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Unsere aktuellen Buchtipps: Ein Noir-Krimi mit einer unglaublichen Verschwörung aus Wirtschaft und Politik, ein Fantasy-Jugendroman, dessen Welt beeinflusst ist von nigerianischer Kultur und ein Sachbuch, das nationale Traditionen hinterfragt.

Dominique Manotti: Kesseltreiben.
Ariadne im Argument Verlag 2018, € 20,00.

„Jeder Mensch hat einen Preis, die einzige Schwierigkeit besteht darin, sich bei dessen Festsetzung nicht zu vertun.“

Gerade frisch erschienen und sofort auf der verlässlichen Krimibestenliste der FAZ – nichts Neues für die französische Wirtschaftshistorikerin und Schriftstellerin Dominique Manotti. Auch ihr neuer Krimi „Kesseltreiben“ ist von Null auf Platz 6 durchgestartet.

Die Hauptperson, Polizistin Noria Ghozali, ist eine alte Bekannte aus früheren Bänden. Man muss diese älteren Bücher nicht gelesen haben, sondern kann wunderbar mit „Kesseltreiben“ einsteigen.

Noria wurde strafversetzt in eine nachrichtendienstliche Abteilung, die die wirtschaftliche Sicherheit des Landes schützen soll. Als ein hochrangiger Angestellter eines französischen Energiekonzerns in den USA verhaftet wird, löst dies eine Kette von Ereignissen aus, die zu einem erstklassigen Lehrstück über Wirtschaftsspionage verwoben werden.

Vom Schulterschluss zwischen Banken und Mafia, von Manipulationen durch Konzernführungen, von korrupten Beamten und willfährigen Politikern bis hin zu kriminellen Managern: Nichts ist dem Leser nach der Lektüre dieses gründlich recherchierten und minutiös beschreibenden Krimis fremd.

Ihr großes Vorbild sei James Ellroy, sagt Manotti. Das merkt man. Dieses Buch ist ein Genuss. Spannend, realistisch, investigativ und so cool wie ein Noir-Film.

erlesen von Birgit Jongebloed

Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone – Goldener Zorn.
Fischer FJB 2018, € 18,99.

Zelie musste als Kind miterleben, wie der grausame und machtgierige König von Orischa jeden einzelnen Magier seines Volkes vernichten ließ und die Magie aus dem Leben der Menschen verbannte. Für Zelie, die Hauptperson des Romans, war der Verlust noch viel größer: Sie verlor ihre Mutter, eine machtvolle Magierin.

Diejenigen, die das Erbe ihrer magiebegabten Vorfahren heute noch in sich tragen, sind an ihren weißen Haaren immer noch deutlich zu erkennen und werden als Maden bezeichnet und ausgesprochen schlecht behandelt. Sie haben keinerlei Möglichkeiten mehr, diese Magie zu erwecken. So lebt auch die junge Frau zusammen mit ihrem Vater und Bruder ein bescheidenes Leben.

Heimlich allerdings lernt sie Kampfkünste und die Geschichten ihres Volkes, denn eine alte Frau bringt den Mädchen ihres Stammes heimlich, unter dem Deckmantel einer Schneiderwerkstatt, all diese Dinge bei.

Eine Reihe von Ereignissen, die mit Zelies wildem Charakter und ihrer Unvorsichtigkeit zusammenhängen, führen schließlich zu einem Zusammentreffen mit der Tochter des grausamen Königs. Ohne zu wissen wem sie helfen, unterstützen Zelie und ihr Bruder die Königstochter Amari bei der Flucht aus dem Palast und dem Raub eines der letzten magischen Artefakte.

Dieses Artefakt war dem König vor kurzem in die Hände gefallen und hatte bewiesen, dass die Magie in Orisha wieder erweckt werden kann. Umso größer ist nun die Wut des Königs. Er schickt den Kronprinzen Inan, Amaris Bruder, und seine wichtigste Generalin, um das Schlimmste zu verhindern.

Doch auch Zelie und ihre Freunde erfahren von den Möglichkeiten und die junge Frau spürt das magische Erbe ihrer Mutter. Eine wilde Jagd durch Dschungel, Berge und Wüsten beginnt.

Birgit Jongebloed und Pia Patt führen die Buchhandlung Funk

Tomy Adeyemi, Amerikanerin mit nigerianischer Herkunft, hat eine Welt erschaffen, die mir so in fantastischen Jugendbüchern noch nicht begegnet ist. Ihre Herkunft hat die Autorin als Inspiration für ihren spannenden Roman genutzt.

Landschaften tragen Namen von Familienmitgliedern, es werden traditionelle nigerianische  Kleidung getragen und Gerichte gegessen. Das Königreich, in dem die Geschichte spielt, ist nach den Orishas benannt, den Göttern und Göttinnen der Yoruba-Religion.

Tomy Adeyemi hat einen Fantasy-Roman geschrieben, der fesselnder kaum sein könnte und sich doch ganz real gegen Unterdrückung und Rassismus richtet. Ein spannender Roman in einer ungewöhnlichen Welt. Fantasy, wie sie sein soll. Für Leserinnen ab 14 Jahren.

erlesen von Pia Patt

Maurizio Bettini: Wurzeln.
Verlag Antje Kunstmann 2018, € 16,00.

„Eine Tradition schöpft ihre Kraft nicht in erster Linie daraus, dass sie aus der Vergangenheit kommt, wie man zu glauben geneigt ist und wie uns immer wieder gesagt wird. […] Tradition wird eingeübt, sie wird erlernt.“

Folgt man politischen Debatten, wird man zwangsläufig auf Formulierungen wie die christliche Tradition Europas, das Christentum als das natürliche Fundament unserer Kultur, oder die jüdisch-christlichen und griechischen Wurzeln Europas stoßen.

Maurizio Bettini, italienischer Kulturwissenschaftler, stellt in seinem schmalen Buch „Wurzeln“ diese Formulierungen infrage. Unter kulturhistorischen Aspekten durchleuchtet er die Begriffe Tradition, Identität und Wurzeln akribisch. Dabei werden sie als künstliche Konzepte aufgedeckt, als Konstruktionen, als abstrakte Begriffe, die inhaltlich nahezu beliebig zu füllen sind und die sich entsprechend gut instrumentalisieren lassen.

Das hört sich vielleicht ein wenig theoretisch an, ist es aber dank des lockeren Erzähltons des Autors nicht. Anhand vieler Beispiele beschreibt er wissenschaftliche Positionen, mit deren Hilfe man zu einer fundierten Haltung in Bezug auf aktuelle politische Debatten gelangen kann.

„Wenn man also so abstrakte Begriffe wie ‚Tradition’ mit dem Bild der ‚Wurzeln’ beschreibt, […] wird die Tradition sozusagen in die natürliche Ordnung eingegliedert, und das Gewicht dieser Ordnung verleiht dem Begriff automatisch seine Legitimation.“

Zumeist ist der Text sachlich gehalten, doch bezieht der Autor auch Stellung. Er kritisiert etwa den verbreiteten eindimensionalen Traditionsbegriff, der Tradition und die davon abgeleitete kollektive Identität als biologisches Schicksal darstellt. Das, sagt er, sei in einer modernen Welt mit Zugang zu anderen kulturellen Modellen einfach nicht zeitgemäß.

Eine bereichernde und hochaktuelle Lektüre für alle, die sich mit den „trügerischen Mythen“ der kollektiven Identität beschäftigen möchten.

erlesen von Birgit Jongebloed

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Birgit Jongebloed und Pia Patt

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Jongebloed bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Buchhandlung Funk

Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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