Nach wie vor ist die Lage in den drei Bergisch Gladbacher Krankenhäusern ruhig. Sie haben aber ihre Abläufe angepasst und können die Zahl ihrer Intensivbetten rasch erhöhen, um Covid-19-Erkrankte zu versorgen.

Von Georg Watzlawek und Holger Crump

Die Vorkehrungen der Klinken beginnen in der Notaufnahme. Alle Wege und Bereiche sind getrennt worden: wer unter Umständen mit dem Corona-Virus infiziert ist, wird von den anderen Patienten strikt getrennt behandelt.

Das berichtet Jörg Zbick, Leiter der Unternehmenskommunikation der GFO Kliniken RheinBerg, die das Marien-Krankenaus (MKH) in Gladbach und das Vinzenz-Pallotti-Hospital (VPH) in Bensberg betreiben, am Beispiel der eigenen Häuser.

Die Stationen seien dreifach separiert worden: für Patienten mit Verdacht auf Covid-19, für Patienten mit einer nachgewiesenen Covid-19-Erkrankung sowie für die anderen Patienten.

Zu den speziell ausgestatteten Covid-Stationen habe ausschließlich ein enger Kreis des Personals Zutritt, berichtet Zbick. Diese Teams seien speziell geschult worden und behandeln ausschließlich diese Patienten. Unnötige Transporte, Behandlungen und Untersuchungen werden vermieden.

Aufstockung in einer Stunde möglich

Als kritischer Punkt bei der gesamten Corona-Krise gilt die Frage, wieviele Erkrankte in den Intensivstationen der Klinken gleichzeitig versorgen können. Auf diese Herausforderung haben die Bergisch Gladbacher Kliniken reagiert – bzw. sich darauf vorbereitet.

Am Evangelischen Krankenhaus (EVK) sind die Kapazitäten der Intensivbetten bereits erhöht worden, von 14 auf 20 teilte EVK-Sprecher Daniel Beer mit. Davon seien 15 Betten mit Beatmungsgeräten ausgestattet.

Die GFO-Klinken gehen etwas anders vor. Sie verfügen an beiden Standorte in Bergisch Gladbach zusammen bereits über 22 Intensivbetten: 10 im MKH und 12 im VPH. 14 davon (6 MKH, 8 VPH) verfügen über Beatmungsgeräte.

Jörg Zbick, Sprecher der GFO-Kliniken RheinBerg

Diese Bettenzahl ist in den vergangenen Wochen konstant geblieben, bestätigt Zbick. Aber die GFO habe dafür gesorgt, dass sie bei Bedarf an beiden Standorten um jeweils vier Betten erhöht werden kann.

Das geht „sehr schnell, in einer Stunde”, betont Zbick. Damit seien bis zu 30 Intensivbetten verfügbar, die alle mit einem Beatmungsgerät ausgestattet werden können.

Bislang wenige Covid-19-Patienten in stationärer Behandlung

Derzeit sind nur wenige Betten mit Covid-Patienten belegt, insgesamt waren Ende vergangenen Woche in allen vier Kliniken in Rhein-Berg nur 14 Betroffene in stationärer Behandlung. Wieviele davon auf einer Intensivstation liegen, teilte der Kreis nicht mit.

Die Krankenhäuser und auch die Kreisverwaltung betonen, dass es nicht sinnvoll sei, Kapazität und Auslastung einzelner Kliniken zu betrachten, weil sie sich längst regional, auf Landesebene und auf Bundesebene vernetzen, um der Herausforderung Stand zu halten.

Im Extremfall können so Patienten, die eine Beatmung benötigen, in andere Krankenhäuser vermittelt werden, die freie Kapazitäten haben, berichtet Zbick. Alle Beteiligten melden inzwischen ihre Kapazitäten an das öffentliche DIVI-Zentralregister.

Allerdings waren aktuelle Daten am Wochenanfang dort nicht abrufbar. Am 6.4. sind dort für das EVK und das VPH noch Daten vom 2. bzw. 3.4. eingetragen, beim MKH gab es eine Fehlermeldung.

Personalbestand reicht nur knapp

Zur eigenen Entlastung haben alle Krankenhäuser seit dem 16. März alle planbaren, nicht dringenden Eingriffe verschoben. Damit seien auch in den Intensivstationen Kapazitäten frei gemacht worden.

Der Personalbestand der GFO reiche derzeit aus, um die aktuell 22 Betten gut zu versorgen, erläutert Zbick. Auch im Notfall, wenn rasch auf 30 Betten aufgestockt werden muss, kämen die Kliniken kurzfristig klar. Langfristig könnten diese zusätzlichen Betten aber nur mit zusätzlichem Personal bedient werden.

Derzeit sind die Kliniken der GFO RheinBerg nur zur Hälfte belegt. Viele Pflegende und Ärzte wurden nach Hause geschickt, um zunächst einmal Überstunden abzubauen – und im Fall der Fälle ausgeruht einsatzbereit zu sein, so der GFO-Sprecher. Zudem seien Mitarbeiter aus anderen Fachbereichen in den letzten drei Wochen geschult worden; auch sie wären in der Intensivmedizin begrenzt einsatzfähig.

Materialversorgung bleibt schwierig

Die Versorgung mit Schutzmaterial sei in der GFO derzeit ausreichend. „Wir setzen unsere Ressourcen (Desinfektionsmittel, Schutzkleidung, Atemschutzmasken) sicher und ressourcensparend ein, so können wir derzeit alle Patienten und Mitarbeiter schützen” berichtet Zbick.

Die Betonung liegt dabei auf „derzeit”. Die GFO Kliniken Rhein-Berg versuchen wie alle Krankenhäuser in Deutschland mit großem Aufwand, mehr Schutz- und Hygieneartikel zu beschaffen – was angesichts der hohen Nachfrage weltweit nicht einfach ist. Dabei kann sich die GFO auf einen zentralen Einkauf stützen.

Ob und wann Materialien nicht mehr ausreichen würden sei in Anbetracht der dynamischen Situation „reine Spekulation”, sagt Zbick.

Fachkundige Helfer sind willkommen

Unterstützung aus der Bevölkerung ist bei der GFO willkommen. Masken selbst zu nähen sei zwar eine „gelungene Aktion”, diese Masken dürfen aber im Krankenhaus nicht eingesetzt werden.

Die GFO und das EVK unterstützen das neue Helfer-Portal der Rheinisch-Bergischen Kreises. Der hatte Fachpersonal (etwa in Elternzeit) und Medizinstudenten aufgerufen, sich in dem Portal anzumelden.

„Noch kommen wir gut zurecht. Für den Fall der Fällen lägen dann aber die Daten vor und müssten nicht langwierig recherchiert werden”, erläutert der GFO-Sprecher: „Wir freuen uns natürlich sehr über Helfer, wenn wir sie benötigen.”

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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