Unter den neuen Bewohnern der Hallen in Katterbach sind einige Familien. Foto: Stadt GL

Zwischenzeitlich war es sehr ruhig geworden in den Leichtbauhallen in Katterbach, doch inzwischen betreut das DRK dort wieder fast 260 Flüchtlinge. Das ist das Ergebnis der angekündigten Zuweisungswelle, die jetzt mit der Weihnachtspause abgeschlossen wird. Die Unterbringung verlief sehr viel strukturierter als bei den Hauruck-Aktionen vor einem Jahr, doch auch die Neuankömmlinge bringen eigene und zum Teil neue Herausforderungen mit sich, berichteten Vertreter des DRK und der Stadt bei einem Pressegespräch.

Dabei war der Anlass des Termins ein anderer: Der Trostteddy e.V. hatte eine ganze Wagenladung von Trostteddys, Schals, Mützen und Handschuhen für die Flüchtlinge gestrickt, gehäkelt und genäht – und überreichte sie jetzt den Kindern in der Unterkunft. 

Vertreter des Trostteddy e.V., der Stadt und des DRK bei der Übergabe des Strickguts an die Flüchtlinge. Foto: Stadt GL

Mehr Infos zum Trostteddy e.V. und seiner Hilfsaktion
Der Bergisch Gladbacher Verein Trostteddy e.V. hat mit seinen bundesweit 250 Mitgliedern gestrickt und am Donnerstag Trostteddys und warme Accessoires wie Mützen und Schals an die Bewohnerinnen und Bewohner verteilt.

Uwe Stumpf

Uwe Stumpf als Trostteddy-Vereinsvorsitzende überreichte, begleitet von den engagierten Handarbeiterinnen Angelika Lintzen und Bärbel Weinem, körbeweise Gestricktes, darunter insgesamt 80 Exemplare von Trostteddy und seinen Freunden. Diese wurden zum Teil an die Flüchtlingskinder weiterverschenkt. Fünf Paar Kindersocken, 25 Schals, 84 Mützen und 25 fingerlose Handschuhe wurden ebenfalls selbstgestrickt und gespendet. 

Der Verein Trostteddy wurde 2011 als Privatinitiative von Susanne und Uwe Stumpf initiiert und ist seit 2012 als gemeinnütziger Verein anerkannt. 2016 wurde der Verein bei „startsocial 100“ als Stipendiat ausgezeichnet. Der Wettbewerb, der unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel steht, fördert ehrenamtlich Engagierte seit 2001 durch Wissenstransfer. Trostteddy zählt zu 100 neuen Stipendiaten bundesweit.

Geldspenden und Sachspenden in Form von Wolle und Füllmaterial sind jederzeit willkommen. Kontakt: kontakt@trostteddy.de Mehr über den Verein erfahren sie hier.  

Die Zahl der von der Stadtverwaltung untergebrachten Flüchtlinge war im Laufe des Jahres leicht rückläufig, zudem waren die Landeseinrichtungen aufgelöst worden; daher war die Stadt bei der Erfüllung ihrer Aufnahmequote zurückgefallen und hatte von der Bezirksregierung wieder eine größere Zahl von Flüchtlingen zugewiesen bekommen. 

Im Zuge dieser Aktion sind seit November rund 250 Menschen neu nach Bergisch Gladbach gekommen. Die meisten wurden in den zuvor fast leer stehenden Hallen in Katterbach untergebracht, wo zwischenzeitlich nur noch 60 Personen gelebt hatten. Mütter mit sehr kleinen Kindern kamen zum Teil in bessere Unterkünften, einige weitere Umzüge stehen bevor.

Insgesamt versorgt die Stadt Bergisch Gladbach derzeit 1554 Flüchtlinge mit Wohnraum. Da einige Flüchtlinge die Stadt verlassen haben oder anerkannt wurden, ist der Anstieg der Gesamtzahl kleiner als die Zahl der neuen Zuweisungen. Die Grafik zeigt den Stand jeweils zu Monatsbeginn, für den 1.1.2017 ist die aktuelle Zahl ausgewiesen.

Ob die Zuweisungen im kommenden Jahr fortgesetzt wird ist offen, davon geht die Stadt aber zunächst nicht aus. In Katterbach verfügt sie noch über 130 freie Plätze; im Frühjahr soll zudem die neue Containerunterkunft in Lückerath in Betrieb gehen (und voraussichtlich die in Katterbach verbliebenen Menschen aufnehmen).

Im Gegensatz zu den unangekündigten und überhasteten Aufnahmen vor einem Jahr gibt es jetzt sowohl bei der Bezirksregierung wie bei der Stadt und beim DRK gut eingespielte Strukturen. Zudem sind die Leichtbauhallen jetzt sehr viel besser für den Winterbetrieb ausgestattet. So haben die Eingänge Windschleusen bekommen, für die Bewohner stehen abschließbare Spinde bereit.

Die Hallen in Katterbach sind weiter nachgerüstet worden. Ein Blick in das Aufenthaltszelt.

Zudem haben die Neuankömmlinge zuvor bereits in Gruppenunterkünften in Deutschland gewohnt, zum Teil seit vielen Monaten, berichtet DRK-Einrichtungsleiter Matthias Burghardt. Basisfertigkeiten für den Alltag in einer Massenunterkunft bringen sie daher mit, oft aber nur sehr rudimentäre Sprachkenntnisse.

Schwerwiegender sind jedoch die Erwartungen der Flüchtlinge. Denn sie kamen nach Bergisch Gladbach in der klaren Hoffnung, nach Monate in Hallen und Zelten endlich in Wohnungen oder festen Containern untergebracht zu werden, berichtet die städtische Sozialarbeiterin Jolanta Mirski. Wer ihnen diese Information gegeben hat, ist nicht mehr nachvollziehbar.

Alle neuen Flüchtlinge haben ihren Asylantrag bereits gestellt, viele auch schon die ersten Anhörungen hinter sich gebracht. Ihre Bleibeperspektiven sind aber höchst unterschiedlich.

Zwei Kinder in Katterbach

Eine große Gruppe unter ihnen kommt aus sowjetischen Nachfolgerepubliken wie Armenien, Aserbaidschan oder Tadschikistan, ihre Anerkennungschance ist sehr gering. Die zweite große Gruppe kommt aus Ländern Afrikas: Somalia, Eritrea, Guinea oder Nigeria.  

Es gibt wieder viele Kinder im Camp, etwa 25 sind jünger als sieben Jahre, weitere 15 befinden sich im schulpflichtigen Alter.

Daraus ergeben sich auch für die Betreuung neue Aufgaben, berichtet Burghardt. Das DRK arbeitet jetzt wieder verstärkt mit den ehrenamtlichen Initiativen zusammen, um Sprachkurse und Kinderbetreuungen anbieten zu können. Vor allem Sport- und Freizeitangebote für junge Männer seien hoch willkommen, erläutert der Einrichtungsleiter – weil diese Gruppe häufig zu kurz kommt. Auch warme Kleidung wird benötigt. 

DRK benötigt dringend Schuh und Kleiderspenden

Darüber hinaus werden jetzt auch wieder Mentoren, Hausaufgabenhelfer und Kinderbetreuer gesucht, auch für die Unterkunft im Lübbehaus, berichtet Sozialarbeiterin Mirski. Das Engagement der Ehrenamtler sei nach wie vor vorhanden, in den vergangenen ruhigen Monaten aber deutlich zurück gegangen.

Kontaktadressen zu den Flüchtlingsinitiativen in den Stadtteilen finden Sie hier, bei der Stadtverwaltung ist nach wie vor ist Friederike Hennig (Tel: 02202 142868, mail: F.Hennig@stadt-gl.de) für die Koordination der Hilfsangebote zuständig.

Allerdings mietet die Stadt keine weiteren Wohnungen mehr an, weil sie in den eigenen Unterkünften inzwischen über ausreichend Kapazitäten verfügt. Dazu zählt vor allem auch die Containerunterkunft an der IGP, die mit gut 150 Personen belegt ist. 

Allerdings werden immer wieder Wohnungen für Familien gesucht, die einen Aufenthaltsstatus bekommen haben und selbst als Mieter auftreten, die Finanzierung übernimmt dann oft das Jobcenter. 

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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