Foto: Thomas Merkenich

Mehr als die Hälfte der Straßen Bergisch Gladbachs muss repariert oder erneuert werden, rund 220 Positionen umfasst das „Straßenbauprogramm 2023 – 2027“. Aber allenfalls ein Drittel der Maßnahmen kann die Stadt in diesen fünf Jahren bewältigen, für das laufende Jahr sind elf Straßen fest eingeplant. Und selbst sie stehen unter Vorbehalt.

Dass Bergisch Gladbachs Straßen in einem grauenhaften Zustand sind wird niemand bezweifeln. Auch die Stadtverwaltung und die Parteien haben das längst erkannt, lange Listen erstellt und inzwischen auch viel Geld bereit gestellt. Nur am Personal – vor allem für die Planung – fehlt es immer noch. Daher steht das sechsseitige „Straßenbauprogramm 2023 – 2027″ weiter unter einem großen Vorbehalt.

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Auf sechs Seiten hat Martin Hardt, Leiter der Abteilung Verkehrsflächen, knapp 220 der insgesamt 400 Straßen in Bergisch Gladbach aufgelistet – die eigentlich saniert, erneuert oder neu gebaut werden müssten. Und das eigentlich sofort, nicht erst in ein paar Jahren, heißt es in den Erläuterungen zum Programm, das am Dienstag im Verkehrsausschuss vorgestellt und beraten wird.

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Straßen (und Zahlen) des Grauens

Die Fotos, die Martin Hardt im Ratssaal präsentiert, zeigen Wunden und Wülste, Krater und Aufbrüche. Sie zeigen Bergisch Gladbachs Straßen, die zu einem großen Teil in einem grauenvollen Zustand sind. Das soll sich ändern; doch einfach wird das nicht.

Weil aber weder das Geld noch das Personal für alle 220 Straßen reichen, so die Vorlage, seien die bedürftigsten 76 Straßenprojekte priorisiert und auf die Jahre 2023 bis 2027 verteilt worden. Zwei Drittel der notleidenden Straßen fallen damit schon einmal heraus.

Und auch dieses Pensum, so die Vorlage, sei nur „unter dem Vorbehalt der Besetzung aller vakanten Stellen in der Abteilung Verkehrsflächen umsetzbar“. Was angesichts des Fachkräftemangels wenig wahrscheinlich ist.

Bergisch Gladbacher Straßenlandschaften. Foto: Klaus Hansen

Elf konkrete Maßnahmen für 2023

Für das 2023 hat sich die Stadt immerhin elf Maßnahmen konkret vorgenommen und mit einem (ungefähren) Startdatum versehen. Im einzelnen sind das:

  • Paffrather Straße, 950 Meter zwischen Reuter- und Handstraße, ab Mai, für 770.000 Euro
  • Dechant-Müller-Straße, vor dem neuen „Quartier 13″, ab Juni, 240.000 Euro
  • Jucke / Grube Apfel / Wulfshof / Volbach in Moitzfeld, ab April, 420.000 Euro
  • Bücheler Weg, ab September, 200.000 Euro
  • Diepeschrather Weg, ab September, 200.000 Euro
  • Steinbacher Weg / Rottweg, ab Mai, 260.000 Euro
  • Kardinal-Schulte-Straße (mit Gehweg), ab Juli, 290.000 Euro
  • Om Rodde, ab August, 310.000 Euro
  • Neuenhauser Weg, ab September, 150.000 Euro
  • Elfenpfad, ab April, 160.000 Euro
  • Britanniahütte, ab September, 490.000 Euro

Weitere sieben Projekt stehen etwas unverbindlicher auf dem Programm für 2023:

  • Dellbrücker Straße (Handstraße bis Franz-Heider-Straße)
  • Rommerscheider Straße
  • Dombach-Sander-Straße
  • Lerbachacher Weg (Bensberger Straße bis TÜV)
  • Buchenkampsweg
  • Wittenbergstraße
  • Warder Hof

Die Laurentiusstraße, die nun zur abgespeckten Fahrradstraße werden soll, ist demnach 2024 an der Reihe. Als eins von 16 Projekten, eine ähnliche Zahl soll in den Folgejahren bewältigt werden.

Die Sanierungen haben zuletzt etwas Tempo aufgenommen: Sie Straße „Strassen“ in Braunsfeld wurde im vergangenen Sommer erneuert. Foto: Stadt GL

Mehr Baustellen

Über die genannten Maßnahmen hinaus ist die Abteilung Verkehrsflächen – trotz der unbesetzten Stellen – an einigen weiteren Baustellen im Einsatz. Nicht zuletzt beim Umbau der Schlossstraße, die Sanierung der Schlossberggarage, der Sanierung der Stützmauer am Pütz-Roth-Gelände oder der Erneuerung einiger Fußgängerbrücken.

Alle zur Sanierung vorgesehenen Straßen und ihr Prioritätsstatus finden Sie in der kompletten Liste, die wir unten dokumentieren. Sie soll den betroffenen Bürger:innen „als möglichst verbindliche Orientierung dienen“, erläutert die Stadt.

Alle Angaben sind jedoch ohne Gewähr – denn neben Personal- und Geldmangel können auch andere Dinge zu Verzögerungen führen, warnt die Vorlage: zum Beispiel fehlender Grunderwerb oder ausstehende Leitungsmaßnahmen.

Dokumentation: Straßenbauprogramm 2023 – 2027

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. @Redaktion – kann man diesen Bericht mit einem Nachtrag auf Stand bringen?

    Von Interesse wäre doch nun, welche Straßen tatsächlich im Jahr 2023 saniert wurden (z.B. Dellbrücker) oder noch in der Sanierung begriffen (z.B. Paffrather) sind. Und welche ins laufende Jahr verschoben wurden (z.B. Dechant-Müller). Wo steht das Projekt Laurentiusstraße und liegen die für 2024 geplanten Maßnahmen (z.B. Leverkusener und Altenberger-Dom-Str. Abschnitt 2) im Plan?

  2. Guten Tag, ich lese gerade, dass die K41 Umleitungsstrecke beim Brückenbau in Untereschbach werden soll. Dazu 2 Anmerkungen:

    – die K41 hat eine maroden Strassenbelag, der sich bei der geplanten intensiver Nutzung noch verschlechtern wird, dabei ist die Straße in der städtischen Erhaltungsplanung nicht einmal erwähnt

    – das versetzte Parken an der Straße führt jetzt schon zu gefährlichem Begegnungsverkehr, was ist erst bei intensiven Nutzung als Umleitungsstrecke zu erwarten? Die Parkmarkierungen sind zwar da, aber das ausschließliche Parken in ihnen ist nicht verbindlich angeordnet.

    Ergänzen möchte ich noch, dass schon jetzt – wegen Baustellenstau auf der A4 – viele Autofahrer aus dem Hinterland die K41 im Berufsverkehr nutzen. Ich wünsche der zuständigen Dienststelle trotzdem viel Erfolg.

    Mit freundlichen Grüßen, Albert Hebborn

  3. Die lange Liste zeigt, dass viele Straßen in der Stadt dringend saniert werden müssen und dass dies uns alle sehr viel Geld kostet. Geld, das dann an anderen Stellen fehlt, z.B. für Bildung.

    Jetzt könnte man sich darüber aufregen und auf die eigene Stadt schimpfen, dass die Straßen in so schlechtem Zustand sind und dass wir nicht genug Geld und Personal haben, alle sofort zu sanieren. Oder man kann das Problem an der Wurzel packen und sich fragen, woran das liegt, dass die Straßen in schlechtem Zustand sind und was wir dagegen tun können.

    Es liegt daran, dass immer mehr Autos über die Straßen fahren, die immer größer und schwerer werden und meist nur 1-2 Personen transportieren. Das ist ein weiterer Grund, warum wir möglichst viel Verkehr vom Auto auf den Umweltverbund (Rad, Fuß, Bus, Bahn) verlagern müssen. Diese Verkehrsmittel sind für den Einzelnen und für die Allgemeinheit deutlich günstiger.

    1. Das Geld in Bildung zu stecken, scheint ja nicht viel zu bringen. Die Entscheider, die für die nicht erfolgten Unterhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen verantwortlich sind, haben meist studiert oder zumindest Abitur. Die selbe Riege glaubt auch, eine Industriegesellschaft mit Lastenrädern und Paketdrohnen am Laufen zu halten.

    2. Die kaputte Infrastruktur ist das Ergebnis eines nicht nachhaltigen Unterhalts. Immer auf Verschleiß fahren ist der wahre Grund für die Misere.
      Vielleicht sollten sie ins benachbarte Ausland schauen. Die Schweiz könnte hier ein Vorbild sein. ÖPNV bis ins kleinste Dorf, die SBB ist pünktlich und sauber, die Straßen und Brücken sind perfekt unterhalten.

      Apropos Bildung: Wie lange ist die Misere schon bekannt? Was haben u.a. die Grünen bisher konkret gemacht?

  4. Mich wundert nur, daß bei Themen rund um das Fahrrad plötzlich Personal- und Geldmangel keine Rolle mehr spielen….

    1. Wie und basierend auf welchen Daten kommen Sie zu dieser Schlussfolgerung, die bei meiner Betrachtung und aus der Erfahrung der letzten zwei Jahre deutlich anders aussieht. So ist z.B. ein letzter Baustein des Projektes “Rad macht Schule” (Start in 2019) trotz Fördermittel bis heute nicht umgesetzt.

      Zahlen:
      Radverkehr 2021 – 203.726,82 Euro – 1,80 / Kopf (geplant 2,0 Mio.)
      Radverkehr 2022 – 324.000 EURO – 2,87 € / Kopf (geplant 2,0 Mio.)
      Radverkehr 2023 geplant ???

      Straßenbauprogramm 2023 konkret geplant – 3,5 Mio. und evtl. mehr

      Sie sehen, der Vergleich hinkt gewaltig wenn auch im Straßenbauprogramm anteilig u.U. Verbesserungen für den Radverkehr stecken. Es braucht überhaupt kein gegenseitiges Aufrechnen.

      https://in-gl.de/2022/02/07/180-euro-pro-kopf-fuer-den-radverkehr/
      https://twitter.com/BglFahrradstadt/status/1621157308549177345
      https://www.bergischgladbach.de/igp-rad-macht-schule.aspx

      1. Auch dieser Vergleich überzeugt ohne nähre Begründung nicht so richtig. Müsste nicht pro Personenkilometer anstatt pro Kopf gerechnet werden? Denn anderenfalls würde man dem tatsächlichen Nutzungsverhalten der Menschen im Rahmen eines Vergleich nicht Rechnung tragen, oder?

        Oder beruht der Vergleich auf dem Grundsatz “Was ich eingezahlt habe, muss ich auch rausbekommen”? So funktioniert aber eine Gesellschaft/Gemeinschaft leider nicht.

      2. Pro Personenkilometer ist die falsche Norm. Wenn man diese falsche Norm ansetzt verwechselt man Verkehr mit Mobilität. Eine bessere Norm wäre die Anzahl der zurückgelegten Wege.

      3. Radfahrer nutzen aber doch auch die Straßen, so ist es doch auch in derem Sinne, wenn diese in besserem Zustand sind.

      4. Wenn man die Anzahl der zurückgelegten Wege zugunde legt, gewichtet man einen Weg von 500 m und einen Weg von 50 km gleich obwohl der Gebrauch der Straße völlig unterschiedlich ist. Dies scheint mir auch nicht der richtige Ansatz zu sein.

        Zum Ausdruck kommt aber wohl, dass die Zahl Investition/Kopf wenig aussagekräftig ist und eher einer Stammtischparole gleicht.

      5. @Elena – Wenn Sie sich mit statistischen Auswertungen und (internationalen) Vergleichen sowie wissenschaftlichen Studien auseinandersetzen würden, würden Sie sehen, dass bei Verkehrsinfrastruktur Investitionen regelmäßig der pro Kopf Invest genutzt wird.

        Nicht ohne Grund hat die Stadt Bergisch Gladbach exakt diese Größe in ihre offizielle Berichte zur Radverkehrsinfrastruktur, den ich verlinkt hatte, aufgenommen. Ich bin überzeugt dieses Dokument ist nicht am Stammtisch entstanden.

        Diese Methodik als “Stammtischparole” zu diskreditieren ist schon – gelinde gesagt – sehr seltsam.

      6. “Wenn man die Anzahl der zurückgelegten Wege zugunde legt, gewichtet man einen Weg von 500 m und einen Weg von 50 km gleich”

        Genau so sieht es aus!

        Hier eine Quizfrage: Person A fährt 500 m mit dem Fahrrad zur Arbeit. Person B fährt 50 km mit dem Auto zur Arbeit. Wer ist mobiler?

      7. “Person A fährt 500 m mit dem Fahrrad zur Arbeit. Person B fährt 50 km mit dem Auto zur Arbeit. ”

        Man könnte auch fragen: welche dieser Personen kostet den Staat wohl mehr Geld? Und dementsprechend: welche dieser Mobilitätsformen ist dann wohl erstrebenswerter?

    2. Vielleicht hätten die Veantwortlichen in BGL, um Geld zu sparen für dringendere Maßnahmen, diesen von sehr vielen Anwohnern als völlig unsinnig angesehenen Umbau der Altenberger-Dom-Straße im Zentrum von Schildgen stoppen sollen. Da wird – und ich hätte nichts gegen eine Tempo – 30 – Regelung – Geld zu Lasten des Einzelhandels und deren Kunden, aus dem Fenster ausgegeben, was am Ende zu einem Verkarsten dieses “Einkaufszentrums” und ganz sicher zur Aufgabe des einen oder anderen Einzelhändlers führen wird. Vernünftige Planung sieht anders aus..