Nach den Weihnachtsferien sollen sich Lehrer:innen selbst auf Corona testen, so der Plan der Landesregierung. Die Selbsttests stoßen jedoch auf Kritik. Eine Reihe von Punkten sind nach Ansicht von Schulleiter:innen in Bergisch Gladbach nicht geklärt. Dafür haben sie einige Tipps aus der Praxis.

Die geplanten Tests sollen die Gesamtzahl der Abstriche erhöhen. Bislang sah das Land drei Tests pro Lehrer:in vor, zwischen Herbst- und Winterferien. Durch die geplanten Selbststests könnte die Frequenz im neuen Jahr gesteigert werden, Infektionsherde rascher erkannt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden.

Konkretes liegt dazu auf Landesebene noch nicht vor, obwohl der Bund die Tests vergangene Woche angeregt hatte. „Schnelltests sollen nach den Winterferien schnellst möglichst zum Einsatz kommen. Die offenen Fragen werden zeitnah geklärt. Details zur Umsetzung wird die Landesregierung rechtzeitig bekannt geben”, erklärt eine Sprecherin des Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) in Düsseldorf auf Anfrage des Bürgerportals.

Nicht jede/r Lehrer:in mag sich von Kolleg:innen untersuchen lassen, Foto: Mufid Majnun/Unsplash

Testen Lehrer Schüler?

Infos solle es vor den Winterferien geben, eine für vergangenen Freitag angekündigte Verordnung des MAGS gibt es mit Verweis auf die noch offenen Details noch nicht. Ungeklärt ist unter anderem, welche Tests zum Einsatz kommen oder wie die Testgergebnisse bekannt gegeben werden. Ob die Lehrer:innen für Tests bei den Schüler:innen eingesetzt werden könnten ist ebenfalls noch offen.

Dem Vernehmen nach soll es an den Schulen so genannte „Gesundheitsbeauftragte” geben. Diese/r sollen die Schnelltests vor Ort durchführen. Egal ob nun jede/r Lehrer:in den Abstrich selbst oder durch eine/n Kolleg:in durchführen lässt – der Plan stößt auf Skepsis.

Keine Kapazitäten

„Was sollen Schulen denn noch alles leisten”, fragt Nicole Schuffert vom Berufskolleg Kaufmännische Schulen (BKSB). An ihrer Schule in Heidkamp werde es keine Lehrer:innen geben, die sich dieser Verantwortung stellen würden und sich dem erhöhten Infektionsrisiko aussetzen wollten.

Offen sei, ob die Tests zulasten des Unterrichts gingen. Man sei froh wenn das Pensum überhaupt abgedeckt werden könne, erklärt Schuffert. Mitglieder des Kollegiums würden zudem „einen Abstrich durch einer anderen Kollegin/Kollegen im Rachenraum oder Nasenraum ablehnen.”

„Jeder Lehrer sollte die Möglichkeit haben, sich in einem Testzentrum in einer kürzerer Warteschlange oder im Gesundheitsamt testen zu lassen. Für mich (sind Selbsttests) eine völlig unrealistische Forderung bzw. Idee, die nicht umsetzbar ist”, bilanziert Schuffert.

Tests für die Schulen sind derzeit noch nicht verfügbarm aber die Debatte über die Schnelltests von Lerher:innen ist entbrannt, Foto: Macau Photo Agency/Unsplash

Ungeklärte Fragen

An der Otto-Hahn-Realschule könne man direkt starten, erklärt Schulleiter Felix Bertenrath. „Wir haben eine Kollegin, die für das Rote Kreuz ehrenamtlich Abstriche vornimmt.” Doch auch für Bertenrath bleiben eine Reihe von Fragen offen:

„Woher kommen die Tests? Wer holt sie ab und bringt sie ins Labor? Wer teilt das Ergebnis über welches System mit? Wie lange dauert es, bis das Ergebnis da ist? Wird hier nur Arbeit wieder einmal in das System Schule verlagert und der Bevölkerung als tolle Idee vermittelt?”

Flächendeckende Tests seien nach seiner Auffassung sinnvoll um Infektionsherde zu erkennen. Zudem müssten die Ergebnisse zügig vorliegen. Hier habe seine Schule leider gemischte Erfahrungen gemacht.

Einsatz professioneller Unternehmen

Ein beauftragtes Unternehmen habe in der OHR rund 100 Tests bei Lehrer:innen, Hausmeister, Sekretärinnen und Mitarbeitern der Übermittagsbetreuung durchgeführt. Nach 24 bis 36 Stunden seien die Testergebnisse verfügbar gewesen. Ein anderes Mal sagte das Unternehmen ab, bei der darauffolgenden Testung ließen die Ergebnisse fünf Tage auf sich warten.

Mittlerweile sei man bei 20 Stunden zur Mitteilung des Testergebnisses angelangt. Sein Vorschlag Richtung Düsseldorf: „Wir brauchen also keine Selbsttests, sondern professionelle Unternehmen, die in der Schule abstreichen, die Proben zügig ins Labor bringen, ein gutes System der Testergebnismitteilung haben, ein Labor im Hintergrund, dass die entsprechenden Kapazitäten hat, die Tests umgehend auszuwerten.”

Aufmacherbild von Elchinator auf Pixabay

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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3 Kommentare

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  1. In den vergangenen 85 Lenzen ging ich immer dann zum Arzt , wenn ich mich krank fühlte. Dieser gab dann gab die Anweisung zurück nach Haus ins Bett oder Pille schlucken und weiter zur Schule oder auf die Arbeit. Warum das jetzt auf einmal alles anders ist, ich weiß es nicht, aber ahnen kann ich es schon. Jedenfalls kann ich Frau Schinkel , welche sich kritisch gegenüber den Schnelltest verhält, verstehen.

  2. Ich als Lehrkörper würde mich weigern. Dazu gehört mehr als ein Stäbchen einzuführen. Demnächst sollen wir dann kleine OPs auch selber machen.

  3. Was dieser Koalition aus Schwarz und Geld einfällt, wird auch immer kurioser.

    1.: Die Entnahme des Abstrichs ist nicht ganz trivial. Bei sich selbst bekommt man das vermutlich nicht so hin, dass hinterher auch eine verwertbare Probe vorliegt. Bei falscher Entnahme (nicht tief genug) bekommt man praktisch immer ein negatives Ergebnis (aber das kann halt auch falsch negativ sein und wiegt Leute in falscher Sicherheit)
    2.: Gibt es überhaupt Schnelltests, die für die Abstrichentnahme durch Laien zugelassen wären?
    3.: Die Idee, Laien könnten bei anderen Personen tiefe Nasen- oder Rachenabstriche vornehmen, grenzt an staatlich verordnete Körperverletzung.