Der Protest der Betroffenen im Planungsausschuss zeigt Wirkung; der Bürgermeister schließt sich dieser Meinung an.

Im Konflikt um die Zufahrt zum geplanten Ausbau der Psychosomatischen Klink am Schlodderdeicher Weg greift Bürgermeister Lutz Urbach persönlich ein: Nun ist doch eine Strecke möglich. Sie führt nicht zwischen den Gebäuden der Gemeinnützigen Werkstätten (GWK) hindurch.

Er sei zuversichtlich, dass eine genehmigungsfähige Planung für die alternative Strecke vorgelegt werde können, erklärte Urbach am Dienstag. Die Straße soll südlich des GWK-Gebäudes zur dahinter liegenden Wiese geführt worden; eine Lösung, die GWK-Betriebsleiter Arndt Schumacher bereits vor Monaten vorgeschlagen hatte. Entsprechend zufrieden ist Schumacher jetzt.

Die Route entlang des orangenen Pfeils hatte die Stadtplanung vorgesehen, nun soll die rote Strecke entlang des südlichen GWK-Gebäudes realisiert werden. Links ist der PSK-Neubau angedeutet.

Bei der Sitzung des Stadtplanungsausschuss Anfang Dezember hatten Beschäftigte, Eltern und Mitarbeiter der GWK gegen den Plan der Stadtverwaltung demonstriert, die Zufahrt zum neuen Trakt der Psychosomatischen Klinik genau über das Teilstück des Schlodderdeicher Wegs zu führen, die von den Menschen mit Behinderung intensiv genutzt wird. Nach der FDP und den Grünen äußerten auch die anderen Fraktionen Zweifel – und beschlossen eine Vertagung.

Baurat Harald Flügge hatte zuvor erneut für die Zufahrt zwischen den GWK-Gebäuden argumentiert: der Verkehr zur Klinik und die An-/Abfahrt der Menschen mit Behinderung könne entzerrt werden. Es mache keinen Sinn, eine neue Straße zu bauen, wenn es bereits eine gebe. Zudem seien die GWK-Beschäftigen in der Lage, im Verkehr klar zu kommen. Eine Einschätzung, die von der Inklusionsbeauftragten und dem Inklusionsbeirat geteilt wurde.

Mit 36 Kleinbussen werden die meisten der 345 GWK-Beschäftigten morgens gebraucht und abends abgeholt. 

Doch dann machte der Bürgermeister das Thema zur Chefsache und kam zu einem anderen Schluss. Er habe die eigenen Stadtplaner und die Experten der Kreisverwaltung (Untere Naturschutz- und Wasserbehörde) an einen Tisch geholt, um über die Alternativlösung zu sprechen, teilt er jetzt mit.

Das Ergebnis: Die südliche Strecke könne „planungs- und umweltrechtlich realisierbar” sein. Flügge bekam den Auftrag, eine entsprechende Planung ausarbeiten zu lassen.

Proteste gegen geplanten Klinik-Ausbau

Seit Jahren will die Psychosomatische Klink ihren Standort in Lückerath ausbauen und dafür eine Suchtklinik im Oberbergischen schließen. Dagegen gibt es nach wie vor Proteste der Anwohner und der Naturschützer.

Die Strunde durchquert das Gelände am Waldrand, daher sind viele wasser- und naturschutzrechtliche Vorgaben zu berücksichtigen. Einen Ausbau der bestehenden Zufahrt entlang der Strunde bzw. nördlich der Strunde (siehe Skizze unten) hatte die Kreisverwaltung daher von vorne herein ausgeschlossen.

Behindertenwerkstatt droht mit Abwanderung

GWK-Betriebsstättenleiter Schumacher hatte von Anfang an gegen die Pläne der Stadt protestiert, die Zufahrt zwischen den beiden Gebäuden hindurch zu führen. Dann könne er für die Sicherheit der Beschäftigten (zum großen Teil Menschen mit geistiger Behinderung) nicht mehr geradestehen, die GWK müsse den Standort mit 345 Beschäftigten und 75 Mitarbeitern in Bergisch Gladbach aufgeben.

Statt dessen bot Schumacher frühzeitig an, einen Streifen des GWK-Grundstücks südlich des Verwaltungsgebäudes abzutreten, um dort die Zufahrt zu errichten. Ein Vorschlag, den die Verwaltung abgelehnt – und auch zur Überraschung der Kreisverwaltung – nicht einmal in die Vorlage für den Ausschuss aufgenommen hatte.

Auch bei dieser Lösung muss ein angemessener Abstand zur Strunde eingehalten werden. Genau das sei aber wahrscheinlich möglich, bestätigten die Vertreter der Kreisverwaltung im Gespräch mit Urbach erneut. Das müsse mit den jetzt zu erstellenden Plänen formal nachgewiesen werden.

„Eine Lösung, die allen gerecht wird”

Urbach ist zuversichtlich, dass genau das gelingen wird:„Der Abstand zur Strunde ab Gebäudekante der GWK beträgt 35 Meter. Da sollte eine Lösung möglich sein, die allen Interessen gerecht wird.”

Die Radpendlerroute – die ebenfalls zwischen den GWK-Gebäuden hindurch geführt werden sollte, wird nun auch über die alternative Strecke geführt. „Damit wäre der Schutz der GWK-Beschäftigten so umfänglich wie irgend möglich gewährleistet,“ konstatiert Urbach.

Geklärt werden müsse jetzt nur noch, wie die Kosten für die neue Erschließung aufgeteilt werden. Zudem will der Bürgermeister prüfen lassen, ob der Weg zwischen den GWK-Gebäuden zum Betriebsgelände umgewidmet wird – und damit seinen offiziellen Status als öffentliche Straße verliert.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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6 Kommentare

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  1. Urbachs Lösung ist es, den Vorschlag von Herrn Schumacher anzunehmen. Ob der Abstand zur Strunde ausreicht, muss noch im Detail geprüft werden. Aber die Natur- und Wasserschützer in der Kreisverwaltung hatten bereits ihre Zustimmung signalisiert. Inwieweit die Pläne zum Ausbau der Klinik insgesamt mit dem Naturschutz zu vereinbaren sind, ist eine andere Geschichte.

  2. Mmmmmhhhh….worin unterscheidet sich nun die Lösung von Herrn Urbach von der, die bereits vor längerer Zeit vom GWK Leiter, Herrn Schuhmacher, vorgeschlagene Möglichkeit der Straßenzufuhr?????
    Und wie ist der Plan zur Berücksichtigung des Naturschutzes??
    Ich hoffe mal, das dieser Plan auch zur “Chefsache” gemacht wird….obwohl ich hierbei leider eine sehr traurige Vorahnung habe…

  3. Der B-Plan ist noch lange nicht fertig. In der Sitzung vom 4.12. sollte der Stadtplanungsausschussdie Verwaltung beaufragen, das Verfahren zur Aufstellung des Vorhabenbezogenen Bebauungsplans unter Berücksichtigung des Ergebnisses der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung fortzusetzen.

    Dieser Beschluss ist wegen der offenen Fragen in Sachen Zuwegung vertagt worden.

    Alle Infos gibt es im Ratsinformationssystem: https://mandatsinfo.bergischgladbach.de/bi/vo0050.asp?__kvonr=28332

  4. Mir ist bis heute nicht klar, ob ein vorhabenbezogener Bebauungsplan nun fertig oder auf dem weg ist. Wenn ja, wie hat man denn die Hürde “Landschaftsschutz-Gebiet” überwunden? Dieser B-Plan sollte auf der Grundlage des alten FNP entstehen, obwohl Flügge vehement jeden Nutzen dieses alten F-lans verneinte, weshalb ja unbedingt ein neuer hermusste. Da hat er sich selbst rechts überholt.

    Dieser Erweiterungs- bzw. Zentralbau der PSK hat in einem Landschaftsschutzgebiet nichts zu suchen. Hier wird wohl wieder versucht, frühere Versprechen einzuhalten und das Stadtsäckel aufzufüllen. Mit der nun als heilbringend vorgetragene weil angeblich vom Chef kommende Lösung – womit die GWK schon lange vorher kam – fühlen sich alle besser – bis auf die Natur, die da gesetzesmäßig geschützt sein sollte. Auf welche Gesetze kann man noch hoffen, wenn es eine Verwaltung wie die in Bergisch Gladbach immer wieder vermag, sie auszuhebeln?

  5. Ein fouler Kompromiss
    Jetzt ist die optimale Lösung vom Chef persönlich auf dem Tisch: Ein für die Erweiterung ungünstiger Standort und ein mangelhaftes Planverfahren soll auf Kosten des Naturschutzes mit aller Gewalt durchgesetzt werden. Das kann man nur noch unter dem Begriff Klimakonsens verbuchen. Armes Bergisch Gladbach

  6. Ein gutes hats – Der ungünstig plazierte Glascontainer wird wohl weichen müssen.
    Ansonsten Bergischer Klüngel in Reinform und ein Trauerspiel für die Demokratie.