Vorträge im großen Saal des Löwen zum FNP

Seit der Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung zum neuen Flächennutzungsplan im Bergischen Löwen ist mittlerweile eine gute Woche vergangen und die gesammelten Eindrücke hatten Zeit, sich zu setzen und einsortiert zu werden.

Ich war als an der Thematik interessierter Bürger insgesamt fünf Stunden vor Ort und habe das grundsätzlich sehr begrüßenswerte Angebot der Verwaltung und der Experten genutzt. Die eher geringe Resonanz, welche über den Tag allgemein zu beobachten war, war in der Tat – allerdings nur vordergründig – irritierend.

Worin dies nun begründet liegt, vermag ich nicht zu bewerten. Eine Vermutung wäre wohl, dass sich zuvor weitaus weniger Bürger ausgiebig mit der Thematik auseinandergesetzt hatten, als allgemein erwartet – aus welchen Gründen auch immer …

Alternativen wären wünschenswert gewesen

Bei einer solchen Konstellation der Voraussetzungen – hier ein vorliegender Plan, präsentiert von den Erstellern, Fachleuten und dort der Bürger, mehr oder weniger im Thema – und trotzdem hat er sich auf den Weg gemacht – ist es relativ unfair seitens der anwesenden Diskutanten vom Bürger pauschal konkrete Alternativvorschläge einzufordern.

Vielmehr wäre es wünschenswert gewesen, zu erleben, dass in solchen Fällen seitens der Verwaltung bzw. Experten aktiv auf den Bürger zugegangen worden wäre mit Erläuterungen des präsentierten Entwurfs incl. möglicher diskutabler Alternativen – wenn auch für die aktuelle Darstellung verworfen – damit sich der Interessierte ein wirkliches Bild hätte machen können, über das, wozu er u.U. eine Stellungnahme hätte abgeben können.

Der Vorentwurf für den neuen Flächennutzungsplan

Allgemeinplätze und ein Eindruck des „Belehrt Werdens“

Auf der anderen Seite, wenn tatsächlich der Versuch unternommen wurde, eventuelle Alternativen aufzuzeigen, oder Bedenken zu äußern, wurde dies teilweise recht lapidar mit Allgemeinplätzen gekontert und weggewischt, um dann relativ zügig zur Präsentation des ausgearbeiteten Entwurfs zurückzukehren. Zumindest ist mir dies in der ein- oder anderen Diskussion so ergangen.

Leider, das muss ich ganz offen sagen, hatte ich auch hin- und wieder den unangenehmen Eindruck des „Belehrt Werdens“, wobei ich lebenslanges Lernen gewöhnt bin. Das so erlebte ist in meinen Augen keine sinnvolle Vorgehensweise, um eine konstruktive Diskussion zwischen fachlichen Laien – zu denen ich den normalen Bürger zählen würde – und Experten zu fördern. (Hier besteht in der Tat die Kunst darin, beide Parteien in eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe miteinander zu bringen.)

Alle Beiträge zum Thema Flächennutzungsplan

Eine ebenfalls sehr wichtige Eigenschaft bei solch einer Konstellation ist es, zuhören zu können. Und damit meine ich nicht in erster Linie, akustisch zu hören, was der Andere sagt, sondern vielmehr die Fähigkeit, zu erkennen, welche Bedenken, welche Sorgen, im besten Falle Anregungen hinter dem Gesagten stehen.

Auch dies habe ich leider größtenteils vermisst, wobei ich hier jedoch ein recht fruchtbares Gespräch am Stand Bensberg Mitte (allerdings ein anderes Teilthema Bensberg betreffend) positiv erwähnen möchte.

Bei allgemeinen Gesprächen zum Thema FNP bei anderen Gelegenheiten habe ich des Öfteren schon Sätze gehört, wie: „… was soll ich denn da, ich hab‘ da ja doch keine Ahnung von…“ oder auch „… ach das interessiert mich nicht, ich kann ja doch nichts machen, die machen doch sowieso was sie wollen…“

Zum Beginn der Bürgerbeteiligung informierten die Stadtplaner im Bergischen Löwen

Schlechte Voraussetzungen für eine echte Beteiligung

Beide Aussagen sind meiner Meinung nach denkbar schlechte Voraussetzungen für eine Bürgerbeteiligung, wenn es um echte Beteiligung und nicht nur um Information über ein „fertiges Produkt“ gehen soll. Nebenbei bemerkt, was sagen solche Äußerungen darüber aus, wie die (vermutlich nicht die Mehrheit, aber dennoch) Bürger ihre Verwaltung, Stadt – wie auch immer – wahrnehmen?

Bei einem solch umfangreichen, die gesamte Region in allen Bereichen des Lebens beeinflussenden Thema hätte ich mir bei der großen Veranstaltung im Löwen, für all die Bürger, die sich vermutlich mit dem Thema überfordert fühlen und trotzdem hingegangen sind, seitens der Verwaltung und Experten ein wenig mehr Flexibilität und Aktivität im Gespräch gewünscht , um den Bürgern nicht nur das Gefühl zu vermitteln, es wirklich erklärt bekommen zu haben, sondern ihnen auch den „Kompass“ für die Veranstaltung gegeben zu haben.

Denn nur dann haben sie die Chance, sich ein umfassendes Bild zu machen, wie sich ihr Umfeld verändern könnte und wie sie möglicherweise sinnvoll und positiv Einfluss darauf nehmen können.

Nur dann hat im Ergebnis der Bürger tatsächlich das Gefühl und die Gewissheit , an einem Prozess beteiligt gewesen zu sein, der seine und die Lebensräume und –umstände nachfolgender Generationen nachhaltig prägen wird. – Eben Bürgerbeteiligung –

Für die nächsten Runden wäre eine Nachbesserung sinnvoll

Alternativen und Anregungen kann man meines Erachtens nur erfahren, wenn das Präsentierte auch ganzheitlich verstanden wurde, der Bürger also „auf Augenhöhe mitreden kann“, und wenn eine positive Gesprächsatmosphäre erzeugt wird, zu der auch zuhören wollen gehört.

Eine ausschließliche Verteidigung des Vorgelegten bei gleichzeitiger Ablehnung von Anregungen führt beim Gesprächspartner zu einem Gefühl des nicht gehört werden Wollens, des Abweisens, also zum Gegenteil dessen, wozu man den Aufwand der Bürgerbeteiligung eigentlich betreibt. Wichtig ist eben auch Bürgeranhörung.

So reden die Bürger beim Flächennutzungsplan mit

Es wird weitere öffentliche Veranstaltungen geben und auch jene mit Einladung für diejenigen Bürger, welche sich normalerweise nicht an solchen öffentlichen Veranstaltungen beteiligen und zu Wort melden. Und gerade für diese folgenden Veranstaltungen fände ich es sehr wünschenswert, am Gesamtkonzept für die Kommunikation mit den Bürgern noch einmal nachzubessern.

Weitere Stimmen zum Auftakt der Bürgerbeteiligung …

… Martin Wiegelmann:

Bürgerbeteiligung: Wenig Resonanz, keine Optionen

… von der Initiative Leben und Arbeiten in GL:

Trauerspiel, Komödie? Nein, sachliche Bürgerbeteiligung

… von der Bürgerinitiative Moitzfeld-Herkenrath:

Bürgerbeteiligung Flächennutzungsplan – ein Trauerspiel

… von der Stadtverwaltung:

500 Bürger, 31 Eingaben, noch mehr FNP-Veranstaltungen

Iris Fromm

lebt in Bensberg.

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2 Kommentare

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  1. Bauland ist schön, für den der bauen möchte, jedoch nicht so schön, für den der da schon wohnt. Das weiß jeder, der mal neben einer Baustelle gewohnt hat.

    Ich verstehe nur nicht, warum sich Politik und Städteplanung auf der einen Seite völlig im Klaren über die eh schon unzureichende Verkehrssituation in Bergisch Gladbach sind, dennoch 3.000 neue Haushalte und damit geschätzte zusätzliche 6.000 Autos auf die gleichen maroden, zu engen und zu komplex vernetzten Straßen schicken will. Das ist ungefähr so, als würde ein Kardiologe einem Patienten mit Verschluß der Herzkranzgefäße, der kurz vor einem Infarkt steht als Therapie fettes Essen, verstärktes Rauchen und massiven Genuß von Alkohol verschreiben.

    WAS SOLL DAS???

    Dazu kommt, dass man vor ca. 4 Jahren eine riesen Aktion rund um die Zusammenlegung von 2 Realschulen gemacht hat, andere Schulen verlagern und dafür dann Umbauen wollte und das NCG ganz dicht machen wollte. Das ganze begründete man mit einer negativen demografischen Entwicklung.

    Nun, kaum 4 Jahre später, wollen uns die gleichen Politiker, die gleichen Planer weis machen, dass die demografische Entwicklung SO positiv (!!) ist, dass man nun auf einmal 3.000 neue Haushalte benötigt?

    Viel Interessanter aber: die mit diesen ca. 3.000 neuen Haushalten kommenden ca. 2.200 Kinder müssen irgendwo in eine Kita, eine Grund-, Haut-, Real- oder sonstige weiterführende Schule gehen. Es fehlen aktuell 30% Kita Plätze und die Grundschulen platzen aus allen Nähten. Dies hat zur Folge, dass Schüler Busfahrten quer durchs Stadtgebiet in Kauf nehmen müssen – oder erfahrungsgemäß von den “Helikopter-Eltern” gebracht werden. Hieraus folgert, dass ein Elternteil morgens zur Arbeit fährt (denn die Arbeitsplätze gibt es nicht in Bergisch Gladbach…), eines die Kinder zur Schule fährt. 6.000 zusätzliche Autos, die den Stadtkern mindestens 2 mal täglich belasten.

    Schaut man dann auf die restliche Infrastruktur, so stellt man fest, dass zumindest in einigen dieser Gebiete (Nussbaum z.B.) auch die Versorgungs-infrastruktur der Bürger mit Dingen des täglichen Bedarfs nicht fußläufig zu erreichen ist. Die Folge: Beschaffungsfahrten über den ganzen Tag verteilt.

    Daher stellt sich mir die Frage: Wieviel Wohnraum könnte bzw. wird schon aktuell durch z.B. die Sanierung, den Um- oder Ausbau bestehender Wohngebiete mit intakter und ausreichender Infrastruktur (Märchensiedlung Heidkamp z.B.) geschaffen? Vor dem Hintergrund, dass im letzten Jahr in NRW 900.000 Menschen verstorben, aber nur 200.000 neu geboren wurden müsste dies doch eigentlich ausreichen – oder? Warum muss die Stadt wachsen? Nur damit mehr Geld in die Kassen kommt wird die Wohnqualität im Stadtgebiet nachhaltig gestört. Jede größere Wiese ist Teil der “Klima-Anlage” der Stadt (Morgentau => Verdunstung etc.) und trägt zur Klima-Verbesserung bei. Jede versiegelte Fläche verhindert das nicht nur, sie produziert auch aktiv Umweltbelastungen durch Verkehr, Heizung etc.

    Daher auch mein Aufruf: Wehrt euch! Macht Eingaben bei der Stadt und zwingt damit die Stadt, zuzuhören!!

  2. Zunächst ein Kompliment für 5 Stunden Bergischer Löwe, ich habe es nur 2 1/2 Stunden geschafft. Wie schon zu einem anderen Beitrag geäußert, teile ich nicht die wenig guten bis negativen Eindrücke in dieser Größenordnung. Ich habe sowohl im Forum Gewerbegebiete als auch an den Ständen Einwürfe der Bürger gehört, die aufgenommen und notiert wurden als auch in Gesprächen zu den Einzelthemen lebhaft und nachhaltig diskutieren können. Insgesamt wird von einer Bürgerbeteiligung gesprochen, zu der ja zunächst einmal die Information gehört, an was sich die Bürger beteiligen sollen. Insofern scheint mir die Erwartung, in diesen 6 Stunden mit den Mitarbeitern von Stadt und Planungsbüro über Lösungen zu diskutieren, doch ein wenig blauäugig. 2018 wird der FNP veranschiedet werden. Bis dahin haben wir Bürger Zeit, uns zu äußern, Besseres vorzuschlagen, zu protestieren, wofür es zahlreiche Möglichkeiten gibt.

    Bei all den subjektiven Bedenken, die in diesem Erlebnisbericht auftauchen, fehlt die Erkenntnis, nun das zu tun, wozu die Bürgerschaft aufgefordert ist und damit zur Mitwirkung wird. Jede Bürgerin, jeder Bürger sollte jetzt nicht nur in öffentlichen Foren sondern direkt an die Stadt auf dem dafür vorgesehenen Formular auf der Internetseite ihre/seine Bedenken und Vorschläge äußern. Wenn es eine normale Mail oder ein Brief wird, sollte man sich den Erhalt von der Stadt in der entsprechenden Abteilung im Rathaus Bensberg, wo auch weitere Informationen zu erhalten sind, bestätigen lassen. Nur dann werden die schriftlichen Beiträge der Bürger gelesen und bearbeitet. Ich denke, gerade die weiteren Bemühungen der Bürger, in großer Zahl alle Bedenken mitzuteilen und Vorschläge für ein besseres Bergisch Gladbach als im FNP vorgesehen, zu machen, ist die Art der Bürgerbeteiligung, die auch etwas bewirken wird.