Dieser Text handelt davon, wie aus einem Spendenwunsch beinahe ein Spendenverzicht wird und ein sinnvolles Projekt fast scheitert. Nach einer unruhigen Zeit blickt Bruno, der Einzigartige, heute gelassen über den Zaun an der Weide in die Weite. 

Anfang Januar 2021 bietet das Ehepaar Annette und Egon Schneider der Abteilung StadtGrün die Spende von zwei Bänken am Waldrand westlich der Diepeschrather Mühle an. Über acht Monate geschieht nichts. Gut – Corona.

Die Nachfrage der Spender im September bei StadtGrün löst eine Reaktion aus: Familie Schneider wird um vier Wochen Aufschub gebeten. 

Totholz bringt Leben in die Sache

Die Aufstellung von Bänken an dem vorgesehenen Ort muss zurückgestellt werden, da hier eine über 200 Jahre alte Eiche abgestorben ist und erst gefällt werden soll. 

Das kreative Ehepaar hat die Idee, einen größeren Teil des Stammes zu erhalten und aus ihm eine besondere Holzskulptur schaffen zu lassen. Der für Diepeschrath zuständige Förster hat keine Bedenken, gibt sein O.K. und lässt einen fast zwei Meter hohen Stamm stehen. Diesen soll ein bekannter Künstler gestalten. 

Die Spender erreichen den früheren Dünnwalder Förster und Holzschnitzer Meinolf Zavelberg telefonisch auf einer Reise. Er sagt zu und verspricht, sich den Baum nach seiner Rückkehr anzuschauen. 

Mitte Oktober gibt trifft sich das Ehepaar Schneider mit dem Künstler vor Ort. Das Motiv, der Schnitztermin und das Honorar werden vereinbart.

Und so geschieht es: Am 9. November 2021 schneidet Meinolf Zavelberg den Bären aus dem Eichenstamm. (Dazu finden Sie hier unsere Reportage vom 12. November 2021.)

Der Künstler und sein Werk

Freilaufende Hunde, Frauchen und Herrchen

Bruno zieht vom ersten Augenblick die Menschen an. Viele, die hier vorbei kommen, halten inne, machen Aufnahmen mit ihren Smartphones oder lassen sich mit ihm von anderen fotografieren. Dabei treten diese auf der offenen Weide das Grünfutter nieder. 

Der Besitzer der Weide fürchtet um seine Futtererträge. Und er fürchtet den Hundekot. Denn der verdirbt das Futter. Seine Pferde können Koliken bekommen.

Nicht alle Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer halten sich an die geltenden Regeln: Hunde dürfen nicht frei im Wald herumlaufen, schon gar nicht in Naturschutzgebieten. Nur auf Wegen ist das Laufen ohne Leine gestattet. Aber wer Frauchen und/oder Herrchen darauf anspricht, erlebt meist knurrige Reaktionen. Kontrollen durch die Stadt finden kaum statt. Hier nicht, nicht im Strundetal oder in innerstädtischen Parks und Wäldern, nicht einmal in der Innenstadt.

Der Chef des Reiterhofs plant einen Zaun

Er will die Weide einzäunen, denn er muss seine Tiere schützen. Vor dem Bären werden Pfähle für den geplanten Zaun eingesetzt. Das Ehepaar Schneider befürchtet eine Verbretterung unmittelbar vor Bruno. Inzwischen zeichnet sich eine Lösung mit einem dünnen Drahtzaun ab.

Die Gefahren, die von Hundekot ausgehen, werden unterschätzt. Deswegen empfehle ich die Lektüre dazu im Internet.

In vielen Städten können Hundehalterin oder Hundehalter Plastiktüten aus Automaten ziehen. Meistens kostenlos. Allein durch das Vorhandensein der Tütenspender wird daran erinnert, den Kot des Köters einzusammeln und später sicher zu entsorgen. Bergisch Gladbach hat sich gegen diese Automaten entschieden. Möglicherweise ist den Entscheiderinnen und Entscheidern die gefährliche Belastung wurscht. Zu Lasten aller.

Handreichung für Hundehalter: Vielleicht könnte die Stadtverwaltung mit dem jährlichen Bescheid zur Hundesteuer den Hundehalterinnen und Hundehaltern eine Broschüre über Leinenzwang, die Gefährdung durch Kot und die Bedeutung des Einsammelns verschicken. Die Adressen sind bekannt.

Gemeinsinn statt Eigensinn

Inzwischen sind die Schneiders bereits mehrfach angesprochen worden, weil andere wissen möchten, an wen sie sich wenden könnten, um ebenfalls eine Bank stiften zu können.

Von der Pressestelle der Stadt kommt die Empfehlung, sich an das zuständige Team der Stadtverwaltung zu wenden, dass seit Jahrzehnten um alle Anregungen und Beschwerden kümmert.

Anregungen und Beschwerden, wenn man spenden will? Wären Sie darauf gekommen? 

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version hatte der Autor den „Ausschuss für Anregungen und Beschwerden“ als Ansprechpartner genannt; das war falsch, wir haben die Angaben korrigiert.

In einer Zeit, in der das Vertrauen in unser Gemeinwesen schwindet und Menschen sich abwenden, wird bürgerliches Engagement notwendiger denn je. Und mehr als zuvor werden wir alle darauf angewiesen sein, dass sich viele Mitmenschen mit unserer Gesellschaft identifizieren.

Die großen Aufgaben durch die dramatischen Veränderungen beim Klima, bei der Digitalisierung, beim Generationenwandel etc. sind nur miteinander zu schaffen, nicht gegeneinander. Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt kommt dabei einer respektierten und respektvollen bürgernahen Verwaltung eine besondere Bedeutung zu.

Handreichung für Engagierte: Vielleicht könnte die Stadtspitze für engagierte Menschen, die der Gemeinschaft und sich selbst etwas Gutes tun wollen, eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner benennen: Kompetent und gut vernetzt, auch mit der Fähigkeit zur Moderation bei Kontroversen?

Noch etwas unaufgeräumt

Zur Zeit sieht es am Waldrand noch ein wenig unordentlich aus: Jemand hat vergessen, die beiden Baumstämme wegzuräumen. Dadurch ist jetzt der Reitweg versperrt, alle Spaziergängerinnen und Spaziergänger müssen sich den Wanderweg mit Pferden, Reiterinnen und Reitern teilen.

Inzwischen ist Bruno über Smartphones in ferne Länder verschickt worden. Selfies von Bürgerinnen und Bürgern gehen in alle Welt. 

Und seit dem 24. Januar stehen die Bänke am Waldrand. Mit einem kleinen Text neben ihren Namensschildern weisen die Spender auf die Problematik der Weidenverschmutzung hin. Vielleicht hilft es.

Ein glückliches(?) Ende

Die Geschichte offenbart in diesem Fall einige Defizite im Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern. Die Spender waren nicht immer glücklich.

Frau Schneider: „Zwischendurch hatten wir fast die Lust verloren, denn wir fühlten uns nicht ernstgenommen und wir hatten den Eindruck, keinen verantwortlichen Ansprechpartner zu haben“.

Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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3 Kommentare

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  1. Nachdem Bruno fertig gestellt war, wurde von Seiten des Besitzers der Wiese (auch Eigentümer der Reitanlage) mit einer hohen Verbretterung vor Bruno gedroht. (die hohen Pfosten, die mittlerweile schon etwas gekürzt wurden, zeugen noch davon) Außerdem zeichnete der Herr ein Horrorszenario von Gefährdung durch gallopierende Reiter: wenn man den Reitweg quert, um auf die Bänke zu gelangen, besteht höchste Gefahr. Am besten gar keine Bänke? Die Stadt wollte daraufhin die Bänke in den Wald verlegen, ließ sich jedoch nach langem Ringen darauf ein, die Bänke zwar nicht neben Bruno, aber an einer anderen Stelle am Rande der Wiese zu setzen. Ein idealer Standort, wie sich mittlerweile herausstellt. Endlich stehen die Bänke! Und dann? Nach wenigen Tagen? Ein Drahtzaun entlang der Wiese wird gesetzt mit einem Stacheldraht als Abschluss. Gegen besonders hoch springende Hunde? Und zusätzlich eine Absperrung durch Pfosten und Zaun (rot markiert: vorsicht Gefahr!) mitten über die frühere Passage des Reitweges. Nun müssen Reiter und Fußgänger einen relativ schmalen Weg gemeinsam nutzen. Was ist denn nun mit der Gefährdung für Fussgänger? Als krönender Abschluss noch zwei große Baumteile als Sperre vor dem Zaun. Ist sowas überhaupt rechtmäßig? Was sagt denn eigentlich die Stadt dazu?

  2. Herzlichen Dank an das Ehepaar Schneider für die großzügige Spende zur Erbauung und Erfreuung aller! Trotz der sich anschließenden Ärgernisse und Probleme haben Sie an Ihrer Idee festgehalten…!
    An (leider zu viele) Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer: Ein wenig an die Umwelt und Ihre Mitmenschen denken und die Hinterlassenschaften Ihres Lieblings einsammeln und in den nächsten Mülleimer schmeissen…Das wäre wirklich toll! Vielen Dank! Das Gleiche gilt übrigens auch für (viele) Raucher/-innen, die ihre Kippen einfach so in die Gegend schmeißen! Die Gifte im Filter verseuchen unser Grundwasser bei Regen… Nicht immer nur an sich denken und wir kommen alle besser zusammen aus! Danke!

  3. Das sind doch nicht die einzigen Defizite im Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern in Bergisch Gladbach!