In der asiatischen Kultur hat die Papierkunst eine Jahrtausende alte Tradition. Und auch Bergisch Gladbach hegt gewisse Beziehungen zum Papier, sowohl industriell als auch kulturell. Die Corona-Krise bringt nun weitere Stilblüten in Form von Fensterrollen hervor.

Meine Nachbarin Alex feixt, als ich sie auf die Stapel an Toilettenpapier anspreche (siehe Bild). Die schmucke Gründerzeitvilla mit den herrlichen Sprossenfenstern bietet aktuell eine skurrile Außenansicht ihres Apartments. Toilettenpapier stapelt sich auf der Fensterbank. Eine ansehnliche Zahl des begehrten Hygieneprodukts. Hier war man logistisch erfolgreich.

Zu normalen Zeiten hätte man den Kopf geschüttelt, jetzt ist es ein Blickfang, der Wirkung zeigt. „Hast Du schon gesehen?“ „Die stapeln das Papier im Fenster“ „Sowas, naja, also…“ „Ui, so viel!“  Die Reaktionen der Passanten reichen von irritiert bis leicht amüsiert. Der Grund ist einleuchtend: Das Produkt – nein, die Beschaffung des Produkts – ist ja in aller Munde. Da regt die Zurschaustellung eines solchen Reichtums schon mal die Gemüter.

In der tristen Zeit wolle man auch mal Gelegenheit zum Schmunzeln geben, meint Alex, und freut sich über die Aufmerksamkeit. Neidische Reaktionen nimmt sie gelassen. Wenn die Menschen mal kurz an etwas anderes als die traurigen Seiten der Krise denken, dann sei schon viel erreicht.

Recht hat sie, obwohl der Zweck ja nicht immer die Mittel heiligt. Aber ob 100 Packungen Nudeln zu ähnlichen Reaktionen geführt hätten?

Wie ändert sich Ihr Umfeld während der Krise? Stoßen Sie auch auf Änderungen im öffentlichen Raum, die es vor der Corona-Krise nicht gegeben hätte? Schreiben Sie uns, senden Sie Bilder an redaktion@in-gl.de 

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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