Das Gewerbegebiet Obereschbach ist fast komplett vermarket, für weiteres Wachstum fordern die Wirtschaft Handlungsspielräume für Unternehmen. 

In einem offenen Brief an die Ratsmitglieder haben vier wirtschaftsorientierte Verbände der Region ihre Vorstellungen zum neuen Flächennutzungsplan dargelegt. Unter anderem fordern sie den Stadtrat auf, keine weiteren Flächen aus dem Entwurf zu streichen – damit die Stadt handlungfähig bleibe. Das Motto von „Leben und Arbeiten in Bergisch Gladbach“, Handwerkskammer, IHK und Haus & Grund: „Vision braucht Platz” 

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Dokumentation: Der offene Brief im Wortlaut

Es braucht Mut zu Veränderungen!

Sehr geehrte Ratsmitglieder,

der neue Flächennutzungsplan der Stadt Bergisch Gladbach stellt die Weichen für das Leben und Arbeiten in den nächsten 20 bis 25 Jahren. Doch wie soll unsere Stadt in Zukunft aussehen? Egal, wie die Szenarien auch konkret aussehen werden, man braucht, um die Zukunft aktiv gestalten zu können, Optionen und Handlungsspielräume.

Visionen für die Entwicklung Bergisch Gladbachs

Die Initiative „Leben und Arbeiten in Bergisch Gladbach“ (ILA-GL) wünscht sich auch für die Zukunft eine Stadt, die liebens- und lebenswert ist und die sich weiterentwickeln kann. Dafür stellen Sie, die Ratspolitiker, nächste Woche Dienstag die Weichen.

Der erste Entwurf des Flächennutzungsplans für Bergisch Gladbach hat viele Reaktionen hervorgerufen und Sie verfolgen Ihre Aufgabe, die Interessen von Bürgern, u.a. Handel, Industrie und Handwerk zu vereinen.

Das Ergebnis ist ein Neuentwurf, auf den Sie sich verständigt haben. Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen wir flexibel sein. Und das in einem hohen Maße: Wir erleben ständig, dass Veränderungen schnell und unvorhergesehen passieren.

Die Vertreter der Wirtschaft auf regionaler Ebene möchten Sie in Ihrem Vorhaben unterstützen und bitten Sie, keine weiteren Flächen im Flächennutzungsplan zu streichen, damit wir im Sinne der Stadt Bergisch Gladbach handlungsfähig bleiben.

Mut, Visionen, Überzeugungen?

Deshalb möchten wir als Vertreter der Wirtschaft auf regionaler Ebene – ähnlich wie die amerikanische Sängerin Pink in ihrem weltweit erfolgreichen Song „Dear Mr. President“ – fragen: „Liebe Abgeordnete, wo sind der Mut, die Visionen und Überzeugungen, mit denen Sie für die Zukunft der Region antreten?“

Die Industrie- und Handelskammer zu Köln, die Kreishandwerker­schaft Bergisches Land, Haus und Grund Rheinisch-Bergischer Kreis e.V. und die Initiative „Leben und Arbeiten in Bergisch Gladbach“ (ILA-GL) sprechen sich FÜR Optionen aus – sowohl für Wohnen als auch für Gewerbe. Und das heißt auch Flächen.

Den Status quo bewahren zu wollen, genügt nicht. Nur „Nein“ zu sagen, ist einfach, aber keine Lösung.

Natürlich ändern sich in Zeiten von Digitalisierung die Bedarfe in der Industrie und im Handwerk. Gewerblich-technische Arbeitsplätze bleiben aber bestehen, denn auch zukünftig werden nicht alle Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten können.

Gleichzeitig entstehen bei erfolgreichen Unternehmen in unserer Stadt neue Top-Stellen wie zum Beispiel im Bereich Engineering bei den DEUTA-WERKEN.

Dazu kommt, dass die Region Köln als Firmenstandort ebenso wie als Lebensmittelpunkt sehr gefragt ist. Das bedeutet: Wir müssen hier bestehenden Unternehmen Wachstumschancen ermöglichen, um sie am Standort zu halten. Und wir müssen interessanten ansiedlungswilligen Unternehmen ein Angebot machen können.

Nähe als Potential für die Zukunft

Wir möchten uns nicht mit Stillstand zufrieden geben. Junge Menschen ziehen aus Bergisch Gladbach fort, wenn sie keinen bezahlbaren Wohnraum und keine attraktiven Arbeitsplätze finden. Die Zukunft unserer Stadt läge dann in einer zunehmenden Vergreisung.

Wir möchten aber eine lebendige und attraktive Stadt bleiben! Deshalb sollte auch keine zu starke Verdichtung vorgenommen werden, damit der „grüne Charakter“ der Stadt erhalten bleibt. Wünschenswert ist ein gutes Maß an Flächenausweisung, damit Optionen für die junge Generation und für unsere gemeinsame Zukunft geschaffen werden.

Verkehr und Infrastruktur müssen bei der Flächenentwicklung immer mitbedacht werden. Gegenwärtig kann nicht seriös abgeschätzt werden, wie (schnell) sich der Bereich Mobilität entwickelt. Carsharing und autonomes Fahren können große Veränderungen bewirken. Wir brauchen gute Verkehrskonzepte.

Die konkreten Lösungen für neue Wohngebiete können und müssen allerdings erst mit dem jeweiligen Bebauungsplan gefunden werden – der FNP sollte dafür die richtigen Rahmenbedingungen definieren.

Wir, die wirtschaftlich Engagierten in Bergisch Gladbach, möchten Sie, liebe Ratsmitglieder, darin stärken, die richtigen Weichen für eine zukunftsfähige Stadt zu stellen.

Denn Vision braucht Platz. Und Veränderung braucht Mut.

Mit freundlichen Grüßen,

Eva Babatz, IHK Köln, Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg

Marcus Otto, Kreishandwerkerschaft Bergisches Land

Peter Müller, Haus und Grund Rheinisch-Bergischer Kreis e.V.

Fabian Rensch und Dr. Oliver Schillings, Initiative „Leben und Arbeiten in Bergisch Gladbach“ (ILA-GL)

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Alle Dokumente zum Flächennutzungsplan

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ILA

Die Initiative „Leben und Arbeiten in Bergisch Gladbach“ ist ein Zusammenschluss von Unternehmern, Selbstständigen, Freiberuflern und wirtschaftlich Tätigen, die die Stimme der Wirtschaft in der Standortpolitik stärken und sich in den Dialog mit einbringen möchten.

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4 Kommentare

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  1. Eigentlich müsste die Bevölkerung Bergisch Gladbachs froh sein, solch starke Kämpfer für ihre Belange an der Seite zu haben wie die 4 sich hier produzierenden. Leider aber gerät die “Unterstützung der Ratsmitglieder” zu einem Gebilde, dass mit dem Wohl der Bürgerinnen und Bürger, die heute in Bergisch Gladbach wohnen, nichts zu tun hat.

    “Vision braucht Platz, Veränderung bracht Mut”
    Aus welcher Marketingmottenkiste sind denn diese Gemeinplätze? Natürlich ist sowas brauchbar, aber vor allem im Kopf und nicht im Wald oder auf der grünen Wiese!

    “Mut, Visionen, Überzeugungen”
    Selbstverständlich, aber möglichst im Denken für Leitbilder und Verkehrs-Lösungen, für den Bürger und nicht im Zubetonieren von Grünflächen!
    Ob die Herrschaften daran gedacht haben, GEMA-Gebühren für PINK zahlen zu müssen? Das wird nicht billig.

    “Nur nein zu sagen . . . ”
    Wer macht das denn? Richtig, die Verwaltung! NEIN zum Zanders-Gelände, NEIN zur vernünftigen Innenstadt-Verdichtung, NEIN zur wirklichen Hinterfragung bei unbebauten Grundstücken, NEIN zum wirksamen Umweltschutz, NEIN zu bestehenden Schutzgebieten, NEIN zum Schutz der Bevölkerung vor überdimensionierten Potentialflächen, NEIN zum Vortrag der Bürgerinitiativen bei den Ausschusssitzungen und viele NEINs mehr.
    Wo sind denn die “Bedarfe der Industrie” (die Verwaltung meinte doch immer, Gewerbe sei keine Industrie und die rauchenden Schlote Erfindung der Bürgerinitiativen?), wenn immer noch 5 Grundstücke in Obereschbach nicht verkauft sind?

    “Nähe als Potential für die Zukunft”
    Welcher Junge Mensch verlässt sich heute darauf, einen Arbeitsplatz am bisherigen Wohnort zu bekommen? Wollen die 4 Verbände das grundsätzlich ändern? Und wie???

    Den “grünen Charakter” der Stadt aufzunehmen, klingt bei der Begründung dafür fast wie ein Hohn. Wenig Innenstadtverdichtung, dafür rund um die Stadt alles zubetonieren?

    “Verkehr und Infrastruktur”
    Do simmer dobei, dat es prihima . . . Aber die Konzepte bitte VOR der Ausweisung von Potentialflächen im FNP und nicht erst bei Entstehung von Bebauungsplänen herumfrickeln, was niemals zu vernünftigen Lösungen führen kann.

    Liebe Ratsmitglieder, die Stärkung der wirtschaftlich Engagierten auf die Weise, wie es hier zu versuchen den Anschein hat, haben Sie nicht nötig.

    BBI-GL – Presse

  2. Vision braucht Onkel Doktor (frei nach Helmut Schmidt).
    Vernuftsbegabte Stadtentwicklung und -planung braucht kein Lobbyisten-Warmluftgebläse wie die ILA.
    Und doch: Nein sagen zu größenwahnsinnigen, unausgegorenen Plänen IST eine Lösung, und zwar eine sehr gute.

  3. Man kann es kaum glauben, was der ILA da so einfällt.
    Zitat: “Deshalb sollte auch keine zu starke Verdichtung vorgenommen werden, damit der „grüne Charakter“ der Stadt erhalten bleibt. Wünschenswert ist ein gutes Maß an Flächenausweisung….”
    Verdichtung bedeutet in der Regel, dass z.B. ein Einfamilienhaus abgerissen wird und statt dessen ein Mehrfamilienhaus gebaut wird. Das bedeutet, dass nur eine geringe zusätzliche Versiegelung des Bodens stattfindet, dass keine Kaltluftentstehungsgebiete zerstört werden, dass keine zusätzliche Strassen gebaut werden müssen und trotzdem ein Wachstum möglich ist.
    Statt dessen wird die Bebauung großer Grünflächen gefordert, damit die Stadt grün bleibt!! Schlimmer kann man die Tatsachen nicht verdrehen.

  4. Eieiei… die armen, armen Gewerbetreibenden wieder… Sie würden ja alle gerne, aber können nicht… warum waren eigentlich 5 (!!) Gewerbeflächen seit 18 (!!!!) Jahren leer, wenn so viel Druck vorhanden ist? Mmmhh… Dinge ändern sich schnell? Nun – eigentlich nur, wenn man sein Geschäft nicht im Griff hat. D.h. – es kommt einem schnell vor, tatsächlich ändern sich Dinge eigentlich nur unfassbar langsam. Wenn man die Anzeichen jedoch verpennt, kommt einem dann irgendwann die verbleibende Zeit sehr kurz vor, das stimmt.

    Mehr Flächen? Warum??? Der zusätzlich notwendige Flächenverbrauch im Gewerbe-Bereich ist in den letzten Jahren im Durchschnitt so gering gewesen, dass die aktuell im FNP-Entwurf ausgewiesene Fläche den Bedarf für fast 100 Jahre rechnerisch decken würde. Der Plan selbst hat aber nicht mal 20 Jahre Gültigkeit – warum also den 5-fachen Bedarf des durchschnittlichen Wachstums annehmen? Das hat nichts mit dem Wachstum der ansässigen Gewerbetreibenden zu tun, von denen im Übrigen auch einige noch deutliche Ausbau-Reserven haben.

    Zudem: Zanders war vor ca. 20 Jahren 3.500 Mitarbeiter stark am hiesigen Standort. Heute sind es noch 500 – auf fast der gleichen Fläche… Das Gelände ist aufgrund gewachsener Strukturen völlig verbaut, Wege viel zu lang etc. etc. und die Umweltbelastung durch Kraftwerk, Wassernutzung etc. etc. für eine Lage in der Stadt völlig sinnfrei. Warum nicht den Stecker ziehen, für diese Firma mit den 500 Mitarbeitern, von deren Produkten nahezu NICHTS in der Stadt verbleibt (außer die Umweltbelastung) an den Stadtrand verlegen und die insgesamt 35 Ha völlig neu gestalten?

    Viele Teile liegen brach und könnten umgenutzt werden. Das gilt auch für die Gelände Köttgen, Cox, Steinbüchel, Waick etc. etc. etc. etc. Dazu bedarf es keiner neuen Flächen sondern einer sauberen Planung.

    DAS wäre mal mutig. Aber um Mut geht es nicht, es geht um Geld. Und da fallen schnell alle Schamgrenzen leider…