Kiosk und Toilettenanlage am neu gepflasterten Charly-Vollmann-Platz am Rathaus sollen wie früher für die Straßensozialarbeit genutzt werden.

Aktualisierung 21.2.2019: Der Sozialausschuss hat die Beschlussvorlage der Verwaltung ohne Wortbeiträge oder Fragen zur Kenntnis genommen; Sozialdezernent Frank Stein verwies auf intensive Vorabberatungen mit den Fraktionen.

Bei der Abstimmung enthielt sich die CDU-Fraktion – weil der Standort am frisch renovierten Charly-Vollmann-Platz am Rathaus „nicht ideal” sei.  Alle anderen Ausschussmitglieder stimmten zu. Damit gilt die Vorlage als einstimmig angenommen.

Die CDU stimmte mit Enthaltung, weil sie den Standort für den Szenetreff am frisch renovierten Charly-Vollmann-Platz am Rathaus „für nicht ideal” halte, erklärte ihr neuer Sprecher im Sozialausschuss, Karlheinz Kockmann, nach der Sitzung auf Anfrage.

Der ursprüngliche Beitrag vom 20.2.2019

Über Sicherheit & Sauberkeit ist viel geredet worden, jetzt legt die Stadt im Bereich der Prävention nach und startet die Straßensozialarbeit in der Innenstadt neu. Dabei arbeitet sie mit Partnern zusammen und richtet im ehemaligen Kiosk neben dem Rathaus eine Anlaufstelle (wieder) ein.

Die Initiative geht auf einen Antrag der CDU- und SPD-Fraktion zurück, die Ende 2017 per Ratsbeschluss die Stadtverwaltung beauftragt hatten, durch „Repression und Prävention” für mehr (gefühlte) Sicherheit und Sauberkeit in der Innenstadt zu sorgen.

Der Ordnungsdienst der Stadt wird gerade aufgestockt und besser ausgerüstet, nun soll sich auch in der Prävention – sprich in der Sozialarbeit auf der Straße – etwas tun. Dazu hat die Stadt gemeinsam mit Partnern wie dem Netzwerk Wohnungsnot, der Caritas Suchthilfe und dem Verein „Die Platte” ein Konzept erarbeitet, dass am Donnerstag im Sozialausschuss beraten wird.  

Szenetreff am Rathaus wird reaktiviert

Im Mittelpunkt steht die Reaktivierung eines Treffs für die Straßenszene im Flachbau an der Dr.-Robert-Koch-Straße neben dem Rathaus – mit verschiedenen Beratung- und Betreuungsangeboten. Hier hatte es schon früher eine Anlaufstelle gegeben, zuletzt waren hier jedoch ein Kiosk und dann ein Fastfood-Laden untergebracht.

Immerhin 100.000 Euro stehen dafür im Haushalt 2019 zur Verfügung. Zusätzlich gehen 26.600 Euro an die städtische Tochter Entsorgungsdienste Bergisch Gladbach GmbH, um einen Mietvertrag abzulösen. Die Verwaltung stuft die Straßensozialarbeit als Pflichtaufgabe ein.

Über diese Projektfinanzierung hinaus setzt die Stadt die Sozialarbeiterin Maren Lörcher, die für Obdachlose und Nichtsesshafte zuständig ist, mit einem Beratungsangebot von ein bis zwei Stunden ein.

„Aufsuchende Hilfen Innenstadt”

Der Großteil der Aufgaben wird ein Team des Netzwerk Wohnungsnot & Caritas Suchthilfe übernehmen; dahinter stehen die Diakonie und die Caritas, also die evangelische und katholische Kirche. Ihr Konzept steht unter der Überschrift „Aufsuchende Hilfen Bergisch Gladbach Innenstadt – ein Angebot der Wohnungslosen- und Suchthilfen”.

Bei der Zielgruppe handele es sich nicht um eine homogene Gruppe, so das Netzwerk, sondern um diverse Subgruppen, die sich teilweise sehr deutlich voneinander distanzierten. Diese Gruppen hätten sich früher am „Rondellchen“ im hinteren Teil des Parks an der Villa Zanders aufgehalten; seit der Umgestaltung träfen sich die Szenen im Forumpark, im Park der Villa Zanders, im Rosengarten und am Marktplatz.

Der Personenkreis sei in der Regel mittleren Alters (30-50 Jahre) und überwiegend männlich. Viele seien bereits lange in Bergisch Gladbach, einige hier geboren.

Diese Personen seien zum Teil süchtig, psychisch krank oder lebten „in der schlichten Verzweiflung hin-sichtlich der eigenen Lebenssituation”. Zwar gebe es ein differenziertes psychosoziales Hilfesystem in der Region, doch entziehe sich ein Teil dieser Menschen den Hilfen.

Zudem müssten viele dieser Angebote aktiv aufgesucht werden. Gerade davon unterscheidet sich das Konzept der aufsuchenden Hilfe:

„Es sucht Hilfebedürftige dort auf, wo sie sich regelmäßig aufhalten. In der Folge übernehmen die Projektmitarbeitenden in den allermeisten Fällen die Rolle eines begleitenden Brückenbauers in das bestehende Hilfesystem. In akuten Ausnahmefällen leisten die Mitarbeitenden aber auch selbst erste Hilfe.”

Ziel sei es, durch ein verlässliches und professionelles Kontakt-, Begegnungs- und Beziehungsangebot resignative Tendenzen zu mindern und die Bereitschaft zu wecken, Hilfen in Anspruch zu nehmen und Leistungsansprüche zu realisieren. Sie sollen befähigt werden, mit den Hilfen einen eigenen Handlungsweg zu finden.

Zu den Zielen zähle es aber auch, das Miteinander von Szene und Anwohnern, Passanten, Geschäftsleuten und Behörden in Richtung einer „befriedeten Koexistenz” zu unterstützen. 

Bei der konkreten Arbeit soll der Szenetreffpunkt Dr.-Robert-Koch-Straße als Basis- und Versorgungsstation eine wichtige Rolle spielen. Neben dem Sanitärbereich soll es dort Kontakt- und Beratungsmöglichkeit sowie eine Versorgungsstation geben. Darüber hinaus sollen die Projektmitarbeiter – möglichst aus den Bereichen Sozialarbeit, Krankenpflege und pädagogischen Hilfskräften – in der Straßenszene unterwegs sein.

Zusätzliche Angebote

Der Verein die Platte e.V. will den„Info-Kiosks“ für mehrere Angebote nutzen. Unter anderem will er samstags auf dem Dach des Gebäudes ein kostenloses Essen ausgeben. Die Räume sollen jeden Samstag in der Zeit von 10 Uhr bis 15 Uhr geöffnet sein. Zudem will Die Platte die Örtlichkeit Mittwochsnachmittags zur Ausgabe von heißem Kaffee und Tee zu nutzen.

Im benachbarten Laurentiushaus wird zudem in einer Suppenküche jeden Mittwoch und Freitag ein einfaches Essen ausgegeben.

Dokumentation: Beschlussvorlage

Dokumentation: Inhaltliches Konzept

Weitere Beiträge zum Thema:

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8 Kommentare

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  1. @ Thomas Widdich: Ich wüsste nicht, dass viele aus Gladbach wegziehen. Das Gegenteil ist der Fall. Ansonsten halte ich Ihren Kommentar für völlig überzogen, vielleicht schlägt Ihnen ja das graue Wetter aufs Gemüt!

    Was ist eigentlich eine arrogante Stadt?

  2. hatte ich auch immer gesagt…wie kann man nur so einen platz direkt 1 meter neben dem OT machen xD
    najo aus dieser stadt muß man ja nicht wirklich schlau werden. Schäbisch Bagdad ist ja eh seit 2013 total fragwürdig geworden.
    Hat schon seine gründe das super viele aus gladbach weg gezogen sind würd ich mal sagen.
    Am schlimmsten ist wenn man sich mal mit seiner freundin in den rosengarten setzt bei guten wetter guckt einen die komplette stadt die vorbei geht am garten total schief an als wäre man gesocks.
    Ich denke mal diese Arroganz die sich in der Stadt seit 2012-2013 entwickelt hat ist auch grund dafür!!
    Lieber Gladbacher, es ist wirklich nicht nett so ein ekelhaftes schubladen denken an den tag zu legen.
    So ein verhalten macht die stadt sehr unattraktiv.
    Wenn in Köln Bergisch Gladbach zum Thema wird, was meint ihr eigentlich wie man über euch redet? nach leverkusen die arroganteste Stadt im rechtsrheinischen!
    Wenn die Geschäfte in GL nicht teurer als wie die in köln wären, wäre die stadt zumindest zum einkaufen gut aber naja.
    Zurück zum wesentlichen: Die Stadt hat sich aufjedenfall einen guten (sarkasmus) platz für die sozialhilfe gesucht. Direkt Zentral und direkt neben der neuen jugend gladbachs.

  3. Was für ein Kiosk soll das denn jetzt sein, der hier bei euch sichtbare oder der aus Holz weiter oben???

  4. Der Treff der “Straßenszene” liegt Luftlinie 10 m von einem Jugendzentrum entfernt….auf dem Bild sieht es noch näher aus….
    Ich halte es für eine total verkorkste Idee…..bei diesem Klientel werden die Jugendlichen geradewegs vergrault….was ja nun auch wirklich kein Wunder ist….
    Da hatte jemand eine wirklich gute Idee (Ironie Off)

  5. Wer für diesen Standort ist wohnt nicht in Bergisch Gladbach.
    Strasse Laurentius ist schon ein Schandfleck (Zigarettenkippen +Müll)
    folgt jetzt der nächste??
    vielleicht ligt esja an fehlenden Mülleimern

  6. ….endlich, ich begrüße dieses Vorhaben und wünsche ein gutes Gelingen….
    Bitte den Zanders Park nicht vergessen. Die Bänke sind belegt, zum Verweilen kann ich mich nicht dort hinsetzen. Ich habe keine Scheu vor Menschen, egal wie sie aussehen, was sich jedoch oft dort aufhält, trinkend, rauchend (Zigarette ist nichts dagegen) spuckend mit den unmöglichsten Geräuschen.
    Ich habe mir einmal erlaubt einen jungen Mann freundlich auf das Spucken anzusprechen, aus welchem Kulturkreis es kommt und was es bedeutet. Nie wieder…so etwas widerliches muss ich mir nicht antun.
    Diese Erfahrungen habe ich allerdings auch in der Fußgängerzone und am Busbahnhof/S-Bahn gemacht. Jugendliche sitzen auf der Rückenlehne einer Bank, die Füße auf der Sitzfläche. Besonders auffällig sind sie dann wenn mehrere zusammen sind, das habe ich hinter mir, nie wieder dann fühlen sie sich besonders stark, kein Zweck die anzusprechen, habe ich hinter mir.
    Mir liegt das Wohl meiner Stadt am Herzen.

  7. Endlich! Die Notwendigkeit liegt seit Jahren auf der Hand. Vor allem die Notwendigkeit eines Streetworkers, der ständig oder zumindest häufig zugegen ist. Hoffentlich wird sich hier nicht zu Tode konzeptiert, statt einen solchen ständigen Ansprechpartner anzustellen, der allen Beteiligten auch persönlich bekannt ist!