Foto: Thomas Merkenich

Zusätzlich zum Beschluss, kurzfristig mindestens 200 Plätze in provisorischen Unterkünften zu schaffen will die Stadtverwaltung mittelfristig ein neues Wohngebäude in Heidkamp mieten, das bis zu 80 Flüchtlingen dauerhaft eine Unterkunft bietet.

Im Umfeld des Gewerbegebietes Zinkhütte in Heidkamp will die Stadt Bergisch Gladbach eine Immobilie für die Unterbringung von Flüchtlingen anmieten. Einem entsprechenden Vorschlag der Verwaltung stimmte der Finanzausschuss am Donnerstagabend einstimmig zu, teilte die Stadt jetzt mit.

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Das Objekt befinde sich noch in der Planung und könne voraussichtlich ab März 2024 belegt werden. Das Gebäude sei „nicht für den normalen Wohnungsmarkt“ sondern als Hotel konzipiert worden und in der Lage, rund 80 Personen aufzunehmen.

Dieser Beschluss wurde – da private Geschäftspartner beteiligt sind – im nichtöffentlichen Teil der Sitzung behandelt, weitere Details nennt die Stadt nicht.

Im Stadtteil Heidkamp, am Rande des Gewerbegebietes Zinkhütte befindet sich auch das Gustav-Lübbe-Haus, in dem die Stadt bereits seit 2014 Flüchtlinge untergebracht hat. In unmittelbarer Nähe liegt ein ehemaliges Bürogebäude, das die Stadt zwischenzeitlich mal anmieten und zum Bürostandort für die eigene Verwaltung hatte machen wollen.

Ukrainer:innen wechseln aus privater in städtische Unterkunft

In öffentlicher Sitzung hatte der Finanzausschuss am Donnerstag zunächst über die aktuelle Lage bei der Unterbringung von Flüchtlingen berichtet. Insgesamt befinden sich demnach derzeit rund 1800 Personen in der Stadt, davon befinden sich 1158 in städtischer Obhut.

Die anderen – vor allem Kriegsvertriebene aus der Ukraine – sind privat versorgt worden. Allerdings ist die Belastbarkeit der Bevölkerung offenbar erreicht: bis Ende September seien bereits 69 Ukrainer:innen, die bislang bei privaten Gastgeber:innen gewohnt hatten, in städtische Unterkünfte gewechselt.

Aufruf: Die Stadt bittet Eigentümer und Verwaltungen von größeren, längerfristig anmietbaren Immobilien, ihre Angebote der Sozialverwaltung anzubieten. Der Verein Habitat for Humanity unterstützt die Stadt und ist Ansprechpartner bei der Vermietung abgeschlossener Wohnungen.

Stadt GL, Fachbereich Jugend und Soziales, soziales@stadt-gl.de
Habitat for Humanity, 0157 30022507, annetteklaas@habitatforhumanity.de

Hoher Zuzug aus anderen Ländern erwartet

Zudem rechnet die Stadt mit der verstärkten Ankunft von Flüchtlingen aus anderen Ländern. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kalkuliert in den nächsten Monaten bundesweit mit bis zu 160.000 Flüchtlingen; nach dem üblichen Verteilungsschlüssel müsste Bergisch Gladbach davon bis zu 224 Personen aufnehmen.

Damit steht erneut die Belegung von Turnhallen im Raum. Um das möglichst lange zu vermeiden will die Stadt kurzfristig mindestens 200 Plätze in den Notunterkünften einrichten.

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Stadt stockt Unterkünfte für Flüchtlinge kräftig auf

Ein Großteil der Menschen aus der Ukraine ist privat untergebracht, und dennoch sind Unterkünfte und Notaufnahme der Stadt nahezu ausgelastet. Mit Blick auf den Winter will die Stadt daher mindestens 200 weitere Plätze einrichten. Mit dem Ziel, die Belegung von Turnhallen so lange wie möglich zu vermeiden.

Wie genau das zu erreichen ist, blieb offen. Möglich ist zum Beispiel der Ausbau der Container-Unterkunft auf dem Carpark-Gelände in Lückerath – doch der früher einmal große Bestand an alten Containern ist längst zusammen geschmolzen; die restlichen müssten wahrscheinlich aufwendig saniert werden.

Der Ess- und Aufenthaltraum in den Hermann-Löns-Hallen. Im März eigentlich als Erstaufnahme gedacht sind die notdürftig hergerichteten Hallen nach wie vor stark belegt. Foto: Thomas Merkenich

Die Container an den Otto-Hahn-Schulen, die im Frühjahr kurzzeitig als Notaufnahme eingesetzt worden waren, sind inzwischen für eine Grundschule verplant.

Möglich ist eine noch höhere Belegung der kurz nach Kriegsbeginn aquirierten sogenannten Hermann-Löns-Hallen in Hand. Dabei handelt es sich allerdings um eine echte Notunterkunft.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Von den über 500 privat untergebrachten Schutzsuchenden seit März 2022 musste nur ein kleiner Anteil in eine Sammelunterkunft wechseln und dies aus unterschiedlichsten Gründen. Für die überwiegende Mehrheit war es ein Segen, privat Herbege zu finden.
    Integration und Unterstützung vom ersten Tag!!!!! Ich persönlich befürworte die private Unterbringung- hier sollten Gasteltern viel mehr ( auch finaziell) unterstützt werde. Es sind auch diese Gasteltern gewesen, die sich um Mietwwohnungen für ihre Schützlinge gekümmert haben. Chapeaux!!

  2. Sehr viele Kriegsvertriebene aus der Ukraine, die privat untergekommen sind haben dank dem Einsatz von Ehrenamtlichen und Habitat for Humanity mittlerweile Mietswohnungen gefunden. Leider gibt es dazu keine genaueren Zahlen. Es sind mehrere Hundert und das trotz des sehr angespannten Wohnungsmarktes!!!!Schade, dass es bei der Stadt keine Wohnungsvermittlungsstelle mehr gibt, denn aus Erfahrung wissen wir, dass es bei der Wohnugssuche Hilfe und Unterstützung benötigt,insbesondere für Menschen mit Migrationsgeschichte und/oder Fluchthintergrund. Manche leben schon viele Jahre in einer städtischen Sammelunterkunft.
    Viele Ukrainer:innen können gar nicht absehen, wie lange sie in Deutschland bleiben werden..mehrere haben sich allerdings schon auf Jahre eingestellt.
    Eine Herausforderung für unsere Stadtgesellschaft, u.a. auch was die Betreuungsplätze für die vielen Kinder betrifft.
    Brigitta Opiela ,Koordinatorin ehrenamtliche Flüchtlingshilfe

  3. Ende 2021 war das Versprechen der Bundesregierung, jedes Jahr werden deutschlandweit 400.000 neue Wohnungen gebaut. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl von Bergisch Gladbach sind das 528 Wohnungen bzw. Wohnraum für ca. 1.500 bis 2.000 Menschen. Jetzt haben wir Ende Oktober 2022. In den vergangenen 10 Monaten müssten also gut 440 neue Wohnungen entstanden sein.
    Wieviele Wohnungen sind davon fertiggestellt und wann sind sie bezugsfertig?