Gesamtschule Paffrath (IGP). Aber man sehe darin eine große Gefahr für diejenigen, die derzeit nicht geimpft werden könnten. Vor allem jüngere Schüler:innen könne man nicht mehr schützen.

Daher setzt man an der IGP auf das Prinzip Freiwilligkeit: „Wir sprechen unseren Schüler:innen aus diesem Grund, auch in Absprache mit der Schülervertretung, die Empfehlung aus, die Masken weiterhin im Unterricht zu tragen.“ In der Hoffnung, dass viele der Empfehlung folgen werden.

Die Quarantänefälle an der IGP seien in den vergangenen Monaten überschaubar gewesen, dank Hygienekonzept und Disziplin aller Beteiligten. „Eine Aufhebung der Maskenpflicht im Klassenraum könnte möglicherweise diese gute Entwicklung gefährden“, fürchtet Wollny.

An der IGP setzt man auf Freiwilligkeit beim Maskentragen, trotz Aufhebung der Maskenpflicht. Foto: Thomas Merkenich

Präsenzunterricht nicht aufs Spiel setzen

Andreas Schmitz von der GGS Heidkamp berichtet, dass die Kinder seiner Schule verlässlich und selbstverständlich mit dem Tragen der Masken umgegangen seien, „sodass sicher auch weiterhin einige Kinder freiwillig Masken tragen werden, was ja auch möglich ist.“

Schmitz verweist darauf, dass mangels Impfstoff gerade die Gruppe der Grundschulkinder vollständig ungeimpft sei. „Im Übrigen sind es sicher nicht die Kinder und Jugendlichen, die hier zuvorderst gesellschaftlich Verantwortung zu übernehmen hätten“, macht er klar.

Lüfter noch nicht in Sicht

Kein Impfstoff für unter 12-Jährige, steigende Infektionszahlen, Aushebung der Maskenpflicht: Da kommt rasch der Gedanke nach Luftfiltern für Klassenräume auf. Diese könnten zumindest einen kleinen Beitrag für etwas mehr Sicherheit im Klassenraum leisten. Zudem könnten die Geräte das stete Lüften der Klassenräume in der kalten Jahreszeit ersetzen.

Die Stadt hatte dazu im Sommer angekündigt, zunächst 150 Geräte anzuschaffen und aus dem städtischen Haushalt zu finanzieren.

„Die Beschaffung läuft“, erklärt dazu ein Sprecher der Stadt auf Anfrage des Bürgerportals. Wann die Geräte jedoch eintreffen und installiert werden könnten, lasse sich derzeit noch nicht absehen.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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5 Kommentare

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  1. Das die Masken Pflicht weg fällt an den Schulen finde ich sehr gut.
    Dann kann man ja auch die Allgemeinheit auch Teil nehmen lassen.
    Die Masken haben wir lange genug getragen.

  2. in der aktuellen, seit heute gültigen CorSchuVer NRW ist das Tragen der Maske im Unterricht nötig, wenn nicht alle Schüler immunisiert sind und / oder keinen Abstand von 1,5m einhalten können. (§3, Abs. 7, Schule ist eine Bildungseinrichtung) wenn die Verordnung an irgendeiner stelle etwas gegenteiliges sagt, widerspricht sie sich selbst.

  3. ….die Maskenpflicht muss auf jeden Fall fallen. Diejenigen die wollen sollen sie meinetwegen gerne weiter tragen.
    Ich frage mich wieso hier immer wieder die Lehrer als Bremsklotz auftauchen.
    Die sollten doch alle geimpft sein oder ? Wenn nicht, finde ich es eine Dreistigkeit
    von den Kindern das Maskentragen einzufordern. Von anderen Berufsgruppen
    verlangt man auch aus Gründen der Solidarität sich impfen zu lassen. Warum also nicht von den Lehrern.
    Ich kann die Meinung Herrn Flosbachs hier nur unterstreichen.
    Wir brauchen starke und glückliche Kinder.

  4. Hmm Interessant. Die Maskenpflicht ist umstritten. Naja diejenigen die eine Maske tragen möchten können es nun weiterhin tun.

    Ich bin kein Wissenschaftler. Allerdings kann ich in dem Beispiel erkennen, dass es bei jüngeren keine nachgewiesene Kausalität zwichen den Maßnahmen an Schulen und einer aktuell hohen Zahl an Infizierten gibt.
    Man sieht zwei Nennwerte die Scheinbar zusammen schlüssig sind und Sinnmachen. Auf der einen Seite die Maßnahme und auf der anderen Seite die hohe Fallzahl bei jungen Leuten.
    Aber in der Praxis ist das aus der Luft gegriffen seitens RKI. Ein Jugendlicher weißt ein ganz anderes Verhalten an den Tag. Ich würde mal pauschal schätzen, dass Menschen in dem Alter um ein Vielfaches mehr Kontakte haben als Menschen im späteren Berufsleben. Da feiert man, man fährt gemeinsam zur Schule, man ist im Pausenhof, im Klassenzimmer, im Sportverein und trifft sich nach der Schule.

    Im Erwachsenenalter ist das denke ich mal etwas weniger. Klar es gibt Ausnahmen. Aber so wie ich es beobachte ist das Sozialverhalten eines Erwachsenen schon sehr anders als bei Jugendlichen. Erst Recht wenn man im Kreis der Familie ist. Daher denke ich nicht, dass die hohen Maßnahmen soo viel bringen.

    Meine Meinung zu der Grundschule, in der Ich selber übringens war.
    Machen wir uns Nichts vor:
    Das was der Schulleiter sagt ist Realittät. In dem Alter ist man in der Regel Ungeimpft. Schmitz verweist darauf, dass mangels Impfstoff gerade die Gruppe der Grundschulkinder vollständig ungeimpft sei. Man wird mit 6 oder 7 eingeschult. Somit ist man in der vierten Klasse zwichen 10 und 11.

    Hoffentlich wird in den Altersgruppen erst dann geimpft wenn es einen nachweislich sicheren Impfstoff gibt. Keine Experimente kein Firlefanz.

    Und zum Glück stellt er sich schützend vor seinen Kindern. Es sind Kinder die müssen keinen Beitrag für die Gesellschaft leisten oder politisch Korrekt sein. In dem Alter sollte man Kinder vorsichtig mit Nachrichten konfrontieren. Sie müssen sich noch entwickeln und sind sehr sensibel.

    Und erst Recht nicht sich aufzuopfern für die Gesellschaft. Gebt den Kindern eine gesunde Kindheit und Chancen für die Zukunft. Eine gute Schule vermittelt Werte, beschützt das Kind und vermittelt Wissen.
    Daher sollte sie in der Corona-Krise den Kindern zumindest in der Schule ein bisschen Normalität und Geborgenheit vermitteln.

    Wir brauchen starke und glückliche Kinder.

  5. Mal wieder versäumen die Verantwortlichen, das einheitliche Bild abzugeben, das Schülern und Lehrern nicht überlässt, Masken zu tragen oder nicht. Nach meiner Meinung kann man nicht behaupten, dass die Inzidenz in schulrelevanten Altersklassen zu vernachlässigen sei, wenn das RKI für 10 – 14jäkrige diese Zahl mit fast 190 angibt.

    Das Lamento mancher Lehrer, der Unterricht ohne Masken wäre der einzig richtige, zeigt das typische Verhalten von Lehrern, die nur an der Bewältigung von Unterrichtsstoffen interessiert sind. Dabei hört man überall und immer wieder, dass sich die Schüler an die Masken gewöhnt hätten. Was also wäre besser als mit Masken Herbst und Winter zu überstehen?