Ein Jahr nach Beginn der Pandemie in Deutschland zieht unser Autor Klaus Hansen in einem „Brief an meine Freunde“ ein erstes Fazit. Corona habe schonungslos aufgedeckt, welche gravierenden Versäumnisse sich schon zuvor angehäuft hatten. Auch das Management der Krise sei nicht gerade optimal gelaufen.

Hinweis der Redaktion: Dieser Text bezieht sich ausdrücklich nicht speziell auf Bergisch Gladbach oder den Rheinisch-Bergischen Kreis. Aber was er kritisiert, war und ist auch hier vor Ort zu spüren. Daher stellen wir den Beitrag hier zur Diskussion

Ein Brief an meine Freunde

Corona hat schonungslos aufgedeckt, welche gravierenden Versäumnisse sich in unserer Republik angehäuft haben. Die Anforderungen an eine moderne Gesellschaft haben wir schon vor einiger Zeit verpasst.

Das Vertrauen in die Handlungen der Bundesregierung und der verschiedenen Landesregierungen schwindet. Und das in einem entscheidenden Wahljahr. Es fehlt nach wie vor an klaren Aussagen über die mögliche Dauer und die Auswirkungen der Krise. Stattdessen erleben wir immer wieder Hangelei und Rangelei, das Propagieren falscher Hoffnungen, das Fehlen klarer, offener Aussagen. 

Vertrauensverlust

Bereits früh setzte Vertrauensverlust ein, weil Masken anfangs als untauglich zum Schutz vor Corona dargestellt wurden. Der wahre Grund: Es gab nicht genügend Masken. Heute sind sie in der Öffentlichkeit etc. Pflicht. Sie sollen zu über 90 Prozent schützen.

Klaus Hansen. Selbstportrait

Corona-App-Flop

Eine Software, entwickelt mit großem Aufwand, die gar nicht auf ältere Geräte geladen werden kann. Damit werden gut 20 bis 30 Prozent der Menschen außen vor gelassen. Denn die älteren Geräte sind meist in den Händen älterer Menschen – also den Hochrisikogruppen. Einige haben nicht einmal ein Smartphone. Die Jüngeren haben die modernsten Smartphones. 

Also ein teurer Flop, gerade, wenn es um den Schutz der Alten geht.

Beim Nachdenken hätten diejenigen, die den Auftrag vergeben haben und die Entwickler selbst auf dieses Problem stoßen können. Konzeptionslos. Unkreativ.

Hotspots 

Bis heute ist nicht verlässlich bekannt, von wo die wirklichen Hotspots ausgehen: Kitas? Schulen? Märkte? Geschäfte? Restaurants? Theater und Museen? Unternehmen? Verwaltungen? Seniorenheime? Kliniken? Unter Jugendlichen? Unter Alten? 

Warum gibt es keine koordinierte Forschung? Unfassbar. Es waren mehrere Monate Zeit.

Orts-, Kreis- und Ländergrenzen

Die Einteilung nach Orts-, Kreis- und Ländergrenzen ist offenkundig nicht zu Ende gedacht. Das Virus kümmert sich nicht um Ortsschilder. 

Zur Bekämpfung der Hotspots wären Untersuchungen nach verdichteten Siedlungsräumen sinnvoll, weil sie dort und im großstädtischen Raum über die jeweiligen Grenzen hinweggehen (Beispiel: Mainz in Rheinland Pfalz und Wiesbaden in Hessen – getrennt nur durch Brücken über den Rhein), Hamburg, Berlin und natürlich im dichtbesiedelten NRW. Auch Bergisch Gladbach geht in Brück nahtlos in Köln über.

Dazu kommen die Pendler entlang aller neun Außengrenzen.

Föderalismus

Ich stelle mir ein Unternehmen vor, das 16 Filialen hat. In jeder Filiale gibt es eine eigene Software – man ist nicht richtig kompatibel untereinander. Gleichzeitig versuchen einzelne (ganz schlaue) Filialleiter, eigene Wege zu gehen – augenscheinlich auch, um sich zu profilieren. Land unter.

Der Wirrwarr betrifft die Gesundheitsämter, betrifft die Schulen

In Gesundheitsämtern wird z. T. noch mit Faxen gearbeitet. Und offensichtlich ist niemand in der Lage, Mitarbeiter an Wochenenden zum Dienst zu verpflichten. Und nur in 100 von 400 Gesundheitsämtern gibt es eine gemeinsame Software. Kaum zu glauben.

Diese in Deutschland entwickelte Software wird seit zwei Jahren in afrikanischen Ländern erfolgreich eingesetzt.

Schulen: Es gibt keine einheitliche Software für Lernstoffe. Stattdessen von Schule zu Schule, von Stadt zu Stadt, von Regierungsbezirk zu Regierungsbezirk, von Land zu Land alles Mögliche. Unmöglich. Änderung nicht in Sicht.

Nach wie vor gibt es keine leistungsfähige digitale Struktur in den meisten Schulen: Lehrer können (oder wollen) nicht, haben keine Endgeräte (2021!), vor Ort gibt es keine leistungsfähigen Server oder WLAN-Verbindungen. 

Der Sommer 2020 wurde nicht genutzt, Technik zu organisieren. Entwicklungsland Deutschland.

Schüler aus schwierigen sozialen Verhältnissen sind stark benachteiligt, da sie meist keine brauchbaren Endgeräte haben und im ‚Homeschooling’ von überforderten Eltern keine Hilfestellung erwarten können. Bildung nach ist wie vor und sogar verschärft sozial abhängig. Ein Skandal.

Das Beispiel der überforderten Schulministerin in NRW zeigt: Anstatt von engagierten Lehrern, Eltern und Schülern entwickelte Modelle für einen entzerrten Präsenz- und Distanzunterricht in der Krise zu fördern, wurden solche Experimente aus formalen Gründen untersagt. 

Armutszeugnis.

Die Argumentation über eine „verlorene Generation“, nur weil ein wenig Unterrichtsstoff ausfällt, scheint erheblich übertrieben. Sie sagt aber etwas über die Selbsteinordnung, Selbstüberschätzung der Lehrer und ihrer Verbände aus. 

Anders ist es bei den Kleinen in Kitas und Grundschulen, die soziale Kontakte, Zuwendung und persönliche Beziehungen zu ihren Betreuerinnen und Betreuern brauchen.

Datenschutz und die Suche nach Hochrisikopatienten

Geradezu hysterische Verhaltensweisen im Datenschutz verhindern effizientes Vorgehen (dabei bin ich für einen kontrollierten Datenschutz). 

Die Krankenkassen haben natürlich alle relevanten Daten (Alter, Vorerkrankungen, Adressen). Nur der Austausch zwischen ihnen und Behörden klappt nicht reibungslos.

Und ein ziemlich unkontrolliertes privates Unternehmen wie die Schufa hat die wichtigsten Daten gespeichert. 

Chaos bei Impfterminen und Impfstoffen

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ist nicht dafür bekannt, dass sie Großveranstaltungen auf digitaler Basis organisiert. Sie ist völlig überfordert, vergibt die Organisation der Terminvergabe aber nicht an Externe, die es könnten. Warum eigentlich nicht?

Anstatt kleinteilige Altersgruppen zur Terminvergabe nacheinander einzuladen, ist man überrascht, dass in Bergisch Gladbach 23.000 über 80jährige (in Köln über 100.000) sofort einen Termin haben wollen. Das Netz bricht erwartungsgemäß zusammen.

Die Engpässe bei Impfstoffen sind ein besonderes Kapitel. Das lasse ich weg. Nur so viel: Der inzwischen zugelassene Impfstoff AstraZeneca wurde vielleicht nur attackiert, weil er Monate zu spät bestellt worden ist. Verunsicherung. Vertrauensverlust.

Impfstoffe bzw. die richtige Dosierung für Menschen unter 18 Jahren müssen erst noch getestet und freigegeben werden. Bis dahin dürfen Jugendliche eigentlich nicht infektiös werden.

Überlastung der Menschen in den Kliniken 

Es ist eine Schande, dass es nicht von Seiten des Bundes und der Länder größere Anstrengungen zur Entlastung und Wertschätzung (z.B. Entlohnung, Prämien etc.) gibt. Vielleicht stellen wir uns wieder abends an die Fenster, um zu klatschen. Und folgen zusätzlich der Empfehlung des Bundespräsidenten und stellen brennende Kerzen auf. 

Kommunikation

Anstatt von Seiten der Politik klare Botschaften zu senden, ist die Aufklärung der Bevölkerung den Medien überlassen worden. 

Von Politikern kommen (Föderalismus, Wahlkampf) sich widersprechende Botschaften und Signale. Auch Signale der Hoffnung, wo sie nicht angebracht sind. Zur Erinnerung: Die verlogene sentimentale Aussicht auf ein ‚Weihnachtsfest im trauten Kreis der Familie mit anschließender Christmette’. Obwohl das für immer weniger Menschen in unserem Land zutrifft.

Wegen der fehlenden klaren Botschaften der Politik äußert sich heute auch jeder Medienschaffende mehr oder weniger gut informiert zum Thema.

In den AIDS-Kampagnen der Länder und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) in den 80er- und 90er-Jahren wurden Botschaften entwickelt, die den Menschen bei dem neuen bedrohlichen HIV-Virus eine Orientierung zum eigenen und den Partner-Schutz geben konnten und gleichzeitig die beginnende Hysterie verhindern sollten. 

Zur Erinnerung: Gauweiler wollte „Homosexuelle wegsperren“. Dagegen standen der NRW-Slogan „Rettet die Liebe, Stoppt Aids. Kondome schützen“ und etwas später die Aussage der BzgA: „Gib Aids keine Chance. Kondome schützen.“ 

Die aktuelle Botschaft zur Bekämpfung von Corona lautet „Deutschland krempelt die Ärmel auf“ (damit geimpft werden kann). Platter geht es kaum.

Selten ein Wort davon, dass und wie wir künftig mit diesem Virus und seinen Mutanten werden leben müssen – wie mit dem HIV-Virus. 

Globalisierung

Das gemeinsame Vorgehen in Europa und darüber hinaus global ist das einzig richtige und vernünftige Handeln. Ethisch, moralisch und wirtschaftlich. 

Wenn z.B. Afrika nicht rechtzeitig Impfstoffe bekommt, bekommen wir hier mutierte und mutierende Viren zurück.

Fazit

Dies ist nur eine Zusammenstellung der wichtigsten Defizite. Für den zu impfenden Hochrisikopatienten, der versucht, einen Impftermin zu bekommen, ist es übrigens egal, auf welcher Ebene die Versäumnisse passieren.

1. Von einer Digitalisierung der Verwaltung und der Schulen sind wir in unserem Land weit entfernt. Als Beispiel verweise ich auf die skandinavische Länder und Estland. Spannend. Dort sieht man, was alles möglich ist. 

2. Wir werden dringend eine Diskussion über den Föderalismus in Krisenzeiten, die Bildung in Deutschland und einen praktikablen Datenschutz führen müssen.

3. Die Öffnung von Kultureinrichtungen (Konzerthallen, Theater, große Museen – gut klimatisiert und durchlüftet) ist überfällig. Die (viel zu) späte und magere Unterstützung der Kulturschaffenden ist unverzeihlich. Aber – diejenigen, für die Kultur nicht wirklich wichtig ist, vermissen auch keine. 

Neuntausendsiebenhundert Millionen Euro (9,7 Mrd.) für die Lufthansa in einer ersten Marge Mitte 2020 waren kein Problem. Und hier warten Ende Januar 2021 Selbständige und Künstler noch immer verzweifelt auf die Novemberhilfen.

Bazooka.

4. Politiker, die gern erklären, wie gut Deutschland ist (Wir haben die besten Ingenieure, die besten Schulen, die beste Infrastruktur, die besten Autos, die besten Straßen, die beste Versorgung etc.) werden künftig hoffentlich weniger vollmundig auftreten. Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt ist Mittelmaß. 

5. Notwendig wäre auch eine schonungslose, offene und ehrliche Diskussion über die zu erwartende Dauer der direkten Bedrohung, wie es für einzelne Bereiche und Branchen weitergeht, wie vor allem die Kosten sozial gerecht getragen werden sollen. 

6. Mit dem schwindenden Vertrauen wird das Tor für die rechten Populisten weit geöffnet. Und das im Wahljahr.

Bleibt negativ und kommt gut durch die Krise.

Herzliche Grüße, Klaus Hansen

PS: Beim Gedanken an die noch größere Katastrophe des Klimawandels und den Versuch der Verlangsamung durch dieses z. Z. amtierende politische Personal bekomme ich Beklemmungen. Dabei haben wir nur noch wenige Jahre Zeit.

Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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15 Kommentare

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  1. Herr Stoll,
    herzlichen Dank, dass Sie auf meine Kritik an der ungeeigneten Corona-App vom 1. Februar heute reagieren: Die Informationspolitik der Bundesregierung (Bringschuld) war in dieser Frage intransparent. Bis heute.
    Es gab zum Beispiel keine Pressemitteilung an die Medien, dass ältere Geräte erst ab einem bestimmten Gerätetyp/Jahrgang geeignet sind und damit die besonders zu beschützenden Hochrisikogruppen nicht auf diese Weise mit einer App teilnehmen konnten.
    Es hätten Wege der Information gefunden werden müssen. Das war und ist unkreativ. Konzeptionslos. Die Zettelwirtschaft (datenschutzkonform?) hat die Versäumnisse im digitalen Zeitalter schonungslos offengelegt.

  2. Bzgl: „Corona-App-Flop“
    Bevor man mit Attributen wie „Konzeptionslos“ und „Unkreativ“ um sich wirft, wäre eine kleine Recherche und etwas technisches Verständnis nützlich gewesen.
    Bestimmt ist nicht alles an der Corona-App toll oder toll gelaufen, aber die nötigen technischen Voraussetzungen für das datenschutzkonforme Funktionieren der App sind bei alten Geräten einfach nicht gegeben. Da kann man so viele Konzepte haben wie man will oder so kreativ sein bis dorthinaus, es geht einfach nicht.

  3. Wer jetzt noch nicht begriffen hat, dass diese Pandemie allein auf medizinischen Wege nicht zu beherrschen ist, hat noch nicht tief genug ins Glas geschaut. Denn im Wein steckt Wahrheit nur allein.

  4. „Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt“ – nach der Krise werden wir das nicht mehr sein, bei dem Regierungsversagen. Und es muß auch neu über Brüssel diskutiert werden, hier hat man zigtausend Tote verursacht

  5. Danke an den Autor, aber die Liste der Versäumnisse ist länger als hier aufgeführt und reicht bis in die Zeit vor der Pandemie. Eigentlich bin ich aber dafür, Manöverkritik erst nach Bewältigung einer Problemlage anzusetzen. Allerdings scheint es mir angesichts der auch im jüngsten „Corona-Gipfel“ demonstrierten Kritikunfähigkeit doch notwendig einige Punkte zu beleuchten: „Jetzt ist es nun einmal so“. Eine ähnlich unbefriedigende Charakterisierung der Lage habe ich von unserer Regierungschefin schon bei einer anderen schwerwiegenden Problemlage gehört. Surprise, surprise, jetzt braucht man tatsächlich leistungsfähige Produktionsanlagen für die Impfstoffproduktion ? WER hätte das ( VORHER ) gedacht ? Das politische Versäumnis besteht vor allem darin, dass man den ganzen Sommer 2020 Zeit für Planungen verschenkt hat. Natürlich ist Impfstoffproduktion komplex. Das ist aber nicht erst seit heute bekannt. Man wusste schon im Sommer, dass die nach Phase1 u. 2-Studien aussichtsreichsten Vakzin-Kandidaten von Start-Up- bzw. eher kleineren Forschungs-Unternehmen kommen die nicht über die für eine schnelle effiziente Bekämpfung der Pandemie ausreichende Produktionsinfrastruktur verfügen. Es war also ein schwerwiegendes politisches Versäumnis, nicht schon den Sommer für den Aufbau einer entsprechenden Produktions-Infrastruktur zu nutzen. In USA wurde das im Rahmen des von Trump veranlassten WARP-SPEED-Programms für die aussichtsreichsten Vakzin-Kandidaten schon ab Juni 2020 begonnen. Ich vermisse vielfach die vorrausschauende Planung statt des ständigen Hinterherlaufens. In solchen Zeiten vermisse ich schmerzhaft Macher-Typen wie Helmut Schmidt, die diese Lage wohl besser in den Griff bekommen hätten.

  6. @G.Kramer: Das Gegenteil von Föderalismus ist nicht Diktatur. Demokratien sind in vielen Ausprägungen denkbar, ohne dass jede Region ihr eigenes Süppchen kocht. Im übrigen ist zu unterscheiden zwischen „Normalbetrieb“ und der aktuellen Pandemie. Eine einheitliche Handhabung oder gar Strategie ( von der hier wohl kaum gesprochen werden kann ) würde Profilierungsattitüden – oder auch Unvermögen – Einzelner verhindern und Leben retten. Und nur darum geht es mir.

  7. Da hast du einige wichtige Punkte genannt :) In vielen Punkten gebe ich dir Recht.

    Bedenke aber:
    Eine Pandemie kann man nicht berechnen. Genauso wie das weitere Pandemie-Geschehen. So sehr wir auch daran arbeiten an Kontakt-Rückverofolgung und Forschung am Virus. Man kann eine Pandemie nicht berechnen weil es unglauchlich viele Faktoren da in gegenseitiger Wechselwirkung aufeinandertreffen die man nicht kennt.
    Wir wissen alle nicht wie es weiter geht. Und daran ändert auch eventuell kein Impfstoff etwas.
    D.H: Es kann sein, dass die Maßnahmen noch bis Sommer gelten. Oder noch länger.

    Zudem wissen die Politiker ja auch nicht viel mehr als die normalen Menschen. Selbst die WHO hat ja am Anfang nicht so viel gewusst. Im Nachhinein fällt einem immer etwas ein was man hätte anders machen können. Aber das bemisst man ja immer mit aktuellem Wissensstand.
    Ich weiß noch als man sich letztes Jahr zu Karneval noch über das Corona-Virus lustig gemacht hat. Und Tage danach stellte sich heraus, dass in Heinsberg plötzlich die Sache hier anfing. :) Zu der Zeit wusste man nicht viel über das Virus. Selbst das RKI hat damals sogar abgeraten Masken zu tragen.
    Und schnell entwickelte sich dann das Geschehen und man wusste wie Ernst die Lage wirklich war.

    Und genauso unübersichtlich war auch die Kommunikation. Hatten wir damals vor wenigen Wochen noch Feste mit 100.000 Menschen gefeiert, durfte man plötzlich nur noch zu 3 oder zu 2 unterwegs sein.

    Was das Thema Verschwörungstheorien angeht. Zum einen lässt sich eindeutig feststellen, dass jeder oft insgeheim nach einem schuldigen sucht.
    Für die einen war es die Pharmaunternehmen, für die anderen die Querdenker, für andere waren es Eliten und für andere waren es Politiker (Trump, Bolsonaro, Boris Johnson usw), für andere war es Bill Gates oder die Who selber.

    Dinge sind nun mal komplexer als wir es gern hätten. Aber die Pandemie gibt besten Nährboden für Verschwörungstheorien da:
    -Viele Grundrechte und Freiheiten in kurzer Zeit eingeschränkt wurden
    -Viele Menschen starben
    -Einige sogar an dem Elend Geld verdient haben
    -Unklare Lage und abweichende Kommunikation
    usw.

    Lassen wir uns mal überraschen was noch alles kommt. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass es auch weiterhin viel Chaos geben wird.
    Ohne das jetzt irgentwie zu werten.

    Ich hoffe auch dass das schnell vorbei geht. Tut es aber nicht. So ist es nun mal

    Bleibt Gesund :)

    Fabian Bosbach (Pseudonym)

  8. @Vera Düsing
    gMag der Föderalimus in dem jeweiligen Einzelfall nachteilig sein: insgesamt bin ich für den Föderalismus! Es gibt in vielen Dingen nicht das ersehnte Entweder/Oder.
    So verteilen sich die Chancen, dass in den verschiedenene Ländern gute Leute etwas erreichen können bzw. das Risiko, dass e i n e Leitende Regierung einheitlich alles verbaselt! Die Wahrscheinlichkeit für eine (ersehnte) Diktatur durch eine(n) Gute(n) ist mir zu gering.

  9. Ich gebe Ihnen in vielem Recht Herr Hansen, jedoch passiert Ihnen leider auch, was der Politik täglich im Zusammenhang mit Corona passiert: Das System Schule wird, bis auf einen kurzen Hinweis auf die soziale Spaltung bei sozial benachteiligten Schülern, nicht zur Kenntnis genommen.

    Ich arbeite vor allem mit Jugendlichen in Abschlussjahrgängen und ich darf Ihnen versichern, dass diese sich nicht als „verlorene Generation“ sondern als „vergessene Generation“ sehen. Und das ist auch nicht erheblich übertrieben. Junge Menschen, die am Anfang Ihres Berufsleben stehen, werden in vielerlei Hinsicht aufs Abstellgleis geschoben. Besorgte, zutiefst verunsicherte und frustrierte Jugendliche erlebe ich täglich, die Angst vor der Zukunft haben.

    Die Aussage von Frau Gebauer „Der Distanzunterricht funktioniert wunderbar, und an den Schulen, an denen es nicht klappt, sind wir im Gespräch“ ist ein Schlag ins Gesicht für die vielen Jugendlichen, bei denen gar nichts funktioniert (und vieler Eltern, die unter der Doppelbelastung berufstätig und gleichzeitig Lehrer sein zu müssen, zusammenbrechen – aber das ist ein anderes Thema). Es würde sehr helfen, in Deutschland auch mal zur Kenntnis zu nehmen, dass es noch mehr Schulen als Gymnasien und Grundschulen gibt (wobei es auch da leider sehr oft nicht reibungslos abläuft und schwer wieder aufzuholende Bildungslücken bleiben), und dass es noch mehr Gründe gibt, als schlechtes Internet oder schlechte Endgeräte, weshalb der Distanzunterricht nicht funktioniert.

    In Berufskollegen beispielsweise finden zur Ausbildung gehörende, und wichtige Praxisteile nicht mehr statt – ersatzlos gestrichen. Auszubildende z.B. aus Gastronomie, oder Hotellerie sitzen seit November zu Hause und tun nichts! Und sie fühlen sich wertlos und frustriert dabei. Es grenzt an Sarkasmus, das, seitens der Regierung, als Heldentum zu deklarieren! #seieinheld

    Dabei könnte auch hier viel mehr möglich gemacht werden, wenn dezidierter agiert würde – gerade im System Schule. Es gäbe Lösungen, wenn man bereit wäre, über den Tellerrand zu sehen, und auch endlich erkennen würde, dass diese (noch so gar nicht lukrative ) Zielgruppe unsere Zukunft ist. In jeder Hinsicht!

    Wie in Kindergärten mit Notbetreuung hätte Unterricht beispielsweise weiter präsent stattfinden können, mit den Schülern, die nicht in der Lage sind, Distanzunterricht umzusetzen. Wie gesagt, es gibt viel mehr Gründe, als schlechtes Internet oder schlechte Endgeräte, weshalb diese Unterrichtsform nicht funktioniert. Dieser Live-Unterricht hätte per Livestream an die Schüler übertragen werden können, die gut von zuhause arbeiten können. Wenn das Internet der Schule dafür nicht taugt, hätte mit Kostenübernahme durch die Regierung den Lehrern ein Handy zur Verfügung gestellt werden können, welches als Hotspot fungiert. Und schon hätte es funktioniert. Eine Win-Win-Situation für alle.

    Stattdessen gibt es – zumindest in Grundschulen – eine Notbetreuung in der Schule, in der Kinder nur verwahrt werden und in der kein Unterricht stattfindet, so dass die Schülerinnen und Schüler den Unterricht am späten Nachmittag bis Abend nachholen müssen, weil die Eltern, die eine Notbetreuung in Anspruch nehmen, eben erst zu diesem Zeitpunkt zuhause sind. Eine Farce – und eine Zumutung für Kinder und Eltern!

    Mit einer logisch-systematischen Organisation hätte der oben vorgeschlagene Hybridunterricht problemlos umgesetzt werden können. Die Räumlichkeiten und die Lehrer sind vorhanden (die im Übrigen auch lieber Präsenz- als Distanzunterricht durchführen).

    Gleiches gilt für die Lüftungsanlagen, die einen virenfreien Unterricht ermöglicht hätten. 500€ hätte das pro Klassenzimmer gekostet. Das ist jedoch zu teuer – die Alternative: „gehen sie ans Fenster und machen sie ein paar Kniebeugen, wenn ihnen kalt ist“. Das macht fassungslos und wütend!

    Solidarität ist keine Einbahnstrasse!

    Es wird dringend Zeit, den Fokus endlich mal wieder auf die Kinder und Jugendlichen zu legen, die zwar körperlich vom Virus nicht so stark getroffen werden, die aber gleichzeitig geprägt werden von einem Umfeld aus Sorge, Angst, Existenzverlusten und der Angst, auf andere Menschen zuzugehen, weil sie gefährlich sein könnten.
    Es wird Zeit, diesen psychischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, denn mir gehen die Argumente aus, wenn Jugendlichen vor mir stehen und mich fragen, wann ihr Leben denn weitergeht, solange die einzige Strategie Lockdown heisst.

  10. Als die Stadt Solingen mit ihren Schulen den Hybridunterricht erproben wollte, nachdem die Voraussetzungen dazu geschaffen waren, untersagten die Betonköpfe des Schulministeriums dieses Modell. Heute wäre das Ministerium froh, wenn es auf Erfahrungswerte aus Solingen zurückgreifen könnte, um den Schülerinnen und Schülern einen Teilpräsenzunterricht zu ermöglichen. Fazit: Nicht alles, was ein Schulministerium anordnet, ist von Vernunft geleitet. Und die Kinder und Jugendlichen baden es aus!

  11. Sehr guter Beitrag! Aktuell scheint ja an der geringen Lieferung der Impfstoffe nichts zu ändern zu sein, aber schon in den nächsten Wochen werden genug Dosen kommen. Darauf darf nun jedes Land höchst unterschiedlich vertrauen.
    Mich beunruhigt und ärgert am meisten, dass in dieser Situation der Föderalismus mit aller Macht aufrecht erhalten wird. Es ist nicht nachvollziehbar, dass in unseren Bundesländern die Impfquote zwischen 82% ( Mecklenburg-Vorpommern) und zum Beispiel 51% ( NRW) schwankt. Entweder ist es richtig, nur die Hälfte der Impfdosen zu verimpfen oder man schützt so schnell wie möglich die Bevölkerung und hält nur einen kleinen Teil zurück. Angesichts der hohen Zahl der Todesfälle müsste diese Entscheidung klar sein. Unser Gesundheitsminister Laumann ist da wohl einer der ganz ganz Vorsichtigen – er hält offenbar auch nichts davon, zukünftig (mit Moderna oder AstraZeneca) durch die Hausärzte impfen zu lassen, obwohl das viel besser zu organisieren wäre, als durch die KV – das regt mich auf!

  12. Ja, es sind die Menschen wie Herr Hab den, die unser Land kaputt machen. Welchen positiven Beitrag- außer polemischer, ätzender Rundumkritik – hat dieser Mensch zur Bewältigung der Pandemie oder zum Zusammenhalt det Gesellschaft geleistet?

  13. Herr Hansen hat alles auf den Punkt gebracht. Deutschland ist mittlerweile ein Entwicklungsland. Und das Versprechen unserer Frau Merkel, dass bis Ende September alle geimpft werden können, ist lediglich eine Beruhigungspille.

  14. Vieles was Herr Hansen zur Diskussion stellt, kann man bei Wahrnehmung der Medien und der politischen Entscheidung als bestätigt ansehen. Was mir auffällt, es wird nur über Impfstoffe geredet. Aber Aussagen über die Forschung nach wirksamen Medikamente für die Behandlung der Kranken sind kaum hörbar. Aber gerade die werden doch notwendig, wenn wir mit dem Virus leben müssen was wahrscheinlich ist. Zumal, wo doch ca.80 % der Infizierten nur leicht bis mittelschwer erkranken.

  15. Alles auf den Punkt gebracht. Aber gibt es nicht noch das größte Versäumnis, dass nämlich Corona-Viren seit SARS 1, also seit 18, 19 Jahren bekannt sind und die Forschung nicht genügend Geld hatte, um Medikamente oder Impfstoffe als Gegenmittel zu entwickeln? Das Geld haben wir in die Kölner Oper, den Flughafen Berlin-Schönefeld usw. gesteckt. Was früh versäumt wird, rächt sich bitterlich. Das wird auch beim Klimawandel nicht anders sein, wenn wir schon 18, 19 Jahre für den Kohleausstieg benötigen.
    Herbert Putzmann, Bergisch Gladbach Schildgen