Der erste Eltern-Workshop mit Empowerment-Coachin Baljit Sunda war ein voller Erfolg – buchstäblich: Alle 15 Plätze waren ausgebucht. Weit über die geplanten eineinhalb Stunden hinaus ging es in verschiedenen Übungen und Austauschrunden um das Thema „Selbstfürsorge im Alltag“. Die Teilnehmerinnen teilten ein wohltuendes Gemeinschaftsgefühl, ähnliche Probleme und ganz unterschiedliche, inspirierende Lösungsansätze.

Was für ein Abend, was für eine Premiere! 15 Frauen waren der Einladung von GL Familie und Empowerment-Coachin Baljit Sunda gefolgt – damit starteten wir voll besetzt in den ersten Eltern-Workshop zum Thema „Selbstfürsorge im Alltag zwischen Beruf und Kind“.

Schon kurz vor der offiziellen Startzeit um 20 Uhr waren fast alle Stühle an dem großen Konferenztisch im Coworking-Space des Bürgerportals belegt, wurden erste Gespräche geführt, neugierig, vorsichtig, vorfreudig.

Baljit Sunda begrüßte die Frauen und ließ sie gleich einmal alle aufstehen: Beim „Warm-up“ hieß es der Reihe nach Aufstellen nach unterschiedlichen Kriterien – Körpergröße, Alter, Anzahl der Kinder, Geburtsmonat. Die erste Anspannung ließ nach, die Gruppe beschnupperte sich und wurde buchstäblich warm (miteinander).

Ein Austauschkarussel

Dann war es Zeit für den ersten inhaltlichen Programmpunkt: ein Austauschkarussell. Baljit Sunda hatte im Vorfeld verschiedene Thesen im Coworking-Space verteilt. Eine Auswahl:

„Es geht darum, alles zu schaffen, und dann kann ich mich ausruhen.“

„Eltern sollten generell Pausen von ihren Kindern einplanen.”

„Kinder profitieren von Eltern mit eigenen Interessen und Hobbys.“

In Kleingruppen von drei bis vier Teilnehmerinnen rotierten die Frauen jetzt von These zu These, um jeweils zwei Minuten über jede zu diskutieren. Sofort fielen die Frauen in angeregte Gespräche, Gelächter wurde hier und da laut.

Bei einer kurzen Sammelrunde fragte die Coachin, wie die Teilnehmerinnen das Karussel empfunden hätten. „Ich habe gemerkt, ich bin nicht alleine!“, sagte eine Teilnehmerin. Eine andere formulierte: „Ich habe mich mit Frauen, die ich überhaupt nicht kannte, kurz, aber intensiv über Dinge unterhalten, die wichtig sind.“

Das Energiefass

Die nächste Runde führte die Frauen wieder an den großen Tisch. Baljit Sunda erklärte den Teilnehmerinnen, warum Selbstfürsorge wichtig ist – mithilfe eines gezeichneten Fasses.

„Stellt euch vor, dieses Fass, euer Energiefass ist morgens voll. Dann werdet ihr geweckt – aber nicht von eurem Wecker, sondern von eurem Kind, drei Stunden zu früh. Ihr müsst euch und das Kind oder die Kinder fertig machen, habt wahrscheinlich Stress, weil ihr zur Arbeit müsst. Habt Stress mit dem Partner, mit der Chefin.“

Sehr bildhaft und greifbar stellte die Coachin dar, wie das Energiefass eines und einer jeden sich über den Tag leert. Und wie dann, am Ende des Tages, der Körper schreit: Ich kann nicht mehr. Und viele dennoch sagen: „Die zehn Minuten Staubsaugen schaffe ich noch. Ach, die Wäsche mache ich auch noch schnell. Und wenn ich jetzt vorkoche, habe ich morgen weniger Stress …“

Einige Frauen begannen zu lachen, eine sagte: „Joa, man erkennt sich schon darin wieder …“

Ein Ideenmuseum

Im nächsten Schritt sollten die Teilnehmerinnen jede für sich aufschreiben, was ihnen Energie abzieht. Und mit was sie ihr Energiefass wieder auffüllen. Diese Ideen wurden anschließend in drei Gruppen zusammengefasst und auf Plakate geschrieben – ein „Ideenmuseum“ entstand, das die Frauen anschließend „besichtigten“.


Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.


Spannend, wie jede Gruppe ähnliche Ideen hatte, sie aber ganz unterschiedlich aufbereitete. Ein Plakat zeigte jede Menge Schlagworte, von „Gartenarbeit“ über „Schlafen“ bis hin zu „Babysitter“.

Ein anderes kam ganz ohne Worte aus und zeigte singende und tanzende Strichmännchen, einen Baum, ein Buch, Zweisamkeit. Ein drittes mischte Wort- und Bildebene:

Ein erstaunter Blick auf die Uhr offenbarte, dass die angesetzten eineinhalb Stunden bereits vorbei waren. „Das ging aber schnell rum“, hörte man vom Tisch, an den sich nun wieder alle gesetzt hatten, um eine finale Feedbackrunde zu machen.

Offenbar war das Bedürfnis nach einem tieferen Austausch aber immer noch da. Eine Teilnehmerin sagte, dass sie nicht wüsste, wie sie die Ideen des Abends im Alltag umsetzen sollte. Sie und ihr Partner würden beide Vollzeit arbeiten, ihr Tag beginne um 5.30 Uhr und ende um 22 Uhr damit, dass sie ins Bett kippe und versuche zu schlafen.

Baljit entgegnete: „Ich glaube, wir geben uns selbst nicht die Erlaubnis, dass wir wichtig sind. Selbstfürsorge ist eine Entscheidung.“

Spontane Supportrunde

Einige Frauen nickten, und es entstand eine spontane Supportrunde, obwohl die Zeit eigentlich abgelaufen war. Eine Teilnehmerin empfahl, sich am Wochenende gegenseitig Zeit einzuräumen – „und dem Partner auch das Vertrauen zu schenken, dass er es schafft, wenn du nicht da bist“.

Eine andere Frau berichtete, dass sie sich auch in stressigen Zeiten immer fünf Minuten für sich genommen hätte. „Das waren vielleicht nur fünf Minuten, aber das waren MEINE fünf Minuten.“ Manchmal seien es „Mini-Kleinigkeiten“, die ganz viel bewirken könnten.

Sie berichtete auch von wöchentlichen Treffen mit ihrem Mann, in dem sie alles Organisatorische der kommenden Woche besprechen und untereinander aufteilen. „Und backt dein Mann dann auch Kuchen für die Kita?“ – „Jap.“ – „Und fragst du nicht nach, ob er das auch wirklich macht?“ – „Nö. Wenn er keinen backt, gibt’s halt keinen Kuchen.“

So nahm am Ende des Abends auch die letzte Teilnehmerin etwas mit.

Wie es weitergeht

Nach dieser erfolgreichen Premiere geht der Eltern-Workshop vorraussichtlich am 30. August in eine zweite Runde. Weitere Infos folgen.


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ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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  1. ich habe das Wort Selbstfürsorge auch schon mal gehört und war verwundert. Als Mann.
    ich würde es eher mit dem Begriff “Grenzen setzen” beschreiben.
    Und das ist eine tägliche Herausforderung, wem ich Zugriff auf meine Privatsphäre gebe.
    Man will den Menschen um sich herum, auch den eigenen Kindern, zwar Grenzen setzten, läßt das “Handy” in seiner Hand fast alles von sich wissen, wenn man nicht einschreitet…
    Als Elternteile sind wir (als Vater war ich) verantwortlich, unsere Kinder vor vielen Einflüssen zu schützen oder sie im Kennenlernen dieser zu begleiten.