Bürgermeister Frank Stein. Foto: Stadt GL

Für Bürgermeister Frank Stein ist die Anmietung des AOK-Gebäudes an der Bensberger Straße eine realistische und schnellere Alternative für die Unterbringung der Stadtverwaltung. Für das Bürgerbüro wäre es ein idealer Standort, die Stadtbücherei müsste jedoch am alten Ort bleiben. Aber noch sei das Rennen offen.

Von den grandiosen Entwürfen für ein repräsentatives Stadthaus am Kopf-Grundstück des S-Bahnhofs ist der Schlichtbau der AOK am Rande der Innenstadt architektonisch weit entfernt, das räumt Bürgermeister Frank Stein unumwunden ein. Angesichts der Finanzlage der Stadt und explodierender Baukosten sei die Devise jetzt „form follows function“.

Das heißt: jedes Gebäude, das den Beschäftigten der Stadt gute Arbeitsbedingungen sichere und die Interaktion der Bürger:innen mit der Verwaltung erlaube komme als Domizil in Frage.

Mit dem Angebot, das AOK-Gebäude an der Bensberger Straße zu mieten, habe man jetzt eine gute Alternative zur Aufstockung der RheinBerg Passage, sagt Stein im Gespräch mit dem Bürgerportal: „Es ist immer gut, nicht nur eine Option zu haben. Das sorgt für Wettbewerb.“

Blick auf das AOK-Gebäude über die Bensberger Straße hinweg. Hinter dem Bürobau schließt sich das Zanders-Areal an

Hintergrund: Warum die AOK das Gebäude aufgibt und welche Vorteile es bietet, darüber hatten wir bereits gestern berichtet.

Die Mietfläche im AOK-Gebäude beträgt rund 5.500 Quadratmeter, deutlich weniger als zuletzt für die RheinBerg Passage geplant war. Daher müssen die Nutzungskonzepte angepasst werden, so die Stadt. Allerdings arbeitet die Verwaltung ohnehin mit Hochdruck an neuen Arbeitsmethoden und – Strukturen, die der Digitalisierung und den Ansprüchen einer flexiblen Beschäftigung gerecht werden. Und weniger Platz brauchen, so die Hoffnung.

Die wichtigsten, zusammengehörenden Abteilungen aus den maroden alten Stadthäusern ließen sich im AOK-Gebäude unterbringen, sagt Stein. Für das Bürgerbüro sei der Standort ideal: etwas 700 Meter vom Rathaus entfernt und gut an den ÖPNV angebunden. Für Mitarbeiter:innen und Kundin:innen gebe es (im rückwärtigen Bereich) ausreichend Stellplätze.

Die Stadtbücherei am Forum. Foto: Thomas Merkenich

Bleibt die Stadtbücherei am Forum?

Für die Stadtbücherei gibt es an der Bensberger Straße hingegen keinen Platz. Ihr ebenfalls marodes Gebäude am Forum sollte eigentlich aufgegeben werden, die Bücherei in das 1. Obergeschoss der RheinBerg Passage einziehen. Sollte die Entscheidung für die Option AOK fallen, sagt Stein, werde er dafür plädieren, dass die Stadtbücherei im alten Gebäude bleibt. Das natürlich saniert und barrierefrei gemacht werden müsse. Die Entscheidung liege aber beim Stadtrat.

Bis Ende 2023 macht die AOK ihr Gebäude an der Bensberger Straße frei, nach einer energetischen Sanierung durch den neuen Eigentümer könnte die Stadt im Laufe des Jahres 2024 in Räume einziehen, die für die Digitalisierung und „New Work“ gut geeignet sind, sagt Stein.

RheinBerg Passage wird weiter verfolgt

Die Aufstockung der RheinBerg Passage würde dagegen aller Voraussicht nach deutlich länger dauern. Zunächst müssen hier ein vergaberechtlicher Streit geklärt werden, bis dahin darf die Stadt in den Verhandlungen mit dem Eigentümer nicht verhandeln.

Die Entscheidung sei aber zunächst offen, betont Stein. Die Verwaltung prüfe jetzt die neue, erst vor wenigen Wochen aufgetauchten Option und arbeite an einer Vorlage für die Ausschüsse und den Stadtrat.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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