Rechts der Rohbau der Schlossgalerie, links daneben wird die Freitreppe gebaut. Wann die Schlossstraße im Vordergrund umgebaut wird, ist vorerst offen.

Die neue Schlossgalerie schält sich rasch aus der Bensberger Betonruine heraus, doch jetzt droht die Schlossstraße selbst ins Hintertreffen zu geraten. Die Mittel für den ersten Schritt des Totalumbaus der Einkaufsstraße stehen bereit – aber der Zeitplan für alles weitere ist offen. Genauso wie die Zahl der Parkplätze.

Wenn es gut läuft, wird die Schlossgalerie  (bislang: „Marktgalerie”) im Herbst 2019 eröffnet.

Wenn es schlecht läuft, sieht die Schlossstraße dann aber immer noch genauso aus wie heute. Denn nur die Freitreppe links am Gebäude hinauf zum Markt wird zusammen mit der Schlossgalerie gebaut. Der Zeitplan für die Neugestaltung der Schlossstraße vor dem Einkaufszentrum ist aber noch nicht geklärt.

Dieser ältere Entwurf von Centerscape zeigt die Freitreppe an der Schlossgalerie; die grüne Böschung soll nun integriert werden.

Das liegt erstens an der Gründlichkeit, mit der städtebauliche Verträge erarbeitet werden müssen. Und zweitens an der neuen Landesregierung, die jeden Schritt erneut prüft, bevor Geld fließt und gebaut werden kann.

Den aktuellen Stand und die Details des Verfahrens erläuterten Planungschef Wolfgang Honecker und seine Mitarbeiterin Kamila Kozak jetzt im Gespräch mit dem Bürgerportal.

Dabei dürfe der Umbau der Schlossstraße, argumentiert Honecker, nicht isoliert betrachtet werden, sondern eingebettet in eine Vielzahl von Maßnahmen bis hin zum neuen Parkraumkonzept. Damit spricht er das heikle Thema Parkplätze an – aber dazu kommen wir noch.

So stellt sich der Club L94 die neue Schlossstraße vor

Das Land prüft alle Einzelmaßnahmen

Bei der Frage nach dem Zeitplan für die Schlossstraße muss man erstens auf die Landesregierung schauen. Das Gesamtvolumen von knapp 16 Millionen Euro für das Integrierte Handlungskonzepts (InHK) Bensberg hatte die rot-grüne Regierung frühzeitig genehmigt und zugesagt, 70 Prozent zu übernehmen. 6,3 Millionen davon sind alleine für die Schlossstraße vorgesehen.

Hinweis der Redaktion: Für das InHK hat die Stadtplanung eine eigene Website eingerichtet, auf der alle Pläne und Dokumente zu finden sind. 

Jede einzelne der 33 InHK-Maßnahmen muss aber noch einmal einzeln beantragt und frei gegeben werden. Bei der Schlossstraße trifft das sogar auf vier einzelne Bauabschnitte zu. Die erste Million (für die Freitreppe und die Vorplanungen) hatte die Landesregierung im Frühjahr 2017 freigegeben – aber schon bei Schritt zwei stockt es jetzt.

Grundsätzlich beantragt die Stadt einen Bauabschnitt nach dem anderen. Eigentlich soll der dritte Bauabschnitt 2019 und der vierte 2020 dran sein – womit die Schlossstraße theoretisch 2022 fertig sein könnte.

Praktisch läuft es anders. Im Moment setzt Honecker seine Hoffnung darauf, dass der zweite Abschnitt (unmittelbar vor der Schlossgalerie, wo im Moment der Bauzaun steht) 2019 angegangen werden kann. Für die beiden weiteren Abschnitte, den östlichen und den westlichen Abschnitt der Schlossstraße, gibt es folglich nur die Aussage, dass sie danach drankommen.

Hintergrund ist, dass die neue schwarz-gelbe Landesregierung alle Projekte noch einmal anschaut. Sie ist zwar an die Gesamtförderzusage gebunden, entscheidet aber in Absprache mit den Bezirksregierungen, welche Kommune wann welche Mittel bekommt.

Der Regierungswechsel habe zudem zu einer Verzögerung der Abläufe geführt – statt zur Jahresmitte werden die Bescheide erst zum Jahresende erteilt.

Zudem ist das für das InHK einschlägige Förderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren” überzeichnet, daher bekommen die Kommunen in der Regel immer nur einen Teil der beantragten Mittel. Die Gesamtsumme wird nicht gekürzt, aber anders auf die Jahre verteilt. In Bensberg, so erläutert Honecker, ist die Schlossstraße die drängendste Maßnahme, daher setze sich die Bezirksregierung beim Ministerium dafür ein.

Dieser Bereich soll – in vier Abschnitte aufgeteilt – umgestaltet werden

Die Stadt muss die Hausaufgaben noch erledigen

Für die Unsicherheiten beim Zeitplan sind aber auch die aufwendigen Verfahren im öffentlichen Städtebau verantwortlich. So wurde die Neugestaltung der Schlossstraße in einem streng normierten Verfahren europaweit ausgeschrieben. Wie bekannt haben die Kölner Landschaftsarchitekten vom club L94 diesen Wettbewerb mit einem sehr weitreichenden und vielfach hoch gelobten Entwurf gewonnen.

Die Vorzüge des Entwurfs für die neue Schlossstraße
Planungschef Wolfgang Honecker ist ein großer Fan des Entwurfs von club L94, der sowohl in den Grundzügen wie auch in den Details eine außergewöhnliche Qualität aufweise und „in geradezu idealer Weise” das zuvor erarbeitete Leitbild der „Straße der vielen Begegnungen” aufgreife.

Zusätzlich schaffe der Entwurf am östlichen Eingang in die Schlosstraße ein ganz neues Bild und binde auf der anderen Seite die Nikolauskirche wunderbar ein. Die Gestaltung der eigentlichen Straße sei sehr zurückhaltend und biete einen guten Kontrast zu den Gebäuden.

Insgesamt blicke der Entwurf „über den Tellerrand der Schlossstraße hinaus”, indem er die Kirche mitnimmt, die Verbindungen zur Steinstraße und vor allem auch zum Markt wieder stärker herstellt.

Wichtig seien die drei Grundmotive des Entwurfs:

  1. Belag: Wie ein Teppichläufer, werde sich die einheitliche Pflasterung ohne Stufen und Kanten durch die ganze Schlossstraße ziehen und einen wertigen Eindruck vermitteln: „Wer am Stockbrunnen in die Straße herein kommt, wird merken, hier gibt es etwas besonderes – bislang ist dort ja gar nicht spürbar, dass dort eine Einkaufsstraße beginnt.”
  2. Treppen: Neben der Freitreppe an der Schlossgalerie gibt es eine „Rathaustreppe”, die auf Höhe des Irish Pub zum Rathaus hinauf führt – und das Böhmsche Rathaus mit dem alten Schloss wieder mit der Schlossstraße verbindet. Am Ende der Schlossstraße, an der Ecke zur Nikolausstraße mit dem Emilien-Brunnen, soll die aktuelle Treppenanlage aufgebrochen und ein weiter Platz geschaffen werden, der die im Moment sehr verborgene Nikolauskirche einbezieht und den Blick weitet. Auch vor der Kirche soll es eine neue Treppe geben.
  3. Rückgrat: Nach Süden hin soll die Schlossstraße eine gerade Kante erhalten, das sogenannten Rückgrat, durch hintereinander liegende Stellplätze und Bäume markiert. Auf der gegenüberliegenden Nord-Seite, wo mehr Sonne hinfällt, gibt es viel Platz für Aufenthaltsräume, getreu dem Titel „Boulevard der Begegnungen”.

Die Spitze der Nikolauskirche ist kaum zu sehen, hier soll es eine sehr viel offenere Lösung geben

So wollen die Planer die Nikolauskirche einbinden

Der Vertrag mit dem club L94 ist aber noch immer nicht unterschrieben. Die Verhandlungen, berichtet Honecker, seien jetzt in der Endphase. Der Vertrag regelt das Geschäftsverhältnis zwischen Stadt und club L94, also den Umfang der Planungsleistungen und das Honorar. Da es sich um ein großes und komplexes Projekt handele, brauche man viel Abstimmung und damit Zeit.

Erst nach der Unterzeichnung beginnt die Arbeit am Vorentwurf – also der inhaltlichen Konkretisierung des Wettbewerbsentwurfs. Dabei werden, betont Honecker, noch einmal alle Beteiligten eingebunden: von den Anwohnern und Einzelhändlern über den Inklusionsbeirat bis hin zu den Verwaltungsabteilungen Stadtgrün oder Spielplatzplanung.

Aktuelle Veränderungen und Verbesserungen
In den vergangenen Monaten hat es ein paar Veränderungen an den Plänen gegeben, die bislang nur wenig bekannt sind:

Die öffentlichen Flächen und Treppen rechts von der eigentlichen Schlossgalerie, der Bereich vor dem Schlossbistro und der Shisha-Bar sind zusätzlich in den Bereich des InHK aufgenommen worden. Dieser Gebäudeteil (der nicht zum Eigentum des Investors Centerscape gehört) ist in Privatbesitz, die Stadt konnte aber die Gestaltung der öffentlich zugänglichen Bereiche für sich beanspruchen.

Die Treppe vom Schlossbistro runter in die Schlossstraße zum kleinen Spielplatz gehört der Stadt; im Entwurf war hier eine nicht praktikable kleine Lösung vorgesehen, dort wird jetzt an einem neuen Konzept gearbeitet.

Die große Freitreppe sollte ursprünglich auf Höhe der ehemaligen Naturbühne in einem Plateau, dem sogenannten „Stadtplatz” enden. Da die Schlossstraße ein Gefälle hat hätte es hier eine begrünte Böschung gegeben (siehe Foto vom Modell der Schlossgalerie oben). Statt dessen hat club L94 eine Treppe entworfen, die Teil der gesamten Treppenanlage ist und den „Stadtplatz” als eine Art Podest mit einbezieht.

Komplizierte Verhältnisse: Der Gebäudeteil mit dem Schlossbistro gehört nicht zum Centerscape-Projekt, nur die Treppe ist städtisches Eigentum

Das Ergebnis dieser Vorentwurfsplanung ist dann eine Beschlussvorlage für den Stadtrat. Der soll, so kalkuliert Honecker, Anfang 2019 entscheiden.

Der Streit um die Parkplätze

Zuvor muss auch eine Lösung für ein besonders umstrittenes Thema gefunden werden, die Zahl der Parkplätze in der Schlossstraße. Der club L94-Entwurf sieht noch rund 65 Stellplätze vor, die Einzelhändler fordern dagegen mehr als doppelt soviel.

Viele Gespräche sind in dieser Sache geführt worden, die Positionen haben sich aber keineswegs angenähert. Die Stadtplaner berufen sich auf das gemeinsam 2016 mit Bürgern und Händlern erarbeitete Leitbild der „Straße der vielfältigen Begegnungen” und wollen eine möglichst hohe Aufenthaltsqualität erreichen. Noch nicht einmal über den Status Quo herrscht Einigkeit: die Einzelhändler zählen aktuell 160 Stellplätze, die Stadtplaner nur 141.

Die Interessensgemeinschaft Bensberger Handel (IBH) und die Immobilienstandortgemeinschaft (ISG)  bangen um ihre Kundschaft und verlangen in einer bereits 2017 erarbeiteten, aber erst jetzt veröffentlichten „Vision 2020″, dass beim Umbau mindestens 90 Prozent der Parkplätze erhalten bleiben. In dem Papier heißt es:

„Die Parkplätze oder Parktaschen sollen aufgrund der Einbahnstrasse zum besseren anfahren schräg aufgestellt sein und eine Mindestbreite von 2,50 Meter aufweisen. Ältere Menschen mit ihren Bedürfnissen müssen Berücksichtigung finden. Wir halten dennoch an 90 % der jetzigen Parkplätze fest; allein schon wegen der Hanglage.”

Die Händler plädieren für schräg angelegte Parkplätze, die Planer lehnen sie ab

Wenn sich das Mobilitätsverhalten ändere, wenn das Auto in Zukunft keine so große Rolle mehr spiele, dann könne man ja in Zukunft reagieren und Stellplätze zurück bauen, argumentieren IBH und ISG. In der Gegenwart aber könne der Einzelhandel nur mit diesen Parkplätzen überleben.

Eine solche Flexibilität sei aber aufgrund der Förderrichtlinien nicht möglich, hält dem Honecker entgegen. Das Land übernimmt gut zwei Drittel der Kosten, verlangt aber eine Zweckbindung der Gelder über 20 Jahre: Solange darf die Stadt an den geförderten Baumaßnahmen nichts verändern.

Nur eine jahreszeitliche Flexibilität, so Honecker, sei möglich: Man könne bestimmte Flächen so einrichten, dass sie im Sommer zum Beispiel für die Außengastronomie genutzt werden und im Winter als Parkplatz zur Verfügung stehen.

Wo jetzt der Aufgang zum Irish Pub ist soll eine neue Rathaus-Treppe die Schlossstraße abschließen. Autos sind in den Entwürfen kaum zu sehen.

Die Reduzierung der Stellplätze in der Schlossstraße verteidigt Honecker mit Nachdruck. Die Stadt beziehe die Interessen des Einzelhandels ein, müsse aber die gesamten Stadtgesellschaft im Blick haben.

Die Verwaltung habe beim Wettbewerb bewusst keine konkreten Vorgaben für die Zahl der Stellplätze gemacht, sondern ein „gesundes Verhältnis” verlangt. Nicht nur der Sieger, sondern auch die anderen drei Wettbewerbsteilnehmer hätten auf dieser Basis mit 60 bis 80 Stellplätzen kalkuliert.

Der Siegerentwurf sah 65 Stellplätze vor, verteilt entlang der gesamten Schlossstraße, womit auf jedes Geschäft und zwei Stellplätze entfielen, und das in einer Stadtbild-freundlichen Anordnung parallel zur Straße.

Schräg angeordnete Parktaschen, die den Blick auf die dahinter liegenden Schaufenster blockieren, solle es nicht mehr geben. Gleichzeitig sollen öffentliche Stellplätze – wie in der kaum genutzten Schlossberggarage – attraktiver gemacht, vorhandene Parkplätze etwa am Rathaus besser bekannt gemacht und weitere Plätze auf den privaten Grundstücken entlang der Steinstraße erschlossen werden.

Auch Honecker sieht noch „Optimierungspotenziale” im Siegerentwurf; daher gehe er davon aus, dass es am Ende mehr als die 65 Parkplätze geben wird. Am Ende jedoch zähle das Gesamtpaket der Maßnahmen im Integrierten Handlungskonzept: „Das heißt nicht nur so, sondern es ist wirklich integriert: Selbst die bessere Anbindung des Wohnparks kommt am Ende der Schlossstraße zu Gute.”

Dokumentation: Broschüre zum Wettbewerb mit den Siegerentwürfen

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Bei dem offensichtlichen Kurzzeitgedächtnis von am Entwicklungsprozess Beteiligten gilt es einiges in Erinnerung zu rufen.
    Eine Straße der vielfältigen Begegnung, die nach langen und intensive, manchmal auch mühsamen und schmerzvollen Diskussionen aller Beteiligter, der Interessengemeinschaft Bensberger Handel (IBH), der Immobilien Standort Gemeinschaft (ISG), der Bürger, Anlieger und manchmal auch von Besuchern/Kunden geführt wurde, diese Straße der vielfältigen Begegnung als Ergebnis und jetzt als Ziel der Maßnahmen des Integrierten Handlungskonzeptes wurde von allen am Prozess Beteiligten befürwortet und ist gewollt. Ein Diskussionsergebnis unter Leitung der Verwaltung nach fast zwei Jahren harter Arbeit.
    Es ist das anerkannte Ergebnis. Auch das Ergebnis eines internationalen Architektenwettbewerbs als Krönung dieser Arbeiten bestätigt das. Eine Straße der vielfältigen Begegnung ist keine Fußgängerzone, schade auch, allerdings es ist auch kein Parkplatz, auch schade, vielleicht. Es ist allerdings eine sehr begründete Veränderung der derzeitigen Situation auf der Schlossstraße und im Stadtteil Bensberg, die viele gesellschaftliche Veränderungen reflektiert und mit ihren wesentlichen Argumenten eine öffentliche Investition von über 15 Mio € absichert. Die Dauer des Vorhabens war mit 5 – 8 Jahren angegeben und die Detailplanung für die einzelnen Entwicklungsschritte ist in Arbeit.
    Wenn nun im Verlauf dieser Umsetzungsarbeiten zum InHK immer wieder längst erledigte Diskussionen aufkommen, so auch die zur Anzahl der Parkplätze in der Schlossstraße, dann liegt das in der Natur der Sache. Ein Vorhaben mit einer solchen Laufzeit hat diese „Nebeneffekte“, man darf sich nur nicht beirren lassen.
    Es liegt natürlich auch daran, dass nicht alle Einzelhändler auch wirklich davon überzeugt zu sein scheinen, dass sie mit ihrem heutigen Angebot unter den sich rapide verändernden Rahmenbedingungen auch bestehen können. Da scheint die hochfrequentierte „Haltestelle“ vor der Haustür ein einfacher aber vielgeliebter Rettungsanker, leider nur oberflächlich.
    Auf der anderen Seite gibt es eher weniger belastbare Statistiken über die Anzahl und die Auslastung der Parkplätze um die Schlossstraße herum, im zumutbaren Nahbereich zu den Geschäften, abgesehen von den Möglichkeiten auf den eigenen Grundstücken Kundenparkplätze einzurichten. Es gibt also noch viel „room for improvement“ ohne die Allgemeinheit in die Pflicht zu nehmen. Zumal die absehbaren rapiden Veränderungen sichtbar, greifbar und teils berechenbar sind.
    Es gibt einen weiteren Verlust des bislang lokal getätigten Einzelhandelsumsatzes an das Internet. Man spricht von 30 % in den nächsten 3 – 5 Jahren, vielleicht auch mehr in kürzerer Zeit, eine Prognose. Die Babyboomer gehen in Rente. Das ist im Gegensatz zum Onlinehandel keine Prognose, sondern die Gruppe kennt man, die sind schon da. Dadurch kommt es in den nächsten 20 – 30 Jahren zu einer dramatischen Veränderung des Durchschnittsalters der Gesellschaft. Fast die Hälfte der Gesellschaft wird älter als 65 Jahre sein, ca. 20 % mehr als heute. Das wird zu einem anderen Einkaufsverhalten führen, so der Einzelhandelsverband. Der Umsatz wird wesentlich über die Aufenthaltsdauer entschieden, was ein angenehmes Ambiente, eine entsprechende Aufenthaltsqualität erfordert.
    Genau dafür ist die Straße der vielfältigen Begegnung die richtige Antwort, weshalb auch alle dafür sind. Es gibt viel zu tun.

  2. Beim “Gejammere der Händler” wegen zu wenig Parkplätzen im Entwurf würde jeder mit einstimmen, der als Geschäftsfrau/mann auf die “Brötchenholen-Mentalität” der Kunden angewiesen ist, also mit dem Auto genau vor das Geschäft, das sie besuchen wollen. Das aber würde wirklich zu weit gehen. Die Wünsche der Händler aber, nach jahrelangem Rückschritt endlich für sie dem Optimum nahe kommende Verhältnisse zu schaffen, als “Geschnatter” abzutun, zeugt von einseitiger Sichtweise.

    Andererseits sind die Händler und/oder die Hauseigentümer in Jahrzehnten nicht in der Lage gewesen, die Parkplatznot durch entsprechende Maßnahmen an der Steinstraße zu lindern bzw. zu optimieren. Da war niemand des anderen Freund, es könnte ja ein Stein aus der Krone fallen.

    Der Verweis Herrn Thimmes auf autonomes Fahren zeugt von einem gewissen Realitätsverlust. Wann soll das denn greifen, wenn unsere Automobilhersteller noch nicht mal dem Dieselskandal Herr werden?

    Ebenso uneinsichtig scheint der Trotz der Händler, man würde auf 90% der jetzigen Parkplätze – wenn welcher Zahl auch immer – “bestehen”.

    Diese Gemengelage ist keine gute Grundlage für ein schnelles Weiterkommen in der Schlossstraße. Liest man von diesen Streitereien um Parkplätze, wird man an Scheidungen erinnert, bei der jede Seite ihre Pfründe sichern will, wo doch der weglaufenden Zeit wegen Konsens gefragt ist. Armes Bensberg!

  3. Ich kann dieses leidige Geschnatter wegen der Anzahl der Parkplätze langsam wirklich nicht mehr hören. ALLE Entwürfe sahen eine ähnliche Anzahl von Parkplätzen vor und der Sieger des Entwurfs Club L94 bewegt sich mit den 65 Stellplätzen genau im definierten Korridor entsprechend den gemeinschaftlich definierten Vorgaben.

    Entlang der Steinstraße gibt es genug Möglichkeiten, bei Bedarf weitere Parkplätze zu schaffen. Da muß die Schlossstr. wirklich nicht durch eine übermäßige Anzahl parkender Autos verschandelt werden.

    Letztlich gehört die Zukunft – wie es die Händlerschaft mittlerweile auch begriffen hat – autonom fahrenden Autos, die sich ihren Parkplatz – wo auch immer – selber suchen.

    Ich bin der Meinung, dass das INHK Bensberg genau diese Zukunft mit den neuen Rahmenbedingungen gestalten sollte statt sich rückwärtsgewandtem gejammere über eine vermeintlich doch so schöne Vergangenheit zuzuwenden.