In seinen Karikaturen, seinen Anekdoten und Gesten zeichnet Walter Hanel eine faszinierende Parallelwelt mit Mensch-Tier- und anderen Metamorphosen. Wie sein Landsmann Franz Kafka ist auch Hanel ein großer Erzähler zwischen den Bildern.  Fotomontage mit Hanels Lithografie von Kafka: Helga Niekammer

Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Ich sehe was, was Du …“ lädt die Ausstellungsmacherin Marlis Sauer jetzt Walter Hanel, den Bergisch Gladbacher Ehrenbürger, den international berühmt-berüchtigten Karikaturisten, in ihre Räume in Bensberg ein, um ihn mit einer Einzelausstellung zu würdigen.

Text: Antje Schlenker-Kortum, Fotos: Helga Niekammer

Auch Ingrid Schaeffer-Rahtgens und ihr Projekt Klänge der Stadt, unter dem Dach von Wir für Bergisch Gladbach, ist erneut dabei, wie bereits bei der Ausstellung „Ich sehe was, was Du …”: Zur Vernissage am Freitag spielen Hubert Käppel und sein Schüler Yucen Du auf der Gitarre. Das verspricht eine begeisternde Komposition aus Kunst und Musik. Die Laudatio hält an diesem Abend Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, ein langjähriger Freund und Kenner von Walter Hanels Arbeiten.

Die Ausstellung Walter Hanels Sicht auf die Dinge! wird am Freitag, den 17.5. um 18:00 Uhr eröffnet, ich hatte aber Gelegenheit, die Ausstellung vorab zu sehen und mit dem Künstler und der Ausstellungsmacherin ins Gespräch zu kommen.

Weil sie ein großer Fan sei, wolle sie Walter Hanel mit einer Einzelausstellung in Bensberg würdigen, sagt Marlis Sauer. Hanel habe eine besondere Gabe, denn er bringe das Problem, seine eigene Meinung und eine allgemeine Kritik in ein einziges Bild. Das fände man heute kaum noch in dieser Form. Auch Hanel selbst sieht das ähnlich. Er sagte „Heute wirkt vieles lustlos“.

Marlis Sauer, selbst Künstlerin, liebe Hanels pointierte Farbakzentuierung. Eigens für die Ausstellung hat sie eine Reihe an Karikaturen auf hochwertigen Alu-Dibond  reproduzieren lassen. Für einen Einführungspreis können die Ausstellungsbesucher ihre Lieblingsmotive vorbestellen.

„Ich habe immer die klare Linie gesucht, die ich von Beginn an beeinflussen und zum Ende führen kann. Ich will nicht mogeln.”

„Ich bin ein alter Mann.” sagte Walther Hanel an diesem Nachmittag hin und wieder von sich. Er erzählte kleine Anekdoten aus seinem Leben. Davon, wie er damals, als Maler- und Lackierer-Lehrling, mit absoluter Treffsicherheit und Selbstbeherrschung eine gerade Linie ziehen konnte wie beispielsweise am Buckeltaunus. Der wurde zwar schon am Fließband produziert, die Linie aber wurde noch lange mit der Hand gezogen beim Ford Taunus G93A. Vielleicht war das ein Schlüsselerlebnis, so im Nachhinein betrachtet. So oder so, die Beherrschung der klaren Linie trieb er zur künstlerischen Meisterschaft.

„Karikatur ist Übertreibung”

„Der Karikaturist muß immer übertreiben. Karikatur ist Übertreibung. Das hier, das ist übertrieben. Da fängt es an. Wichtig ist, dass es nicht billig wird. Das ist meine Meinung. Vielleicht hat ein Kollege eine andere.”

„Es ist wie gestern für mich”

Es ist wie gestern für mich.” Das mag typisch klingen für einen alten Menschen. Bei Hanel wirkt dennoch jede noch so beiläufige Bemerkung wie ein selbstironischer Aphorismus, wie eine Lebensweisheit mit Esprit. Man kommt nicht umhin Verbindungen zu seiner Bilderwelt zu finden. Auch „Erdogans Schwierigkeiten” (Karikatur von 2013) sind nicht neu und dennoch aktuell.

„Europa ist nicht viel leichter geworden”

„Europa ist nicht viel leichter geworden”, sagte Hanel andächtig, als wir an “Europa” vorüber ziehen. Hanels Gedanken zu Europa wirken heute immernoch absolut taufrisch, obwohl die aktuellen Akteure zumindest teilweise andere sind. Daraufhin entgegnet Hanel ganz spitzbübisch, “In Europa tut sich doch nix, da bewegt sich nichts. Da muß man abwarten.“

„Was haben sie sich dabei gedacht?”

Auch heute dichtet man ja manchem Künstler gern gewisse seherische Fähigkeiten an. Aber das war auch damals schon so, erzählt Hanel: “Früher haben Journalisten, die die Poilitk gemacht haben, gefragt, was haben sie sich dabei gedacht? Und ich dachte, das muß der doch merken! Aber da sind wir heute schon viel weiter.”

„Es lag in der Luft”

Schon vor Jahren hat Hanel viele Entwicklungen scheinbar vorausgesehen. Dabei hat er nur ein Gefühl ausgedrückt, das “in der Luft lag”. Diese Karikatur nennt sich “Wegwerfgesellschaft”. Sie bringt viele Themen auf einen gemeinsamen Punkt. Während der Begriff heute eng mit überschwemmenden Verpackungsmüll diskutiert wird, weitet diese Karikatur den Blick auf eine anhaltende Geschichte des Verfalls von Wertschätzung, der auch nicht vor Menschenwürde halt macht.

Das ist tagesaktuell. Das bleibt auch tagesaktuell.”

Die Ertrinkende” ist von 1984. „Das ist tagesaktuell. Das bleibt auch tagesaktuell. Ich habe das damals nicht als großes Kunststück gesehen, das habe ich schon im Gefühl gehabt. Das lag in der Luft.” Klar war das damals auch schon aktuell, aus heutiger Sicht. Aber was denkt er heute darüber? Wie düster kann man als Karkaturist werden? “Wenn Sie mir so kommen”, sagte er bestimmt, “heute würde ich den Himmel schwarz machen. ”

Raben sind eben nicht bunt.”

Aber für einen Künstler wie ihn ist schwarz zeichnen nicht gleich schwarzsehen. Seine Mensch-Tier Metamorphosen erinnern an Kafkas Verwandlungen. Hanel erzählte von seiner Geschichte als Sudetendeutscher, vom Krieg und von der schwierigen Zeit danach. Seit seiner Ankunft im ehemaligen Deutschen Reich habe er eine besondere Beziehung zum Raben, der gewissermaßen sein künstlerisches Markenzeichen geworden ist. Er sei damals aus Verzweiflung spazieren gegangen und da waren die Raben immer um ihn.  “Zu ihnen habe ich ein größeres Verhältnis als zu schöneren Vögeln. Aber durch dieses Schwarz, haben Raben etwas Grafisches. Sie sind vergleichsweise einfach zu zeichnen. Raben sind eben nicht bunt. Ich mag sie. Ob sie mich mögen, weiß ich nicht.”

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