Die Altenberger-Dom-Straße in Schildgen. Foto: Thomas Merkenich

Der neue Bürgerverein Schildgen und Katterbach hat sich detailliert mit dem Vorschlag der Stadt für die Neugestaltung der Altenberger-Dom-Straße auseinander gesetzt und kommt zu einem harten Urteil: Eine Umsetzung würde den Charakter einer Durchgangsstraße stärken, der Wegfall öffentlicher Parkplätze dem lokalen Einzelhandel massiv schaden. Wir dokumentieren den neunseitigen Brief an die Ratsfraktionen.

Das seit vielen Jahren diskutierte neue Verkehrskonzept für Schildgen war der Auslöser für für Gründung des neue Bürgervereins Schildgen und Katterbach, der nach eigenen Angaben einen starken Zulauf im Ort hat. Dieses Verkehrskonzept steht am Dienstag im Ausschuss für strategische Stadtentwicklung und Mobilität auf der Tagesordnung, dazu veröffentlichte der Bürgerverein jetzt eine umfangreiche Stellungnahme in Form eines Briefs an alle Ratsfraktionen.

Auf insgesamt neun Seiten zerreißt der Bürgerverein das Konzept, die zugrundeliegenden Gutachten und die von der Stadt favorisierte Lösung förmlich in der Luft.

Die wichtigsten Kritikpunkte in der Übersicht:

  • Vom eigentlich Ziel, die Verkehrssituation in Schildgen konzeptionell zu verbessern und die Attraktivität sowie Aufenthaltsqualität zu erhöhen, sei nur der Plan übrig, den Verkehrsdurchfluss auf der Altenberger-Dom-Straße zu verstetigen und die Straße attraktiver für den Durchgangsverkehr und für den Radverkehr zu machen.
  • Der Wegfall aller öffentlichen Parkmöglichkeiten entlang der Altenberger-Dom-Str. zeige, dass die Belange der Bürgerinnen und Bürger und des Einzelhandels nicht berücksichtig würden.
  • Ein Konzept, den starkem Durchgangs- und Ausweichverkehr in den Wohngebieten zu entschärfen, sei nicht zu erkennen.
  • Selbst der Ansatz, den Verkehrsdurchfluss zu optimieren, beruhe auf unzutreffenden Sachverhaltsfeststellungen und sei nicht zu Ende gedacht.
  • Für die besonders problematische Kreuzung Altenberger-Dom-Str. / Leverkusener Str. enthalte das Konzept keine Lösungsmöglichkeiten; der vorgeschlagene Wegfall einer Linksabbiegerspur würde die Probleme verschärfen.
  • Das Augenmerk der Verwaltung sei hauptsächlich darauf gerichtet, auf beiden Seiten der Altenberger-Dom-Straße einen Radweg einzurichten. Es sei jedoch nicht angemessen, dafür die Funktion des Ortskerns als Nahversorgungszentrum zu gefährden.

Der Bürgerverein macht einige Vorschläge, wie Schildgens Ortskern stattdessen attraktiver gemacht werden könne:

  • Das eigentliche Problem des Stadtteils, die erhebliche Überbelastung der Straßen, könne nur durch große, langfristig geplante Projekte verringert werden: durch eine Ortsumgehung in Form einer Westumgehung oder eines Tunnels.
  • Für Radfahrer attraktive und sichere Wege im Ortsteil seien auch ohne beidseitige Radwege entlang der Altenberger-Dom-Straße möglich; dazu verweist der Bürgerverein auf Vorschläge der Freien Wähler.
  • Das gegenüber der Kirche liegende, als Park- und Marktplatz genutzte Grundstück könnte zu einem flexibel nutzbaren „Ortszentrum“ zu entwickeln. Angaben der Stadtverwaltung zur (fehlenden) Verkaufsbereitschaft des Eigentümers seien falsch.

Zum Schluss fordert der Verein, alle Interessen ausgewogen zu berücksichtigen. Bei der Suche nach einem Kompromiss dürften Überlegungen, den Radverkehr auf Nebenrouten durch und um den Ortskern herum zu führen, nicht ausgeschlossen werden.

Insbesondere dürfe das ganze Projekt nicht nicht dazu führen, dass die Altenberger-Dom-Straße zu einer „aus der Zeit gefallenen, ausschließlich für den Durchgangsverkehr optimierten Straße“ wie die Nord-Süd-Fahrt in Köln wird.

Dokumentation: Beschlussvorlage der Stadt

Dokumentation: Der Brief des Bürgervereins

Der Bürgerverein hat die Fraktionen der Grünen, der SPD, der FDP, der CDU und der FWG gleichlautend angeschrieben; der Presse hat er eine Kopie des Briefs an die Grünen zur Verfügung gestellt, die wir hier dokumentieren.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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16 Kommentare

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  1. Herr van Loon,
    ich besitze ein City Bike ohne E-Antrieb, mit dem ich bis vor 3 Jahren an 26 4tägigen Radtouren mit meinem Kölner Stammtisch teilgenommen habe und wohne seit fast 30 Jahren in Bergisch Gladbach. Ich kenne die Radstreifen auf der Kölner Str., die nichts weiter als Gefahr für die Radfahrer bedeuten. Dort fahren so wenig Radfahrer, dass man sie nicht wahrnimmt. Warum auch, endet der Radstreifen doch, wo die Busspur bergan beginnt. Wie der angeblich angestrebte Weg zum Busbahnhof weitergehen soll, verrät die Verwaltung nicht. Auch hier, wo sich jetzt die Autos wegen der weggefallenen Parkplätze in den Nebenstraßen knubbeln, hätte man dortselbst die Fahrradfahrer ihren Weg finden lassen können.

    Ich kenne die Buddestraße, auf der dieser Versuch ins Gegenteil von dem läuft, was geplant ist und jeder denkende Mebnsch a priori als absolute Fehlplanung abgeschrieben hätte. Wie viele dieser meiner Meinung sind, ist jeden Tag im Bürgerportal und dem KSTA auch und gerade von Radfahrern zu lesen. Statt die Drahtesel durch die zweifelsohne erheblich weniger befahreren Seitenstraßen zu schicken, rasen dort jetzt Autos, u.A. auf einer Spielstraße, was durch Polizei und viele Anrainer, die ich gut kenne, belegt ist.

    Mir ist auch die Situation auf der Laurentiusstr. bewusst, wo ebenfalls aus lauter indeologischem Fehldenken Radfahrer hingezwungen werden, die die Anrainer nicht wollen, wohin die Radfahrer zum großen Teil selbst nicht wollen, und wo tatsächlich ein Beigeordneter unverschämterweise meint, das Wegfallen von Behinderten-Parkplätzen wäre so etwas wie ein Kollateralschaden.

    Und die Altenberger-Dom-Str. ist zum Zankapfel zwischen Bürgerinitiative, solchen Menschen, die angebliche Lösungen, die aber keine sind, vorschlagen, und der Bevölkerung, die sich verarscht fühlt und das zu Recht.

    Ich habe inzwischen einige Kenntnis gewonnen von den Situationen auf den genannten Straßen, weil ich sie alle mehfach pro Woche befahre (mit dem Aut0, ein Pedelec ist mir zu teuer). Und zum xten Mal kann ich nur bitten, im Gesamtverkehr die drei teilnehmenden Gruppen gleichberechtigt zu behandeln und nicht gebetsmühlenartig die Autofahrer zu verdammen. Man könnte durchaus mal kontern, dass die allseits so unterstützen Radfahrer – sicher nicht alle, mir aber zu viele – mal beginnen sollten, Verkehrsregeln zu lernen und die auch einzuhalten.

  2. Lieber Herr Havermann, ist es möglich, das Ihnen Erfahrungen beim Radfahren fehlen? Fahren Sie Rad? Zur Eisdiele an warmen Sonntagen? Oder um von A nach B zu kommen? Wenn es dunkel ist? Wenn es regnet? Wen es kalt ist?
    Um zu verstehen, wovon geredet wird, wenn der ökologisch sinnvolle und wenig Platz beanspruchende Radverkehr gefördert werden soll, empfehle ich Ihnen einen praxisorientierten Selbstversuch. Fahren Sie heute oder morgen zu Zeiten des Berufsverkehrs um 8 oder 17 Uhr mit dem Rad vom Ortseingang Schildgen (aus Leverkusen kommend) zum Ortsausgang Bensberg in Richtung Untereschbach. Dann wissen Sie, was Radfahrende meinen mit fehlenden oder engen Radwegen, schlechten Straßenbelägen, ungünstigen Kreuzungen, „nur mal eben“ auf dem Radweg haltenden Autofahrern, fehlendem Seitenabstand und weiteren interessanten Begleitumständen.
    Bevor Sie fragen: ich fahre selbst Rad, Motorrad, Auto und Lieferwagen. Im ÖPNV fahre ich als Fahrgast. Nur die Erfahrungen eine LKW-Fahrers fehlen mir.
    Es hilft, möglichst viel selbst erlebt zu haben.

  3. Herr Kleinert,
    nur eine Umgeheung der Altenberger-Dom-Str. wird Probleme lösen können, die sich durch Radwege auf dieser Straße nur potenzieren. Die größten Massen an Autos kommen wohl aus Richtung Leverkusen und Autobahn, es gibt den Pendelverkehr Odenthal-Schildgen-Köln, aus Gladbach streben Autos zur Auffahrt Leverkusen der A3 und die jeweiligen Gegenströme. Wenn nun diese Straße durch Fahrradwege auch noch schmaler wird, kommt es automatisch zu einer Verlangsamung des Verkehrs, nochstärker durch geplante Querungen. Wo sollen die Autos Parken, deren Lenker einkaufen wollen? Etwa, wie man in Plänen sehen konnte, in der Mitte der Straße, wodurch es dann zu etlichen Unfällen mit Personenschaden kommen kann oder müssen alle Einzelhändler dort schließen?
    Und Sie wollen eine „dauerhafte Entlastung“ mit weniger motorisiertem Individualverkehr schaffen, indemm eine Straßenbahn nach Odenthal verlegt wird und die Menschen mehr Homeoffice ertragen sollen??? Umfahrungen durch Nebenstraßen wollen Sie auch nicht, wogegen Poller und/oder Einbahstraßen wirken sollen. Ja wo soll denn der MIV hin, der uns noch viele Jahre beschäftigen wird und nicht nächtes Jahr auf Wunsch verschwindet?

    Eine Umgehung Schicken Sie ins vergangene Jahrhundert. Dabei ist das die einzige Lösung, mit Tempo 30 auf der A-D-Str., breiten Rad- und Fußwegen und Möglichkeiten, zum Einkaufen vernünftig parken zu können zu einer entspannten Lage dort zu kommen.

  4. Das generelle Konzept einer Ortsumgehungsstraße ist nur ein Trick der Automobil-Lobby zur Beruhigung der unter PKW Verkehr leidenden Menschen, der im 20.ten Jahrhundert viel Schaden angerichtet hat. Darauf sollten wir heute im 21.ten Jahrhundert nicht mehr hereinfallen.
    Im Buch „Totalschaden“ von Klaus Gietinger werden viele schöne Beispiele genannt. Üblicherweise sinkt der PKW-Verkehr durch den Ort kurzfristig nach Einrichtung der Ortsumgehung. Nach etwa fünf bis zehn Jahren hat er das alte Niveau wieder erreicht. Der einzige Unterschied ist dann, dass man zusätzlichen Verkehr auf der Ortsumgehungsstraße hat.

  5. Bemerkenswert ist die Feststellung am Schluss: Das Projekt dürfe „nicht dazu führen, dass die Altenberger-Dom-Straße zu einer aus der Zeit gefallenen, ausschließlich für den Durchgangsverkehr optimierten Straße wie die Nord-Süd-Fahrt in Köln“ werde. Damit ist der heutige Zustand der Straße wie ich finde sehr treffend beschrieben – und genau das muss sich ändern, damit der Ortskern von Schildgen eine lebendige Zukunft hat! „Mehr Attraktivität und Aufenthaltsqualität“, dieses Ziel können sicher alle Schildgener:innen unterschreiben. Heute stellt es sich so dar, dass vor lauter stehenden und fahrenden Kraftfahrzeugen das Zentrum des Stadtteils kaum auffindbar ist.

    Eine längerfristige Lösung für den extremen Durchgangsverkehr wäre in der Tat wünschenswert. Dass dem Bürgerverein dazu nur „eine Ortsumgehung in Form einer Westumgehung oder eines Tunnels“ ist ein Armutszeugnis und eine Denkweise aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Neue Straßen führen zu (noch) mehr Autoverkehr – eine dauerhafte Entlastung gibt es aber nur mit weniger Autos. Um das zu erreichen, bieten sich zwei Wege an: Eine Straßenbahn nach Odenthal und/ oder deutlich mehr Home Office.

    Auch ein höherer Radverkehrsanteil trägt zur Entlastung bei. Dazu muss jedoch die A-D-Straße sicher(!) befahrbar sein, denn „Nebenrouten“, auf denen der Radverkehr „durch und um den Ortskern herum“ geführt werden könnte, gibt es schlicht nicht. Die A-D-Straße lässt sich in Nord-Süd-Richtung nicht vermeiden!

    Der Durchgangs- und Ausweichverkehr in den Wohngebieten ist immer wieder in der Diskussion; eine Lösung wurde bisher nicht gefunden. Hoppersheider und Nittumer Weg müssten abgepollert oder abschnittsweise zu Einbahnstraßen werden – wollen die Anwohner:innen das?

  6. Ach Herr Boschen,
    Sie scheinen meinen letzten Satz zu ignorieren, nur um reichlich polemisch von dem abzulenken, was ich meine.

    Radfahrer sollen auf den von mir genannten Straßen gezwungen werden, selbige mit ihren Drahteseln zu nutzen. Und überall sollen die Autofahrer dafür Platz schaffen. Sie schreiben von einer überprivilierten Gruppe ohne zu blicken, dass diese Gruppe in 100 Jahren entstand während sich bestimmte Gruppen und später sogar ganze Verwaltungen um das Fahrradfahren erst seit vielleicht 10 Jahren kümmern. Ihr St. Florians-Prinzip kümmert mich nicht, ich stehe dazu, Fahrradfahren als gleichberechtigte Partnerschaft im Verkehr zusammen mit Autofahrern und Fußgängern zu sehen, wie ich es schon oft in diesem Forum geschrieben habe. Was mir und m.E. sehr viel mehr Menschen, als Sie es wahr haben wollen, missfällt, ist die Politik der Ampel über alle Köpfe hinweg zugunsten einer Minderheit, die sich zu Bestimmern des Verkehrsgeschehens machen wollen. Ignorieren Sie die Anrainer, Fahrradfahrer, Fußgänger, die diese Politik nicht für allein seligmachend halten?

    Ich habe nie behauptet, die Autos wären nicht für eine große Menge Umweltverschmutzung verantwortlich und die Polemik, die Sie aus meinen Worten ableiten, qualifiziert Sie nicht als akzeptablen Gesprächspartner.

    Sie erwähnen richtigerweise, Frau Steinmetzter, dass alle Städte autoaffin entstanden, und das in vielen Jahrzehnten. Wie kann dann eine Politik meinen, mit Hauruckaktionen diese Situation in wenigen Monaten oder Jahren zu ändern und dabei Menschen zu zwingen, sich auf Wegen zu bewegen, die trotz aller Schönschreiberei der Fahrradlobby und lächerlicher Fahrradsstreifen immer noch zu gefährlich sind. Da sollen Autos lieber durch eine verkehrsberuhigte Sppielstraße in Bensberg fahren, anstatt die Radfahrer dort fahren zu lassen. Das und vieles andere an der Verkehrspolitik in GL ist verkehrte Welt, eindeutig zulasten der Mehrheit der Bevölkerung und zugunsten derer, die am lautesten schreien.

  7. Parkmöglichkeiten gibt es in Schildgen reichlich. So wie auch Gefahren für Radfahrer. Nicht nur an dieser Diskussion (sondern auch Laurentiusstraße, Buddestraße) müssen wir leider feststellen, dass Platz für Autos eine höhere Priorität eingeräumt wird als ausreichend und sichere Verkehrsflächen für Radfahrer.

    Wenn ein paar Quadratmeter weniger Verkehrsfläche für Autos (fahrend und ruhend) zu solchen Untergangsphantasien führt, sollte gründlich über den Stellenwert dieses fahrbaren Untersatzes nachgedacht werden.

    Jahrzehntelang wurden Städte – wie auch Bergisch Gladbach – autogerecht geplant. Das Resultat sehen wir jetzt. Es ist teilweise wirklich schwer bis unmöglich, für eine gerechte Aufteilung der Verkehrsflächen zu sorgen. Die Privilegierung der Autos muss ein Ende finden. Niemand will irgendwem sein/ihr Auto wegnehmen, aber der öffentliche Raum muss neu verteilt werden.

    Ich wohne übrigens auch in Schildgen, kenne die Situation vor Ort sehr gut und fühle mich in keinster Weise durch diesen „Bürgerverein“ vertreten.

  8. Parkmöglichkeiten gibt es in Schildgen reichlich. So wie auch Gefahren für Radfahrer. Nicht nur an dieser Diskussion (sondern auch Laurentiusstraße, Buddestraße) müssen wir leider feststellen, dass Platz für Autos eine höhere Priorität eingeräumt wird als ausreichend und sichere Verkehrsflächen für Radfahrer.

    Wenn ein paar Quadratmeter weniger Verkehrsfläche für Autos (fahrend und ruhend) zu solchen Untergangsphantasien führt, sollte gründlich über den Stellenwert dieses fahrbaren Untersatzes nachgedacht werden.

    Jahrzehntelang wurden Städte – wie auch Bergisch Gladbach – autogerecht geplant. Das Resultat sehen wir jetzt. Es ist teilweise wirklich schwer bis unmöglich, für eine gerechte Aufteilung der Verkehrsflächen zu sorgen. Die Privilegierung der Autos muss ein Ende finden. Niemand will irgendwem sein/ihr Auto wegnehmen, aber der öffentliche Raum muss neu verteilt werden.

  9. Herr Havermann, Sie haben es immer noch nicht verstanden und ich unterstelle, dass Sie es auch gar nicht verstehen wollen. Es geht nicht um eine „Vorfahrt“ für einzelne Verkehrsteilnehmer, sondern – Ich werde nicht müde darauf hinzuweisen – um Gleichberechtigung im Straßenverkehr. Und ja, ohne dass die überprivilegierte Gruppe der Autofahrer etwas abgeben muss, wird es nicht gehen. Und was ich sowohl bei Ihnen, als auch bei anderen Kommentatoren immer wieder rauslese, ist das berühmte Sankt-Florians-Prinzip: „Ich habe nichts gegen Radverkehr, aber der soll nicht da sein wo ich mit dem Auto fahren will“.
    Außerdem machen Sie jetzt einfach mal die Fahrräder zum Verursacher der Schadstoffe, was eine krasse Umkehr von Ursache und Wirkung ist und sind sich dabei noch nicht mal zu Schade ausgerechnet die Kinder vorzuschieben, die ja insbesondere von sicheren Rad- und Fußwegen profitieren würden. Die Masse an Autos ist Ursache für die Schadstoffe und Alle, die dazu – mag es alternativlos sein oder nicht – beitragen. Außerdem ist es sehr nett, wie Sie ganze Gruppen von Verkehrsteilnehmern, die Ihnen nicht in den Kram passen, indirekt als nicht „normal“-denkend bezeichnen.

  10. Ich muss schon fragen, wovon die Herren, die sich hier zu Wort meldeten, nachts träumen.

    Mal abgesehen von dem Schrieb wider die FWG, der m.E. so nicht gerechtfertigt ist, frage ich die Kommentatoren, ob die Pläne der Ampel tatsächlich auf Realitäten basieren, „die nicht zu ändern sind“ und sie deshalb einen beidseitigen Fahrradstreifen wie in Bensberg als Allheilmittel sieht? Will man es wie in Bensberg machen, wo die Verwaltung in der 2. Urbach-Periode zu beiden Seiten der Kölner Str. Fahrradstreifen malen ließ, sämtliche Anrainer-Parkplätze in die Nebenstraßen verwies, was dort immer noch zu Chaos führt, um dann feststellen zu müssen, dass täglich zwischen 3 + 5 Radfahrer bergab und einer bergauf fährt? Oder wie auf der Buddestraße, die ab dem „Planungs-Provisorium“ zu einem Dreck emissionierendem Stau-Hotspot wurde, was zum 10fachen Anwachsen teilweise durchrasender Autos auf einer verkehrsberuhigte Spielstraße führt und gegen die Meinung der meisten Radfahrer und Autofahrer und sowieso der Anrainer nun von der Ampel durchgeboxt werden soll? Oder wie die Laurentiusstraße, wo auch anders, als Herr Migenda behauptet, wider die Anrainer agiert wird und dieser Mann sich dazu versteigt, zum Problem Wegfall der Behinderten-Parkplätze zu sagen, “ . . . wir können nicht allen gerecht werden“. Eine bodenlose, empathielose Frechheit.

    Solche Leute mitsamt der ganzen Ampel sollen also auch in Schildgen den Radfahrern eine Vorfahrt geben, wohl wissend, dass das auf der Altenberger-Dom- Str. nicht möglich ist. Der Verkehr, der von der A3 kommt – vor allem, wenn der Kölner Ring mal wieder zu ist – soll also für wie viel % Radfahrer Raum abgeben, damit bei dadurch langsamen und ständig stehenden Verkehr noch mehr Schadstoffe/qm freigesetzt werden, die Fußgänger, die ja auch besser flanieren können sollen, von CO2 eingenebelt werden und Kinder, so sie sich auf dem Bürgersteig bewegen, sich nur noch mit Atemmasken dort aufhalten können, weil sich in ihrer Atemhöhe die giftigen Gase konzentrieren?

    – Durchfahrt für Autos wegen immens steigender Fahrrad-Präsenz unangenehmer und langsamer, dadurch immer unaktraktiver, weswegen sich die Autofahrer andere Wege suchen, aber nur ja nicht auf Nebenstraßen. Ich stelle mir gerade vor, wie sich dann Kolonnen über Feld- und Waldwege, Wiesen und Auen wälzen, oder meint der Kommentator, durch die Anlage von Fahrradstreifen oder -wegen endet morgen oder nächste Woche oder in 1 Monat der motorisierte Universalverkehr?
    – „Zielt der Vorschlag der Ampel auf weniger Lärm und Gefahren“ ? und was ist langsamerer und gleichmäßiger Verkehr? Kommt dieser Kommentar tatsächlich von jemandem, der sich schon mal im Straßenverkehr bewegt hat?

    Was die Ampel mit dem Fahrradverkehr wo auch immer in GL vorhat, ist atemberaubend schrecklich. Man denkt, wie angeführt, nicht mal bis zur Nasenspitze, plant gegen Anwohner und sogar Radfahrer, bringt Radfahrer und Fußgänger in Gefahr und das nur, weil man bei der Wahl versprach, GL zu sowas wie einer Fahrradstadt zu bügeln, was bisher ohne Rücksicht auf Verluste versucht wird. Das ist ideologische Alibi-Politik und der Rat müsste geprügelt werden, wenn er das zulässt, an 4 Stellen unserer Stadt, an denen gerade Fahrradfahren das Letzte ist, worauf normal denkenden Menschen kommen.

    Ich werde nicht müde darauf hinzuweisen, dass es keine Verkehrsberuhigung in GL geben wird, wenn nicht der Gesamtverkehr als Zusammenspiel der einzelnen, gleichberechtigten Gruppen betrachtet wird!

  11. @Harald Titz – Das Fußgänger*innen in der öffentlichen Diskussion zu wenig Gehör bekommen, deckt sich mit meiner Wahrnehmung und es ist wichtig auf die Belange dieser aufmerksam zu machen. Das bedeutet aber nicht, dass diese gegen die ebenfalls berechtigten Anforderungen von Radfahrenden hinsichtlich sicherer und komfortabler Radverkehrsführung ausgespielt werden sollten.

    Das Hochbord auf beiden Seiten der Kempener Str. – von der ABD-Str. bis zur Katterbachstr. – besitzt einen so genannten Angebotsradweg für jeweils eine Richtung. Dort findet sich kein blaues Radwegeschild, welches ihn als benutzungspflichtig ausweisen würde.

    Dennoch ist er durch die rote Pflasterung, welche in etwa die Hälfte der gesamt zur Verfügung stehenden Breite ausmacht, für Radfahrende als alternative Nutzung zur Fahrbahn kenntlich gemacht. Gegenseitige Rücksichtnahme für beide Verkehrsteilnehmer gilt aber auch bei dieser regulären Nutzung vor allem bei den höheren Geschwindigkeiten bergab in Richtung Paffrath.

    Insgesamt ist die Situation nicht zufriedenstellend, da für beide Verkehrsteilnehmer in Summe nach aktuellen Richtlinien zu wenig Platz bleibt. Im weiteren Verlauf der Kempener Str. wäre eine Nutzung des Hochbords durch Fahrradfahrer*innen nicht weiter möglich. Hier handelt es sich um einen reinen Gehweg und Radfahrende müssen entsprechend der StVO die Fahrbahn nutzen.

    Vergleichbar ist die Situation an der Altenberger-Dom-Str., wo es durch die Parktaschen weder ausreichend Platz auf den Gehwegen noch für baulich angelegte Radwege gibt. Auf der verkehrlich sehr stark belasteten Durchgangsstraße fühlt sich aber eine nicht unerhebliche Anzahl von Radfahrenden trotz Anlage von Schutzstreifen auf der Fahrbahn zu stark gefährdet. Sie wählen daher die regelwidrige Nutzung der ohnehin schon schmalen Gehwege. Die Stadtverwaltung plant die so entstehende Konkurrenz dort zu entschärfen. Sie möchte mit dem Entfall der Parkplätze neue Möglichkeit im begrenzten Verkehrsraum schaffen und ausreichend breite Radwege/-Spuren einrichten. Darüber hinaus werden in vergleichbarem Maße dann auch die existierenden Gehwege breiter ausgebaut und entlastet, da Radfahrende sicherer und komfortabler im eigenen Bereich geführt würden.

    Der Bürgerverein dagegen möchte die Parkplätze unbedingt erhalten. Damit könnten die oben von mir beschriebenen Verbesserungen für Fußgänger*innen und Radfahrende aber nach Einschätzung der durch die Stadt beauftragten Verkehrsexperten nicht umgesetzt werden.

  12. Immer wenn ich die Berichte über den Ausbau von Fahrradwegen lese, packt mich die Wut. Es wird immer von den armen gefährdeten Radfahreren geschrieben. Aber der Fußgänger, der der schwächste im Straßenverkehr ist, darüber berichtet niemand. Ich schreibe hier als direkt betroffener der im Stadtteil Katterbach auf der Kempener Straße wohnt. Der Bürgersteig ist hier von Grundstücksgrenze bis Bordsteinkante von 2 bis maximal 2,50 breit. Hier muß ich täglich erleben das die Radfahrer wenn man glück hat nur von einer Seite, aber es passiert sehr oft das die Herrschaften von beiden Seiten den Bürgersteig befahren. Ganz schlimm sind die Eltern, die an ihrem Fahrad diesen Anhänger haben, worin ihre Kinder transportiert werden. Spricht man diese Radfahrenden Verkehrsteilnehmer an und sagt ihnen das dies ein Bürgersteig und kein Radfahrweg ist, muß man teilweise um seine Gesundheit bangen, weil einem von wüsten Beschimpfungen und Androhung von körperlicher Gewalt gedroht wird. In meiner Verzweiflung habe ich mich schriftlich an Polizei gewandt und die einzelnen Vorfälle geschildert. Mir wurde mitgeteilt daß man mein Schreiben an die entsprechenden Stellen weiterleiten würde. So bekam ich dann nach ca. 2 Wochen besuch von 2Bezirksbeamten und hier wurde mir dann erklärt, das wäre keine Sache der Polizei sondern hier wäre die Stadt das Ordnungsamt für zuständig. Ich kann das nicht so richtig glauben, weil das Ordnungsamt, das ist mein Wissensstand, für den ruhenden und nicht für den fliesenden Verkehr zuständig ist. Vielleicht kann ich ja mit diesem Schreiben etwas anstoßen, was so glaube ich nicht nur vor meiner Haustüre sondern auch bei vielen anderen Bewohnern sich tagtäglich abspielt.
    Es wäre schön wenn sich auch andere Personen melden würden die in fast ähnlichen Situation sind.

  13. Finde es ein wenig schwierig, dass der Verein für die Bürger:innen Schildgens sprechen möchte, nachdem gerade mal eine Veranstaltung stattgefunden hat. Bisher besteht der Verein anscheinend nur aus den Gründungsmitgliedern. Hier braucht es mehr Transparenz und vor allem auch Beteiligungsmöglichkeiten.

    Zur Situation vor Ort:
    Natürlich muss dem Radverkehr im Ortsteil mehr Raum gegeben werden. Es ist momentan eine solche Zumutung dort Rad zu fahren, dass ein Großteil des Radverkehrs auf die Gehwege ausweicht. Diesen Raum wird der motorisierte Verkehr abgeben müssen, denn es wird keinen Tunnel und keine Umgehung geben. Diese Forderungen werden doch nur erhoben, weil klar ist, dass sie nicht umgesetzt werden und alles so bleiben kann, wie es ist.

    Die Durchfahrt für Autos wird durch mehr Platz für den Radverkehr unangenehmer und langwieriger. Das würde noch mal verstärkt durch zusätzliche Querungsmöglichkeiten, wie sie vorgesehen sind. Vielleicht wird eine Ortsdurchfahrt durch Schildgen durch die Maßnahmen so unattraktiv, dass sich der Durchgangsverkehr neue Routen suchen wird. Deshalb muss der Ausweichverkehr durch die Wohngebiete verhindert werden. Vielleicht durch die Einrichtung von Einbahnstraßen? Es ist jedenfalls alles nicht ganz einfach, zumal ja auch der öffentliche Nahverkehr durch Busse über die überlastete Straße gezwungen wird.

  14. Tunnel bauen? Parkplätze erhalten? Radwege nicht notwendig? Der Durchgangsverkehr soll raus, Wohngebiete und Geschäfte sollen erreichbar sein – aber bitte nur für Anwohner?

    Der Bürgerverein scheint mir eine Ortsgruppe des ADAC zu sein. Alles soll sich weiter nach den Wünschen der Autofahrer richten – aber bitte nur nach denen der Ortsansässigen. Und wenn kein Platz für Straßen da ist, bauen wir eben einen Tunnel.

    Das ist die Verkehrspolitik der Nachkriegszeit, die nur aufs Auto setzte. Wer heute mit offenen Augen durch die Welt geht sieht, dass diese Politik unsere Dörfern und Städte nicht lebenswerter gemacht hat. Über 90% des zur Verfügung stehenden Straßenraums gehört dem fließenden und stehenden motorisierten Verkehr. Der motorisierte Individualverkehr erstickt sich selbst – Fahrten dauern immer länger.

    Der Vorschlag von Ampel und Verwaltung basiert auf Realitäten, die nicht zu ändern sind: Wir haben keinen Platz für zusätzliche Straßen. Nur der zur Verfügung stehende Straßenraum kann aufgeteilt werden. Tunnel sind nicht finanzierbar. Der Durchgangsverkehr kann nicht ausgesperrt werden, weil es keine vernünftigen Alternativrouten gibt.

    Wir alle gehen auch zu Fuß – diese große Gruppe von Verkehrsteilnehmern hat viel zu wenig Platz. Viele von uns fahren Rad – auch diese große Gruppe von Verkehrsteilnehmern hat viel zu wenig Platz. Ein Recht aufs Autofahren haben alle. Ein Recht auf wenig Lärmbelastung und Gefahrenvermeidung haben auch alle.

    Also zielt der Vorschlag der Ampel auf weniger Lärm und Gefahren durch langsameren und gleichmäßigeren Verkehr. Er gibt Fußgängern und Radfahrern mehr Raum, in dem z. B. die Bushaltestellen und Parkplätze vor der Kirche intelligenter angeordnet werden. Diesen Raum gewinnt er durch den Wegfall einiger Parkplätze – die Fahrspuren für den motorisierten Verkehr bleiben erhalten.

  15. Der Brief des Bürgervereins könnte den Schluss zulassen, dass die „Freien Wähler“ diesen zumindest im fraglichen Punkt der Anlage von Radwegen auf der ABD-Str. unterstützen.

    So steht geschrieben „Überdacht werden kann auch, wie eine für Radfahrer attraktive und sichere Führung von Radwegen im Ortsteil möglich ist, ohne die Altenberger-Dom-Straße durchgängig beidseitig als Radweg in Anspruch zu nehmen. Ideen hierfür liegen seit langem, insbesondere auch von der Freien Wählergemeinschaft vor.“

    Im Abgleich zur offiziellen Position, die sich auf der Homepage der genannten Partei befindet, lassen Sich aber folgende Inhalte entnehmen: „Die FWG ist überzeugt, dass sich durch (gelistete Planungsvorschläge s.u.) diese Maßnahmen die Aufenthaltsqualität in Schildgen verbessern kann.“

    Sie betont im weiteren: „Wichtig ist für uns, die derzeit für alle Verkehrsteilnehmer unbefriedigende Situation durch Entzerrung der Verkehrswege weitgehend aufzulösen.“

    Sie schreibt: „Viele Beispiele aus Städten, die verkehrsberuhigende Maßnahmen dieser Art durchgeführt haben, zeigen, dass sich Handel und Gewerbe im Nahversorgungsbereich keine Sorgen machen müssen. Alle Geschäfte bleiben erreichbar, aber ohne Verbesserung der Aufenthaltsqualität werden sie irgendwann unattraktiv.“

    Diese Aussagen zumindest stehen nach meiner Einschätzung gleich in mehreren Punkten, aber vor allem hinsichtlich des geplanten Geh- und Radwegeausbaus, klar im Gegensatz zur Position des Bürgervereins. Eine Klarstellung scheint in diesem Punkt angezeigt. Quelle: https://fwg-bergischgladbach.de/was-braucht-schildgen/