Der Kriminalitätsbericht der Kreispolizei Rheinisch-Bergischer Kreis 2016

Gegen den Trend in Land und Kreis ist die Zahl der Straftaten in Bergisch Gladbach 2016 leicht gestiegen. Zwar gab es deutlich weniger Einbrüche und Diebstähle, dafür aber mehr Gewalt. Dafür sind vor allem junge Täter verantwortlich. Einwanderer sind es nicht.

Die Kriminalitätsstatistik der Kreispolizeibehörde Rhein-Berg hat einen positiven Grundton: Im landesweiten Ranking schneidet der Kreis mit Rang 6 ziemlich gut ab, die Zahl der Straftaten insgesamt ist 2016 erneut um fast vier Prozent gefallen – und bei der Einbruchskriminalität ist die „Trendwende” geschafft, bilanzierten Landrat Hermann-Josef Tebroke und Direktionsleiter Kriminalität Jörg Rosemann am Dienstag. Gerade mit dem Blick auf Bergisch Gladbach gibt es jedoch ein paar Schönheitsfehler. 

Auch in Bergisch Gladbach ist die Zahl der Wohnungseinbrüche deutlich um 41 Prozent auf 296 Fälle gesunken. Dafür machen Tebroke und Rosemann eine erfolgreiche Zusammenarbeit aller Polizeidirektionen verantwortlich, die einen erheblichen Fahndungsdruck aufgebaut hätten. Hinzu kam die erhöhte Wachsamkeit der Nachbarn.

Die langjährige Entwicklung der Einbruchszahlen liegen nur für den ganzen Kreis Rhein-Berg vor, der Trend ist aber in Bergisch Gladbach ähnlich. Die Zahl der erfolgreichen (orange) und versuchten (grün) Einbrüche ging stark zurück. (Sie können jede Grafik per Klick vergrößern)

Die Gesamtzahl aller Straftaten in GL ist jedoch nicht wie im Vorjahr (minus 7,5 Prozent) weiter gesunken, sondern leicht um 0,84 Prozent auf jetzt 6851 Fälle gestiegen. Deutlich mehr als zwei Drittel davon gehen zwar auf Diebstähle, Fälschungsdelikte und Sachbeschädigungen zurück.

Aber immerhin 207 Straftaten werden der Gewaltkriminalität zugeordnet. Und die ist um 17 Prozent angestiegen. Ebenso stark nahm die Zahl der Körperverletzungen zu, auf jetzt 641 Fälle. 

Alle Daten für Bergisch Gladbach im Vergleich zum Vorjahr. Zum Teil fallen Straftaten in mehrere Kategorien und tauchen doppelt auf. Die Zeilen Gewaltkriminalität und Straßenkriminalität fassen mehrere Deliktarten zusammen.

Dahinter, so berichtet Rosemann, stünden immer häufiger jugendliche Täter, die meistens alkoholisiert in Gruppen aufeinander treffen und keine anderen Formen der Auseinandersetzung kennen als Gewalt. Eine echte Szene oder lokale Brennpunkte kann die Polizei dahinter jedoch nicht erkenne. 

Zwar habe man vor einiger Zeit eine Häufung von Fällen nach Veranstaltungen rund um den Konrad-Adenauer-Platz (Paas, Bergischer Löwe, Brauhaus am Bock) beobachtet und dort verstärkt Präsenz gezeigt; doch weder dort noch im Bereich des Bahnhofs könne man aus Polizeisicht von Brennpunkten sprechen. 

Die Zahl der Gewalttaten im ganzen Kreis zieht wie in Bergisch Gladbach deutlich an. Das gilt aber nicht für gefährliche / schwere Körperverletzungen. 

Zudem ist die Statistik bei den Körperverletzungen aufgebläht: Bei einer Schlägerei zwischen zwei fünfköpfigen Gruppen werde jeder Beteiligter in der Statistik als ein Fall gezählt, taucht also zehnmal in der Bilanz auf. Sind einige der Jugendlichen mit einem Schlagring bewaffnet erscheint der Fall auch noch in der Rubrik „Waffendelikte”. 

Die Stimmung, man können „in Bergisch Gladbach nicht mehr nachts auf die Straße gehen” sei daher nicht gerechtfertigt, betont Rosemann. Dafür spricht auch, dass die Zahl der Raubüberfälle um 16,4 Prozent auf 51, die Zahl der Sexualdelikte sogar um 40 auf 29 Fälle zurück gegangen ist. 

Zuwanderer stellen ein Zehntel aller Tatverdächtigen

Zuwanderer (Asylbewerber, Geduldete, illegale Einwanderer) werden seit 2016 zum ersten Mal gesondert in der Kriminalstatistik erfasst. Die Tatsache, dass im vergangenen Jahr zeitweise mehr als 1500 Flüchtlinge in Bergisch Gladbach untergebracht waren, habe sich bei den Straftaten jedoch nicht ausgewirkt, sagt Rosemann.

In Bergisch Gladbach wurden insgesamt 2691 Tatverdächtige ermittelt worden, davon waren 293 Zuwanderer. Die häufigsten Delikte in dieser Gruppe waren Diebstähle und Vermögens-/ und Fälschungsdelikte – wobei es häufig um Schwarzfahren oder falsche Ausweise geht. Wichtig ist hier zudem, dass es sich um Verdächtige handelt, nicht um überführte Straftäter. 

Für Spezialisten: Die sogenannte Häufigkeitsziffer (Straftaten pro 100.000 Einwohner) ist 2016 auch in Bergisch Gladbach minimal auf 6152 zurück gegangen. Ursache dafür ist das Bevölkerungswachstum, zugrund gelegt für Bergisch Gladbach wurde jetzt der Stand End 2015 mit 111.366 Einwohner. Diese Daten sind im unten dokumentierten Gesamtbericht falsch ausgewiesen, die richtigen Zahlen sehen so aus:

Dokumentation: Der gesamte Kriminalitätsbericht Rhein-Berg 2016

Berichte zum Thema aus den Vorjahren:

Bergisch Gladbach ist sicherer geworden

Mehr Flüchtlinge, weniger Straftaten

Flüchtlingskriminalität in Bergisch Gladbach: Fakten

„Ständige Angst vor Überfällen ist unbegründet“

Wie sicher ist Bergisch Gladbach?

Freifahrtschein für Einbrecher

Gewalttäter schlugen 170 mal in Bergisch Gladbach zu

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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