Der Krisenstab der Stadt hat intensiv über eine weitere Verschärfung des Versammlungsverbots beraten – und sie vorerst abgelehnt. Da sich die meisten Bürger:innen an die Auflagen halten, sei das derzeit nicht notwendig.

Der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) habe entschieden, „dass im Stadtgebiet vorerst keine weiteren Verschärfungen des Versammlungsverbots verfügt werden sollen“, teilte die Stadtverwaltung am Samstagabend mit. Es bleibe aber bei der bereits bestehenden Regelung, dass Versammlungen unter freiem Himmel weiterhin verboten sind. Das gibt bereits bei mehr als zwei Personen.

Die Ordnungsbehörde und viele der SAE-Mitglieder hätten am Samstag geprüft, ob es noch größere Menschenansammlungen gebe, sagte Bürgermeister Lutz Urbach nach der Videokonferenz mit den Zuständigen in den Fachbereichen und dem Dezernenten Frank Stein, der den Krisenstab leitet.

„Derzeit“ sei eine Ergänzung der bestehenden Allgemeinverfügung zur Reduzierung der Kontakte „für das Wochenende“ nicht geplant. Was zu Beginn der kommenden Woche geschieht ist damit weiter offen.

„Ich bin erleichtert, dass die Bergisch Gladbacherinnen und Bergisch Gladbacher die Appelle der letzten Tage weitgehend beherzigen“, sagte Urbach. „Alle weiteren Verbote schränken auch die vielen Einsichtigen und Vernünftigen in ihrem Alltag ein. Daher setzen wir in Bergisch Gladbach weiterhin auf Rücksichtnahme und Solidarität. Nur so können wir die schützen, die von dem Corona-Virus bedroht sind.“

Sollten sich Menschen dennoch unvernünftig verhalten werde die Ordnungsbehörde konsequent eingreifen. „Wir sind auf dem richtigen Weg, lassen Sie uns solidarisch sein, möglichst zuhause bleiben und Schlimmeres damit vermeiden“, appelliert der Bürgermeister.

In einem persönlichen Kommentar weist er Kritik an der Entscheidung zurück. Der Krisenstab haben zwischen der Einschränkung der Freiheitsrechte und dem Infektionsschutz abgewogen und eine angemessen Entscheidung getroffen.

Geschäfte müssen Vorkehrungen treffen

Die Stadt weist sämtliche Verkaufsstellen noch einmal darauf hingewiesen, dass alle erforderlichen Maßnahmen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts, zur Vermeidung von Warteschlangen sowie zur Vermeidung der Übertragung von Infektionen zu treffen. „Das klappt schon sehr gut“, befand Ordnungsamts-Chefin Ute Unrau.

Hetzenegger als Vorbild

Es gibt tatsächlich Modelle, um die Infektionsgefahr beim Einkaufen zu senken.

Der Edeka-Markt Hetzenegger in Sand, Herkenrath und Moitzfeld begrenzt den Zugang auf einen Kunden pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche. Zudem hat er spezielle Öffnungszeiten für Senioren, Risikopatienten und Schlüsselpersonen eingerichtet, morgens von 8 bis 9:30 Uhr. Freiwillige unterstützen ihn bei der Einhaltung dieser Vorsichtsmaßnahme.

Auch die Apotheken und Drogeriemärkte lassen jeweils nur wenige Kunden ins Ladenlokal und stellen dafür Personal an den Eingang. Mehr oder weniger von selbst wird das auch in Bäckereien und anderen Geschäften praktiziert – die Leute stellen sich draußen, in einer weit auseinander gezogenen Schlange diszipliniert auf.

Bürgersprechstunde im Netz

Am Dienstag will Urbach bei einer ersten Bürgermeister-Sprechstunde im Netz Fragen der Bürger:innen beantworten. Die Sprechstunde findet in Kooperation mit dem Bürgerportal statt und wird live auf der städtischen Homepage und bei Facebook übertragten.

Die ersten Fragen sind schon eingegangen, weitere werden per Mail unter der Adresse pressebuero@stadt-gl.de entgegen genommen. Auch während der Sprechstunde können auf Facebook Fragen gestellt werden.

„Ich bin sehr gespannt auf den Austausch, in der Regel treffe ich die Menschen im Rathaus oder auf dem Marktplatz“, sagt Urbach. Die digitale Welt mache es möglich, „dass wir in Kontakt bleiben und uns austauschen, das ist wichtig.“

Bereits am Freitag hatte sich Urbach in einer Videobotschaft an die Bürger:innen gewandt.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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11 Kommentare

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  1. @ Evelyn Barth: Volle Zustimmung!
    Ich befürchte auch, dass Ausgangssperren eher kontraproduktiv wirken können. Würde nicht das Hamsterkaufen dann noch eher zunehmen?

  2. Auch wenn mich alle verhauen: Ich halte nichts von einer Ausgangssperre. Ich habe gelesen, dass sie sich in asiatischen Ländern vielfach als Bumerang erwiesen hat. Wenn sie aufgehoben wurde, explodierten wieder die Infektionen. Wer will das?

    Eine Ausgangssperre muss scharf kontrollieret werden, sonst nützt sie nichts. Wenn also ohnehin kontrolliert werden muss, könnte man auch das bestehende Versammlungsverbot drastischer kontrollieren und konsequenter durchgreifen. Denn es kommt nicht drauf an, dass wirklich alle und jeder in seinen eigenen 4 Wänden bleibt, es kommt auf Abstandhaltung an, auf Händewaschen etc. Und wenn mal mehr Leute im Bus und beim Einkaufen Handschuhe tragen würden, wär auch schon mehr erreicht.

  3. Ich hoffe ja , das Merkel & Span bald Deutschlandweit die Ausgangssperre regeln.
    Denn ich finde , wie andere auch, das diese zwingend notwendig ist.
    Wir haben hier in Bergisch Gladbach über 100.000 Einwohner , und diese kann man nicht alle kontrollieren , ob & wieviele Gruppen sich bilden.
    Fakt ist , das z.B in Italien / Frankreich usw, die Infektionszahlen täglich explodieren.
    Meine Befürchtung ist , das bald in Bergisch Gladbach von über 100.000 Einwohner 2/3 infiziert sind. Was sollen dann unsere Krankenhäuser usw machen?
    Bei uns ist es schon 5 nach 12 und keiner handelt , jeder redet um den heißen Brei und später heißt es dann …….hätten wir das geahnt,…aber dann ist es zu spät.
    Was nützen und Bürgern sämtliche Freiheiten , Parks & Grünanlagen zum Erholen, wenn sie nach der Krise keiner mehr nutzen kann, weil keiner mehr da ist!
    Liebe Gladbacher bleibt alle Gesund , und wer weiß vielleicht gibt es ja nach der Krise mal ein riesen Bürgerfest in der City , wo wir uns dann alle wieder sehen !

  4. BRAVO LARISSA ,
    genau das schreiben wir auch schon seid Tagen, hier wird mal wieder mit der Gesundheit der Bürger gespielt !!
    Ich halte das Ausgangsverbot für sinnvoll und sollte umgehend ausgesprochen werden. Ich selber wohne an einer Hauptstraße , und man sieht immer wieder mal Gruppen von mehr als 3 Personen oder Radfahrer in Gruppen mehre als 3 Personen.
    Ich muß leider raus, weil wir einen Hund haben und bin heute gegen 13 Uhr an einem Bolzplatz vorbeigegangen , der nicht abgesperrt ist und von der Straße nicht einsehbar ist , dort waren 6 Kinder lustig Fußball am spielen.
    Das Bürger Freiheit brauchen ist ja richtig, aber was nützt uns die Freiheit , wenn bald keine oder kaum noch Bürger da sind um diese Freiheit zu nutzen

  5. Die Straßen sind leer, ja. Die Bürger halten sich dort daran, weil alle Geschäfte geschlossen sind. Aber hat jemand die Situation im Wald im Auge? Dort sind weiter Gruppen von Jugendlichen, Großeltern mit Kindern, befreundete Familien unterwegs. Eine Ausgangssperre ist zwingend notwendig!!

  6. „Für die Reduzierung gibt es wohl zwei Gründe. Zum einen ist davon auszugehen, dass das Fahrgastaufkommen deutlich zurück geht.“

    Dass seit gestern das Fahrgastaufkommen auch im Stundentakt sehr gering ist, würde ich nicht bezweifeln wollen. Aber „von etwas ausgehen“ halte ich schon für eine gewagte Aussage. Was ist wenn es anders ausgeht und morgen früh die Menschen sich auf den Bahnsteigen tummeln und alle in die S11 wollen?

    Wäre es nicht richtig gewesen, noch einmal den Montag morgen abzuwarten, sich die Frequentierung anzuschauen und dann zu entscheiden? Ich bin auch sicher, dass ab einer bestimmten Uhrzeit der Stundentakt, oder sogar geringer, überhaupt keine Probleme verursacht. Aber es gibt nun einmal Stoßzeiten. Und ob die nicht mehr vorhanden sind, dafür hätte man doch bis morgen abwarten können.

    Aber vielleicht hat man sich das auch letzte Woche schon angeschaut und weiß, dass die Bahnen zwischen 08.00 Uhr und 10.00 Uhr, 16.00 Uhr und 18.00 Uhr auch nur schwach besetzt sind. Dann ist die Entscheidung natürlich nachvollziehbar und richtig.

  7. Sehr gute Idee, wir arbeiten daran. Haben Sie – oder die anderen Leser – konkrete Hinweise auf weitere Angebote?

  8. Herr Urbach, Ihre Entscheidung und die damit für Sie verbundene Erleichterung ist absolut nicht zu verstehen. Wenn sich die Gladbacher Bürger ach so vorbildlich verhalten, was spricht dann dagegen, ein Ausgangsverbot auszusprechen? Wenn Sie den Hinweis „alle weiteren Verbote grenzen die vielen Einsichtigen in ihrem Alltag ein“ bedeutet das nichts anderes, als dass jeder nach Belieben das Haus verlassen darf. Was für
    eine hirnrissige Argumentation. Warum wird es von Ihnen nicht konkret angeordnet, so wie es viele verantwortungsvolle Politiker bereits gemacht haben. Nein, Sie wägen „Freiheitsrechte“ gegen Infektionsrisiko ab. Gewissenlos! Informieren Sie sich endlich über den Stand der Infektionen weltweit. Hier geht es ums Überleben, nicht um Freiheitsrechte.
    Zum Glück haben Sie nicht viel Kompetenz und Macht. Hoffe, dass man Ihnen bald entsprechende Vorschriften machen wird. Es sollte Kritik auf Ihre Entscheidung hageln.

  9. Welche Überlegung führte zu Einstellung des 20 Min.-Taktes bei den Fahrtzeiten der S11?

    Hierdurch wird doch spätestens am Montag morgen ein Einhalten der gewünschten Abstandsregel fast unmöglich werden, da gerade in der Zeit ab 07.00 Uhr immer noch viele Menschen zur Arbeit fahren müssen.

    Bitte jetzt nicht antworten, dass man sich das am Montag einmal anschauen will und dann ggf. reagieren muss. Denn dann könnte es für einige schon zu spät sein.

  10. Einige von Zwangsschließungen betroffenen Einzelhändler/Restaurants haben Lieferservice eingerichtet (z.B. Die Genussecke, Brauhaus am Bock). Tolle Idee und absolut unterstützenswert! Wir sollten dabei helfen unseren lokalen Geschäften über diese Zeit hinweg zu helfen.
    Wäre es möglich hier bei in-gl eine Liste dieser Geschäfte zu veröffentlichen? Das wäre toll!