Unmittelbar vor dem Insolvenzantrag von Zanders hat der Eigentümer Mutares eine erhebliche Summe Geld auf das Konto des Bergisch Gladbacher Unternehmens überwiesen. Das werten diejenigen, die jetzt mit der Sanierung betraut sind, als klares Signal. 

In einem gemeinsamen Pressegespräch haben sich am Dienstag der vorläufige Insolvenzverwalter und die drei neuen Zanders-Geschäftsführer zum Stand der Dinge bei der Papierfabrik geäußert, die Ende vergangener Woche einen Insolvenzantrag gestellt hatte.

Dabei machte Marc d’Avoine sehr deutlich, dass er als „Insolvenzverwalter mit Zustimmungsvorbehalt” allein den Interessen der Gläubiger verpflichtet ist. Er überwache die von Mutares eingesetzten Geschäftsführer und trage letztlich die unternehmerische Verantwortung.

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Er betonte jedoch, dass er im Verbund mit der Geschäftsführung alles tun werde, um eine Sanierung des Unternehmens mit seinen 500 Mitarbeitern doch noch zum Erfolg zu führen.

Marc D’Avoine ist vom Amtsgericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden

Namhaften” Betrag nach Bergisch Gladbach überwiesen

D’Avoine bestätigte, dass der Zanders-Eigentümer (die Münchener Beteiligungsgesellschaft Mutares) noch vor dem Insolvenzantrag einen „namhaften Betrag” überwiesen habe. Damit sei Mutares seiner finanziellen Verantwortung gerecht geworden. Es könne aber sein, dass der Eigentümer für eine erfolgreiche Sanierung einen weiteren Beitrag leisten und dass die Gläubiger unter Umständen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen.

Aktuell sei die Fortführung des Betriebes gesichert, nun werde an einem „plausiblen Sanierungskonzept” gearbeitet. Dazu könne man aber „allerfrühestens in sechs Wochen” weitere Informationen geben.

Wahrscheinlich werde es bis September dauern, bis das Amtsgericht über die Erklärung der Insolvenz entscheide; aber längst werde mit Hochdruck an einem Sanierungskonzept gearbeitet.

Igor Ferlan (Mitte) wird als operativer Geschäftsführer von den Juristen Christian Köhler und Gordon Geiser unterstützt

„Wir produzieren und liefern aus”

Igor Ferlan, der von Mutares eingesetzte neue operative Geschäftsführer betonte, dass Zanders dank der Entlastungen bei der Zahlung von Betriebsrenten, Löhnen und Gehältern voll betriebsfähig sei.

„Keiner von unseren Lieferanten ist ausgestiegen, wir produzieren und liefern aus”, sagte der Manager. Im stehen mit Christian Köhler-Ma und Gordon Geiser im Insolvenzverfahren zwei erfahrene Juristen zur Seite, die von Mutares ebenfalls zu Geschäftsführern berufen wurden – und als Freiberufler direkt von Mutares bezahlt werden.

Auch die bereits begonnenen Sanierungsschritte würden wie geplant umgesetzt, sagte Ferlan. Dazu gehört vor allem die Umstellung des Kraftwerks von Kohle auf Gas; in wenigen Tagen werde das erste Gas durch die neue Leitung fließen und die Papiermaschine PM2 mit Energie versorgen.

Die Energie für die großen Papiermaschinen soll schon bald mit Gas erzeugt werden

Löhne und Gehälter wurden gezahlt 

Nach Angaben der Geschäftsführung sind inzwischen die Löhne und Gehälter für den Juni an die Mitarbeiter ausgezahlt worden. Es sei eine Bank gefunden, die die Insolvenzgelder vom Arbeitsamt vorfinanziert.

Nur die Zulagen für im Mai geleistete Überstunden, Schicht- und Sonntagsdienste, die im Juni hätten abgerechnet werden soll, zahlt das Arbeitsamt nicht nach. In den Folgemonaten übernimmt es diese Zahlungen komplett.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Fassung enthielt dieser Beitrag leider einen schweren Fehler. Wir hatten geschrieben, das Arbeitsamt übernehme die Zusatzleistungen für Schicht- und Wochendienste für die Monate Juni, Juli und August nicht. Das ist falsch. Korrekt ist, dass das Arbeitsamt in diesen Monaten alle Zahlungen komplett übernimmt. Lediglich für im Mai geleistete Dienste, die im Juni hätten abgerechnet werden müssen, gibt es eine Lücke. Wir haben den Bericht korrigiert und bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Das Grundgehalt sei sogar gestiegen, weil mit dem Insolvenzantrag die Betriebsvereinbarung außer Kraft getreten ist, in der die Mitarbeiter vorher auf einen Teil ihrer Gehälter verzichtet hatten.

Betriebsrentner müssen warten

Für die Betriebsrentner gibt es diese Vorfinanzierung nicht. Sie müssen warten, bis das Amtsgericht das Insolvenzverfahren tatsächlich eröffnet und der Pensionssicherungsverein den Fall übernimmt; dann werden die Betriebsrenten rückwirkend ausgezahlt. Hier gilt aber die gesetzliche Beitragsbemessungsgrenze, die Betriebsrenten werden bei maximal 6500 Euro gekappt.

Parallel zu den Formalien des Insolvenzverfahrens arbeiten jetzt alle Beteiligten unter Hochdruck an einem Sanierungs- bzw. Insolvenzplan. Für d’Avoine hat es dabei höchste Priorität, die Interessen der Gläubiger zu wahren, die am Ende ohnehin im Gläubigerausschuss entscheiden.

Business as usual: Der Betrieb geht weiter, Azubis werden gesucht

„Zanders wieder auf eigene Beine stellen”

Die Zanders-Geschäftsführung ist dagegen auch dem Eigentümer verpflichtet. Ihr Ziel sei eine Sanierung, keine Zerschlagung, womit der Gesellschafter vielleicht eine Chance bekomme, Zanders eigenständig weiter zu betreiben.

„Stand heute”, sagt Ferlan, „bin ich fest überzeugt, dass wir eine Chance haben, Zanders wieder auf eigene Beine zu stellen.” Mit-Geschäftsführer Christian Köhler-Ma ergänzt: „Mutares hat in den vergangenen drei Jahren schon viel erreicht. Jetzt hoffen wir, endgültig die Kurve zu kriegen.”

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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  1. Zum restlichen Grundstück gilt offiziell das gleiche wie im Januar 2017:

    „Die verkaufte Fläche entspricht knapp einem Drittel des Gesamtareals der Zanders-Werke, das komplett 360.000 Quadratmeter groß ist. Triwo will den großen Parkplatz im Südosten des Geländes, den Eingangsbereich an der Gohrsmühle mit allen Bürogebäuden sowie daran westlich anschließend ein Areal mit niedrigen Lagerhallen übernehmen. Das zentrale Areal mit etwa 23 Hektar bleibt als Produktions- und Logistikfläche bei der Zanders GmbH.“

    Quelle: https://in-gl.de/2017/01/04/zanders-verkauft-ein-drittel-seiner-flaeche/

  2. Mutares hat seine Ziele nie verschleiert: Gewinne erzielen. Dafür muss Zanders in der Tat hergerichtet werden. Je besser das gelingt, desto höher ist wahrscheinlich auch der Gewinn. Und zwar nicht nur für Mutares, sondern für alle Beteiligten. Dieser Feststellung der Redaktion kann ich auf diesem Level nur beipflichten.

    Allerdings ist ein Mindestmaß an Transparenz geboten, wegen des erforderlichen Vertrauensaufbaus. Das gilt vor allem in Kenntnis der langjährigen Leidensgeschichte des Unternehmens, der Mitarbeiter und der Familien, von den Rentnern ganz zu schweigen, hier vor Ort. Nur diese Transparenz wird zu dem erforderlichen Stimmungswandel führen und der gilt nicht nur als Erfolgsmotor bei den heute operativ tätigen sondern auch und vor allem für das begleitende Umfeld. Wenn der Glaube an den Erfolg fehlt, dann wird es nicht gelingen.
    Bei dieser Gelegenheit fehlt mir zur Transparenz ein Restgrundstück, oder habe ich da etwas verpasst? Es waren doch insgesamt etwas über 30 Hektar Gewerbefläche angeboten, wenn ich mich richtig erinnere, davon hat die Stadt ca.13 ha übernommen und was ist mit der restlichen Fläche?

  3. Der Betrag wurde auch auf Nachfrage nicht genannt.

    Es gibt viele Akteure, weil sie verschiedene Rollen haben und es nicht leicht wird, das Unternehmen operativ weiter zu führen, gleichzeitig die Restrukturierung voran zu treiben und das Insolvenzverfahren abzuwickeln. Der Insolvenzverwalter arbeitet zudem nicht allein, sondern mit einem ganzen Team von Juristen.

    Dabei agiert der Insolvenzverwalter im Interesse der Gläubiger, also der Belegschaft, der Lieferanten und der Allgemeinheit (über die Agentur für Arbeit und den Pensionssicherungsverein) und schaut Mutares genau auf die Finger.

    Mutares hat seine Ziele nie verschleiert: Gewinne erzielen. Dafür muss Zanders in der Tat hergerichtet werden. Je besser das gelingt, desto höher ist wahrscheinlich auch der Gewinn. Und zwar nicht nur für Mutares, sondern für alle Beteiligten.

  4. Ich stelle die gleiche Frage wie mein Vorschreiber. Schon der Begriff „nennenswert“ ist so dehnbar wie ein Kaugummi. Warum braucht es gleich 4 Verantwortliche (2 Anwälte auf Seiten von Zanders?), wenn man ein relativ kleines Unternehmen aus der Misere zu führen will? Und warum betont der Insolvenzverwalter, er sein in 1. Linie den Gläubigern verantwortlich?

    Ich fürchte, alle diese Informationen sollen nur einer Nebelbildung dienen, um die wahren Absichten von MUTARES zu verschleiern: ZANDERS so weit herzurichten, dass man das Unternehmen mit Gewinn verkaufen oder zerschlagen kann.

  5. Die Frage ist, was unter einem „namhaften Betrag“ zu verstehen ist. Zum barmherzigen Samariter wird Mutares damit nicht, haben sie doch vom Voreigentümer 40 Mio. EUR erhalten. Und diesen Betrag werden sie gewiss noch nicht überwiesen haben.