Zunächst waren die Flüchtlinge in einem einigermaßen geordneten Verfahren per Bus nach Bergisch Gladbach gebracht worden. Inzwischen herrscht blankes Chaos.

Die massive Überforderung der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg bei der Verteilung der neu ankommenden Flüchtlinge hat jetzt auch die Notunterkunft in Sand erreicht. Gegen 21 Uhr traf in der Stadtverwaltung eine Mail an mit drei Namen, gegen 23 Uhr hielt ein Bus vor der Kirche in Sand – besetzt mit 30 verschüchterten Flüchtlingen, darunter auch eine Mutter mit einem Baby im Alter von drei Monaten.

Ingeborg Schmidt, die DRK-Einsatzleiterin war während ihrer Nachtschicht im MKH von der Stadt alarmiert worden, fand den Bus und dort auch die drei angekündigten Algerier, die für Bergisch Gladbach bestimmt waren. Schmidt nahm die drei Männer in Obhut, führte als Krankenschwester selbst eine erste Basisuntersuchung durch und baute eine behelfsmäßige Isolierstation in der Notunterkunft.

Nur der Zufall, dass die Mail in der Stadtverwaltung auch um 21 Uhr noch registriert wurde, und die Einsatzbereitschaft von Schmidt verhinderte Schlimmeres. Denn die Vorbereitung durch die Bezirksregierung war unzureichend. So wusste noch nicht einmal der Busfahrer, welche seiner Passagiere er wo ausladen sollte; nach Bergisch Gladbach stand Hennef auf seinem Fahrplan.

Normalerweise sind auch Notunterkünfte nachts nicht besetzt; in Sand tut nur ein Sicherheitsmann Dienst, der streng angewiesen ist, in der Nacht niemanden in das Lager zu lassen. „Eine absolute Unmöglichkeit, was hier passiert – und eine Gefährdung für die anderen Flüchtlinge und für meine Mitarbeiter”, sagt DRK-Chefin Schmidt. Denn die Algerier waren nicht nur nicht registriert, sie waren bislang auch überhaupt noch nicht untersucht worden.

Remscheid musste 150 Flüchtling in vier Stunden austauschen

Das Schicksal der anderen 78 Flüchtlinge, die seit Ende Juli in Sand in der Turnhalle wohnen, ist nach wie vor völlig ungewiss. In Remscheid hatte die Stadtverwaltung am Donnerstag innerhalb von vier Stunden alle Flüchtlinge der Notunterkunft in Lennep mit nur einem Koffer faktisch vor die Tür setzen müssen, konnte die Betten beziehen und fegen – dann standen neue 150 Flüchtlinge zur Erstaufnahme auf dem Hof. Weitere 150 Menschen zur Erstaufnahme hat die Bezirksregierung für die kommenden Woche angewiesen. Remscheid ist mit 109.000 Einwohnern fast exakt so groß wie Bergisch Gladbach. Allerdings hat sie als kreisfreie Stadt eine anderen Status.

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Nächtlicher Vorfall in Sand ist kein Einzelfall

Ein ähnlicher Vorfall wie in der Nacht in Sand hatte sich am Montag in Königswinter ereignet. Dort waren es gleich 19 Menschen, die ohne jegliche Vorwarnung abgeladen wurden. Die Bezirksregierung Arnsberg räumte einen Fehler ein, erklärte aber auch: „Wir leben in extremen Zeiten. Da kann das leider passieren.”

Bis zu 7000 Flüchtlinge kommen derzeit Woche für Woche in Nordrhein-Westfalen an. Zahlen, auf die das System der Flüchtlingsverteilung schon lange nicht mehr eingerichtet ist.

Initiativen wie die Bergisch Gladbacher petiongl, die sich für ein Bleiberecht der Flüchtlinge in der Erstaufnahme-Gemeinde und gegen den ebenso unmenschlichen wie ineffektiven Verschiebebahnhof stark macht, stoßen bei Landes- und Bezirksregierung auf taube Ohren (Details dazu in diesem Beitrag.)

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. ..sorry für die Fehler in der vorherigen Antwort, ich war einfach unglaublich sauer- aber ich glaube es hat jeder verstanden, was ich sagen will

  2. Dieses Verfahren ist der Gipfel der Unverschämtheit! Wir sollten einmal abends um 9 Uhr mit ein paar dieser hilflosen Menschen (es sind nämlich Menschen, keine Pakete oder Gegenstände, die man einfach verschicken kann!) bei dem für diese nächtliche Aktion verantwortlichen „Unmenschen“ erscheinen, sie vor seine Türe stellen und zur Unterbringung zwingen!