Rudi Batesta, Inhaber der Naschbar, baut weiter aus.

Es gibt wenig trostloseres als Restaurants und Kneipen, wenn die Gäste verschwunden sind und das Licht angeht. Das ist seit Montag in der gesamten Gastronomie der Fall. Auch in der Naschbar. Doch Inhaber Rudi Batesta geht kreativ gegen die Krise an. Wie – das hat er dem Bürgerportal erzählt.

Wer in Bergisch Gladbach zum Essen ausgeht, kennt die Naschbar. Spezialisiert auf Tapas, bietet sie zudem Catering, Events und Club-Abende. Danach sieht es an diesem Tag in der ersten Woche des 2. Lockdowns jedoch nicht aus. Draußen geht ein Wolkenbruch nieder, drinnen sind die Stühle sind hochgestellt. Eine Diskokugel dreht alleine ihre Runden und malt müde Lichter an die Wand. Auch die Augen von Rudi Batesta funkeln – jedoch voller Tatendrang.

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Der Gastronom betreibt die Naschbar seit rund 15 Jahren – und musste am Sonntag zum zweiten Mal in diesem Jahr die Türen des Lokals schließen. Hochzeiten fallen weg, Aufträge von Hotels für das Catering, Weihnachtsfeiern der Firmen oder Hochzeitesgesellschaften und Club-Abende. Nichts geht mehr.

Die Außenplätze sind in der Pandemie besonders beliegt – und jetzt auch winterfest.

Von Resignation jedoch keine Spur. Er will auch diese Phase durchstehen, macht er im Gespräch deutlich, und zeigt sich optimistisch. Das hat verschiedene Gründe.

Hoffen auf Hilfe für Gastronomie

So seien den Gastronomen 75 Prozent des Umsatzes aus dem Vorjahresmonat als Hilfe angekündigt worden. „Die Hilfe steht im Raum, sie soll im November kommen“, sagt er. Kurze Zweifel an den Ankündigungen der Politiker klingen an, denn es sei z.B. noch nicht klar, ob er einen Teil der Soforthilfe aus dem Frühjahr erstattet müsse.

Corona Special

Die Zweifel wischt er jedoch rasch vom Tisch. Zwar müsse seine Branche derzeit die Hauptlast im Corona-Kampf schultern. „Wenn es dafür jedoch 75 Prozent des Vorjahresmonats als Unterstützung gibt, dann ist das fair”, meint er.

Dass gebe es in keinem anderen Land. Er habe Gastronomie-Erfahrung auf den Balearen gesammelt: „Anderswo in Europa ist Schluss wenn kein Umsatz da ist, hier wird der Gastronomie unter die Arme gegriffen, da will ich mich nicht beschweren.”

Investition ins Angebot – und eine Winterlounge

Seine Gäste hätten zudem in der Pandemie immer wieder den Wunsch nach Tischen im Freien geäußert. Dem ist er gefolgt und hat im Sommer krätig investiert. Rund 30.000 Euro sind in den Außenbereich rund um den Eingang geflossen, den er als Winterlounge vor drei Wochen geöffnet hat. Fünf Tische sind auf diese Weise zusätzlich entstanden und ergänzen die elf Tische im Innenbereich.

Die Winterlounge bietet Heizstrahler, Lammfelle und 200 Fließdecken für die Gäste. Hinzu kommt je ein Tischfeuer pro Sitzgruppe. Eine gläserne Windschutzkonstruktion aus Sicherheitsglas hält den Wind ab. Schirme schützen gegen die Witterung. Feuertonnen mit Naschbar-Logo sorgen für zusätzliche Stimmung.

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„Das lief gut an, wir konnten alle Tische rund zweimal am Abend belegen”, schildert Rudi Batesta. Bei Tischreservierungen seien die Außenplätze eigens angefragt worden: „Draußen oder garnicht, hieß es bei den Anrufen oft”, schmunzelt Batesta über den Erfolg seiner Winterlounge.

Dann kam der zweite Lockdown, und die Naschbar legte mitsamt der Winterlounge wieder eine Vollbremsung hin. Was nun?

Winter-Weihnachts-Lounge mit Baum

Die Naschbar-Feuertonne bekommt bald Gesellschaft durch einen Weihnachtsbaum

„Die Lounge lief super an, wir bauen das aus”, erzählt Batesta und kündigt an, den Außenbereich während des Lockdown im November um weitere Tische für zwei Personen zu erweitern. Rund 6.000 Euro will er dafür nochmals investieren. „Die Chancen stehen fifty-fifty, dass wir ab Dezember wieder öffnen können, dann soll hier alles perfekt sein.”

Passend zur Adventszeit will er im erweiterten Außenbereich eine Art Christmas-Lounge anbieten: „Mit einem 3,5 Meter hohem Tannenbaum, stimmungsvollem Schmuck, guter Musik, leckerem Glühwein, Stehtischen und Service am Tisch”, kündigt er an. Er könne schnell reagieiren. Die Lager seien wieder aufgefüllt, innerhalb von drei Tagen wäre er wieder „auf Betriebstemperatur” und könne vollen Service bieten.

Hilfe ohne Rückzieher

Die Vorbereitungen laufen im November, „jetzt haben wir dafür Zeit.” Ein zusätzlicher Außer-Haus-Verkauf während des Lockdowns sei jedoch keine Option. „Das müsste extrem gut laufen, um die Kosten für Mitarbeiter, Waren, Strom etc. wieder einzunehmen”, macht er deutlich.

Nun setzt er auf die angekündigte Hilfe ohne Rückzieher, wie er sie für die erhaltene Unterstützung im Frühjahr befürchtet. So ganz traut er dem Braten indes nicht und hat vorsichtshalber auch schon seinen Vermieter angeschrieben mit der Bitte, die Monatsmiete im November zu stornieren. Es zählt jede Hilfe.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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2 Kommentare

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  1. Das ganze Corona Gejammer geht allmählich auf den Geist. Für mich wäre nur noch eins interessant, was in der Nachwelt im Buch der Geschichte über den Ablauf dieser Pandemie steht. Aber leider werde ich das nicht mehr lesen können.

  2. Tolle Idee lieber Rudi, ich drücke Dir ganz feste die Daumen, dass wir uns unter dem Weihnachtsbaum einmal über die tollen Tage der Gladbacher Kneipennächte unterhalten können.