Mit einem stillen Stelldichein haben 15 Vertreter:innen der regionalen Kulturbranche vor dem Bergischen Löwen auf ihre schwierige Lage aufmerksam gemacht. Der Lockdown sei nicht nur für einzelne Künstler:innen existenzbedrohend, er beschädige die Kultur insgesamt. Eine Fotoreportage.

Die Aktion war von Roman Salyutov, Pianist, Leiter des Sinfoniorchesters und Kulturmanger, angeschoben worden. Gut 15 Kulturschaffende aus Musik, Theater, bildende Kunst und Veranstaltungsbranche versammelten sich am Sonntag vor dem Bürgerhaus Bergischer Löwe zum Protest und bildeten mit eine Reihe von kleinen Installationen, Performances und Plakaten selbst eine Kunstinstallation unter freiem Himmel.

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Die Kultur sei völlig unverschuldet getroffen worden, sagte Roman Salyutov in einer kurzen Rede. Es sei falsch, sie mit Freizeit gleich zu setzen und sie komplett still zu legen. Das sei eine „unverhältnismäßige und unfaire Maßnahme“. Salytov betonte aber auch, dass sich die Aktion nicht grundsätzlich gegen die Corona-Schutzmaßnahmen richte.

Gerd J. Pohl trägt den Beerdigungsmantel eines Priesters, eine Filzhut als Anspielung an Joseph Beuys und die Siebbrille als Hommage an den Fluxuskünstler Hingstmartin. Der liegende Gong ist ein Zeichen für das Verstummen des Theatergongs.

Auch Gerd J. Pohl, Leiter des Bensberger Puppenpavillon, stellte klar, dass er hinter den allgemeinen Maßnahmen wie der Maskenpflicht stehe. Den Teil-Lockdown der Kultur sehe er jedoch als einen „Nebelkerzen-Aktionismus einer ängstlichen, ahnungslosen und beratungsresistenten Politik, die sich auf Kosten der Kulturschaffenden einen entschlossenen und beherzten Eindruck verschaffen will“.

Die Puppenkiste bleibt zu, nur Kaspers Zipfelmütze schaut noch heraus.

Die Kunst habe ebenso wie die Religion Verfassungsrang, daher sei es nicht nachvollziehbar, dass die Kirchen geöffnet, die Theater aber geschlossen seien. (Pohl hat eine ausführliche persönliche Stellungnahme veröffentlicht, siehe Dokumentation unten.)

Dokumentation: Stellungnahme von Theaterleiter Gerd J. Pohl

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Horrende Preise? Man kann schon gute Konzerte ab 10 Euro besuchen und darf daher nicht alles nur an den Bayreuther oder Salzburger Festspielen messen. Vieles gibt’s auf Spendenbasis, es gibt dazu genug Ermäßigungen, sodass sich im Prinzip JEDER Bürger kulturelle Aktivitäten leisten kann. Somit ist der Vorwurf völlig unberechtigt und realitätsfern.

  2. Die Klagen des Herrn Pohl sind verständlich und auch berechtigt. Aber hat Herr Pohl die von ihm selbst vorgebrachten Zahlen mal bewusst betrachtet? Da wird gesagt, dass eh nur 5% der Bevölkerung Kultur “konsumiert”. Wieviel der restlichen 95% würden gerne mal ein gutes Konzert oder Theater besuchen, wenn die horrenden Eintrittspreise dies möglich machen würde, der Bürger aber die Kultur mit seinen Steuern ein Leben lang mitfinanziert? Und wie soll der Normalverdiener unter diesem Gesichtspunkt Kultur seinen Kindern vermitteln?