Wir haben es gewusst, aber jetzt präsentiert uns das Landesamt für Statistik die bitteren Zahlen schwarz auf weiß: Bergisch Gladbach gehört zu den stärksten Rentnerstädten im ganzen Land. Älter als 65 zu sein ist alles andere als eine Schande, aber diese Zahlen haben auf die Entwicklung unserer Stadt einen gewaltigen Einfluss. Also schauen wir mal genauer hin.

Der Anteil der Menschen mit 65 oder mehr Jahren beträgt in Bergisch Gladbach 23,5 Prozent. Das ist das Ergebnis des Zensus 2011, auf dessen Basis das Landesamt jetzt eine Sonderauswertung vorgelegt hat. Bei der letzten Erhebung 1987 waren es noch 14,7 Prozent.

Foto: flickr/Bernau LIVE

Damit nimmt unsere Stadt nicht nur im Rheinisch-Bergischen Kreis die Spitze ein, sondern liegt auch in ganz NRW weit vorne (oder besser: hinten). Allein in Erkrath, Hilden und Ratingen (alle Kreis Mettmann!), in Bad Honnef und Bad Salzuflen ist der Rentneranteil noch etwas höher. Aber von einem Bäderstatus sind wir weit entfernt.

Bedenklich ist auch die Dynamik: Bergisch Gladbachs Rentneranteil nahm in den 24 Jahren um 8,8 Prozentpunkte zu. Auch das ein Spitzenwert in NRW. Wenn das in dem Tempo weitergeht, werden 2037 ein Drittel aller Menschen an der Strunde Rentner sein.

Auf der anderen Seite verschwinden junge Menschen aus der Stadt, von einem Babyboom und damit einer langfristigen Besserung kann keine Rede sein. Der Anteil der Menschen unter 18 liegt in Bergisch Gladbach derzeit bei 17,2 Prozent. Das ist nicht schlecht, sondern sogar knapp über dem Landesdurchschnitt von 17 Prozent.

Schwach in Bergisch Gladbach vertreten sind die jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29: sie stellen 11,3 Prozent. In NRW insgesamt sind es 14,1 Prozent – wobei hier die Unistädte wie Köln und Bonn kräftig aus dem Umland absaugen. In dieser Altersgruppe befinden sich aber auch die jungen Eltern, die für die Zukunft der Stadt besonders wichtig wären.

Unter dem Strich können sich insgesamt gerade einmal 28,5 Prozent aller Gladbacher jung nennen. Das Durchschnittsalter liegt übrigens bei 45 Jahren.

it.nrw.de/presse/pressemitteilungen/2013/pdf/248_13.pdf, S. 16. Klicken, dann sind Zahlen gut lesbar

Dass es auch anders geht zeigen einige kleine Gemeinden im westlichen Münsterland. Zum Beispiel Heek: In dem 8500 Einwohner kleinen Ort liegt der Rentneranteil bei 14,6 Prozent, der Anteil der Menschen unter 29 bei stolzen 38,1 Prozent.

Das hängt auch mit der gesunden wirtschaftlichen Entwicklung dort draußen, tief im Westen, zusammen. Aber das ist umso mehr ein Grund, dass sich die Wirtschaftsförderer, Schulpolitiker, Kulturexperten und Stadtentwickler aus Bergisch Gladbach mal auf den Weg nach Heek machen. Es sind nur 148 Kilometer. Aber eine andere Welt.

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Aktualisierung: In einer ersten Fassung hieß es, „kaum eine Stadt in NRW hat mehr Rentner und weniger Jugendliche als Bergisch Gladbach“. Die Aussage zu den Jugendlichen war falsch, die Zahlen werden jetzt im 5. und 6. Absatz genauer erläutert.

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Datix

Zahlen, Tabelle, Grafiken sind mein Metier. Weil mich interessiert, was sich hinter dem ganzen Datensalat verbirgt.

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