Das Lagezentrum des Kreisgesundheitsamtes ist seit einigen Tagen nicht mehr imstande, die rasant steigende Zahl an Neuinfektionen zu bewältigen. Bei der statistischen Erfassung der Fälle, bei der Nachverfolgung von Kontakten und bei der Ausstellung von Quarantäne-Bescheinigungen gibt es bereits große Rückstände. Die Lage sei „äußerst angespannt“, berichtet der Kreis – und verweist auf die Eigenverantwortung.

Seit Wochen warnen die Virologen vor einer „Wand“: die aktuelle Omikron-Welle richtet sich nicht allmählich auf, sondern baut sich plötzlich mit einem massiven Anstieg auf. Nach bereits sehr hohen Fallzahlen in der vergangenen Woche ist dies auch im Rheinisch-Bergischen Kreis der Fall – und trifft ausgerechnet jetzt hier vor Ort auf eigene Engpässe.

„Die Situation ist äußerst angespannt“, sagt Markus Fischer, als Gesundheitsdezernent für das Lagezentrum des Kreisgesundheitsamtes im Rheinisch-Bergischen Kreis zuständig.

Ohne Aufforderung in Quarantäne

Aufgrund der „immens hohen Infektionszahlen“ gebe es bereits Rückstände bei der Nachverfolgung der Kontaktpersonen und auch bei der nackten statistischen Erfassung der Fälle. Die Folge: Die gemeldeten Fallzahlen der letzten Tage entsprechen deshalb derzeit nicht der tatsächlichen Corona-Lage.

Für Betroffene heißt das vor allem eins: Wer einen positiven Schnelltest hat muss sich ebenso wie seine häuslichen Kontaktpersonen sofort und eigenverantwortlich in Quarantäne begeben, alle anderen engen Kontakten sollten rasch informiert werden.

Statistik bildet Realität nicht mehr ab

Die reale Inzidenz war in der vergangenen Woche bereits am Donnerstag inklusive der Nachmeldungen auf 840 hochgeschossen, am Freitag auf 899. Die offizielle Inzidenz ging dann aber auf aktuell 759 zurück. Nicht etwa, weil weniger Fälle entdeckt wurden – sondern weil die Labore ebenso wie das Lagezentrum nicht mehr hinterher kamen. Am Sonntag wurden keine Fälle erfasst, und auch das Landeszentrum Gesundheit gab sich „technischen Problemen“ geschlagen.

In welchen Größenordnungen sich die Rückstände bewegen, das quantifiziert der Kreis offiziell nicht. Bei einigen hundert Fällen pro Tag erreicht so ein Rückstand aber schnell vierstellige Zahlen. Und, das bestätigt die Kreisverwaltung, die Rückstände beziehen sich sowohl auf Einzelfälle als auch auf betroffene Einrichtungen wie Kitas, Schulen oder Pflegeeinrichtungen.

Damit befindet sich der Kreis - wie auch andere Kommunen, nicht zuletzt die Landeshauptstadt Düsseldorf - ein Stück weit im Blindflug.

43.112 Schnelltests an einem Wochenende

Einen Hinweis gibt die Zahl der durchgeführten Schnelltests in Rhein-Berg: 43.112 wurden von Freitag bis Sonntag registriert, davon bislang 899 mit positiven Ergebnissen. Aber auch hier gibt es sehr wahrscheinlich einen großen Meldeverzug.

Warum es soweit kommen konnte, dafür führt die Kreisverwaltung einige Gründe an:

  • seit letzter Woche stark ansteigende Infektionszahlen,
  • hohe Belastungssituation der Labore, die ihre Meldungen an in Schüben an das Gesundheitsamt schicken, was dort zu zusätzliche Arbeitsspitzen führt
  • Ausfälle von Mitarbeitenden des Lagezentrums aufgrund von Krankheit.

Wie schnell die Probleme zu bewältigen sind, sei derzeit offen, räumt die Kreisverwaltung ein. Es seien Gegensteuerungsmaßnahmen ergriffen worden: Mitarbeiter:innen werden adhoc aus anderen Aufgabenbereichen ins Lagezentrum abgeordnet und im Laufe der Woche von den derzeit rund 80 Beschäftigten eingearbeitet.

Andere Dienste eingeschränkt

Die Bundeswehr ist mit 14 Kräften im Lagezentrum aktiv, die Aufstockung auf 20 Leute hatte der Kreis schon vor einigen Tagen beantragt. Zusätzlich will die Kreisverwaltung so rasch wie möglich weiteres Personal einstellen, und einarbeiten.

Durch die Abordnung aus anderen Dienststellen kann es bei anderen Dienstleistungen des Kreises, wie etwa vor zwei Jahren in der KfZ-Stelle, zu längeren Wartezeiten kommen. Daran führe aber kein Weg vorbei, habe auch Landrat Stephan Santelmann bekräftigt, berichtet eine Sprecherin auf Anfrage. Sowohl Santelmann als auch Kreisdirektor Erik Werdel (als Leiter des Krisenstabs) stünden voll hinter den jetzt ergriffenen Maßnahmen.

Damit „hoffe“ die Kreisverwaltung, dem hohen Fallaufkommen gerecht zu werden.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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5 Kommentare

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  1. Ist sichergestellt, dass sich der wenig positive Einfluss vom Landrat auf die Belegschaft, von dem man vergangenes Jahr erfuhr, inzwischen verbessert hat?

  2. Die (zu vielen) ignoranten Besserwisserkommentare bei in-gl.de sind zum FREMDSCHÄMEN. Je weniger Ahnung, desto überheblicher. Ich habe als berenteter Arzt letztes Jahr selber monatelang im Coronalagezentrum gearbeitet: überhaupt nicht Dienst nach Vorschrift, sondern höchstengagierte Mitarbeiter. Übrigens: fast keiner ist Beamter. Es ist der Infektiosität der OMIKRON Variante geschuldet, dass inzwischen sämtliche (!) Lagezentren die Kontakte nicht mehr nachverfolgen können. Ein bisschen mehr Wissen und Bescheidenheit wäre für UNS ALLE wünschenswert.

  3. Tja, dann können Sie sich ja freiwillig melden und dort aushelfen. Als nicht betroffener, der dort arbeitet, lassen sich solche Äußerungen ja leicht sagen. Natürlich darf der Hinweis auf Beamte nicht fehlen….Augen auf bei der Berufswahl, der Weg stand ihnen offen.

  4. Wenn ich die Informationen über das Lagezentrum lese, stelle ich mir die Fragen, ob die Verantwortlichen den Ernst der Lage und ihre Verantwortung nicht verstehen oder die Lage doch nicht so schlimm ist, dass es möglich ist, ein normales Beamten -Wochenende abzuhalten. Die Verantwortlichen sollten sich fragen, ob es Leute gibt, die das besser und effektiver machen. Es gibt Kreise, die das besser und effizienter lösen. Aber solange Dienst nach Vorschrift gemacht wird (nur das was in der jeweiligen Stellenbeschreibung dokumentiert ist), kann keine Ausnahmesituation bewältigt werden. Dafür kann gejammert werden.
    Sorry, aber das ist das, was bei mir ankommt.

    1. Sehr geehrter Herr Eversheim, wir haben seit knapp zwei Monaten immer wieder Kontakt mit dem Krisenstab, dem Lagezentrum und dem Gesundheitsamt. Von „Dienst nach Vorschrift“ konnten wir dabei nichts spüren, ganz im Gegenteil. Was natürlich nicht heißt, dass die Probleme nicht vielleicht doch effizienter gelöst werden könnten. Am mangelnden Einsatz liegt es, soweit wir das beurteilen können, nicht.