Stadtkämmerer Thore Eggert. Foto (Archiv): Thomas Merkenich

Der Haushalt 2023 der Stadt Bergisch Gladbach ist durch die Kommunalaufsicht des Rheinisch-Bergischen Kreises bestätigt, die vorläufige Haushaltsführung mit ihren erheblichen Einschränkungen hat ein Ende. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Arbeit der Verwaltung, alle geplanten Investitionen können jetzt anlaufen.

Mit der Bekanntgabe des Haushalts 2023 im Amtsblatt der Stadt Bergisch Gladbach ist er jetzt rechtskräftig. Neue Stellen aus dem Stellenplan 2023 können ausgeschrieben werden, Beförderungen können ausgesprochen und Zuschüsse ausgezahlt werden.

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Nachdem in Gesprächen mit der Kommunalaufsicht bereits vor einigen Wochen die Vorab-Freigabe einiger wichtiger Maßnahmen verhandelt worden war, können nun auch sämtliche übrigen Investitionen gestartet werden.

17 Millionen Euro Defizit wird aus Rücklagen finanziert

Der Gesamtbetrag der Erträge, wie durch den Stadtrat im März 2023 beschlossen, beläuft sich im Ergebnisplan auf 395.464.946 Euro, der Gesamtbetrag der Aufwendungen auf 415.682.908 Euro. Eingebunden wurde ein globaler Minderaufwand von 3.009.804 Euro, der zur Verringerung der Rücklagenentnahme aktiv zu erwirtschaften ist.

Somit reduzieren sich die geplanten Aufwendungen auf 412.673.104 Euro. Die in der Haushaltssatzung festgelegten Steuersätze bleiben gegenüber 2022 mit 297 v.H. (Grundsteuer A), 731 v.H. (Grundsteuer B) und 460 v.H. (Gewerbesteuer) konstant.

Der Ausgleich des Haushalts wird durch Inanspruchnahme der Ausgleichsrücklage erreicht. Da die Zielsetzung aber ein strukturell ausgeglichener Haushalt sein muss, ist Dreh- und Angelpunkt der Haushaltsstrategie in den folgenden bis zu 10 Jahren das durch den Rat beschlossene freiwillige Haushaltssicherungskonzept sowie eine Haushaltssanierungs- und Nachhaltigkeitssatzung als Vorgabe für eine nachhaltige Haushaltsbewirtschaftung durch Politik und Verwaltung.

Kommunalaufsicht fordert konsequente Konsolidierung

Der Rheinisch-Bergische Kreis weist in seiner Haushaltsbestätigung vom 14. Juni gleichwohl darauf hin, dass mit Blick auf eine langfristige Finanzplanung Haushaltsverschlechterungen drohen können:

„Die Stadt Bergisch Gladbach ist sich dessen bewusst und verfolgt mit zeitgleich beschlossenem freiwilligen Haushaltssicherungskonzept eine nachhaltige Konsolidierung des Haushalts … . Darüber hinaus soll die erstmals mit dem Haushalt 2023 erlassene Haushaltssanierungs- und Nachhaltigkeitssatzung die bereits geltenden Bewirtschaftungsregelungen ergänzen und den Haushalt zukunftssicher konsolidieren. Diese Maßnahmen sind ausdrücklich zu begrüßen.“

Zugleich mahnt der Kreis an, Haushaltssicherung und konjunkturellen Unwägbarkeiten mit konsequenter Steuerung durch Politik und Verwaltung zu begegnen: „Alle Akteure sind hier gemeinsam aufgefordert, das von der Stadt angegangene Konsolidierungsmodell konsequent umzusetzen.“

Dass sich Bergisch Gladbach mit den nun beschlossenen Maßnahmen auf dem richtigen Weg befindet, hat auch vor kurzem die Gemeindeprüfungsanstalt NRW (gpaNRW) in ihrem Bericht anlässlich der zuvor erfolgten überörtlichen Prüfung der Stadt Bergisch Gladbach bestätigt:

„Die Stadt Bergisch Gladbach hat weiterhin enorme finanzielle Herausforderungen zu bestehen. Umso erfreulicher ist es, dass eigene Aktivitäten sowie die bisher gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu einer leichten Situationsverbesserung beigetragen haben . . . Wir unterstützen ausdrücklich die Anstrengungen der Verantwortlichen, die mit dem freiwilligen Haushaltssicherungskonzept erneut unter Beweis gestellt werden.“

Haushaltsausgleich ab 2031 angestrebt

Stadtkämmerer Thore Eggert ist sich der Herausforderungen bewusst: „Disziplin und verantwortliches Handeln in der Ausgabenpolitik aller Beteiligten sind weiterhin dringend notwendig, um selbstbestimmt agieren zu können. In der langjährigen Planung gelingt uns unter diesen Voraussetzungen der Haushaltsausgleich sogar noch früher als im Entwurf geplant, nämlich bereits 2031. So ist es möglich, weiter an der Umsetzung der geplanten zukunftsorientierten Maßnahmen für Schulen, Kitas, Straßen und Klimaschutz zu arbeiten. Es bleiben aber Risiken und Unwägbarkeiten für die Zukunft bestehen, denen dann wiederum, auch kurzfristig, mit entsprechend finanzverantwortlichem Handeln zu begegnen ist.“ 

Eggert betont zum Abschluss: „Nach dem Haushalt ist wie immer auch vor dem Haushalt: Aktuell läuft die Planung des kommenden Doppelhaushaltes 2024/2025, bei der es darum geht, das Erreichte zu sichern und weitere Notwendigkeiten darzustellen, um eine nachhaltige Finanzwirtschaft langfristig zu etablieren“.

Hier werden offizielle Pressemitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung des unabhängigen Bürgerportals iGL wieder.

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  1. Gut, dass die Verwaltung nun wieder Handlungsspielraum hat.

    Fraglich ist (trotz der erreichten Verbesserungen), ob sich Bergisch Gladbach mit der Haushaltsplanung tatsächlich bereits auf dem richtigen Weg befindet wie es die Pressemitteilung sagt.

    Immerhin wächst das Haushaltsdefizit von 17 Mio. (in 2023) stetig weiter bis auf ca. 25 Mio. (in 2026). Dabei fällt das Defizit in 2026 noch moderat aus, weil hier Steuererhöhungen (Grund- und Gewerbesteuer) von ca. 10 Mio. eingeplant sind. Die Zuversicht, diese Defizitentwicklung könne bis 2031 dann zu einem tatsächlich ausgeglichenen Haushalt „gedreht“ werden, vermag man als Beobachter kaum zu teilen. Einerseits, weil dieser langfristige Blick Glaskugelcharakter hat und andererseits, weil in keinem der Fachausschüsse des Stadtrates Neigungen zum Wirtschaften oder gar Sparen erkennbar sind.

    Für eine konsequente Konsolidierung (wie gefordert) müssten sich Verwaltung und Rat jedenfalls auch an heikle Themen herantrauen. Z.B.:

    – Die systematische Modernisierung der Verwaltungsabläufe mit Hilfe von IT ist überfällig. Derzeit scheint keine Rede mehr zu sein von „Zukunftsorientierte Verwaltung“ und „Digitalisierungsrendite“.

    – Alle laufenden und geplanten Projekte sollten auf Notwendigkeit geprüft werden. Auch die geförderten Entwicklungsprojekte bzw. die politisch entschiedenen. Kein Prestige-Projekt mehr. Dabei ginge es nicht nur um viel Geld, sondern insbesondere um die Bindung personeller Ressourcen, die bei Schlüssel-Projekten (Schulen, KiTas und Straßen/Wege) ggf. dringend benötigt werden. Derzeit kann man das Gefühl haben, die Überlastung der Verwaltung wächst weiterhin.

    – Der Entwicklung des Zandersgeländes fehlt immer noch eine wirtschaftliche Perspektive. Hier drohen in den kommenden 10 Jahren bis zu 100 Mio. Unterhaltskosten. Hier ist wesentlich mehr Ambition notwendig.

    Allein die kritische Bearbeitung der drei genannten (hinreichend bekannten) Themenfelder könnten auf Sicht jährlich Millionen sparen. Es wären Millionen, die die Bürgerschaft dann nicht zusätzlich aufbringen müsste.

    PS: Wenn die Pressemitteilung sagt, „17 Millionen Euro Defizit wird aus Rücklagen finanziert“, dann handelt es sich um buchungstechnische Rücklagen, kein Geld. Es bedeutet 17 Mio. zusätzliche Schulden für die nachfolgenden Generationen.