Der Kran treibt den Bau der Schlossgalerie voran. Doch was in der Schlossstraße passiert, ist unklar.

Vordergründig dreht sich der Streit über die Schlossstraße um Parkplätze. Den Händlern in Bensberg geht es aber um mehr: Sie fürchten, dass die Einkaufsmeile totgeplant wird, fühlen die Existenz ihrer Geschäfte bedroht – und sorgen sich um die Seele Bensbergs.

Dabei stehen die Geschäftsleute mit Begeisterung hinter dem Integrierten Handlungskonzept (InHK) für den Stadtteil, sie unterstützen auch die Ideen für die Umgestaltung der zentralen Einkaufsstraße und befürworten eine Entzerrung des Autoverkehrs.

„Das InHK hat sehr viele gute Punkte. Einfach Klasse, wieviel Geld die Stadt dafür locker gemacht hat”, lobt Markus Kerckhoff, IBH-Vorstand und Inhaber der Schloss Apotheke. Von Anfang an hatten sich die Händler in die Beratungen gekniet und große Hoffnungen gehegt. Sogar eine „Vision 2020″ hatten ISB und IBH  erarbeitet und der Stadt überreicht.

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Die Interessengemeinschaft Bensberger Handel und Gewerbe e.V. (IBH) repräsentiert einen großen Teil der Geschäftsinhaber auf der Schlossstraße und in Bensberg insgesamt, aber auch viele Freiberufler, Ärzte und Gewerbetreibende. Sie hat 160 Mitglieder – und profitiert davon, dass die Schlossstraße zu fast 70 Prozent aus Inhaber-geführten Geschäften besteht, Filialisten findet man hier kaum.

Die Interessens- und Standortgemeinschaft (ISG) Schlossstraße kooperiert eng mit der IBH, sie vertritt die Immobilienbesitzer (und damit die Vermieter).

Doch plötzlich ist die Zuversicht dahin, in Gesprächen auf der Schlossstraße begegnet man einer großen Sorge und vielen Fragezeichen.

Schon bei der Ausschreibung des Gestaltungswettbewerbs für die neue Schlossstraße habe sich die Händlerschaft nicht mehr wiedergefunden, konstatiert Olaf Schmiedt, Vorstand der Bensberger Bank, bei einem Pressegespräch von IBH und ISG.

„Alle Planer, die Stadtverwaltung bis rauf zum Bürgermeister haben uns ihr Wort gegeben: Ihr werdet einbezogen”, sagt Schmiedt. Jetzt fühle man sich aber nicht mehr ernst genommen, werde auf die Parkplatz-Frage reduziert. Dabei gehe es um nicht mehr und nicht weniger, als „den Wirtschaftsstandort Bensberg zu erhalten”.

Tatsächlich kritisieren die Händler vor allem den anvisierten Rückbau der Parkplätze. Aber auch bei der Gestaltung dieses „Boulevards der Begegnungen” haben sie inhaltlich deutlich andere Vorstellungen als die Planer und würden ihre Vorschläge gerne in ein konstruktives Gespräch einbringen.

Doch seit Monaten hänge die Händlerschaft in der Luft und erfahre nur vom Hörensagen, was der Stand der Dinge ist. „Wir planen jetzt die Einkäufe und die verkaufsoffenen Sonntage für das nächste Jahr und wissen noch nicht einmal, wann welcher Bauabschnitt dran sein wird. Wir brauchen Planungssicherheit”, sagt Georg Daubenbüchel, IBH-Vorsitzender und Inhaber des gleichnamigen Haushaltswarengeschäfts.

Mit der Vorplanung wurde noch gar nicht begonnen

Im Rahmen des stark vom Land geförderten InHK soll die Schlossstraße in vier Schritten für gut sechs Millionen Euro komplett umgestaltet werden. Bei einem großen Architekten-Wettbewerb ist das Kölner Büro Club L94 als klarer Sieger hervorgegangen – mit einem Entwurf, der eine einheitliche Pflasterung ohne Kanten zwischen Bürgersteig und Fahrbahn vorsieht.

Bislang ist aber noch nicht einmal der Vertrag zwischen Stadt und Club L94 unterschrieben. Er liegt gerade Juristen zur Prüfung vor, bestätigte die Stadtverwaltung jetzt. Allerdings sei das Architektenbüro bereits mit Vorbereitungsarbeiten zur Planung befasst.

Daher gibt es noch nicht einmal für den ersten Bauabschnitt, die große Freitreppe an der Seite der neuen Schlossgalerie runter zur Schlossstraße keine konkrete Planung. Auch der Maßnahmebeschluss des Rats fehlt noch.

Nach Vertragsunterzeichnung muss der Club L94 eine Vorplanung erstellen, Anfang 2019 soll der zuständige Ausschuss über die konkrete Umsetzung beschließen.

Gleichzeitig kann die Stadtverwaltung die Fördermittel vom Land nur in Etappen abrufen, auch hier gibt es Verzögerungen. Daher sei es nicht klar, ob der zweite Bauabschnitt der Schlossstraße, die Fläche vor der Schlossgalerie, überhaupt bis zur geplanten Eröffnung des generalsanierten Einkaufszentrum im Herbst 2019 fertig ist, hatte der städtische Planungschef Wolfgang Honecker im Gespräch mit dem Bürgerportal gesagt.

Wieviele Parkplätze? 160, 140, 65

Besonders weit auseinander liegen die Vorstellung bei den Parkplätzen in der Schlossstraße. Der Wettbewerbsentwurf vermerkt lapidar „65 Stellplätze”. Nach Zählung der Händler gibt es derzeit in der Schlossstraße gut 160 Plätze, von denen wenigstens 140 erhalten werden müssen.

Innerhalb der Schlossstraße könnten sie (von oben nach unten) umverteilt werden. Aber die Kunden benötigten Stellplätze, die ebenerdig zu erreichen sind und nicht irgendwo im Berg liegen. Da sind sich die Händler ebenso einig wie sicher – und führen an, dass ein großer Teil der Kunden nicht aus dem Ort stammt, in der Regel über 50 ist und die zahlreichen Fach- und Spezialgeschäfte sehr gezielt ansteuert.

„Wir brauchen diese Stellplätze, um gegen den Online-Handel zu bestehen”, sagt Daubenbüchel. Die Schlossstraße sei „die Seele der Stadt – sie darf keine Betonwüste werden.”

Bensberg verfüge mit den vielen Fachgeschäften über ein besonderes Flair, betont Schmiedt; dank des Kinos, und der vielen Restaurants sei die Schlossstraße auch abends und am Wochenende belebt. Die Öffnung der Fußgängerzone habe sich positiv bemerkbar gemacht.

Das Publikum komme weither aus dem Umland; es in der Stadt zu halten sei wichtig, sonst drohe Bensberg ein Schicksal wie der Gladbacher Fußgängerzone. „Wir kämpfen nicht um die Parkplätze, weil wir sie wollen – sondern weil unsere Kunden sie fordern”, ergänzt Sascha Häusler, Regionaldirektor der Kreissparkasse.

Rechnungen der Verwaltung, im Umkreis stünden ausreichend Parkplätze zur Verfügung, weisen die Händler zurück. Mit der Eröffnung der Schlossgalerie (früher Marktgalerie) kämen de facto 4.000 Quadratmeter Verkaufsfläche hinzu, der Bestand an Parkplätzen in der ganzen Bensberger Innenstadt werde dagegen scheibchenweise beschnitten.

Eine statt zwei Baumreihen

Auch über die Parkplätze hinaus sehen die Händler einige Punkte des club L94-Entwurfs kritisch. Statt wie geplant nur eine Baumreihe (auf der Schattenseite der Straße) fordern sie Bäume auf beiden Seiten der Straße. Der heiße Sommer habe deutlich gezeigt, wie wichtig mehr Bäume für das Klima und die Belüftung der Geschäfte seien, vor allem auf der Bergseite, sagt Rudolf Päffgen, Vorsitzender der ISG.

Zudem fordern die Händler, die Parkplätze nicht – wie von den Planern vorgesehen – hintereinander anzulegen, sondern in Form schräger Parktaschen. Das erleichtere das Aus- und Einfahren und reduziere das langwierige Rangieren beim Einparken. Sonst komme der Verkehr rasch zum erliegen, die Luft werden unnötig belastet.

Der Lösungsvorschlag: multifunktionale Nutzung

Besonders schwer wiegt die Kritik der Händler, weil sie drauf und dran sind, das Vertrauen in die Stadtverwaltung zu verlieren. Einige der IBH-Mitglieder treibe die Sorge um, dass es irgendwann zu spät sein werde, noch einzugreifen, berichtetet Sparkassendirektor Häusler.

Dabei haben die Händler einen Vorschlag, der das Parkplatzproblem nach ihrer Meinung pragmatisch lösen würde: Ein flexibler Umgang mit der Nutzung der Flächen. Bei der neuen Schlossstraße sollen die Fahrbahn und die Bürgersteige ja nicht mehr „in Stein gemeißelt” sein – sondern gleich gestaltet sein und damit unterschiedlich nutzbar – erinnert Apotheker Kerckhoff.

Diese Multifunktionalität müsse man nutzen. Nicht nur im Wechsel von Sommer (mehr Außengastronomie) und Winter (mehr Parkplätze), sondern auch im Verlauf der nächsten Jahre.

In der Gegenwart müssten mindestens 140 Stellplätze in der Schlossstraße erhalten blieben. Sollte es an in den Bereichen um die Schlossstraße herum in Zukunft neue Parkplätze geben oder solle es tatsächlich zu einem neuen Mobilitätsverhalten kommen, dann – und nur dann – könne man diese Stellplätze nach und nach umwidmen.

Das Thema „Aufenthaltsqualität” sei auch für die Händler wichtig: „Aber was nützt das, wenn es in der neuen schönen Schlossstraße keine Menschen mehr gibt?”

Dieser Plan hat allerdings einen Haken: Wolfgang Honecker, der städtische Planungschef, hat ihn bereits im Gespräch mit dem Bürgerportal mit einem Verweis auf die Förderrichtlinien abgelehnt: Eine Umwidmung von Flächen sei nicht möglich. Wer das mache, müsse das Geld ans Land zurück zahlen.

Ein Argument, dass den Händlern so pauschal nicht akzeptieren. Statt dessen wollen sie darüber reden. „Wir brauchen Planungssicherheit – und wir haben Gesprächsbedarf”, bringt es ISG-Vorstand Päffgen auf den Punkt.

Immerhin: für den 11. September hat die Stadt die Akteure zu einem nicht-öffentlichen Gespräch eingeladen.

Jetzt sind Sie dran

Wir haben die Haltung der Stadtverwaltung, der Händler / Immobilienbesitzer ausführlich dargestellt. Zudem hatten wir Beiträge der Parteien und einzelner Bensberger veröffentlicht (siehe unten). Aber was sagen Sie – als Kunden, Anwohner, Bürger – zum Streit über die Parkplätze. Reden Sie mit, in den Kommentaren unten oder auf Facebook. Schicken Sie uns eine Nachricht, per Mail oder Whatsapp.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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7 Kommentare

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  1. Sehr geehrter Herr R., grundsätzlich bevorzugen wir es, wenn Kommentare nicht aus der Anonymität heraus kommen. Sind sie in den vergangenen Jahren in der Schlossstraße gewesen? Die weist ja, leider im Gegensatz zu Gladbach, sehr viele unabhängige Einzelhändler auf, und nur sehr wenig Ketten. Hier gibt es ein Kino, ein Bistro, drei Café, einige Restaurants, ein Spielzeugladen, eine Buchhandlung, eine Gin- und Männerfachgeschäft, ein Weingeschäft, ein Fotogeschäft, ein Sportgeschäft, ein Fahrradgeschäft, ein Handarbeitsladen, ein Wäscheladen, Boutiquen und einiges mehr. Manches blüht im Verborgenen.

  2. Leider ist Bensberg seit mindestens 30 Jahren schon “tot”. Schon als Kind vermisste ich hier Geschäfte die auf die Jugend ausgerichtet ist. Auch 30 Jahre später kann ich hier nichts einladenes finden. Es gibt gefühlt 10 Bäcker, 15 Frisöre, 5 Optiker, 5 Apotheken und das war es. Viele kleine Boutiquen in die man sich nicht rein traut und die für Männer eh nix haben. Einziges Highlight ist der dm Laden und Aldi. Generell ist hier eine tote monokultur zu finden, die sich um 18h30 bzw 14 Uhr samstags verbarikadiert. Dann nämlich wenn die Menschen von der Arbeit kommen und hier einkaufen könnten. Letztlich bleibt es eine Rentnerstadt. Sehr schade. Wenn man schnell was braucht muss man leider nach Bergisch Gladbach oder Kalk fahren. Oder man kauft gleich im Internet und wartet Tage bis die Post endlich offen hat um seine Post abholen zu können.

  3. Über die Schlossstraße und die neue Galerie – sie ist wenigstens im Entstehen begriffen – wurde schon viel geschrieben und noch mehr diskutiert. Wenn das so weitergeht, warten wir wieder viele Jahre, bis die Straße endlich verändert wird. Ob sie dann verschönert ist, liegt im Auge eines jeden Betrachters und ist insofern irrelevant. Man kann nicht everybodys Darling sein, das ist dem Menschen nicht eigen.

    Dass die Händler und Immobilieneigner es nie vermochten, ihre eigene Idee, ein Parkhaus an der Steinstraße zu realisieren, deutet schon auf die Sturheit der dort diskutierenden Protagonisten hin. Dass immer weniger junge Leute in Bensberg und/oder auf der Schlossstraße wohnen, haben Stadt und Eigentümer zu verantworten. Jetzt auch noch auf waghalsigen 160 Parkplätzen zu bestehen und damit weitere Monate und vielleicht Jahre der Veränderung im Wege zu stehen, ist rückwärtsgerichtet.

  4. Unabhängig davon, welches Bild man sich zur geplanten Schlossstrasse ansieht, es zeigt immer große Flächen von Beton. Das bißchen sichtbare Grün erscheint wie ein Fremdkörper. So wird auch die neue Schlossstrasse reizlos werden und nicht zum Verweilen einladen. Es ist halt unsere Stadtverwaltung: Sie hat keinen Blick für Natur.

    Insofern kann ich die Bensberger Händler nur zu gut verstehen, wenn sie die Entstehung einer “Betonwüste” befürchten und sich “mehr Bäume” wünschen. Im Interesse der von der Stadt nach eigener Aussage angestrebten “Attraktivität” der Strasse kann man nur hoffen, dass dieser Aspekt noch einmal grundsätzlich überdacht wird und wesentlich mehr Bäume und Sträucher eingeplant werden, besonders am Spielplatz (es wird doch wohl einen geben?), an den Sitzbänken und an den Außenbereichen der Gastronomie, um diese gemütlich gestalten zu können.

    Ebenfalls zustimmen würde ich den Händlern darin, dass es in der Nähe der Geschäfte unbedingt Parkplätze geben muss. Sonst können die Kunden die Geschäfte nicht erreichen.

    Wenn die Leitlinie “Boulevard der Begegnungen” jedoch ernst gemeint ist, dürfen diese Parkplätze und die Strasse allerdings nicht, wie vom Handel gefordert, unmittelbar vor den Geschäften liegen (außer für Personen, die nicht mobil sind). Fahrende Autos auf einem “Boulevard” sind störend und gefährlich, wahrscheinlich für jeden Passanten, ganz bestimmt aber für Familien mit Kindern. Sie lassen keinen entspannten Aufenthalt zu.

    Dies haben meine Frau und ich gestern Nachmittag wieder festgestellt als wir die Schlossstrasse besucht haben. Beim Wechsel von der einen Geschäftszeile auf die Gegenseite mussten wir teilweise warten bis die Autos, die häufig in regelrechten kleinen Schlangen daher kommen, an uns vorbei gezogen waren.

    Das darf bei der zukünftigen Schlossstrasse nicht so bleiben. Ich empfehle jedem Planer, sich ebenfalls einmal an die heutige Schlossstrasse zu stellen, um sich sich eine praxisnahe Meinung für die Zukunft zu bilden zu bilden.

    Nebenbei gesagt, wären Autos auf der zukünftigen Schlossstrasse schließlich ja auch viel gefährlicher als heute die Fahrräder im Zentrum von Bergisch Gladbach, die hier tagsüber bekanntlich ja noch nicht einmal fahren dürfen, um die Sicherheit der Passanten nicht zu gefährden.

    Sinnvoll wäre dagegen die Einrichtung zusätzlicher Parkplätze in unmittelbarer Nähe zur Schlossstrasse, so wie es sie heute schon im”DIVI”-Parkhaus, am Rathaus oder am Markt gibt. Dafür bieten sich die Grundstücke neben der Steinstrasse hier ganz offensichtlich an. Ich weiss, das ist keine neue Idee.

    Neu war aber für mich, dass die Händler/Immobilienbesitzer nicht bereit sind ihre Grundstücke hierfür freizugeben. Dies, obwohl nach eigener Aussage fehlende Parkplätze die Existenz ihrer Geschäfte bedrohen. Stattdessen fordern sie eine Lösung von der öffentlichen Hand. Das finde ist nicht richtig, da die Händler/Immobilienbesitzer die Lösung ihres Problems selbst schaffen könnten.

    Sollte sich am Ende die Meinung der Händler entgegen der aktuellen Planung doch durchsetzen, also zahlreiche Parkplätze und durchgehende Straße, und das traue ich der Stadt bzw dem Rat durchaus zu, wäre das lediglich „alter Wein in neuen Schläuchen“ und eine einmalige Chance für Neugestaltung wäre vertan.

    Genau genommen wäre es sogar ein Rückschritt, da bis vor Kurzem zumindest die Fläche vor dem ehemaligen Kaufring frei von Autos war und sich z.B. Familien sich mit Kindern frei bewegen konnten.
    In diesem Fall wäre es m.E angemessen, wenn sich die Stadt von den großen Begriffen “Boulevard der Begegnungen”, “Neuer Glanz für die Schlossstrasse” oder „Krone der Stadt“ verabschieden und – angemessen und bescheiden- von einer einfachen Einkaufstrasse sprechen würde, vielleicht sogar einer Einkaufseinbahnstrasse, wenn ich das zuspitzen darf.

    Einbahnstrasse schiene mir besonders passend, denn ob der vom Bensberger Handel beklagte Wettbewerb gegen den “Online-Handel” auf diese Weise gewonnen werden könnte, ist aus meiner Sicht sehr fraglich. Dazu bräuchte es ein interessantes, wechselndes Angebot und guten Service, „junge“ Restaurants, Bistros und Kinoangebote in einem entspannten, ansprechenden Umfeld. Leicht gesagt, bisher in Bensberg kaum feststellbar und ganz bestimmt mit der Schlossstrasse als “großem Parkplatz” kaum machbar.

    Meine Zusammenfassung: Ich würde grundsätzlich lieber ein Stück zu Fuß zurücklegen, um dann in ein attraktives Einkaufs- und Restaurantumfeld zu kommen, als mit dem Auto unmittelbar vor uninteressanten Geschäften und Standardrestaurants zu parken. Die Forderung des Handels scheint mir nicht zukunftsweisend.

  5. Bensberg steckt in der Zwickmühle:
    Für welche Strategie sollen sich die Planer und die Händler entscheiden?
    Für die vielen Rentner, die tagsüber den überwiegenden Anteil des Publikums darstellen, oder für die arbeitende Bevölkerung, die eher am Nachmittag und Samstag in Bensberg einkauft?
    Für die Rentner sind die Parkplätze vor Ort sicherlich wichtig, aber wie steht es mit ihrem Kaufverhalten?
    Die jüngeren Kunden können auch mit Parkplätzen im Randgebiet der Schlossstrasse leben. Aber bringen sie auch wirklich den Konsum in die Geschäfte?
    Es wird und muss auf einen Kompromiss herauslaufen. Die 160 Parkplätze (wenn diese Zahl stimm) reichen auch heute schon kaum in Stosszeiten aus. Auf der anderen Seite wollen sehr viele Bürger in Bensberg eine schöne gestaltete Schlosstrasse mit verkehrsberuhigter Zone haben. Dies geht nur mit weniger Parkplätze. Leider ist der Plan ein Parkhaus an der Steinstrasse (rücksetig zur Schlossstrasse) nicht unsetzbar, da ansässige Firmen ihre Grundstücke nicht hergeben. Hier wäre eine klare Alternative gegeben und würde durch entsprechendes Design die „Hinterhofidylle“ endlich vergessen machen. Ist hier eventuell die Vorgabe Allgemeinwohl geht vor Einzelwohl umsetzbar? Zumal im neu gebauten Parkhaus Parkplätze für die Firmen reserviert werden können. Eine übliche Praxis in vielen Städten.
    Für eine Verschönerung der Schlossstrasse müssen dort Parkplätze wegfallen, damit Aussengastronomie auch möglich und erlebbar wird.
    Zur Sicherung von genügend Kunden sind alternative Parkplätze zu schaffen (beispielsweise Steinstrasse).
    Bensberg braucht ein ganzheitlich und schönes neues Flair, wollen die Händler noch eine Zukunft haben.

  6. Bitte der filmreifen Freitreppe auch ein Geländer für alte Menschen gönnen! Ich würde DM nicht als „Billigfilialisten“ bezeichnen. Dieses Geschäft ist doch zur Zeit einer der Magneten auf der Schloßstraße.

  7. Erst einmal ein herzliches Hallo !

    Als Bensberger Einzelhändler ( Textil ) bin ich erst einmal erfreut zu sehen das man sich
    mit der Thematik ” Zukunft Bensberg ” beschäftigt.
    Es geht nicht um die Ängste der Händler für die Zukunft, sondern die bereits aktuell bestehende Angst ums Überleben der Geschäftsstruktur. Die seelenlose Betonwüste existiert ja bereits. Kleine und auch feine Einzelhandelsläden bilden nur noch die Staffage und Kulisse
    für eine überalterte Besucherschaft im Ort. Stadtfeste werden mit dem Charme der Provinz ausgerichtet. Billigfilialisten prägen den Ort; sie nehmen mehr Verkaufsfläche ein als der Rest der Einzelunternehmungen. Da muss ich dem Apotheker widersprechen ( Netto-DM-Apollo-KODI-NKD-Risse-Ernsting weitere sollen dann in der neuen Schlossgalerie folgen. Der Boulevard ist nur der Enddarm des Problems in Bensberg. Man hat junge Leute über Jahre aus dem Ort vertrieben weil sie die Mieten und Kaufpreise nicht zahlen können.
    Die Neugestaltung der Schlossstr. und die damit einher gehende Bautätigkeit wir dem Ort den Rest geben. Alte Menschen werden begeistert sein, wenn sie ohne lästige Autos die schönen leeren Geschäfte betrachten können. Nebenher sollten natürlich auch die Vermieter mit ins Boot genommen werden. Diese sind noch immer der Auffassung es handele sich um TOP – Lagen und damit seien diese auch zu bezahlen ( es war einmal ). Wir schreiben das Jahr 2018 !!

    Es schreibt ein Realist und kein Pessimist.