Bis zuletzt hatte die Evangelische Kantorei Bergisch Gladbach gehofft, die Johannespassion an Karfreitag in der Kirche zum Frieden Gottes aufführen zu können. Die Andacht findet nicht statt, doch das Konzert, kombiniert mit einer Lesung, wird nun vom KulturKurier ausgeliefert. Begleitet wird die Kantorei durch das Gamben-Ensemble pellegrino.

Video: Joshua Murat. Fotos: Thomas Merkenich

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Die Corona-Pandemie hat auch die Aufführung des Konzerts der Evangelischen Kantorei Bergisch Gladbach im Rahmen einer Andacht an Karfreitag verhindert. Geprobt und gesungen wurde unter strengen Corona-Auflagen dennoch. Nur fand das Konzert allein für die Kameras des KulturKuriers statt. Immerhin: so erreicht es sehr viel mehr mehr Zuschauer- und Hörer:innen.

Pfarrerin Jennifer Scheier

Auf dem Programm steht, nach der Begrüßung von Pfarrerin Jennifer Scheier in der Kirche zum Frieden Gottes, die Johannespassion von Joachim von Burck (1546 – 1610) nach dem Evangelium von Johannes. Gesungen von der Evangelischen Kantorei unter Leitung von Susanne Rohland-Stahlke.

Der Passionstext wird von Norbert Gerth gelesen, wir dokumentieren den Text weiter unten zum Nach- und Mitlesen.

Hinweis der Redaktion: Bei Proben und Produktion herrschten in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt strikte Hygiene- und Abstandsregeln, alle Musiker:innen hatten sich zuvor Schnelltests unterzogen, die Masken wurden nur für den Auftritt mit großem Abstand abgenommen.

Sie können alle Fotos per Klick groß stellen.

Das Konzert schließt mit einem kurzen Choral von Johann Eccard: „O Lamm Gottes unschuldig“. Gespielt wird es vom Ensemble Pellegrino. Die vier Musiker unter Leitung von Holger Faust-Peters spielen auf Renaissance-Gamben des Kölner Gambenbauers Michael Pilger, eine echte Rarität.

Mitwirkende

Mitglieder der Evangelischen Kantorei Bergisch Gladbach

Gamben-Ensemble pellegrino:
Holger Faust-Peters, Diskant-Gambe
Ute Faust, Alt-Gambe
David Schütte, Tenor-Gambe
Sofia Diniz, Bass-Gambe

Musikalische Leitung: Susanne Rohland-Stahlke

Lesung: Norbert Gerth

Dokumentation:

Joachim von Burck (1546 – 1610): Die Deutsche PASSION

Das ist die Historia des Leidens unseres Herrn Jesu Christi nach dem Evangelisten Johannes

Höret das Leiden unsers Herrn Jesu Christi aus dem Evangelisten Johannes.

Teil I: Gefangennahme Jesu, Verhör durch die Hohenpriester, Verrat des Petrus

Jesus ging mit seinen Jüngern über den Bach Kidron, da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jünger. Da nun Judas zu sich hatte genommen die Schar der Hohenpriester, kommt er dahin mit Fackeln und mit Waffen. Jesus aber ging hinaus und sprach zu ihnen: „Wen suchet ihr?“ Sie antworteten ihm: „Jesum von Nazareth.“ Jesus spricht zu ihnen: „Ich bin’s.“ Da wichen sie zurücke und fielen zu Boden. Jesus sprach zu ihnen: „Suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen.“Da nahmen sie Jesum und bunden ihn und führeten ihn aufs erste zu Hannas, danach zu Kaiphas, der den Juden riet, es wäre gut, dass ein Mensch würde umbracht für das Volk.

Die Johannespassion wird gelesen von Norbert Gerth

Simon Petrus aber folgete Jesu nach. Und als er in des Hohenpriesters Palast kommt, spricht eine Magd zu ihm: „Bist du nicht dieses Menschen Jünger einer?“ Er sprach: „Ich bin’s nicht.“

Der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete ihm: „Ich habe frei, öffentlich geredet für der Welt und habe nichts im Verborgnen geredt. Was fragest du mich darum?“ Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei stunden, Jesu einen Backenstreich und sprach: „Solltest du dem Hohenpriester also antworten?“ Jesus aber antwortete: „Hab ich übel geredt, so beweise es, dass es böse sei, hab ich aber recht geredt, warum schlägst du mich?“

Teil II: Verhör durch Pilatus, Geißelung und Verspottung, Verurteilung

Da führeten sie Jesum gebunden von Kaiphas vor das Richthaus. Und Pilatus ging zu ihnen heraus und sprach: „Was bringet ihr für Klage wider diesen Menschen?“ Sie antworteten und sprachen zu ihm: „Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet.“ Da sprach Pilatus zu ihnen: „So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetze.“ Da sprachen die Juden zu ihm: „Wir dürfen niemand töten.“

Pilatus ging wieder in das Richthaus und rief Jesu: „Bist du der Juden König?“ Jesus antwortet: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Pilatus spricht zu ihm: „So bist du dennoch ein König?“ Jesus antwortet: „Du sagest’s, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt kommen, dass ich die Wahrheit zeugen soll.“ Spricht Pilatus zu ihm: „Was ist Wahrheit?“ 

Darnach spricht er zu den Juden: „Ich finde keine Schuld an ihm. Wollt ihr nun, dass ich euch der Juden König losgebe?“ Da schrieen sie allesamt: „Nicht diesen, sondern Barrabam!“ Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn.

Und die Kriegsknechte flochten eine Krone von Dornen und satzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurkleid an und sprachen: „Sei gegrüßet, lieber Judenkönig!“ und gaben ihm Backenstreiche. 

Pilatus führete ihn heraus und sprach: „Siehe, welch ein Mensch!“
Die Hohenpriester und die Diener schrieen: „Kreuzige ihn! Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. Und lässest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht.“ Da Pilatus das hörete, führet er Jesum heraus und spricht zu den Juden: „Sehet, das ist euer König!“ Sie schrieen aber: „Weg, weg mit dem, kreuzige ihn!“ Spricht Pilatus zu ihnen: „Soll ich euren König kreuzigen?“ Die Hohenpriester antworteten: „Wir haben keinen König denn den Kaiser.“

Teil III: Kreuzigung, Maria und Johannes, Tod Jesu, Glaubenszeugnis

Pilatus überantwortete Jesum, dass er gekreuziget würde. Die Juden aber nahmen Jesum und führeten ihn hin. Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißet Schädelstätt.

Allda kreuzigten sie ihn, und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesum aber mitten inne. Pilatus aber schrieb eine Überschrift auf sein Kreuze: “Jesus von Nazareth, der Juden König.” Die Kriegsknechte aber nahmen seine Kleider und machten vier Teile, auf dass erfüllet würde die Schrift, die da saget: „Sie haben meine Kleider unter sich geteilet und haben über meinen Rock das Los geworfen“. 

Es stund aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und der Jünger, den er lieb hatte. Und Jesus sprach zu seiner Mutter: „Weib, siehe, das ist dein Sohn.“ Darnach er zu dem Jünger: „Siehe, das ist deine Mutter.“

Als nun Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er: „Mich dürstet.“ Und sie fülleten einen Schwamm mit Essig auf einem Rohr hielten es ihm dar zum Munde. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: „Es ist vollbracht.“

Und neiget das Haupt und verschied.

Conclusio: Wir glauben, lieber Herr: mehre unsern Glauben!

Hintergrund: Der #Kulturkurier … 

… ist seit der ersten Corona-Welle in der Bergisch Gladbacher Kulturszene unterwegs, bietet den Künstlern eine Chance, sich zu präsentieren – und bringt Ihnen die lokale Kultur frei Haus. Dabei handelt es sich um ein Projekt der Redaktion des Bürgerportals gemeinsam mit lokalen Künstlern und lokalen Experten für audiovisuelle Medien: Die Videoproduktion liefert Joshua Murat (Motivfilm), Thomas Merkenich ergänzt die Berichte mit seine Foto-Porträts.

Wenn Sie Wünsche haben, wen oder was Sie beim #KulturKurier gerne sehen möchten, melden Sie sich bitte bei der redaktion@in-gl.de.

Alle Beiträge des Kulturkuriers

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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