Das Kreisgesundheitsamt muss nicht nur jeden Tag viele hundert Neuinfektionen erfassen, es ist auch mit einer rasch wachsenden Zahl von „Sonderlagen“ konfrontiert: Häufungen von Infektionen in Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen. Die Zahl dieser akuten Corona-Schwerpunkte hat sich innerhalb von zwei Wochen um das 20fache erhöht.

Immer häufiger sind Kinder und Jugendliche von Infektionsfällen in ihren Kitas und Schulen betroffen, immer häufiger sind die Pooltests positiv, bleiben die Kinder zuhause. Dahinter steckt dann oft eine der „Sonderlagen“: Häufungen von Infektionen, die nicht so gravierend sind, um die ganze Einrichtung in Quarantäne zu schicken. Aber so wichtig, dass sie genauer beobachtet werden müssten.

Dazu ist das Kreisgesundheitsamt aber inzwischen offenbar kaum noch in der Lage. Bereits gestern hatte die Kreisverwaltung berichtet, dass das Lagezentrum seit Freitag damit überfordert ist, alle positiven Labormeldungen rasch zu erfassen und an das RKI zu melden.

Aber auch die kritischen Fälle, die Sonderlagen in den Einrichtungen, haben in den letzten Tagen unglaublich schnell an Bedeutung gewonnen. Bis zum 10. Januar, berichtet eine Sprecherin des Krisenstabs, auf Nachfrage, sei die Lage mit fünf bis sechs Sonderlagen relativ überschaubar gewesen. Doch mit der Virusvariante Omikron änderte sich das Bild schlagartig, im Laufe der vergangenen Woche sei die Zahl rasch auf 20, 50 und schließlich 80 gestiegen.

An diesem Dienstag, berichtet Bär, seien es 138, Tendenz steigend. Davon betroffen seien vor allem die Schulen (von der Grundschule aufwärts), dann die Kitas und in einigen wenigen Fällen die Senioren- und Behinderteneinrichtungen.

So gut es geht versuche das Lagezentrum den Überblick zu behalten, in einigen wenigen Fällen werden auch ganze Einrichtungen (wie heute die Kita Lehmpöhle in Lückerath sowie Kita St. Johannes der Täufer in Odenthal) unter Quarantäne gesetzt, per Allgemeinverfügung. Ansonsten gilt die Grundregel, dass sich jede Person, die ein positives Testergebnis erhält, eigenverantwortlich in Quarantäne begeben undKontaktpersonen informieren soll.

Auch in Rhein-Berg entspricht die Statistik nicht mehr der realen Infektionslage, die Zahlen hinken hinterher.

Die Kreisverwaltung, unter Leitung von Landrat Stephan Santelmann und Kreisdirektor Erik Werdel, bemüht sich seit Freitag darum, das Lagezentrum wieder handlungsfähig zu machen, etwa durch die Abordnung von Personal aus anderen Abteilungen. Zudem soll das Bundeswehrkontingent verstärkt, weiteres Personal eingestellt werden. Aktuell verfügt das Lagezentrum nur über rund 80 Kräfte.

Inzwischen gelinge es immerhin wieder, einen Teil der Rückstände aufzuarbeiten, berichtet Sprecherin Bär. Aber gleichzeitig kommen jeden Tag einige hundert neue Fälle dazu.

Grundsätzlich Kritik an der Bundes- und Landespolitik dringt bislang nicht aus dem rheinisch-bergischen Kreishaus nach draußen. In der ersten Welle hatten sich Kreis und Stadt noch eigenständig bewegen und Initiativen ergreifen können, doch seither bleibt den Verantwortlichen wenig mehr übrig, als Verordnungen und Erlasse abzuwarten und umzusetzen, so gut es geht. Öffentlich äußern sie sich zur Zeit nur sehr zurückhaltend.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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