Am Samstag kamen zahlreichen Bensberger zu einer Kundgebung für den Erhalt der Bäume. Foto: Klaus Hansen

In einem gemeinsamen Offenen Brief greifen die Initiative Berg und die Klima Freunde eine Pressemitteilung der Stadt auf. Sie sehen sich in ihrer Kritik an den geplanten Baumfällungen auf der Schlossstraße bestätigt und stellen dieses Vorhaben in einen Zusammenhang mit Maßnahmen zum Klimaschutz. Auch der Emilienbrunnen ist ein Thema.

Der Offene Brief ist an die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates und an die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung adressiert. Dabei berufen sich die Initiative Berg und die Klima Freunde RheinBerg auch auf zahlreiche Unterschriften, die sie bei zwei Kundgebungen gesammelt hatten.

Weitere Beiträge finden Sie hier zur Baum-Debatte und zur Umgestaltung der Schlossstraße.

Die Stadtverwaltung hatte argumentiert, dass im Zuge der Umgestaltung der Schlossstraße aus ihrer Sicht insgesamt 34 Bäume gefällt werden müssen. Sie führt an, dass im Gegenzug 57 Bäume neue gepflanzt werden sollen. Ein Hinweis, den die Kritiker so nicht gelten lassen. Die Argumente dafür finden Sie im Offenen Brief weiter ausgeführt wird.

Wir dokumentieren den Brief im Wortlaut:

Hilferuf für die Bäume von Bensberg / Antwort auf die Pressemitteilung der Stadt Bergisch Gladbach vom 11. September 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die meisten Bäume der Schlossstraße sollen bei deren Neugestaltung gefällt werden. Auch aus Sorge über diesen geplanten Umweltfrevel haben wir am 11. und 14. September Kundgebungen für die bzw. mit der Bürgerschaft in Bensberg durchgeführt. 

Die Stadtverwaltung hat vor diesem Hintergrund eine PM herausgegeben, die im Umweltausschuss (AUKIV) am 11. Sept. kurz diskutiert wurde.

In dieser PM und der o.g. Diskussion bestätigt die Stadt unsere Sorge: 34, größtenteils gesunde Bäume „müssen“ (so die Aussage der Verwaltung) gefällt werden.

Die anfangs vorgesehene Fällung der uralten Kastanien an der Nikolausstraße wird offensichtlich lediglich dadurch verhindert, dass die Kirchengemeinde Sankt Nikolaus hiermit nicht einverstanden ist. Eine alte Robinie im unteren Bereich der Schlossstraße wurde bereits gefällt.

Insofern verweist unser Flyer zu den Kundgebungen korrekt auf den Stand der aktuellen Planung: Fast alle Bäume sollen weg. Dies sind 34 größtenteils gesunde Bäume von derzeit 38 (unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Straßenabschnitt zum Schloss nicht Teil des Umbau-Projektes ist).

Es ist unverständlich, wenn Frau Sprenger in der PM behauptet, unser Flyer würde „beim neutralen Betrachter“ eine „falsche Vorstellung“ hervorrufen.

Die wesentlichen Begründungen der Stadt in ihrer PM für die Vernichtung des z.T. alten, meist gesunden Baumbestandes sind:

  1. Einige Bäume sind krank oder werden noch krank (gemäß „prognostizierter Vitalität“)
  2. Andere, gesunde Bäume, sind „nicht erhaltenswert“, nicht „standardgemäß“ eingepflanzt oder haben „keine Daseinsberechtigung“
  3. Weitere Bäume passen nicht in das Parkplatzkonzept („Wir benötigen mehr Abstand, da die Autos immer größer werden“)
  4. Die Gestaltung der Schlossstraße benötigt „eine neue, einheitliche Baumart“

Aus unserer Sicht dienen diese Begründungen lediglich der Rechtfertigung des „Siegerentwurfs“ von Club L94. Dieser ist offensichtlich ohne ausreichende Reflektion der Örtlichkeiten entstanden, wie auch die schwierige Diskussion um den Emilienbrunnen bereits gezeigt hat.

Man kann regelrecht „dran fühlen“, wie der Volksmund sagt: Plötzlich werden Bäume krank oder sind (von der Stadt selbst!) nicht richtig eingepflanzt. Besonders krass erscheint uns die Begründung, dass Bäume gefällt werden sollen, „da die Autos immer größer werden“.

Darüber hinaus berücksichtigt das vorgesehene Konzept der „einheitlichen Baumart“ nicht, dass die Stärke einer Bepflanzung gegen Einflüsse jeder Art in ihrer Vielfalt liegt, nicht in einer Monokultur.

Insgesamt wird deutlich, dass die Bäume keineswegs gefällt werden müssen. Vielmehr wird nach Gründen gesucht, Bäume zu fällen und nicht nach Möglichkeiten, sie zu erhalten. Dass ein solcher Erhalt gut möglich ist, zeigt die Stadt selbst beispielhaft anhand eines Baumhasels, der durch eine „Standortverbesserung“ erhalten werden soll (es ist leider der einzige).

Richtiggehend schmerzhaft dabei ist es zu sehen, dass im oberen und mittleren Bereich der Schlossstraße bestehende, alte Bäume gefällt werden sollen, um sie 0,5 – 2 Meter entfernt durch kleinere, junge Bäume zu ersetzen.

Baum-Freunde hatte einige der betroffenen Bäume mit einem Trauerflor markiert. Foto: Klaus Hansen

Dabei ist zusätzlich darauf hinzuweisen, dass neu gepflanzte Bäume grundsätzlich viele Jahre benötigen, um in ihrer „Klimaleistung“ auf die der heute bestehenden, alten Bäume zu kommen. Daher hilft der Hinweis der Stadt, dass mehr neue Bäume gepflanzt werden als vernichtet, nicht weiter.

Darüber hinaus benötigen neue Bäume in den ersten Jahren ganz besonders aufwändige, teure Pflege. Ihr Überleben ist nicht sicher. Sie werden „eine lange Durststrecke haben…“, so u.a. Herr Schundau von den Grünen im Umweltausschuss am 11. September.

Sehr geehrte Vertrete*innen des Stadtrates, diese geplante Vernichtung von Baumbestand ist nicht zeitgemäß und entspricht darüber hinaus auch nicht dem aktuellen Stand der Diskussion in Bergisch Gladbach zum Klimaschutz in unserer Stadt.

Aufmerksam haben wir die Diskussion/Entscheidung am 11. September im AUKIV über die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes und zur Erklärung des „Klimanotstandes“ verfolgt. Alle Parteien schienen sich einig darin, dass Klimaschutz in Bergisch Gladbach dringend “oberste Priorität“ erhalten muss.

Der Erhalt der Bäume der Schlossstraße ist eine wirksame und überzeugende Möglichkeit, diese Priorität umgehend praktisch umzusetzen. Dabei würden nicht „nur“ das Klima geschützt, sondern gleichzeitig die Attraktivität der Schlossstraße erhöht und die Projektkosten gesenkt werden.

Kundgebung vor dem Bensberger Rathaus. Foto: Helga Niekammer

Wir möchten Sie daher ermuntern, Ihren Worten nun Taten folgen zu lassen und dazu beizutragen, die Bäume der Schlossstraße zu erhalten und unser Klima zu schützen. Es ist mehr als ausreichend Zeit dazu, auch wenn Herr Flügge etwas anderes suggeriert.

Ein weiteres großes Potential für einen nachhaltigen Klimaschutz und die Verbesserung der Aufenthaltsqualität haben darüber hinaus zwei andere, inzwischen hinlänglich bekannte Anforderungen an die Gestaltung der Schlossstraße:

  • Die geplante Dreieckstreppe unterhalb der Treppe neben der Schlossgalerie ist durch ein Beet mit Bäumen zu ersetzen. Möglicher Zusatznutzen: Kosten- und Zeitersparnis.
  • An der Nordseite der Schlossstraße sind derzeit kaum Bäume vorgesehen. Zusätzliche Bäume sind daher notwendig, u.a. als Schattenspender. Dies wurde z.B. von den Händlern mehrfach dringlich vorgeschlagen.

Auch für die Berücksichtigung dieser Verbesserungen ist ganz sicher genügend Zeit. Schließlich ist das Projekt vom ersten Spatenstich noch weit entfernt.

An dieser Stelle erlauben wir uns darauf hinzuweisen, dass die Versetzung des Emilienbrunnens offensichtlich weiterhin vorgesehen ist. Eine Aussage dazu gab es entgegen aller Ankündigungen bisher nicht, aber der in der PM dargestellte Solitärbaum hätte bei der heutigen Platzierung des Brunnens keinen Platz.

Abschließend möchten wir feststellen, dass wir uns darüber freuen, dass die Stadtverwaltung unsere kleine, fast zufällig gewählte Baum-Collage unseres Flyers in ihrer eigenen PM als Arbeitsgrundlage nutzt.

So konnte zumindest ein kleines Stück Transparenz geschaffen werden. Eine Beteiligung der Bürgerschaft bei diesem „Jahrhundertprojekt“ scheint die Verwaltung ja nach wie vor abzulehnen, ebenso wie eine Kommunikation zu Details ihrer Planung.

Wir bedauern dies sehr und würden uns freuen, wenn Sie dagegen unsere Hinweise in Ihren Diskussionen aufnehmen würden.

Mit freundlichen Grüßen

Heike Häusler Gundula Ludwig (Klima Freunde Rhein Berg)
Lothar Eschbach Knud Schauerte Hanns-Eberhard Schulze (Initiative „Berg“ / Bensberg erlebbar gestalten)

PS: Wir haben während unseres Rundganges durch die Schlossstraße am 14. Sept. „aus dem Stand“ zahlreiche Unterschriften erhalten von Bürger*innen, die unsere Forderungen unterstützen. Wir werden weitere Zustimmung suchen, um zu zeigen dass die Bürgerschaft zunehmend bewusst Anteil nimmt an der Entwicklung von Bensberg.

Weitere Beiträge zum Thema:

Klimastreik: Am Freitag geht es um lokales Handeln


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Redaktion

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4 Kommentare

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  1. Hallo Herr H a v e r m a n n , schade das Sie offenbar das „Augenzwinkern“ in meinem Kommentar wohl nicht erkannt haben…..
    Die „Bensberger-Fußgängerzonen-Akteure“ haben sich – so sehe ich es seit Jahren „aus der Ferne“ – derart „verbissen“ das es Allen abgeht es auch mal mit Humor zu betrachten…..

  2. Werter Herr Nuhn,
    ich weiß nicht, wo Sie wohnen, aber wohl nicht in Bensberg, weshalb Ihre Prosa nicht angebracht ist. Sollten Sie zu den ewig Gestrigen gehören, müssten Sie wissen, dass solche Kommentare höchstens belächelt werden. Sie geben leider ein ziemlich hinterwäldlerisches Bild von sich ab, von denen es weitere gibt, die aber inzwischen mangels Aufmerksamkeit vernachlässigt wurden. Wenn Bürger wie Sie verantwortlich für die Weiterentwicklung einer Stadt wären, würden Sie die die Stadtverwaltung Bergisch Gladbach in ihrem teils negativem Tun um Längen schlagen.

  3. Wenn man den „Tohuwabohu“ rund um die Bensberger Schlossstraße „aus der Ferne“ etwas verfolgt kann man eigentlich nur zu dem Schluß kommen das es am besten wäre wenn man alles so beließe wie es ist. Einen neuen Bitumenbelag mit schönen weißen Strichen für die vorhandenen Parkplätze, die „alten“ Bäume bleiben stehen und ganz wichtig, der völlig uninspirierende „Emilienbrunnen“ bleibt dort wo er ist (außer den „Alt-Bensbergern“ nimmt man den ohnehin kaum wahr) und die Millionen die man dann einspart verwendet man für die maroden Schulen und städtische Seitenstraßen. Der „neu entstehende „Einkaufstempel“, auf den die „Veränderungsunwilligen“ ohnehin nicht „hinzufiebern“ scheinen, hat aufgrund des eher „langweiligen und mehr als gewöhnlichen neuen Angebots im Zentrum“ ohnehin keinen derart aufwendigen Zugang verdient. Dann wären alle „glücklich und zufrieden“ (et bliev wie et waor…) und die städtischen Planungsbeamten hätten dann auch wieder „ihre Ruhe“…..

  4. Die Verwaltung und Politik in Bergisch Gladbach ist nunmehr in der Pflicht den bisher leeren Bekenntnissen zum Klimaschutz TATEN folgen zu lassen und die BÄUME zu erhalten, denn
    BAUMSCHUTZ ist KLIMASCHUTZ!