Zwei Wochen Urlaub in Spanien: Da kann sich mal schnell die ganze Welt ändern. Wie es ist, in diesen Zeiten nach Bergisch Gladbach zurückzukehren.

Als ich vor zwei Wochen mit meinem Mann nach Sevilla flog, war Corona gerade erst im Rheinisch-Bergischen Kreis angekommen. Wie sich in so kurzer Zeit alles verändern kann… zu Hause genauso wie am Urlaubsort.

In Spanien schien Corona erstmal noch weiter weg als hier. Die Menschen husteten und niesten fröhlich in die Luft, die Supermärkte waren voll. Wir erkundeten die Stadt, probierten uns durch die andalusische Küche, wuschen uns nur öfter die Hände als sonst.

+ Anzeige +

„Las Setas“, die Pilze in Sevilla. Alles normal.

Nach zwei Tagen ging es mit dem Mietwagen weiter an unseren eigentlichen Urlaubsort, San Luis de Sabinillas, 100 Kilometer westlich von Málaga. Auch hier alles easy. Corona wer?

Alles wird anders

Nach einer Woche – ja, es war Freitag der 13., aber das war reiner Zufall – geht es plötzlich Schlag auf Schlag. Im Newsletter des Bürgerportals lese ich:

„Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Bund und Länder haben sich gestern Abend auf die Empfehlung geeinigt, auf alle nicht notwendigen Veranstaltungen zu verzichtet. Die Kanzlerin rät gar, Sozialkontakte auf das Nötigste zu reduzieren.“

Bis dahin hatte ich mir den Luxus erlaubt, außer dem Newsletter keine Nachrichten zu lesen. Das ist jetzt vorbei. Ich schaue mir auch die spanischen Zeitungen an und lese erschrocken, dass die Regierung den Alarmzustand ausgerufen hat.

Keine zwei Tage später stehen wir unter Hausarrest: Alle Menschen im Land dürfen nur noch raus, um zu arbeiten, einzukaufen, mit dem Hund spazieren zu gehen oder gefährdeten Personen zu helfen.

In Ermangelung an Alternativen spazieren wir jeden Tag zum Supermarkt. Hier sieht von einem Tag auf den anderen alles anders aus: Viele Menschen tragen Handschuhe, die meisten halten Abstand und beäugen sich kritisch. In den Regalen fehlen Fleisch, Eier, H-Milch und Oliven.

Passkontrolle in Köln

Am Donnerstag dann die Heimreise. Am Flughafen in Málaga: Masken, Schals im Gesicht, die Lautsprecher rufen alle paar Minuten dazu auf, mindestens einen Meter Abstand zu halten. In der Schlange zur Sicherheitskontrolle erinnern Klebebänder auf dem Boden daran.

In Köln/Bonn scheinen alle Schutzmaßnahmen vergessen. Der Bus, der uns zum Terminal bringen soll, ist voll. Ich frage den Mann in der orangenen Weste, ob da noch einer kommt. Er zeigt nur mit versteinerter Miene auf die Tür.

In der Serie „Leben mit Corona“ berichten unsere Reporter, wie sich ihr Leben verändert. Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns, siehe unten!  
Alle aktuelle Infos zum Coronavirus im Liveblog. 
# Mehr Hintergrund zum Thema auf der Schwerpunktseite.

Im Terminal bildet sich eine Schlange. Fragende Gesichter. Passkontrolle. Kennen wir kaum noch, mitten in Europa, aber die Welt ist jetzt eine andere. Jedenfalls erinnert sich niemand mehr daran, Abstand zu halten. Paare reihen sich in unterschiedlichen Schlangen ein, bis sie irgendwann von weit vorne winkt und er sich zu ihr durchquetscht (oder andersrum).

Nach der Passkontrolle – mitgehört: „Sie sind Spanier? Was wollen Sie dann hier?“ – ist der Flughafen gespenstisch leer, draußen vor der Abflugebene stehen ein paar Taxen, sehr lange, ab und zu kommt ein Auto, das war’s.

Klopapier-Lieferung in Schildgen

Wir werden von meiner Mutter abgeholt, die auch noch mit uns einkaufen fährt, damit wir uns für die nächsten zwei Wochen eindecken können. Im Schildgener Supermarkt füllen junge Leute im Akkord Regale auf.

Ich stelle fest, dass die Memes, die ich im Internet gesehen hatte, Recht haben: Klopapier und Mehl fehlen. Doch dann geschieht das Unfassbare – eine Ladung Toilettenpapier rollt herein. Die News verbreiten sich schnell unter den Einkaufenden. An der Kasse haben alle vor uns ein paar Pakete im Wagen. Die erste wird gleich zurechtgewiesen: „Jeder nur zwei!“

Rationierung von Hygieneartikeln. Geschlossene Geschäfte. Veranstaltungsverbote. Vielleicht auch hier bald Ausgangssperren. Wie sehr sich die Welt doch verändern kann in nur zwei Wochen.

Weitere Tagebucheinträge

Laura Geyer

Journalistin. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg, ein Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro. Jetzt glücklich zurück in Schildgen.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

3 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Zeitungen und vor allem die Redaktionen unterliegen keinen behördlichen Anordnungen, das ist eine falsche Informationen. Die Medien in Deutschland können ohne staatliche Einmischung frei berichten. Auch die Lokalzeitungen.

  2. Home-Office bedeutet für mich, den Kontakt zu meiner Klasse digital zu gestalten. Vier Tage hat es gedauert, bis die E-Learning-Plattform nicht mehr komplett überlastet war und meine Schülerinnen und Schüler ihre Aufgaben erhalten haben. Das nächste Problem: ohne persönliche, direkte Ansprache scheitern die meisten an den Aufgaben. Lernen ist sehr viel Beziehungsarbeit, diese ist sehr schwierig ohne persönliche Begegnung.
    Ich vermisse meine Klasse.

  3. Hi. Mein Mann und ich kamen am 19. März nach einer Woche in Sevilla am Flughafen Frankfurt abends gegen 19:00 Uhr an. Vorfeldposition. Die wartenden Busse waren gestopft voll. Keine Chance, auf anderem Weg zum Terminal zu gelangen. Dort das oben beschriebene Bild.
    Am nächsten Tag rief ich unsere Lokalzeitung sowie die Redaktionen von FAZ und Bild an. Einzig die Lokalzeitung rief zurück und wies darauf hin, dass man ‚behördlichen Anordnungen‘ unterliegt. Ich habe verstanden.