Der Innenraum des Turbokreisels, an der Einfahrt zur Stadtmitte mit der Villa Zanders und den Stadthäusern (noch) im Hintergrund, soll gestaltet werden.

Die Jury für die Gestaltung des neuen Kreisverkehrs Schnabelsmühle hat sich für einen spektakulären Wurf entschieden. Ein schwebender weißer Ring, der die Eigenschaft eines Papierbogens mit Wasserzeichen hat und erst in der Nacht sein Geheimnis offenbart. 

Das Unternehmernetzwerk Best of Bergisch (BoB) hatte sich der Gestaltung des Innenraums des Turbokreisels angenommen und ein mehrstufiges Wettbewerbsverfahren organisiert. Jetzt stellte BoB-Vorstand Hendrik Walter gemeinsam mit Bürgermeister Lutz Urbach und Jury-Mitglied Petra Oelschlägel den Sieger vor: Die Kölner Landschaftsarchitekten Greenbox mit ihre Entwurf „Wasserzeichen”.

Das „Wasserzeichen” bei Tag: kreisrund, schwebend, mit einer an Papier erinnernden Oberfläche. Sie können jedes Foto mit einem Klick vergrößern, am besten im Querformat.

Damit habe sich die Jury zwar für den teuersten, aber auch besten Entwurf der fünf Finalisten entschieden, freute sich Urbach über dieses Geschenk. Der Gestaltung dieser extrem markanten Stelle im öffentlichen Raum komme große Bedeutung zu. Auch die Finanzierung in Höhe einer voraussichtlich hohen fünfstelligen Summe organisiert Best of Bergisch, über eigene Leistungen, Spenden und Sponsoren. 

Bei Nacht offenbart das „Wasserzeichen” seinen Inhalt: Begriffe, die von den Bürgern bestimmt werden

Die Architekten von Greenbox hatten sich intensiv mit der ersten Wettbewerbsrunde auseinandergesetzt, in der rund 250 Bürger 51 Ideen und Entwürfe für den Kreisverkehr eingereicht. Fünf davon waren von der Jury in der ersten Wettbewerbsphase prämiert worden. Die Ideen von gleich drei dieser Bürgerentwürfe finden sich im „Wasserzeichen” wieder.

„Wir wollten nicht aus Köln mit einer neuen Idee kommen, sondern haben uns von den Ideen der Bürger inspirieren lassen”, betont Greenbox-Geschäftsführer Schäfer. Tatsächlich hat der Entwurf enge Bezüge zu den Ideen des Arbeitskreis der Künstler (AdK), des Horizont Wohnhaus für Suchtkranke der Caritas und der Klasse 4a der GGS Herkenrath.

Im Video erläutert Greenbox-Architekt Hubertus Schäfer den Entwurf:

Der schwebenden Ring mit zwölf Meter Durchmesser aus perforiertem Alu soll den Kreisverkehr mit seiner wichtigen Funktion als Eingangsportal zur Innenstadt markieren und mit seiner Kreisform das Miteinander der Bürger symbolisieren. Praktischerweise hat er keine Vorder- oder Rückseite, sondern kann von allen Seiten erfahren werden. Die Oberfläche soll an Papier erinnern, erläutert Schäfer: weiß, halbtransparent, mit einer leichten Struktur. 

Mit der Dunkelheit verwandelt sich der Ring jedoch – und enthüllt endgültig seine Bezüge zum Werkstoff Papier. Wie Wasserzeichen auf einer Papierrolle erscheinen dann von innen erleuchtet Wörter. Welche Begriffe das sind, werden erneut die Bürger in einer dritten Wettbewerbsphase bestimmen. 

Hubertus Schäfer erläutert den Greenbox-Entwurf

Wunderschön habe Greenbox die Ideen der Bürger aufgegriffen und auf die nächste Stufe gehoben, lobt der Architekt Thomas Duda, der für BoB die zweite Wettebewerbsphase organisiert. Wenn die Bürger jetzt noch einmal einbezogen werden entstünde ein „interaktives Kunstwerk”.

Im Namen der Jury, der Friedhelm Terfrüchte vorgesessen hatte, erläuterte Petra Oelschlägel von einer sehr intensiven Debatte. Wichtig sei der Jury gewesen, eine zeitlose Gestaltung zu finden, die Potenzial für anstehende städtebauliche Veränderungen lasse. Das „Wasserzeichen” bilde selbst ein „Superzeichen” für die Stadt und erfülle diese Anforderungen hervorragend.

Zwei der fünf Finalisten und „seien relativ schnell ausgeschieden, weil ihre Objekte den verkehrs- und windtechnischen Anforderungen nicht genügten. Nach einer sehr kontroversen Debatte zwischen vehementen Befürwortern und Gegnern sei auch Entwurf 03 abgelegt worden.

Im Finale hatte dann der Entwurf 01, eine schleifenförmige Skulptur aus Stahlblech, das Nachsehen. Dazu habe auch beigetragen, dass in der Ausschreibung keine Skulptur in der Mitte, sondern ein Gestaltung des Kreisverkehres gefordert war. „Letztendlich waren alle Jurymitglieder vom Greenbox-Entwurf überzeugt“, gab Friedhelm Terfrüchte, Juryvorsitzender und Mitglied des Gestaltungsbeirates, zu Protokoll.

Die Jurymitglieder (bitte anklicken)

Eckard Alker (Grafiker und Freier Künstler, erste Phase)
Georg Dittrich (Architekt und Künstler, zweite Phase)
Harald Flügge (Stadtbaurat und Erster Beigeordneter),
Lennart Höring (CDU, Vorsitzender im Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss),
Konstantin NevenDuMont (Unternehmer)
Dr. Petra Oelschlägel (Leiterin Kunstmuseum Villa Zanders),
Carina Pfeffer (Landschaftsarchitektin),
Friedhelm Terfrüchte (Mitglied des Gestaltungsbeirates der Stadt Bergisch Gladbach),
Klaus Waldschmidt (SPD, Stellvertretender Vorsitzender  im Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss),
Hendrik Walter (Best of Bergisch)

Im nächsten Schritt wird das „Wasserzeichen” im zuständigen Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss zur Beschlussfassung vorgestellt. Mit dem Beschluss startet Best of Bergisch die Finanzierungskampagne, damit der Bau möglichst rasch beginnen kann. Spätestens im Frühjahr 2019, da ist sich BoB-Vorstand Walter sicher, soll der Ring den Stadteingang schmücken. 

Bürgermeister Urbach, Architekt Schäfer, Jury-Mitglieder und das Netzwerk Best of Bergisch bei der Vorstellung in der Villa Zanders

Hintergrund: Best of Bergisch (bitte anklicken)
Best of Bergisch“ ist ein Unternehmernetzwerk aus Handwerk, Handel, freien Berufen und Dienstleistungen und gründet sich auf dem Anspruch, in der Region Leistungen mit bester Qualität anzubieten. Im Bewusstsein, dass nicht jedes Unternehmen alles leisten kann, konzentrieren sich in „Best of Bergisch” Unternehmer, die sich mit ihren Angeboten gegenseitig ergänzen und unterstützen wollen.

Durch das gemeinsame Bearbeiten von Aufträgen ergibt sich eine deutlich bessere Abstimmung untereinander. Und weil sich „Best of Bergisch” ausdrücklich nicht nur beruflich aufgestellt sieht, wird auch ein kulturelles, sportliches und soziales Engagement für die Region verfolgt.

Alle Entwürfe der fünf Planungsbüros werden jetzt in einer Ausstellung in der Villa Zanders öffentlich präsentiert. Sie ist noch heute (21.3.) im Kunstmuseum Villa Zanders zu sehen. Vom 23.3. bis 12.4. stehen die Entwürfe im Rathaus Bensberg, auf dem Rathausflur des fünften Stocks montags bis donnerstags von 8.00 Uhr – 18.30 Uhr und freitags von 8.00 Uhr – 15.30 Uhr ausgestellt. Eine weitere Ausstellung in der Stadtmitte ist angedacht.

Alles Infos zum Wettbewerb gibt es demnächst außerdem auf einer bereits eingerichteten Website.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Fassung wurden die Kosten auf eine „hohe sechsstellige Summe” beziffert, das ist falsch. Tatsächlich werden die Kosten auf eine fünfstellige Summe veranschlagt.

Weitere Beiträge zum Thema:

Vier ausgezeichnete Bürger-Ideen für den Kreisverkehr

51 Entwürfe für die neue Schnabelsmühle

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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7 Kommentare

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  1. Obwohl die Radwege, wie Zebrastreifen, deutlich gekennzeichnet sind und wohl doch auch den gleichen Schutz bieten (oder?) wurde ich bereits zweimal von rücksichtslosen (nicht haltewilligen) Autofahrern angepöbelt „ich hätte keine Vorfahrt!“ Ist das so? Man sollte kontrollieren und aufklären!!

  2. M.E. ist der Turbokreisel eine ungeheure Unfallfalle! Besonders fremde Autofahrer, die den Kreisel durchqueren müssen, wollen sehen, lesen was auf dem schwebenden runden Ding steht, besonders in der Dunkelheit, die kennen nicht das Wasserzeichen von Bergisch Gladbach. Und wie ist es mit der Beleuchtung? Nicht das es irgendwann seitens der Stadt heißt: wir müssen Strom sparen! Ingeborg Sieg

  3. Schlicht, edel, phantastisch! Ich bin begeistert und danke allen, die an diesem wunderbaren Werk beteiligt sind.

    Im Übrigen fahre ich nach anfänglicher Skepsis gerne und völlig problemlos durch den Kreisel.

  4. Heute ist der Kreisel schön durchsichtig, was dem Verkehr förderlich ist. Man sieht und wird gesehen. Der Kreisel ist mit seinen vielen Zuwegungen komplex und erfordert absolute Konzentration. Ich fürchte, dass demnächst die Verkehrsteilnehmer mit offenem Mund den Ausstieg der Außerirdischen aus den UFO erwarten und nicht mehr konzentriert den Kreisel passieren. Übrigens: In der Nachtaufnahme fährt der Radfahrer jetzt schon als Geisterfahrer in die falsche Richtung. Er ist wohl abgelenkt …

  5. Die Verkehrssicherheit war eine wichtige Bedingung bei der Ausschreibung, darauf wird sicherlich geachtet. Das Geld wird gezielt für dieses Projekt von Best of Bergisch bei Sponsoren eingeworben und kommt eben nicht aus der Stadtkasse. Daher kann es die Stadt auch nicht anders verwenden.

  6. Für alle Entwürfe gilt:
    Geschmackssache; die Einen mögen das – die Anderen eben nicht.

    Einzig wichtig ist, dass der Kreisel möglichst übersichtlich bleibt. Wenn man Fahrzeuge, die von der anderen Seite in den Kreisel einfahren, nicht schon so früh wie möglich sehen kann, so ist jede “Gestaltung” des Kreisverkehrs eine zusätzliche Unfallursache. Solange der Bewuchs am Kreisel einigermassen flach gehalten wird, ist das die beste und sicherlich auch die günstigste Lösung.
    Mit dem eingesparten Geld kann BGL doch bestimmt Besseres anfangen, oder?

  7. LICHTSMOG
    Das Ding strahlt bei Dunkelheit anscheinend (auch) nach oben und würde somit heftig zur Lichtverschmutzung beitragen.
    Wenn man die obere Platte etwas vergrößern würde, wäre schön viel getan gegen einen weiteren Verlust der Nacht in unserem Bergisch Gladbach.