Das Kreishaus am Rübezahlwald. Foto: Thomas Merkenich

Die Kreisverwaltung tritt der Einschätzung entgegen, das Lagezentrum des Gesundheitsamtes sei so überlastet, dass es seine Aufgaben nicht mehr erfüllen könne. Zwar sei man bei der Erfassung der Fallzahlen im Rückstand, das gehen aber auf ein bewusste Setzung der Prioritäten zurück: den Schutz der vulnerablen Personen und die Kontrolle der Sonderlagen.

Schon vor gut einer Woche sei das Lagezentrum des Gesundheitsamtes Rhein-Berg an den Rand seiner Kapazitäten gelangt, sagt Kreissprecherin Birgit Bär. Daher konzentriere sich das Lagezentrum auf die (inzwischen auch) per Erlass vom Land vorgegebenen Prioritäten: den Schutz der vulnerablen Personen und die Kontrolle der Sonderlagen.

„Und das haben wir voll im Griff“, sagt Bär. Im Gegensatz zu vielen anderen Gesundheitsämter sei Rhein-Berg noch in der Lage, inhaltlich zu arbeiten, Corona-Ausbrüchen nachzugehen und Quarantänemaßnahmen auszusprechen.

381 Sonderlagen in 132 Einrichtungen

Zugunsten dieser aktiven Bekämpfung der Pandemie sei die statistische Erfassung von Neuinfektionen weiter nach hinten gestellt worden; in Kombination mit personellen Ausfälle seien daher hohe Rückstände aufgelaufen. Zwar werde daran gearbeitet, doch habe die Fallstatistik in dieser Phase der Pandemie an Bedeutung verloren.

Das Bürgerportal hatte berichtet, dass die offizielle Inzidenz im Kreis inzwischen keine Bedeutung mehr hat und auch die reale Inzidenz auf Basis der Nachmeldungen die Infektionslage nur mit einem Verzug von fünf bis sechs Tagen anzeigt.

Wie notwendig diese Neuausrichtung gewesen sei, zeige eine aktuelle Auswertung der sogenannten Sonderlagen (gehäufte Infektionen in Schulklassen oder Kitagruppen). Demnach hat das Lagezentrum aktuell 381 Sonderlagen im Blick. Da jede betroffene Klasse oder Kita als einzelne Sonderlage gilt sind davon „nur“ 132 Einrichtungen betroffen.

Diese Vorfälle werden von den betroffenen Einrichtungen seit wenigen Wochen über ein neues Online-Tool direkt an das Lagezentrum gemeldet; die Mitarbeiter:innen dort gehen dann jedem einzelnen Vorkommen nach, klären die konkreten Umstände und sprechen bei größeren Ausbrüchen oder diffusen Infektionslagen auch Quarantänen aus, erläutert Kreis-Sprecherin Bär.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Die Erklärung der Kreisverwaltung ist meiner Einschätzung nach nicht plausibel.

    Zitat: „Im Gegensatz zu vielen anderen Gesundheitsämter [sic!] sei Rhein-Berg noch in der Lage, inhaltlich zu arbeiten“. Hier stellt sich Frage, welche Gesundheitsämter nicht mehr zur inhaltlichen Arbeit in der Lage sind und woher die Kreisverwaltung diese Information bezieht. In NRW können diese Ämter nach der Argumentation nicht liegen, da alle anderen Ämter in NRW hohe Zahlen ans RKI melden und von den gleichen Vorgaben des Landes betroffen sein dürften.

    Zitat: „[…] Corona-Ausbrüchen nachzugehen und Quarantänemaßnahmen auszusprechen.“ Nach persönlicher Einschätzung geschieht das zu wenig. Mir sind Kitas bekannt, in denen man offenbar vergeblich auf Rückmeldung des Amtes wartete.

    Zitat: „Schon vor gut einer Woche sei das Lagezentrum des Gesundheitsamtes Rhein-Berg an den Rand seiner Kapazitäten gelangt […]. Daher konzentriere sich das Lagezentrum auf die (inzwischen auch) per Erlass vom Land vorgegebenen Prioritäten“. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass man zuvor Kapazitäten auf die Meldung der Fallzahlen verwendet hat und diese nicht für den „Schutz der vulnerablen Personen und die Kontrolle der Sonderlagen“ zur Verfügung standen. Der Verweis auf höhere Entscheidungsebenen ist für überforderte Behörden typisch.

    Zitat: „Zwar werde daran gearbeitet, doch habe die Fallstatistik in dieser Phase der Pandemie an Bedeutung verloren.“ Meiner Meinung nach ist die Inzidenz nach wie vor von hoher Bedeutung in der öffentlichen Berichterstattung und in der öffentlichen Wahrnehmung. Es besteht die Gefahr, dass sich Menschen in falscher Sicherheit wiegen.
    Für den Außenstehenden ist es nicht zu verstehen, dass die Meldung eines Messwertes große Personalressourcen verbraucht. Die Anzahl der meldenden Labore schätze ich nicht als sehr variabel ein. Ob nun eine Summenbildung von großen oder kleinen Zahlen erfolgt, ist für den Aufwand unerheblich. Der Blick auf das RKI-Dashboard vom 4.2.22 zeigt, dass RBK hier wirklich einzigartig zu sein scheint.