Die Webcam zeigt die ursprüngliche kreative Gestaltung des Konrad-Adenauer-Platzes

Vor rund vierzig Jahren erhielt unsere Stadt mit der kreativen Übersetzung „des fleißigsten Bachs der Republik“ in eine durchgehend gestaltete Pflasterung der Hauptstraße und des Konrad-Adenauer-Platzes ein eigenständiges Gesicht.

Diese einzigartige Gestaltung hat sich mit der Verlegung mittelgrauer Betonsteine im größten Teil der Hauptstraße weitgehend erledigt. Entstanden ist die „Straße der gestalteten Ödnis“: Sparsame Reihung von einigen Bäumen, dazu ein paar Bänke, dicht herangerückt an fehlkonstruierte Mülleimer. Lauschige Plätzchen.

Der Konrad-Adenauer-Platz mit seiner ursprünglichen Gestaltung ist inzwischen völlig verkommen. Der Bürgermeister könnte – hätte er denn Zeit – aus seinen Fenstern einen Blick auf den morbiden Charme des Verfalls werfen.

Die Fehler der frühen Jahre

Mit buntem italienischen Granit wurde und wird bis heute in vielen europäischen Städten gepflastert. In Bergisch Gladbach ist er, wie mir einer der damals Beteiligten gestand, falsch verlegt worden. Die zum Teil zu flachen Steine hätten in Zement gelegt werden müssen. Ist nicht geschehen. Stattdessen aber wurde damals von Anfang an die Fußgängerzone mit falschen Maschinen gereinigt, das verdichtende Streugut zwischen den Fugen immer wieder herausgefegt, LKW-Verkehr zugelassen. Das Pflaster hielt den Belastungen durch die schweren Kirmes-Fahrgeschäfte und dem nie vorgesehenen Lieferverkehr durch LKW nicht stand.

Im Laufe der Jahre haben sich Dellen gebildet wo keine sein sollten. Die Gitter um die Baumscheiben sind verbogen, wurden zerstört. Viele Ziegel und Granitsteine sind zerbrochen, verschoben, liegen lose im Pflaster, bilden Stolperstellen. Die Abteilung „Flick-Werk“ des Straßenbauamtes füllt die Löcher mehr schlecht als recht mit Asphalt, an anderen Stellen werden Granitsteine dilettantisch eingefügt. Pflasterer waren dabei sicher nicht beteiligt.*

Dieses Flicken kostet Geld, ganz sicher weniger als eine sorgsame Pflege durch Fachkräfte. Aber diese sorgsame Pflege würde den eigenständigen Charakter des Platzes erhalten und einen anschaulichen Gegensatz zu dem schlechten Beispiel der inzwischen charakterlosen Hauptstraße bilden. Pflege wäre auch nachhaltiger. Gut angelegtes Geld. Unser Geld.

An vielen Stellen bietet der Konrad-Adenauer-Platz dieses interessante Bild.

Hat diese Tollheit schon Methode?

Ist die Zerstörung gewollt? Hat das Methode? Droht dem Konrad-Adenauer-Platz nach der Hinrichtung des Forum-Parks zu einer kirmesgerechten Fläche ebenfalls die Verschandelung durch graue Betonsteine? Weil eine sorgsame Reparatur zum Erhalt des Platzes irgendwann nicht mehr lohnt? Wahrscheinlich.

Die Gestaltung der Hauptstraße in 1970er-Jahren wie auch in den 2010er-Jahren hat viel Geld gekostet. Unser aller Geld. Lassen Sie sich nicht täuschen: Es ist egal, ob es aus kommunalen, Landes- oder Bundes-Mitteln stammt. Es sind immer unsere Steuergelder, die hier großzügig verschwendet werden.

Bürger, schützt eure Anlagen!

Machen Sie einen Ausflug. Schauen Sie sich an, wie und wo Ihre Steuern verschwendet werden.

Ich will ja nicht nur meckern. Denn man kann etwas machen: Allein die Kosten für ein Kutscherhaus – bezahlt aus dem Etat der Stadtreinigung (gibt es die wirklich und woher kommt deren Geld?) – reichen für einige Zeit, um die Stadt richtig zu pflegen.

Und wie wäre es eigentlich mit einem Festplatz, einer Festwiese – geeignet zum lukrativen ganzjährigen Betrieb für allerlei Events, für die Kirmes, für Konzerte oder Public Viewing? Zum Beispiel in einem alten Gewerbegebiet wie Kradepohl? Leicht zu erreichen, planbar mit ausreichend Parkplätzen, ohne direkte Nachbarn (solange das Gelände nicht weiter durch neue Wohnbebauung angeknabbert wird). Die Innenstadt würde in Zukunft geschont, der Brunnen müsste nicht mehr ab- und wieder aufgebaut werden.

Der Wochenmarkt (eine der wenigen Attraktionen Gladbachs), das Stadt- und Kulturfest und ein historischer Weihnachtsmarkt würden ihren Stammplatz behalten. Und das wäre dann auch gut so.

* Das gilt alles auch für das Pflaster der Maria-Zanders-Anlage hinter dem Bürgerhaus Bergischer Löwe.

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Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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2 Kommentare

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  1. Ich war auch entsetzt, als ich das Ergebnis des neuen Forumparks gesehen habe : genauso lieblos wie die graue Fußgängerzone!
    Wie werden die hellen Steine bald nach der Eröffnung aussehen???
    Hoffentlich bleibt wenigstens der Marktplatz mit dem alten Pflaster erhalten!

  2. Ein Artikel der mir aus der Seele spricht. Nachdem die graue Ödnis nun auch im Forumpark das Bild der Stadt entscheidend prägt, habe ich Angst, dass als nächstes der Adenauerplatz grau renoviert wird. Es schmerzt mich immer wieder aufs neue, wenn ich sehe, dass Menschen ohne jedes Gefühl für eine ästhetische Stadtgestaltung Entscheidungen treffen, die das Bild unserer Stadt auf Jahre prägt. Bergisch Gladbach war einmal eine sehr schöne Stadt.