Das neue und alte Team des RBTZ: Stefan Dürselen, Jonas Geist, Birgit Engelmann, Martin Westermann, Erik Werdel, Volker Suermann

Martin Westermann war 30 Jahre lang hauptamtlicher Geschäftsführer des Rheinisch-Bergischen Technologiezentrums und noch zwei Jahre länger Wirtschaftsförderer der Stadt Bergisch Gladbach. Jetzt geht er in den Ruhestand – und ist Teil eines umfassenden Wechsels in der Führung der beiden wichtigen wirtschaftlichen Institutionen.

1992 hatte Martin Westermann sein Amt als Wirtschaftsförderer der Stadt Bergisch Gladbach angetreten, und nur ein Jahr später lag der Fall seines Lebens auf seinem Schreibtisch. Siemens Interatom kündigte an, den Standort in Moitzfeld mit 12 Hektar Fläche und 1800 Mitarbeitern aufzugeben. Eigentlich eine Katastrophe für die Stadt, die sich am Ende aber dann doch weitgehend als Glücksfall herausstellte. Woran Westermann seinen Anteil hatte.

+ Anzeige +

Stadt, Kreis und Kreissparkasse fanden mit der Lammerting Immobilien Gruppe einen Investor, der das Interatom-Gelände in einen Technologiepark umwandelte. 1994 gründeten Stadt, Kreis, Kreissparkasse und Köln in diesem Technologiepark das Rheinisch-Bergische Technologiezentrum (RBTZ) – um die Ansiedlung von Gründern in Moitzfeld zu fördern. Hauptamtlicher Geschäftsführer wurde, zusätzlich zum Job bei der Stadt, Martin Westermann.

Technologiepark und Technologiezentrum in Bensberg, Bergisch Gladbach
Der Technologiepark in Moitzfeld. Archiv-Foto: RBTZ

Und sowohl der Technologiepark wie das RBTZ wurden zu Erfolgsgeschichten. Die erste gelungene große Konversion Bergisch Gladbachs, mit Wirkung weit über die Stadt hinaus. 300 Unternehmensgründungen wurden dort initiiert, rund 100 davon siedelten sich dort über die Jahre hinweg auch an, einige wuchsen weit darüber hinaus, insgesamt schufen sie Tausende von Arbeitsplätzen.

Aus dem archiv

TechnologieZentrum treibt TechnoPark und regionale Wirtschaft voran

Mit dem Zanders-Areal steht Bergisch Gladbach vor der Aufgabe, ein wenig genutztes Industriegelände zukunftsfähig zu machen. Genau das ist der Stadt vor 26 Jahren schon einmal passiert: 1994 schloss Siemens Interatom in Moitzfeld, Tausende Arbeitsplätze waren weg, riesige Nutzflächen standen leer. Jetzt feiern dort das TechnologieZentrum und der Technopark den 26. Geburtstag – und einen großen Erfolg.

Research Instruments wächst über den Technologiepark hinaus

Die High-Tech-Schmiede Research Instruments gehört zu den unbekanntesten und erfolgreichsten Unternehmen Bergisch Gladbachs. Vor 27 Jahren im Technologiepark gegründet macht es jetzt den Sprung ins Gewerbegebiet Obereschbach, baut dort für 20 Millionen Euro neue Fertigungshallen und schafft weitere Arbeitsplätze.

Miltenyi Biotec legt Grundstein für weiteres Wachstum

Der Bergisch Gladbacher Stammsitz des Biotech-Unternehmens wächst und wächst: Mit der Grundsteinlegung hat Miltenyi die Basis für das bereits siebte Gebäude auf dem Bockenberg gelegt. Es wird insgesamt vier neue Gebäuderiegel umfassen. Dort sollen Laboratorien, Reinräume und eine eigene Mikrochip-Produktion einziehen.

Biogenius wird mit kleinen Tieren stetig größer

Biogenius gehört zu den unbekannten Erfolgen des Technologieparks Moitzfeld: Auf 800 Quadratmetern gegründet wächst das Laborunternehmen jetzt auf 3100 – und erlaubt einen Blick in die hochgesicherten Arbeitsräume.

Drei Geschäftsführer gehen, zwei kommen

Martin Westermann verabschiedet sich nun, nach drei Jahrzehnten, in den Ruhestand. Und seine beiden langjährigen Mit-Geschäftsführer gehen mit: Erik Werdel, im Hauptberuf Kreisdirektor, wird neuer Chef der Handwerkskammer in Köln. Und auch Stefan Dürselen, Technologieberater der Kreissparkasse, gibt die Aufgabe in Moitzfeld auf.

Allerdings, darauf wies Bürgermeister Frank Stein in seiner Dankesrede bei der Verabschiedung am Donnerstag hin, hinterlasse das Triumvirat ein gut bestelltes Feld. Bis zuletzt hätten die drei Geschäftsführer an einem Zukunftskonzept für das Technologiezentrum gearbeitet. Und auch die Nachfolge ist längst geregelt, aus dem Trio wird ein Duo.

Jonas Geist und Volker Suermann führen künftig das RBTZ

Volker Suermann, seit zehn Jahren Geschäftsführer der Rheinisch-Bergischen Wirtschaftsförderung (RBW, unter dem Dach der Kreisverwaltung) ist bereits seit Jahresanfang in die Geschäftsführung des RBTZ eingestiegen.

Jonas Geist, bislang bei der Stadt Bergisch Gladbach für die Zanders-Immobilien zuständig, wird ab dem 1. Mai ebenfalls Geschäftsführer des RBTZ. Gleichzeitig tritt er die Nachfolge von Westermann auch in der Stadt an und wird Leiter der Wirtschaftsförderung.

Hintergrund: Die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH (RBW)

versteht sich als Partner der Unternehmen und Kommunen im Rheinisch-Bergischen Kreis. Sie hilft in den Bereichen Gründung, Gewerbeflächenservice, Fördermittel, Innovations- und Technologieförderung, Nachhaltig Wirtschaften, Fachkräftesicherung und -marketing, Standortmarketing sowie Unternehmensentwicklung und -nachfolge.

Gesellschafter sind der Rheinisch-Bergische Kreis (51 Prozent), seine Städte und Gemeinden sowie die regionalen Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Hintergrund: Die Wirtschaftsförderung der Stadt Bergisch Gladbach

sieht sich ebenfalls als Dienstleister und Partner der Wirtschaft. Sie unterstützt ansässige Unternehmen, berät Existenzgründungen, fördert Unternehmernetzwerke, unterhält eine Gewerbeflächenbörse und gibt einen monatlichen Wirtschaftsnewsletter heraus. Mehr Infos auf der Website.

Das neue Konzept ist in Arbeit

Damit ist die personelle Zukunft des Technologiezentrums geklärt. Wie es inhaltlich mit der Institution weitergeht, ist allerdings noch nicht bekannt. Alle Gesellschafter erklärten zwar, weiter voll hinter der Aufgabe zu stehen, Unternehmensgründer zu unterstützen. In welcher Form das geschieht, wird im Zukunftskonzept des RBTZ stehen.

Mehr dazu wollen die neuen Geschäftsführer und Gesellschafter in den kommenden Wochen bekannt geben. Einen Punkt verriet Stein jedoch schon vorab: Als zweites Standbein soll es eine „Außenstelle“ geben, und zwar in der Innenstadt von Bergisch Gladbach. Dass als Standort dafür das zweite große Konversionsprojekt der Stadt, das Zanders-Areals, in Frage kommt, liegt nahe.


Für das Protokoll: In seiner Abschiedsrede nannte Martin Westermann vier Faktoren, die seine Arbeit erst möglich gemacht hätten. Erstens die Gesellschafter der RBTZ (Kreis, Stadt, Kreissparkasse, IHK), die der Glaube an die Region eine und bis heute an ihrem ursprünglichen Ziel festgehalten hätten: Die Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Zweitens die privaten Eigentümer des Technologieparks, die immer gut mit dem RBTZ zusammenarbeiteten. Die Gründer und Gründerinnen, die die Chancen ergriffen und sehr viele Arbeitsplätze schufen. Und schließlich seinem Team im Backoffice unter Leitung von Birgit Engelmann, das ihm immer den Rücken (und auch den Parkplatz) frei hielt.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.