Man hört es überall: Feste Regeln helfen, den Alltag in der häuslichen Corona-Isolation gemeinsam mit seinen Kindern zu bestehen. Doch wie äußert sich dies in der Praxis? Der Kinderschutzbund im Rheinisch-Bergischen Kreis gibt Eltern Tipps, wie sie in die Verlängerung der Corona-Krise durchstarten können.

Auch wenn die Welt gerade auf dem Kopf steht und sich das Familienleben durch Schul- und Kitaschließungen, Kontaktverbot und Homeoffice völlig verändert, sollten Eltern in erster Linie den Blick auf das eigene Kind nicht verlieren. Gerade die jüngsten Familienmitglieder streben in dieser außergewöhnlichen Zeit nach Sicherheit, Geborgenheit und Orientierung im Alltag. Und dazu gehören keine kom-plexen Konzepte, sondern in erster Linie ein immer wiederkehrender Rhythmus und klare Strukturen.

Alles hat seinen Platz

Diese Strukturen sind den Kindern aus der Schule oder der Kindertagesstätte bekannt und vertraut. Dort gibt es feste Tagesabläufe vom Ankommen in der Institution, über Freispiel- oder Lernphasen zu Essenszeiten oder geplanten Angeboten. Diese täglichen Fixpunkte bilden aus Kindersicht einen festen und stabilen Rahmen, der wiederum Halt und Vertrauen suggeriert: „Hier bist du geborgen, hier hat alles und jeder seinen Platz.“

Hierzu hat der Kinderschutzbund im Rheinisch-Bergischen Kreis Tipps in einem Elternbrief veröffentlicht. Sie unterstützen bei der Strukturierung des Familienalltages. Gleichwohl gilt es dabei zu beachten, dass diese nur als Orientierung dienen und natürlich immer wieder individuell angepasst werden können.

Aufstehen zu einer festen Uhrzeit

Auch wenn man den Schulbus nicht rechtzeitig erreichen muss oder die Fahrt zum Kindergarten entfällt, bietet das Aufstehen zu festen Zeiten einen wichtigen Anfang für einen strukturierten Tagesablauf.

Zähne putzen, Körperhygiene, Anziehen

Auch wenn man nicht plant, das Zuhause in den nächsten Stunden zu verlassenen, weckt die morgendliche Körperhygiene sowie das Anziehen von Tageskleidung ein Stück Normalität in Eltern und ihren Kindern. Man sollte darauf verzichten, tagsüber einen Schlafanzug zu tragen.

Frühstück

Mit einem gesunden, gemeinsamen Frühstück kann der Familienalltag ebenfalls vereinfacht werden. Auch hierbei kann es hilfreich sein, feste Zeiten zu vereinbaren und alle Familienmitglieder in die Vor- und Nachbereitungen mit einzubinden.

Arbeitszeit/Lernphase/Freispielphase

Nach dem Frühstück beginnt evtl. die Arbeitszeit, für Schulkinder die Lern- und für Kita-Kinder die Freispielphase. Hierbei kann es sehr hilfreich sein, wenn es für diese „Tätigkeiten“ feste Räumlichkeiten/Plätze gibt.

Vormittagssnack/Kleine Pause

Sowohl im Kita- als auch im Schulalltag gibt es zwischendurch kleine Pausen, in denen etwas gegessen/getrunken und sich bewegt werden kann. Diese Pausen immer mal wieder einbauen. So steigt das Konzentrations- und Energielevel wieder.

Freies Spiel/Angeleitete Angebote

Eine Sammlung von Ideen oder Vorschlägen zum sinnvollen und kindgerechten Zeitvertreib findet sich im Netz. Hier ein paar Beispiele:

Geschwister Löwenstein: Täglich neue Bastelideen
https://www.geschwisterloewenstein.de/ideenpost/

Geolino: Spiele, Rezepte, Rätsel, etc.
https://www.geo.de/geolino

Haus der kleinen Forscher: Experimente und Forscherideen
https://www.haus-der-kleinen-forscher.de/de/praxisanregungen/experimente-fuer-kinder

Mittagessen

Auch hierbei sollten die Familienmitglieder mit eingebunden werden. Es kann z. B. auch ein Wochenplan erstellt werden, sodass sich jeder auf die bevorstehende Mahlzeit vorbereiten kann. Das Beisammensein am Tisch sollte zum Austausch, planen und lachen genutzt werden.

Gemeinsame Nachmittagsunternehmungen

Hier könnte ein gemeinsamer Waldspaziergang oder eine Aktivität im Garten eingeplant werden. Auch ein gemeinsames Sportprogramm verbindet die Familienmitglieder und sorgt für Entspannung und Ausgleich. Auch hier gibt es wieder einige ideenreiche Angebote im Netz:

Sportliche Aktivitäten für Kinder

Alba Berlin: Tägliche Sportstunde für Kita- und Grundschulkinder
https://www.youtube.com/albaberlin

Deutscher Turnerbund: Das bewegte Kinderzimmer
http://www.dtb-online.de/portal/gymcard/gymnastik-fitness/bewegung/kinderturnen/das-bewegte-kinderzimmer.html

BZgA: Spiel- und Bewegungsideen für zuhause
https://www.kinderstarkmachen.de/suchtvorbeugung/eltern/spielideen-fuer-zu-hause.html

Abendessen

Auch hier können die Aufgaben wieder verteilt werden. Der Austausch von Gefühlen, Sorgen und Eindrücken des Tages haben ebenfalls Platz am Tisch.

Abendrituale/Feste Schlafenszeiten

Besonders bei jüngeren Kinder ist es von großer Bedeutung, dass gerade die Routine am Abend immer gleichbleibend ist. Oft wird der Tag nach dem Abendessen nochmals verarbeitet und gerade dann sind feste Bestandteile haltgebend und beruhigend. Die festen Schlafenszeiten an den Wochentagen, runden einen strukturierten Tagesablauf ab.

Plan aufhängen

Wenn ein individueller Tagesplan erstellt wurde ist es wichtig, die vereinbarten Punkte aufzuschreiben und sie für alle Familienmitglieder sichtbar zu platzieren. Beispielsweise im Wohnzimmer oder in der Küche.

Besonders für Kinder im Kindergartenalter ist die Visualisierung für das Verständnis von Abläufen von großer Bedeutung. So gibt es im Internet freie Beispielbilder zum Ausdrucken, die mit den Kindern angemalt und dann der Reihe nach an einen zentralen Platz im Zuhause platziert werden kann. Durch diese Methode wissen auch Kinder, die noch nicht lesen können, was als nächstes ansteht und dies wiederum gibt Sicherheit.

Externe Hilfe nutzen

Wenn Eltern mit den momentan wirklich großen Herausforderungen an ihre Grenzen kommen, sich überfordert oder gestresst fühlen, einfach mal ein offenes Ohr benötigen, ist der Kinderschutzbund telefonisch da. Das Angebot richtet sich natürlich auch an Großeltern oder besorgte Nachbarn.

Der Kinderschutzbund
Rheinisch-Bergischer Kreis e. V.
Bensberger Str. 133, 51469 Bergisch Gladbach
www.kinderschutzbund-rheinberg.de
Telefon: 02202 – 33344

Beratungszeiten:
montags bis freitags von 9:30 – 12:30 Uhr und zusätzlich montags und dienstags von 14:00 bis 16:00 Uhr, sowie am Donnerstagnachmittag von 16:00 bis 18:00 Uhr.


Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. Hallo, das sind alles feine und richtige Tipps. Die Lernphase (“homeschooling”) funktioniert aber für kleine Kinder nur mit intensiver Betreuung, was für viele Eltern aufgrund Berufstätigkeit (“homeworking”) oder weiteren betreuungsbedürftigen Kindern nicht möglich ist. Hier fehlt es eklatant an entsprechenden E-Learning-Angeboten, die momentan konzept- und strukturlos je nach Schule gar nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Verfügung stehen. Zudem brauchen gerade die Kleinen den Austausch mit Gleichaltrigen. Mir scheint, dass unsere Kinder und damit unsere Zukunft in den bisherigen Konzepten stark vernachlässigt wurden.