Im Januar sahen sich Betriebsleiter Markus Kaptain und Bürgermeister Lutz Urbach kurz vor dem Ziel, doch daraus wurde nichts.

Nach wie vor liegen aus Sicht der Stadt nicht alle Voraussetzungen vor, um mit der Zanders Paper GmbH einen langfristigen Pachtvertrag abzuschließen. Daher wird der Übergangsvertrag ein weiteres Mal verlängert.

Der Gläubigerausschuss habe bei seiner Sitzung in der vergangenen Woche entschieden, den aktuelle Pachtvertrag um weitere zwei Monate zu verlängern. Das teilte die Zanders Paper GmbH jetzt auf Anfrage des Bürgerportals mit. Die im Ausschuss für diese kurzfristige Verlängerung genannten Anforderungen werde das Unternehmen noch in dieser Woche erfüllen.

Seit knapp einem Jahr kämpft das nach der Insolvenz neu gegründete Unternehmen um einen regulären und langfristigen Pachtvertrag mit der Stadt, der das gesamte Areal gehört. Nur mit einem solchen Vertrag kann Zanders Kredite erhalten, die das Unternehmen für die weitere Restrukturierung benötigt.

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen gibt es im Gläubigerausschuss, in der lokalen Politik und nicht zuletzt bei den skandinavischen Investoren einen starken Willen, die Fortführung des Unternehmens zu sichern.

Allerdings hatte die Stadt für den Vertrag vier Forderungen aufgestellt; vor allem ein aktualisiertes Gutachten, dass die Überlebensfähigkeit der Papierfabrik belegt, fehlt nach wie vor.

Ohne dieses Gutachten kann die Stadt – und da ist sich der Stadtrat mit der Verwaltung einig – den Vertrag nicht unterschreiben. Zu groß seien die Risiken, für finanzielle Folgen eines Scheiterns haften zu müssen.

„Notwendigen Schritte werden eingeleitet”

„Die von der Zanders Paper GmbH zu erfüllenden Voraussetzungen für den Abschluss eines langfristigen Pachtvertrages mit der Stadt liegen noch nicht vor”, stellt die Stadtverwaltung jetzt auf Anfrage des Bürgerportals fest. Daher werde es „am 01.05.2020 keinen Pachtvertrag mit der Zanders Paper geben”.

Immerhin, so die Stadt weiter, habe Zanders zugesagt, dass „die notwendigen Schritte noch in dieser Woche eingeleitet werden”. Mehr Details nennen weder Zanders noch die Stadt; beide berufen sich auf die Vertraulichkeit des Gläubigerausschusses.

Nach wie vor geht es darum, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO von der Zanders mit der Aktualisierung des Restrukturierungsgutachtens beauftragt werden muss. Auch hier hatten komplizierte Haftungsfragen zu einem monatelangen Stillstand geführt. Zudem hatte es Unstimmigkeiten über den Zugang zur Buchhaltung des Unternehmens gegeben.

Absatzlage trotz Corona gut

Zuletzt hatte offenbar auch die Corona-Krise zu Verzögerungen geführt. Nach Angaben von Zanders ist der Geschäftsbetrieb durch die Pandemie bislang aber nicht beeinträchtigt, die Produktion läuft störungsfrei.

Bei der Nachfrage nach Zanders-Produkten habe es zwar Verschiebungen zwischen den Produktgruppen gegeben, aber die Nachfrage sei nach wie vor hoch. Knapp 500 Personen beschäftigt Zanders, zuletzt waren neue Auszubildende eingestellt worden.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Na, da kam ja die Pandemie für die Stadt zur rechten Zeit. Wer will ihr vorwerfen, immer noch nicht den gewünschtenPachtvertrag abzuschließen, wenn wegen der Krise beinahe jede Branche leidet. Da kann man bei grundsätzlich unvorherbarer Zukunft keine langfristigen Verträge eingehen, die zwar eine erwartbare Folge der ständigen Aussagen, zum Unternehmen zu stehen, wären, aber die Angst vor späteren Kosten zeigen. Leider ist das die Katze, die sich in den Schwanz beist. Keine belastbare Zukunftsaussicht ohne Pachtvertrag, kein Pachtvertrag ohne verlässliche Zukunftsprognosen.