David Roth hatte selbst an der Kunstaktion „Im letzten Hemd” teilgenommen.

David Roth führt die Arbeit seines Vaters Fritz als Bestatter und Trauerbegleiter sehr bewusst fort; er und seine  Schwester Hanna fügen aber stetig Neues dazu. So auch bei seinem Buch „Das letzte Hemd hat viele Farben”.

Denn dieses Buch mit dem Untertitel „Für einen lebendigen Umgang mit dem Sterben” ist nicht ganz neu. 

Der im Dezember 2012 verstorbene Fritz Roth, seit viele Jahre als Vor- und Querdenker der Besattungsbranche bekannt, hatte schon 1998 das Buch „Der Trauer einer Heimat geben” veröffentlicht. Die Unterzeile war mit der heutigen nur fast identisch: „Für einen lebendigen Umgang mit dem Tod”.

Fritz Roth forderte ein radikales Umdenken im Umgang mit dem Sterben und mit dem Tod. Seither hat sich nach der Einschätzung seines Sohn David zwar vieles verändert – aber nicht zum Besseren.

Das Bestattungswesen sei trotz einiger Neuheiten wie den Begräbniswäldern alles andere als offen; viel zu oft steril und standardisiert. Möglichkeiten, die es durchaus gebe, würden den Trauernden oft gar nicht angeboten.

In dem neuen Buch finden sich viele Passagen des alten Buchs wieder. Aber David Roth blickt gemeinsam mit der Ko-Autorin Sabine Bode wieder neu auf die Begräbniskultur: Wie nehmen wir Abschied? Wie können wir zu neuer Lebensfreude gelangen? 

Dabei nimmt das Buch den Titel einer Ausstellung auf, die David Roth mit initiiert hatte: „Im letzten Hemd” zeigt Lebende auf dem Totenbett, in dem Hemd, in dem sie sich am liebsten beerdigen lassen würden. Egal, ob im gelben Lieblingspulli oder im Karnevalsornat.

Jeder trauert auf seine Art

Sabine Bode / David Roth

Das letzte Hemd hat viele Farben
Für einen lebendigen Umgang mit dem Sterben

222 Seiten, 18 Euro 
ISBN 978-3-431-04090-6

Das Buch erzählt in vielen persönlichen Geschichten von Menschen, die sich sehr bewußt von ihren Toten verabschiedet und dabei ganz eigene Formen der Trauer gefunden haben.

Es sei auch heute nicht erwünscht, dass Hinterbliebene offen ihren Schmerz zeigen, schon gar nicht über einen längeren Zeitraum hinweg, sagt David Roth: „Statt stimmigen Abschiedsritualen begegnet man einer genormten und gefühlsarmen Begräbniskultur.”

Dabei bleibe keine Zeit und kein Raum für eine intensive Auseinandersetzung mit seinen Gefühlen. Dabei könne unterdrückte Trauer schlimme Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit haben, erläutert Roth.

Daher wollen die Autoren Sabine Bode und David Roth Mut machen, die Trauer auszuleben. Richtschnur müsse dabei sein, was „den Hinterbliebenen guttut, nicht so, wie es die Gesellschaft von ihnen erwartet”, betont Roth.

Im Buch finden sich Personen, die diesen Weg gegangen sind und sich entgegen der gängigen Begräbniskultur sehr bewusst und individuell von ihren Toten verabschiedet haben. Diese Erfahrungen sollen Trauernden helfen, ihren eigenen Weg zu gehen, sagt Roth: „Denn nur der individuelle Abschied schafft die Voraussetzung, eines Tages wieder Lebensfreude empfinden zu können.”

Sabine Bode, Jahrgang 1947, ist Journalistin und Buchautorin. Bekannt wurde sie mit ihren Büchern Die vergessene Generation, Nachkriegskinder und Kriegsenkel. Sabine Bode lebt in Köln.

David Roth, Jahrgang 1978, ist Bestatter und Trauerbegleiter. Als Mitglied der Geschäftsführung in dem Bestattungshaus Püth-Roth bemüht er sich das Anliegen seines Vaters, Trauer individuell zu leben, weiterzuführen. 

Weitere Beiträge zum Thema:

Tränen lügen oft

Pütz-Roth erlaubt Mensch und Tier in einem Grab

Im Letzten Hemd dem Tod ins Gesicht blicken

Ein „Haus der Klage“ für die Gärten der Bestattung

Fritz Roths Erben gründen Stiftung „Trauer ist Liebe“

Danke, Fritz

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.